Planet Fellowship (de)

Monday, 29 June 2015

Die Schulen Sachsen-Anhalts, der Finanzminister und Microsoft

Don't Panic » Deutscher Planet | 23:00, Monday, 29 June 2015

Das Land Sachsen-Anhalt steht kurz davor, einen Vertrag mit Microsoft zu unterzeichnen, der vorsieht alle staatlichen Schulen des Landes künftig mit Microsoft Diensten und Programmen auszustatten. Die bisherige Absichtserklärung ist besonders prekär mit Blick auf den Datenschutz aller Lernenden, Lehrenden und Mitarbeitenden. Zudem unterstützt der Staat damit eine Produktbindung junger Menschen an verschlossene IT Lösungen.

Eigentlich hätte eine derart weitreichende Entscheidung – das Errichten einer einheitlichen, zentralisierten Schul-IT – durch ein Übereinkommen von Kommunen, dem Kultusministerium sowie dem Datenschutzbeauftragten besiegelt werden müssen. Weil ihm deren Zustimmung aber vielleicht zu unsicher war, hat der Finanzminister Sachsen-Anhalts, Jens Bullerjahn (SPD), jedoch kurzerhand im Alleingang einen Absichtserklärung über eine “Partnerschaft des Landes Sachsen-Anhalt und der Microsoft Deutschland GmbH” unterschrieben – ohne vorab die anderen Entscheidungsträger zu konsultieren.

Auch sonst schien es dem Finanzministerium lange Zeit wichtig zu sein, die konkreten Verhandlungen lieber geheim zu halten. Obwohl die Absichtserklärung bereits im März erstmals bekannt gegeben wurde ergab im April eine Anfrage auf fragdenstaat.de zur “Partnerschaft zwischen Microsoft und dem Land Sachsen-Anhalt” lediglich ein vollkommen geschwärztes Dokument zur “Einsicht” zurück. Seit kurzem aber ist das Dokument endlich veröffentlicht und daraus zitiert:

“Als eine der ersten Maßnahmen wird hierbei ein zentraler Verzeichnisdienst (Active Directory, Sicherheits- und Identitätsmanagement) begründet, der alle Akteure in der Bildungslandschaft einschließt, gleich ob Lehrende, Lernende oder sonstige Verwaltungsmitarbeiter […] Das Ministerium der Finanzen verantwortet und gestaltet die strategische Architektur, den zentral gesteuerten Aufbau, den Betrieb und die Weiterentwicklung dieser Kernkomponente”


Der angesprochene “zentrale Verzeichnisdienst”, also das “Microsoft Active Directory” dient dazu, allen Geräten innerhalb eines verwalteten Netzwerks Zugriffe oder Beschränkungen zu erteilen. Zum Beispiel ob der User XY Admin- oder nur normale Nutzungsrechte bekommt, oder ob der Besitzer eines Gerätes Zugriff auf das Kursmaterial XY bekommt. Problem: dummerweise bevorteilt das Microsoft eigene Active Directory auch die hauseigene Windows-Software. Die Einbindung von Konkurrenzprodukten, beispielsweise die Integration von Unix-ähnlichen Systemen wie Linux ist oft nur eingeschränkt möglich. Im schlimmsten Falle kann ein Lernender gar nicht die gestellten Unterrichtsmaterialien herunter- oder hochladen, weil er ein nicht-Windows Gerät benutzt und ihm das Active Directory dafür nicht die richtigen Gruppen-Berechtigungen setzen kann. Es entsteht ein Druck sich für den Fall der Fälle besser mindestens eine Windows-Maschine, Phone oder Tablet zu besorgen.

“Ein Rahmenvertrag mit Microsoft Irland für das Schulwesen in Sachsen-Anhalt kann allen schulischen Institiutionen inklusive deren Schülern, Lehrkräften und Mitarbeitern die Nutzung der zentralen Bildungsinfrastruktur ermöglichen: Kernbestandteil ist ein IT-Lern- und Lehrarbeitsplatz, der auf der Plattform Office 365 und der vom Ministerium der Finanzen geschaffenen zentralen digitalen Infrastruktur basiert.”

Kernbestandteil aller IT baut also auf Office 365, die Büroanwendungssoftware der Firma Microsoft. Bei der Verwendung von Office 365 werden standardmäßig alle Dokumente “in die cloud” geladen. Und wir reden hier nicht nur von Lehr- und Lernmaterial aus dem Unterricht. Sondern auch von den Dokumenten der “Mitarbeitenden” und damit der Schulverwaltung. Die wiederum verwaltet äußerst persönliche Daten, zudem Auskünfte über Eltern und Geschwister. Diese Dokumente landen dann am Ende auf den Servern von Microsoft, die wiederum in Irland stehen. Auf Servern einer Firma, die bekannt dafür ist, großzügig mit der NSA kooperiert zu haben. Das ganze in Irland, das dafür bekannt ist es mit dem Datenschutz nicht so streng zu nehmen wie andere Länder in Europa.

“Microsoft Irland bietet über die Plattform IT-Academy produktspezifische Trainings und weltweit anerkannte Microsoft-Zertifierungen, die von Lehrern, Schülern und Mitarbeitern an der Schule genutzt werden können.”

Innerhalb des Rahmens einer öffentlichen, staatlichen Schule wird die Möglichkeit gegeben werden “produktspezifische Trainings” von Microsoft absolvieren zu können? Ein besseres Marketing kann sich Microsoft ja kaum vorstellen – in einem von Konkurrenz triefenden Markt. Jungen Menschen zudem die Monpolisierungsstrategien Microsofts – die Verwendung verschlossener Formate und Produkte – als zukunftssicher zu verkaufen, ist mit dem Boom Freier Software und erfolgreichen Open Source Strategien unverständlich.

Doch was könnte es für das Marketing eigentlich noch besseres geben als direkt in die Köpfe der Schüler einzutauchen? Richtig: bereits in der frühkindlichen Erziehung die Weichen auf Microsoft stellen:

“Zur Förderung der frühkindlichen Spracherziehung beabsichtigt Microsoft mit seiner Initiative “Schlaumäuse – Kinder entdecken Sprache”, Pädagogen, Kindertagesstätten und Grundschulen mit der entsprechenden Software sowie Integrationconsulting und Schulungen zu unterstützen.”

Was dort in Sachsen-Anhalt geschieht werden wir in Zukunft leider noch öfter begegnen. Dabei ist derart enge Verzahnung von Produkten und staatlicher Bildung höchstgradig gefährlich. Staatliche Bildung sollte “Allgemeinwissen” vermitteln, also grundlegende Konzepte der Arbeit mit einem Computer oder auch anderer Medien. Der Unterricht sollte dazu einen kritischen und reflektierten Umgang mit verschiedenen Technologien und Medien fördern um eine selbstbewusste Verwendung derselben ermöglichen. Auf keinen Fall aber sollte die Schule jungen Menschen die Verwendung von Microsoft Produkten aufdrängen, die Daten öffentlicher Verwaltungen auf Microsoft Rechnern in Irland speichern und obendrauf noch produktspezifische Trainings für Microsoft anbieten.

Nun gilt es in Sachsen-Anhalt zu handeln bevor es zu spät ist, denn die Regierung möchte so schnell wie möglich Tatsachen schaffen. Widerstand regt sich bereits von der Opposition. Und im Frühjahr sind in Sachsen-Anhalt Landtagswahlen. Sollte bis dahin ein In-Kraft-treten der Absichtserklärung verhindert werden können, dann könnte das Thema es vielleicht in den Wahlkampf schaffen.

Es wurde bereits eine Petition zur Kündigung des genannten Vorvertrages am Landtag Sachsen-Anhalt eingereicht. Aber in Sachsen-Anhalt gibt es leider nur ein Einzelpetentenrecht, Petitionen können deshalb nicht öffentlich mitgezeichnet werden. Das macht es natürlich auch einfacher, eine eingereichte Petition “unauffällig” abzulehnen. Um also etwas mehr Öffentlichkeit zu erzeugen, wurde die Petition nun auch parallel auf openpetition.de aufgesetzt. Wenn Du helfen möchtest, sag es weiter und zeichne die Petition mit.

Monday, 22 June 2015

Besuch beim Treffen der deutschsprschigen Community von TDF/LibreOffice

stehmann's blog | 17:21, Monday, 22 June 2015

Freie Software lebt von Zusammenarbeit. Zusammenarbeit erfordert gegenseitigen Respekt und Vertrauen. Respekt und Vertrauen fallen leichter, wenn man sich persönlich kennt und diese Bekanntschaft pflegt.

Die deutschsprachige Community von TDF und LibreOffice veranstaltete vom 19. bis 21. Juni 2015 ein Strategie- und Projektwochenende im Linuxhotel in Essen.

Hierzu lud Florian Effenberger auch Menschen aus der deutsprachigen Community von Apache OpenOffice ein, darunter auch Mechtilde und mich.

Gerne haben wir diese freundliche Einladung angenommen und uns sehr darauf gefreut, alte Freunde wiederzusehen und Menschen “im richtigen Leben” kennenzulernen, die wir vorher nur vom Namen her kannten. Allerdings hattenen wir am Samstag schon anderes vor, sodass wir nur am Freitagabend und am Sonntag am Treffen teilnehmen konnten.

Am Freitagabend wurde gegrillt und wir hatten die Gelegenheit, nicht nur Grüße auszurichten, sondern auch alte Freunde zu begrüßen und neue Menschen kennenzulernen.

Wir erkundigten uns auch, wie es anderen Bekannten so geht. Es war ein gelungener, angenehmer Abend mit zwangloser Unterhaltung. Irgendwelchen Vorbehalten begegneten wir in keiner Weise.

Einer der Menschen, die wir erstmalig “im richtigen Leben” trafen, war Robert Großkopf, der auf der deutschsprachigen Users-Mailingliste von Apache OpenOffice die Fragen der Anwender vor allem zu Base beantworet. Interessant war es ferner, Martin Bayer einmal persönlich zu erleben.

Am Sonntagmorgen gab es nach dem Frühstück nur eine kurze, das Wochenende reflektierende Session. Danach galt es schon wieder, Abschied zu nehmen.

Es gab also viele Gespräche im kleineren oder größeren Kreis, und es herrschte eine gute Stimmung. Es war fast wieder so, wie an den früheren QA-Wochenenden am gleichen Ort vor dem Fork. Wir sind zuversichtlich, dass dies nicht die letzte Einladung an uns gewesen ist und freuen uns schon auf ein erneutes Wiedersehen.

Die vergangene gemeinsame Arbeit erscheint mir noch immer eine gute Basis für eine zukünfige Zusammenarbeit zu sein, zumal es gerade in der deutschsprachigen Community eine gar nicht einmal so kleine Anzahl von Menschen gibt, die zu beiden Projekten beitragen.

Auch erwies es sich als den Geist der Begegnung und des Umgangs miteinander prägend, dass wir mit einigen Teilnehmern eine gemeinsame Basis im Fellowship der Free Software Foundation Europe haben. Mit allen Teilnehmern verband uns aber das Anliegen, zum Fortschritt Freier Software beizutragen.

Außerordentliches Fellowshiptreffen am 17.06.2015

stehmann's blog | 17:08, Monday, 22 June 2015

Jonas Öberg, Mitgründer und aktueller Geschäftsführer der Free Software Foundation Europe, besuchte wieder einmal Düsseldorf. Aus diesem Anlass fand am 17.06.2015 ein außerordentliches Fellowshiptreffen im Restaurant “El Greco” statt.

Die letzten Treffen des Fellowship mit Jonas in Düsseldorf, die schon einige Zeit her sind, sind allen Teilnehmern in guter Erinnerung geblieben. Es versprach daher wieder ein sehr interessanter Abend zu
werden. Leider sahen das wohl nicht viele Fellows so; jedenfalls kamen nur wenige.

Weiterer “Ehrengast” des Abends war Matija Šuklje, Koorninator der FSFE in Slowenien und von FSFE Legal – der Freedom Task Force.

Zu uns gesellten sich Mitglieder des Chaosdorfes, die die immobiliare Zukunft des Hackspaces planen. Sie informierten Jonas über den diesbezüglichen Stand der Dinge. Jonas ventilierte mit ihnen Möglichkeiten der zukünftigen Zusammenarbeit.

Nachdem wir uns mit dem wieder guten und reichlichen Essen des “El Greco” gestärkt hatten, wurde dann ein Fass mit leckeren Dröppkes disloziert, das Zapfbesteck installiert und sodann das leckere Altbier distribuiert.

Matija hatte Bierproben aus seiner Heimat mitgebracht und machte die Teilnehmer, darunter den geschmacksicheren “Braumeister” des Chaosdorfes, zu Betatestern der verschiedenen Biere, die exklusiv zur Erprobung neuer Hopfensorten gebraut und abgefüllt worden waren. Manche waren wirklich geschmackvoll und süffig, manche eher gewöhnungsbedürftig. Aber das festzustellen, ist ja der Sinn eines solchen Tests.

Die Gespräche waren sehr intensiv, aber auch höchst unterhaltsam. Lediglich die Pflichten des nächsten (oder neuen) Tages bewegten die Teilnehmer zur Ab- und Heimkehr.

Auch dieses Treffen wird allen, die teilnahmen, wieder in guter Erinnerung bleiben. Schade, dass nicht mehr Menschen diesem interessanten Treffen beiwohnten; die Fernbleibenden haben etwas verpasst.

Monday, 15 June 2015

Fellowship-Treffen Franken am 13. Juni 2015

Florian Snows Blog » de | 18:19, Monday, 15 June 2015

Am 13. Juni fand das zweite Fellowship-Treffen der Gruppe Franken statt.  Dieses Mal fand das Treffen in Nürnberg statt um die Fahrtwege vieler Teilnehmer möglichst kurz zu halten.  Es kam fast die gleiche Gruppe zusammen wie beim vorherigen Mal – mit
einem Neuzugang.
Wir konnten uns noch weiter kennenlernen und besprachen auch Aktionen, die wir als Gruppe unternehmen wollen etwas konkreter. So besteht Interesse Politiker, sowohl Lokalpolitiker als auch Wahlkreisabgeordnete im Bundestag zu Freier Software zu befragen und sie für dieses Thema sensibilisieren.  Außerdem können wir uns vorstellen, an Schulen zu gehen und dort Workshops/einzelne Unterrichtsstunden zum Thema Datenschutz und Freiheit am Computer zu organisieren.  Ein weiteres Gebiet, das wir abdecken möchten, sind Hackerspaces und Fablabs.  Dort gibt es viele Menschen, die
schon mal etwas von Freier Software gehört haben, aber die sich noch nicht so intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben und auch oft unfreie Software auf grundsätzlich freien Plattformen einsetzen.  Beim nächsten Mal werden wir hier noch überlegen, was wir da am besten zuerst anpacken.

Ansonsten ergaben sich schöne Gespräche und auch das Wetter spielte mit, was in einem Biergarten natürlich von Vorteil ist.  Ein paar Teilnehmer werden voraussichtlich zu Richard Stallmans Vorträgen am 8. und 9. Juli nach Frankfurt fahren und uns dann
beim nächsten Treffen davon berichten.  Das nächste Treffen findet am 11. Juli 2015 ab 19:00 Uhr im Hackerspace Bamberg statt.

Tuesday, 09 June 2015

Vortrag vor Piraten

stehmann's blog | 19:18, Tuesday, 09 June 2015

Am 06.06.2015 trafen sich 115 kommunalpolitisch aktive Mensch beim 3. Kommunalvernetzungstreffen (KVT) der Piraten in Essen im Unperfekthaus. Eingeladen hierzu hatte die nordrhein-westfälische Landtagsfraktion der Piraten. Der für die Organisation der Veranstaltung verantwortliche Landtagsabgeordnete Torsten Sommer hatte mich eingeladen, einen Vortrag zum Thema “Offene Dokumentenstandards” zu halten.

Wir erschienen pünktlich in der Essener Innenstadt und setzten uns, nachdem wir das “Unperfekthaus-Bändchen” erhalten hatten, in den Saal, in dem die Veranstaltung eröffnet werden sollte. Zur Eröffnung gab es eine Einführung durch den Piraten-Fraktionsvorsitzenden im Landtag Dr. Joachim Paul. Auch dieser erschien vorzeitig und erkärte uns, er habe das FSFE-T-Shirt (orange-schwarz), welches er seinerzeit auf dem Sommerfest am FSFE-Stand erworben habe, dabei. Meiner Bitte, es anzuziehen, kam er bereitwillig nach und hielt seine Einführung in “unserem” T-Shirt.

Torsten Sommer sprach zum Thema „Doppelpass“. Ferner wurden die Vorträge, Workshops und das Rahmenprogramm vorgestellt. Dann war im größten Saal, in dem auch die Eröffnung stattfand, mein Vortrag dran. Mechtilde verzog sich währenddessen zum ganztägigen Workshop “Verschlüsselte Kommunikation in allen Bereichen”, um Menschen bei der Einrichtung von Thunderbird und Enigmail zu helfen.

Mein Vortrag fand eine zahlenmäßig zufriedenstellende, sehr interessierte Zuhörerschaft. Die Folien des Vortrages unter dem Titel “Vorzüge Offener Standards – die Anwendersicht” habe ich für Interessierte veröffentlicht. Ich bin im Vortrag besonders auf Dokumentenstandards eingegangen und habe den Teilnehmern die content.xml aus einer entpackten odt-Datei gezeigt.

Im Anschluss an den Vortrag habe ich mit den interessierten Teilnehmern noch über zielführende Strategien einer Migration gesprochen und versucht, Erfolgskriterien und Fallstricke aufzuzeigen. Dass eine behutsame, schrittweise, alle Beteiligte einbeziehende Vorgehensweise einem “Hau-Ruck-Versuch” top-down vorzuziehen ist, war danach wohl Konsens.

Danach besuchte ich einen Workshop der Abgeordneten Monika Pieper und des mir von meinen Open-Data-Aktivitäten bekannten Fraktionsmitarbeiters Matthias Bock zum Thema OER und IT in Schulen.

Zwischendurch gab es leckeres Essen. Der Aufenthalt im Unperfekthaus ist immer sehr wohltuend und angenehm. Die Atmosphäre ist freundlich und anregend. Das Wlan ist professionell eingerichtet und ermöglicht wohl überall einen ungehinderten Zugriff auf das Internet. Dies ist bei Piraten wichtig, denn auch dieses Event fand seinen Widerhall “live” in diversen sozialen Netzen.

Zum Schluss hörte ich noch den Vortrag von Christian Nähle und Till Schäfer zum Thema DO-FOSS. Interessant war, dass diese im Wesentlichen dieselben “Knackpunkte” bei einer Migration identifizierten – wenn auch besser formuliert -, die ich schon am Morgen versucht hatte, meinen Hörern nahezubringen.

In den Pausen und im Anschluss an den “offiziellen” Teil gab es gute und reichliche Gelegenheiten, Bekanntschaften aufzufrischen und neue interessante Menschen kennenzulernen. Am Abend – geraume Zeit nach dem Ende des “offiziellen” Programms – fuhren wir dann einigermaßen erschöpft auch von den schönen Erlebnissen und Eindrücken wieder heim. Einige Teilnehmer dieser gelungenen Veranstaltung werden wir wohl bald wiedersehen.

Wednesday, 03 June 2015

Unter Freiheitskämpfern

stehmann's blog | 18:52, Wednesday, 03 June 2015

Vor einiger Zeit fand sich im Briefkasten meiner Kanzlei in Langenfeld/Rheinland eine Einladung. Die FDP-Landtagsfraktion lud zu einem “Kulturfrühstück” in Langenfeld ein, Titel: “Kultursponsoring und Mäzenatentum – Privates Engagement für Kunst und Kultur”. Das ist doch eine gute Gelegenheit, ein bisschen Lobbyarbeit für Freie Software zu machen. Nach Rücksprache mit Mechtilde, die mitkommen wollte, meldete ich uns an.

Leider konnte sie dann krankheitsbedingt am Sonntag, den 31.05.2015, doch nicht mitkommen. Also zog ich mir am frühen Sonntagvormittag einen Anzug an, band mir eine Krawatte um, steckte Visitenkarten, Flyer “Freie Software und Werkzeuge” und ein paar Plussyaufkleber ein und einen Plussypin an und machte mich auf zur “Wasserburg Haus Graven. Haus Graven ist eine Wasserburg im Langenfelder Stadtteil Wiescheid und wurde vermutlich um 1300 erbaut. Dort angekommen gestaltete sich die Parkplatzsuche “interessant”. Dabei ergaben sich schon erste Kontakte.

Ich musste dann schnell feststellen, dass ich keineswegs “overdressed” war.

Nach erster Stärkung, der Begrüßung, einem Kurzvortrag über Haus Graven, Gesang und einem Impulsvortrag der Landtagsabgeordneten Ingola Schmitz begann dann die Podiumsdiskussion.

Bemerkenswert war, dass Herr Ohle von “Bayer Kultur” im Laufe derselben offen erklärte, die Kulturarbeit seines Unternehmens sei nicht altrustischen, sondern wirtschaftlichen Motiven geschuldet. Zunächst sollte sie die Arbeitnehmer an das Unternehmen binden, später diente dieses Engagement auch “Public Relations”- und Werbezwecken. Auch wurde darauf hingewiesen, dass mit der herkömmlichen “Hochkultur” immer weniger Kinder und Jugendliche angelockt werden können, sodass das Publikum immer mehr der Best-Ager-Generation, wörtlich war von “Silberrücken” die Rede, angehört. Mit speziellen auf die Interessen und Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen zugeschnittenen Angeboten kann man diese, wie ein anderer Teilnehmer berichtete, aber immer noch locken.

Natürlich wurde auch die Kulturpoltik der Landesregierung und deren angeblich unzureichendes finanzielles Engagement in diesem Bereich kritisiert.

Den Abschluss der Veranstaltung bildet eine Besichtigung der aktuellen örtlichen Kunstausstellung unter Führung des Künstlers.

Ich habe mich in den Gesprächen offen als Lobbyist zu erkennen gegeben. Meine Aussage, ich sei Lobbyist für die Freiheit, erzeugte regelmäßig ein wohlwollendes Interesse. Ich habe dann erklärt, welcher spezielle Bereich von Freiheit mein Anliegen ist.

Es konnten einige interessante Gespräche geführt werden, vor allem auch mit dem Landtagsabgeordneten Dirk Wedel, einem Rechtspolitiker, der beim Frühstück neben mir zu sitzen kam. Ich konnte einige Visitenkarten und Flyer gezielt verteilen.

Ob etwas bei meinen Gesprächspartnern “hängen geblieben” ist, wird sich in Zukunft erweisen.

Über diese Veranstaltung hat selbstverständlich auch die Veranstalterin berichtet.

Sachsen-Anhalt verkauft seine Schulen an Microsoft

Don't Panic » Deutscher Planet | 07:43, Wednesday, 03 June 2015

Das Land Sachsen-Anhalt will mitmachen, up-to-date sein, die Digitalisierung als Chance verstehen, Schule und Lehre modernisieren. Soweit gut, doch leider verpasst die aktuelle Regierung dabei die Chance, eine gute Ausbildung mit digitaler Selbstbestimmung und der Unabhängigkeit der Lehre zu verknüpfen. Anstatt auf den Ausbau von Open Educational Resources mit Freier Software zu setzen, plant die Landesregierung eine vollumfängliche Kooperation und Ausstattung aller öffentlichen Schulen mit Microsoft. Dazu gehört die verpflichtende Nutzung von MS-Software und online-Services bis hin zum Aufbau einer eigenen Microsoft “IT-Academy”. Das ganze unter dem offiziellen Dach der staatlichen Schule und Schulbildung, bezahlt durch den Steuerzahler.
Derartiges Vorhaben darf nicht zugelassen werden. Das ist nicht nur schlecht für den Datenschutz der Schülerinnen und Schüler und das Geld der Steuerzahlenden. Es verhindert zugleich den freien Wettbewerb und damit die Chancen lokaler Dienstleister. Vor allem aber treibt es Generationen von jungen Menschen in die Abhängigkeit zu Microsoft.

Science-Fiction Autoren warnen gerne vor einem gesellschaftlichen Kontrollverlust im Rahmen zunehmender Technologisierung. Die Landesregierung Sachsen-Anhalts macht aktuell blendend vor, wie das geht: sie beschließt, dass fortan einfach alles Microsoft werden soll.
Der Finanzminister Sachsen-Anhalts, Jens Bullerbahn (SPD), hat dazu einen “Letter of Intent”, also eine Absichtserklärung über eine “Partnerschaft des Landes Sachsen-Anhalt und der Microsoft Deutschland GmbH” unterschrieben und das Vorhaben im Rahmen der Cebit 2015 bekanntgegeben. Politisch prekär: Die Regierung handelt hier über die Köpfe der Kommunen, des Kultusministeriums sowie des Landesdatenschutzbeauftragten hinweg. Niemand wurde vorab auch nur in irgendeiner Form über diese Pläne informiert.

Der bisherige Zeitplan der Absichtserklärung sah ein “In-Kraft-treten” bereits 10 Wochen später, zum 30.5.2015, vor. Dieser Zeitplan konnte jedoch vorerst durch Widerstand und einen Antrag der Fraktion Die Linke unter Federführung ihres netzpolitischen Sprechers Jan Wagner verzögert werden.
Aber, es gibt kein Grund zum Ausruhen: Der neue Zeitplan sieht nun ein In-Kraft-treten schon im September vor.

Leider ist das Dokument des Anstosses nicht öffentlich einsichtlich und auch eine Anfrage auf Vereinbarungen, Unterlagen, Verträge sowie Absichtserklärungen und Entwürfe der “Partnerschaft zwischen Microsoft und dem Land Sachsen-Anhalt” auf fragdenstaat.de ergab lediglich ein vollkommen geschwärztes Dokument zur “Einsicht” zurück. Dem Autor wurde jedoch eine ungeschwärzte Kopie zugespielt und das Dokument liest sich grauenhaft:

  • Das Land Sachsen-Anhalt beschließt Verträge mit Microsoft Irland zum “Aufbau einer zentralen digitalen Bildungsinfrastruktur” = Aufbau eines zentralen Verzeichnisdienstes (“Active Directory”), mit Hilfe dessen alle Computer die im schulischen Umfeld eingesetzt werden (egal ob Schüler, Lehrer, Ministerium) zentral verwaltet und beispielsweise Zugriffs-Berechtigungen gesetzt oder entzogen werden können. Nicht mehr der Lehrer entscheidet also wer am digitalen Unterricht teilnimmt – sondern Microsoft.
  • Weitere Verträge mit Microsoft Irland sehen vor IT-Lern- und Lehrarbeitsplätze unter Verwendung von MS-Account, Office 365, Kalender, Outlook, Hotmail, Skype, Skydrive, SharePoint und Yammer für alle zu errichten. Die An- und Verwendung dieser Software wird damit zur Schulpflicht, für Jede und Jeden.
    Dafür gibt es das ganze nicht nur “kostenlos” (was Angesichts der zum Vertrag zugehörigen Beratungskosten durch Microsoft Consulting Services & Premier Services reine Augenwischerei ist) sondern “darf auch noch zu Hause genutzt werden” … Wir reden hier von 220.000 Schülerinnen und Schüler und 18.000 Lehrerinnen und Lehrer! Komplette Generationen, deren Seelen an Microsoft verkauft werden. Junge Menschen die von der Grundschule an gezwungen werden, für alles was mit Schule zu tun hat, Microsoft zu benutzen. Die ganze Schulzeit hindurch werden sie an Microsoft gewöhnt, trainiert und gelehrt. Und dann, am Ende, haben sie vor allem eins gelernt: Schule ist Microsoft. Deutschland ist Microsoft. Alles ist Microsoft.
    Selbst wenn sie neugierig genug sein sollten, sich andere Systeme anzuschauen: Die Daten, die sie bin dahin produziert haben sind wohl für immer an Microsoft und dessen proprietären Formate gebunden und ein Umstieg bedeutet damit zugleich den Verlust dieser Daten, ihres bisherigen Werdegangs.
  • Die Krone soll dem Ganzen noch durch eine sogenannte “IT-Academy” aufgesetzt werden, die aber mit genereller IT absolut gar nichts zu tun hat. Stattdessen sollen “produktspezifische Trainings und weltweit anerkannte Microsoft-Zertifizierungen” für Lehrende, Lernende und Mitarbeitende angeboten werden. Schülerinnen und Schüler sollen also im Rahmen der Schule (welche in diesem Alter oft noch eine Art Wahrheitsmonopol besitzt) von Kindesbeinen an und offiziell durch Schule und Lehre gefördert eine Ausbildung vom Microsoft User bis zum Sys-Admin durchlaufen können. Und das ganze auch noch bezahlt von Steuergeldern.
  • Nicht zu vergessen: Durch die Arbeit mit der “Cloud-Plattform” Microsoft Azure gilt auch für die Daten dieser noch minderjährigen Schülerinnen und Schüler: Alles ist Microsoft.
    Alle Daten dieser Kinder in den Händen einer amerikanischen Großfirma, die wie kaum eine andere mit der NSA kooperiert.

Das ist keine Bildung mehr, das ist keine Lehrfreiheit, das ist keine Erziehung zum mündigen Staatsbürger. Derartige Pläne enden vielmehr in Microsoft-hörige und -abhängige Mitbürger und helfen damit einer fortschreitenden Zentralisierung und Kontrolle digitaler Infrastrukturen durch außereuropäische IT-Unternehmen und proprietärer Software. Deshalb müssen wir diese Entwicklung verhindern. Oder, in Anlehnung an Pink Floyd: “We don’t need no M$-ucation. We don’t need no thoughts control”"

Update:

Hilf den Schülerinnen und Schülern in Sachsen-Anhalt und zeichne die Petition: Vorvertrag “Partnerschaft des Landes Sachsen-Anhalt und der Microsoft Deutschland GmbH” kündigen


Du interessierst Dich für Freie Bildung auf Grundlage Freier Software? Dann könnte Dich auch das Positionspapier des Bündnis Freie Bildung interessieren.

Monday, 01 June 2015

Fellowshiptreffen am 27.05.2015

stehmann's blog | 18:15, Monday, 01 June 2015

Dieses Fellowshiptreffen hatte leider nur eine einstellige Teilnehmerzahl, obwohl Thema und Vortrag wichtig und interessant waren. Es begann – wie inzwischen üblich – mit einer Vorstellungsrunde.

Danach sprach Jan Ulrich Hasecke, trotz noch hörbarer Erkrankung, sehr engagiert zum Thema:

Undocumented Code is Broken Code oder Dokumentation ist erfolgskritisch!

Es wurde den Teilnehmern, die seinen Ausführungen gebannt folgten, klar, welchen Stellenwert die Dokumentation in einem Software-Projekt einnehmen sollte.

Beginnt man ein Projekt mit der Erstellung der Dokumentation, kann man sehr früh die Kundschaft oder Nutzerschaft in die Entwicklung einbeziehen und Fehlentwicklungen rechtzeitig vorbeugen. Die zukünftigen Nutzer erfahren bereits am Anfang, wie die zu erstellende Software aussehen soll, und können von Beginn an ihre Vorstellungen, Wünsche und Bedenken einbringen

Zugleich kann die Dokumentation als gute Grundlage für Softwaretests dienen. Die Qualitätssicherung umfasst dann gleichzeitig sowohl die Software als auch deren Dokumentation.

Außerdem ist bei dieser Vorgehensweise stets eine aktuelle Dokumentation vorhanden, welche als “Blaupause” für die folgende Softwareentwicklung dient. Bei vielen Programmen fehlt es an einer aktuellen Dokumentation, was ihre praktische Brauchbarkeit erheblich einschränkt.

Der Referent stellte uns also “Documentation Driven Development” vor und die Vorzüge dieses Entwicklungsmodells dar.

Schließlich stellte uns der Referent, der in der “Python-Szene” verwurzelt ist, das Python-Dokumentationstool Sphinx vor. Sphinx ist Softwaredokumentationswerkzeug, welches reStructuredText in HTML-Seiten und viele weitere Formate wie beispielsweise PDF, EPub und Manpages umwandelt. Es wurde zur Dokumentation des Python-Projekts entwickelt, und wird von diesem und anderen wichtigen Python-basierten Projekten intensiv eingesetzt.

Der Referent erwähnte auch das “Read the Docs”-Projekt.

Außerordentliches Fellowshiptreffen am 17.06.2015

Jonas Öberg, Mitgründer und aktueller Geschäftsführer der Free Software Foundation Europe, besucht wieder einmal Düsseldorf.

Aus diesem Anlass findet am 17.06.2015 ein außerordentliches Fellowshiptreffen statt.

Wir treffen uns ab etwa 20:00 Uhr im Restaurant “El Greco”, welches sich am südlichen Ende der Westseite des Kirchplatzes in Bilk (oder: Elisabethstraße 87, 40217 Düsseldorf) befindet.

Die letzten Treffen des Fellowship mit Jonas in Düsseldorf, die schon einige Zeit her sind, sind allen Teilnehmern in guter Erinnerung geblieben. Es verspricht daher wieder ein sehr interessanter Abend zu werden.

Gäste sind auch bei diesem Treffen herzlich willkommen.

Das nächste reguläre Fellowshiptreffen in Düsseldorf findet am 24.06.2015 ab 19:30 Uhr wieder im Chaosdorf, Hüttenstr. 25, 40215 Düsseldorf, statt.

Das Thema wird noch bekannt gegeben.

Saturday, 30 May 2015

Wie ich an einem Thinkpad T60p coreboot GNU Linux-libre Trisquel Laptop kam

André on Free Software » Deutsch | 11:53, Saturday, 30 May 2015

 

Vor kurzem ging etwas schief auf meinem Laptop, und damit war ich mehrere Tage nicht in der Lage online zu gehen. Eine schnelle Lösung gab es nicht. Dass bedeutete, dass meine Bedürfnisse geändert sind und ich hatte mich entscheiden für einem zweiten Laptop, so dass ich einem fertig habe als Back-up.

Als Fellow der Free Software Foundation Europe habe ich gelesen über das FSF Respects Your Freedom Zertifikationsprogramm und dann beschlossen das einem gebrachten Laptop mit coreboot und GNU Linux-libre eine geeignete Lösung wäre.

Für eine gebrauchte zu gehen schien mir der Weg: es ist kostengünstig und besser für die Umwelt. Bei ein beliebtes Modell sind Ersatzteile sofort verfügbar.

Also wenn Kevin Keijzer ein renoviertes Thinkpad im Angebot hätte, war ich froh informiert zu werden. Er fügte die besten Teile von zwei Thinkpads zusammen, und das Libreboot Projekt sei Danke war er in die Lage der Laptop zu flashen mit Flashrom. Er installierte das Betriebssystem meiner Wahl. Für mich ist das Trisquel, da es lauft mit GNU Linux-libre und empfohlen wird durch die FSF. Der laptop würde nicht durch das FSF Respects Your Freedom Zertifikationsprogramm kommen aufgrund das 64 kB VGABIOS.

 

Kevin und ich haben einem Preis abgesprochen womit Beiden leben können und ich war froh einem hohen Serviceniveau zo bekommen. Der laptop hat keinen deutlichen wahrnehmbaren Kratzer, ist flashed mit SeaBIOS, und Trisquel 7 und die von mich gefragten Programme sind installiert. Ich ermutige alle Freie Software-Benutzer um Kontakt auf zo nehmen mit Kevin um seinem Qualitäts-engineering und Serviceniveau zu erleben.

 

In der Zeit dass ich warten müsste habe ich der Computer einem Kollegen befreit durch Ubuntu zu installieren. Auf seinem Laptop habe ich bloatware entfernt und Office entsetzt durch LibreOffice.

Nunn, dass alles wieder glatt läuft kann ich Dokumente synchronisieren und das ist bequem in einem Notfall – vor allem wenn man übersetzt für Free Software Foundation Europe.

Wednesday, 20 May 2015

Nächster Halt: Endstation.

Max's weblog » Deutsch | 08:04, Wednesday, 20 May 2015

weselsky-putinMan könnte meinen, hier in Tansania ist man weit weg von den politischen Vorgängen in Deutschland. Doch interessanterweise wird es einem hier dieser Tage sehr einfach gemacht, den GDL-Streik, der vor allem vor Pfingsten in Deutschland die Bevölkerung elektrisiert, aus einer anderen Perspektive zu sehen. Wo selbst politik-kritische Formate wie die Satire-Komik-Sendung Heute Show durchgehend auf dem Gewerkschaftsführer Weselsky rumhackt, kann man durch den Vergleich mit Ländern wie Tansania, in denen das ganze Politikschauspiel noch etwas durchsichtiger und simpler gehalten ist, sehr gut verstehen, warum der GDL-Streik im Endeffekt ein notwendiges Übel für nahezu alle Bürger in Deutschland ist.

Über den Autor:
Max Mehl, 25, ist ein… ach, Ihr wisst wer ich bin. Wichtig für diesen Artikel ist allerdings, dass ich kein typischer Autor eines gewerkschaftsfreundlichen Beitrags bin. Ich bin Fan von offenem Wettbewerb, die SPD fand ich immer schon so naja und beim Wort „Sozialismus“ bekomme ich nervöse Zuckungen. Trotzdem befürworte ich den GDL-Streik. Wie in aller Welt passt denn das zusammen?

Spätestens wer das zweite Semester der Politikwissenschaften absolviert hat, wird einen der wesentlichen Kerne der Realismustheorie verstanden haben. Es geht im Wesentlichen um Macht. Und Macht kann sich durch vieles definieren: Politischer Einfluss, militärische Schlagkraft, Ressourcen und natürlich Geld.

Was in Tansania gilt…

Hier in Tansania ist vor allem letzteres von Bedeutung. Wer über beträchtliche Summen von Geld verfügt, kann sich Einfluss kaufen und durch diesen Einfluss noch mehr Geld abzwacken. Im Gegenzug – und das ist viel prekärer – haben diejenigen, die kein Geld besitzen, keinen Einfluss, keine Stimme, keine Macht. Und das trifft somit auf weit über 90% der Bevölkerung zu. Die Tansanier haben es mit einem Parlament zu tun, das spätestens seit der Amtszeit des letzten Präsidenten diesem nur noch mehr Macht zuscheffelt. Und wenn es doch einmal so was verrücktes wie Korruptionsbekämpfung anstrebt, werden die verabschiedeten Gesetze per Veto geblockt oder ganz einfach nicht implementiert.

Auf der anderen Seite stehen die Dala Dala-Fahrer, die die typischen (meiner Meinung nach für Zwerge konstruierten) Kleinbusse in Betrieb halten, die (halbwegs) fixe Routen anfahren und im Nah- und Halbfernverkehr dominieren. Das Parlament hat vor einigen Wochen eine drastische Veränderung verabschiedet: Unter anderem teurere Lizenzen und regelmäßige Fahrprüfungen. Nicht, dass ich mehr Sicherheit nicht befürworten würde, aber in einem Land, in dem jeder Behördengang zu zahlende Bestechungsgelder mit sich bringt und die ebenfalls auf Bestechungsgeld aufbauende Polizei mit Freuden den Führerschein des Fahrers eines mit 15 Fahrgästen gefüllten Dala Dalas besonders gründlich untersuchen wird, ist das schon ein kritischer Vorgang.

Was haben diese Fahrer also für Möglichkeiten, ihrem Widerwillen Ausdruck zu verschaffen? Sich mit offenen Briefen an die Politik wenden? Mit Schildern auf der Straße protestieren? Nein, es handelt sich dabei um Menschen aus den unteren Schichten, die austauschbar sind. Aber sie haben die Macht, durch Streik ein ganzes Land lahmzulegen und haben das auch für etwas über 24 Stunden gemacht. Und plötzlich stehen die politischen Eliten und die revoltierenden Fahrer auf Augenhöhe und können (für tansanische Verhältnisse) anständig diskutieren.

… gilt umso mehr in Deutschland

Was wir aus dem Tansanischen Beispiel lernen: Es geht um Macht und um das Recht, auf Augenhöhe über Konditionen zu diskutieren. Doch was im fernen Afrika der übersichtliche Streit zwischen einer Horde Minibusfahrer und der Regierung ist, ist in Deutschland der womögliche Endkampf zwischen Arbeitnehmerrechten und den politischen und wirtschaftlichen Machthabern.

Denn es geht nicht nur um mehr Geld für die Lokführer, sondern darum, ob das (ironischerweise) von der SPD auf den Weg gebrachte Tarifeinheitsgesetz kleinere Gewerkschaften in die Bedeutungslosigkeit abschiebt und damit nicht nur den Lokführern, sondern de facto auch der gesamten „Arbeiterschaft“ die Lobby entreißt. Denn wenn wir resümieren, waren die letzten Arbeitskämpfe immer nach demselben Muster aufgebaut: Verhandlungen, zwei kleine Warnstreiks, die niemandem so wirklich weh tun, weitere Verhandlungen und dann eine Einigung auf einen Betrag, der irgendwie auch nicht so wirklich zur Realität passen will, sondern die Arbeitnehmer im Vergleich zur Inflation immer schlechter da stehen lässt.

Quo vadis, Öffentliche Meinung?

weselsky-bild

Zwar eine Montage des Postillon, aber recht nah an der Wirklichkeit

Gewerkschaften werden langsam zu einem Relikt aus alten Tagen und dieser Trend wird von der alten Arbeiterpartei SPD, die jetzt irgendwo zwischen den Scheinwirklichkeiten rum dümpelt und es sich eigentlich mit allen verscherzt (Vorratsdatenspeicherung, TTIP, BND-Affäre…), nur noch verstärkt. Und wenn wir ehrlich sind, gefällt uns das sogar auf den ersten Blick. Was habe ich mich früher über Arbeiter in gelben VerDi-Westen geärgert, die mit ihrem Kohlestreik schon wieder den ersten Slot in der Tagesschau bekommen haben. Uns wäre es auch recht, wenn Züge einfach fahren würden, am besten ohne dass wir je einen Zugfahrer zu Gesicht bekommen.

Doch was wir damit im Endeffekt wollen würden, wäre die Entmachtung genau dieser Arbeitnehmer. Ich bin bei Weitem kein Sozialist und das Wort „Klassenkampf“ war mir schon immer fern, aber ich weiß, dass jeder Mensch heute mindestens eine Lobby braucht. Wir sehen in Brüssel heute, wie Realpolitik gemacht wird: Mächtige, mit Millionen ausgestattete Lobbyorganisationen vertreten Wirtschaftsinteressen von Firmen, die wie Pipi Langstrumpf die Welt so gestalten (möchten), wie sie ihnen gefällt. Auf der Strecke bleiben dabei Interessen, die nicht mit ähnlich viel Geld unterfüttert sind. In der Free Software Foundation Europe (FSFE) sehen wir derzeit, wie schwer es ist, ohne überschäumende Ressourcen ganz rationale Interessen normaler Bürger und kleiner Unternehmen gegen die Macht riesiger Tech-Unternehmen zu vertreten. Wo sollen da Lokführer und Stahlarbeiter bleiben? Dazu kommt auch die politische und großgewerkschaftliche Untätigkeit, wie Jakob Augstein im Spiegel schon so gut zusammengefasst hat:

„Die Sozialdemokraten haben gegen die wachsende Ungleichheit nichts unternommen. Und die Gewerkschaften auch nicht. Im Gegenteil: Viel zu viele Sozialdemokraten und Gewerkschafter haben sich in der Vergangenheit auf die Seite der Lohndrücker geschlagen.“

weselsky-bahnsinn

Größenbahnsinn oder geht’s vielleicht um mehr?

Kurzum: Deutsche Bürger, die nicht gerade Besitzer eines Multi-Millionen-Euro-Unternehmens sind, sollten sich aus ganz rationalen Gründen gegen das Mainstream-Bashing von GDL und Weselsky stellen. Denn mit dem Ausgang dieser Streik-Schlacht kann sich entscheiden, ob harte Verhandlungsmethoden und Gewerkschaften überhaupt noch eine Zukunft haben. Diese kleine Gewerkschaft könnte die Blaupause für die kommenden Verhandlungen etwa mit Lehrkräften an Schulen und Universitäten sein und ob diese dann überhaupt streiken dürfen. Lokführer sind der Mehrzahl der Bürger recht egal, aber die Pädagogen zukünftiger Generationen sollten es nicht sein. Aber wenn es soweit kommt, hat sich womöglich deren politische Macht schon in Rauch aufgelöst, weil sie ihr letztes Machtmittel, den Streik, über Arbeitsgerichte, Tarifeinheitsgesetze und die gefestigte Streikmüdigkeit der Bevölkerung schon verloren hat.

Durch die geballte Einigkeit gegen diesen einen Streik einer Mini-Gewerkschaft schaufeln wir das Grab für die zukünftige Interessensvertretung von Arbeitnehmern in viel bedeutenderen Branchen und machen damit Wirtschaftsgrößen den größten Gefallen. Und was bleibt allen Normalo-Bürgern ohne Lobby dann, außer es das nächste Mal mit einer besseren Regierung zu versuchen, die der Wirtschaftslobby vielleicht etwas länger widerstehen kann?

Monday, 18 May 2015

Fellowshiptreffen bei der C3S

stehmann's blog | 16:20, Monday, 18 May 2015

Im April 2015 fand das Fellowshiptreffen einmal nicht im Chaosdorf, sondern in den Räumen der Cultural Commons Collecting Society SCE mit beschränkter Haftung (C3S), Heyestr. 194, 40625 Düsseldorf, statt. Hierbei handelt es sich um das ehemalige Bahnhofsgebäude des (Düsseldorf-)Gerresheimer Bahnhofes; es ist also mit dem öffentlichen Verkehr gut erreichbar. Auch Parkplätze fanden sich noch.

Statt des ursprünglich geplanten Vortrages stand, wegen krankheitsbedingter Verhinderung von Jan Ulrich, ein Vortrag von Werner zu GnuPG auf dem Programm.

Es fand sich sich wieder ein zweistelliger Teilnehmerkreis ein, in dem auch die Frauen gut vertreten waren.

Zunächst fand eine Vorstellungsrunde statt. Dann berichtete in einem “Vorvortrag” m.eik vom Stande der Bestrebungen der Cultural Commons Collecting Society zur Erlangung des Statutes einer Verwertungsgenossenschaft. Auch über ein technisches Projekt der Genossenschaft, welches in Freie Software münden wird, konnte er uns einiges erzählen.

Als exklusive Neuigkeit erfuhren die Teilnehmer außerdem von der geplanten Neuauflage des OpenMusicContest im Sommer 2015. Von 2005 bis 2008 gab es die ersten vier Auflagen dieses Wettbewerbes, welche noch in guter Erinnerung sind und viel zur Bekanntheit der CreativeCommons-Lizenzen in Musikkreisen beigetragen haben. Nach längerer Pause soll es nun eine fünfte Auflage geben.

Hauptvortrag war jener von Werner Koch, Mitgründer der FSFE, unter dem Titel “Wissenswertes über GnuPG 2.1″.

GnuPG existiert inzwischen seit 17 Jahren und ist nicht nur in der Unixwelt ein alter Bekannter. Der Vortrag beschrieb einige der Neuheiten, die mit Version 2.1 eingeführt wurden. Vor allem ging er auf die folgenden drei Punkte ein:

Remote Use: Ein wesentliches Bestreben bei der Entwicklung der 2er Version war der verbesserter Schutz des privaten Schlüssels. Mit 2.1 ist es nun möglich GPG (für OpenPGP) oder GPGSM (für S/MIME) auf einem Server einzusetzen jedoch die Schlüssel auf dem eigenen Desktop zu belassen oder dort auch Smartcard basierte Schlüssel zu verwenden. Dieses Feature ist immer dann interessant, wenn große Datenmengen auf einem Server zu entschlüsseln oder zu signieren sind.

SSH: Obgleich schon seit vielen Jahren vorhanden, ist die plattformübergreifende SSH-Agent-Implementation in GnuPG eher noch ein Geheimtip. Das sollte sich ändern.

ECC: Seit Jahren ist bekannt, dass das RSA-Verfahren für zukunftssichere Verschlüsselung nicht mehr ausreichen wird, da die Schlüssel zu groß und damit zu langsam werden würden. Alle Public-Key basierten Protokolle migrieren deswegen langsam hin zu elliptischen Kurven. Der Vortrag erläuterte, welche Varianten und Kurvenparameter in GnuPG implementiert worden sind.

Er bot auch denen, und das war wohl die Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die GnuPG alltäglich beim Verschlüsseln und Signieren ihrer Mails einsetzen, noch interessante neue Informationen.

Auf eine spintane Aufforderung hin hat dann noch Frank – nur mit Stift und Clipboard – den Anwesenden die Mathematik elliptischer Kurven und ihre kryptologische Anwendung erläutert. Dies geschah so, dass tatsächlich alle verstanden, worum es ging.

Es gab also insgesamt drei interessante Vorträge an einem Abend, davon zwei recht spontan. Lediglich Werner konnte sich ein wenig vorbreiten. Dies mag man als Beleg für die Qualität des Teilnehmerkreises unserer Treffen werten. Danke an Werner für die Bereitschaft “einzuspringen”.

Uns gefiel es erklärtermaßen in den Räumen der C3S so gut, dass wir sicherlich wiederkommen werden.

Das nächste reguläre Fellowshiptreffen in Düsseldorf findet am 27.05.2015 ab 19:30 Uhr allerdings wieder im Chaosdorf, Hüttenstr. 25, 40215 Düsseldorf, statt.

Das Thema wird noch bekannt gegeben.

Um 20:00 Uhr beginnen wir mit dem „offiziellen“ Teil. Wer später kommt, verpasst also was.

Gäste sind bei diesem Treffen wie immer herzlich willkommen.

Sunday, 10 May 2015

1. Fellowship-Treffen Franken am 9. Mai 2015

Florian Snows Blog » de | 12:26, Sunday, 10 May 2015

Am 9. Mai 2015 fand in Bamberg das erste Treffen der Fellowship-Gruppe Franken statt.  Das Treffen war mit insgesamt acht Personen (zwei aus Bamberg, einer aus Forchheim, drei aus Nürnberg und zwei aus Ansbach) recht gut besucht.  Außerdem kam noch Rückmeldung von drei Personen per E-Mail, die es dieses Mal leider terminlich nicht schaffen konnten.

Nach einer Vorstellungsrunde und einem Überblick über Freie Software, die FSF und die FSFE, gingen wir zum Diskussionsteil über.  Wir sprachen darüber wie man Menschen für Freie Software begeistern kann und wie man Anschluss an Freie Softwareprojekte findet.  Außerdem konnten wir erste Ideen sammeln, was wir als Gruppe machen wollen wie z.B. Vorträge organisieren und hören.

Wir einigten uns darauf in Zukunft die Treffen im Wechsel in Bamberg und in Nürnberg abzuhalten um den Fahrtweg für alle Interessierten möglichst gering zu halten.  Wir suchen deshalb aktuell nach einem geeigneten Veranstaltungsort in Nürnberg.

Es bestand auf jeden Fall großes Interesse daran dieses Treffen weiter fortzusetzen und der Termin für das nächste Treffen wurde bereits auf den zweiten Samstag im Juni gesetzt.  Sollten wir rechtzeitig vorher einen Ort in Nürnberg gefunden haben, findet das Treffen in Nürnberg statt, ansonsten wieder im Backspace in Bamberg.

Vielen Dank an alle Teilnehmer, die teils einen sehr weiten Weg auf sich genommen haben, an den Backspace für die Bereitstellung der Räume und natürlich an die Unterstützung der FSFE im Vorfeld bei der Organisation!

Friday, 17 April 2015

“WLAN vor Ort

stehmann's blog | 13:28, Friday, 17 April 2015

Freifunk und offenes Wlan in den Städten und Gemeinden” lautete der Titel einer Veranstaltung am Abend des 14.04.2015 im Landtag des beölkerungsreichsten Bundeslandes. Eingeladen zu einem “kommualpolitischen Ratschlag” in einen Sitzungssaal der Grünen hatte deren Abgeordneter Matthi Bolte, der auch die Veranstaltung in hervoragender Weise moderierte.

Zur Vorbereitung war vorab eine FAQ per Mail verschickt wurde. Und schon im zweiten Satz der Antwort auf die erste Frage, wurde der Betrieb der Router mit “Freier Software” (sogar mit großen “F” geschrieben) erwähnt.

Das Interesse vor allem, aber nicht nur Grüner Kommunalpolitiker war groß; die Runde des Sitzungssaales füllte sich.

Im Mitelpunkt des Abends aber standen die Freifunker. Vom “Freifunk Rheinland e.V.” war Reiner Gutowski gekommen, Philip Bernroth vom Freifunk Ruhrgebiet und Hans-jörg Etzler vom “Verkehrsverein Arnsberg e.V.”.

Und wer sich jetzt fragt, was der “Verkehrsverein Arnsberg” mit Freifunk zu tun hat – die Antwort folgt.

Zunächst wurden die Herren vorgestellt, die dann erklärten, was Freifunk ist und will. Inzwischen werden etwa 2500 Router vom Freifunk Rheinland e.V. betrieben und es werden immer mehr.

Interessant war der Bericht des Herrn Etzler über das Projekt des Aufbaus eines Freifunknetzes in Arnsberg durch die dortige Geschäftswelt. Freifunk und damit auch Freie Software ist im Sauerland somit auch außerhalb der Kreise von Hackern, Geeks und Nerds angekommen. Die soziale Verantwortlichkeit der Projektbeteiligten zeigte sich darin, dass auch das dortige Flüchtlicngsheim mit Freifunk versorgt wurde. Nachdem die von Herrn Etzler als verständlich bezeichneten Bedenken der Bewohner hinsichtlich einer Überwachung ihrer Kommunikation ausgeräumt werden konnten, zeigten diese sich in beeindruckender Weise dankbar für diese für sie sehr wichtige Kommunikationsmöglichkeit.

Dass der Freifunk überparteilich ist, zeigt sich darin, dass der Bürgermeister von Arnsberg, der der CDU angehört, den Freifunk Arnsberg stark unterstützt.

Gegenstand der anschließenden Diskussion waren vor allem Fragen der sogenannten Störerhaftung. Diese nahmen verständlicherweise aber leider einen breiten Raum ein. Auch wurde erörtert, ob der Betrieb eines Freifunkrouters mit Internetanschluss mit der Geschäftsbedingungen der Internetserviceprovider vereinbar sei, was in vielen Fällen bejaht werden kann. Im Übrigen gab es bisher wohl auch noch keinen Fall, in dem der Betrieb eines Freifunkrouters am “Veto” des Internetserviceproviders gescheitert wäre.

Angeregt wurde auch, Schulen mit Freifunk auszustatten.

Ein Grüner Kommunalpolitiker aus einer Stadt im Grenzgebiet zwischen Rhein- und Sauerland äußerte Bedenken gegen den Freifunk u.a. wegen der drohenden Gefahr für die Volksgesundheit durch die elektromagnetischen Wellen, die von den Routern ausgehen, und auch wegen der Suchtgefahren bei Kindern und jugendlichen, die von diesen zusätzlichen Internetzugängen ausgingen. Auch wenn diese Bedenken beim Betreffenden wohl nicht zerstreut werden konnten, wurden sie von den anderen Teilnehmern keineswegs geteilt.

Auch Stefan Herwig, der unermüdliche Kämpfer für die Interessen der Contentdistributoren, hatte zu dieser Runde gefunden. Ihm war der Gedanke eines anonymen Internetzuganges offenbar ein Gräuel, was den Chronisten veranlasste, eine Lanze für die Anomymität im Internet als kulturell und sozial Wertvolle Errungenschaft zu brechen, was Zustimmung fand. Auch die Bedenken des Herrn Herwig wurden, wie er am Ende mit resignierendem Ton, aber sachlich zutreffend feststellen musste, von den meisten Teilnehmern nicht für relevant erachtet.

Bedauert wurde, dass im Landtag kein Freifunk zur Verfügung stand; was keineswegs am mangelnden Interesse von Abgeordneten und ihrer MitarbeiterInnen liegt, sondern an einer rigorosen Unterdrückung durch die Landtags-IT.

Das Engagement auch von Ratspersonen, die der Opposition angehören, wurde als zielführend dargelegt, denn auch auf kommunaler Ebene werden Vorschläge der Opposition oftmals zunächst abgelehnt, dann aber nach einer gewissen Zeit (auf der Basis eines entsprechenden Antrages der Mehrheitsfraktion(en)) doch umgesetzt.

Einigermaßen pünktlich konnte Matthi Bolte die Veranstaltungen beendeten. Dies galt aber nicht für die Diskussionen im Saal und anderswo.

Für viele der Kommunalpolitiker dürfte es ein anregender Abend gewesen sein. Mechtilde und ich nutzten die Gelegenheit die Bekanntschaften mit Teilnehmern aufzufrischen und neue Bekanntschaften zu schließen.

Hinzuweisen ist abschließend noch auf Freifunk statt Angst. WLAN-Störerhaftung geht alle an!

Tuesday, 14 April 2015

Erste Eindrücke aus Tansania

Max's weblog » Deutsch | 08:05, Tuesday, 14 April 2015

Pole pole – das ist die typisch tansanische Mentalität, alles etwas ruhiger und langsamer angehen zu lassen. Und wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich erst einen Monat nach meiner Ankunft in Tansania dazu komme, einen ersten Blogeintrag über meine bisherigen Erfahrungen zu schreiben. Ich bin hier von Anfang März bis Ende Juli als Freiwilliger in einer Organisation tätig, die die Bildung von jungen Menschen und der ländlichen Bevölkerung durch Einsatz und Schulung von IT verbessern will. Im Folgenden möchte ich kurz einen Rundumblick über mein Leben hier und die Bedingungen geben, konkret über meinen Alltag, die Gefahren, meine Arbeit als Freiwilliger, die einheimische Bevölkerung und Kultur, Wetter und Natur sowie das liebe Geld:

Mein Alltag

Blick auf das "Dach Afrikas" von unserer Haustür

Blick auf das „Dach Afrikas“ von unserer Haustür

Ich wohne mit meiner Freundin in einer 3-Zimmer-WG im Stadtzentrum von Moshi, nahe des Kilimanjaros. Die Woche über arbeite ich momentan bis mittags im Moshi Institute of Technology, einer Art Volkshochschule mit Kursen im Bereich IT, Buchhaltung und Sprachen, welche von TAREO (Tanzania Rural Empowerment Organization) geleitet wird (dazu später mehr). Der Rest des Tages (nahezu alle Ehrenamtlichen in der Stadt arbeiten halbtags) geht hier mit ungewöhnlich zeitraubenden Aktivitäten wie Kochen, Einkaufen auf dem Markt und vom teils tierischen heißen Wetter ausruhen (zwischen 13 und 15 Uhr gehen selbst Transanier ungern auf die Straße) drauf. Die Länge des Tages wird durch die sehr früh einsetzende Dunkelheit um etwa 19 Uhr limitiert, nach der wir Wazungu (Mzungu = Ausländer, Weißer) nicht auf die Straße sollten, mehr dazu später. Am Wochenende bekommen wir Ehrenamtlichen für gewöhnlich frei, um die Stadt und Gegend zu erkunden, Trips zu unternehmen oder uns von der oft geistig anstrengenden Arbeit zu erholen.

Gefährlichkeit

Eine der häufigsten Fragen ist die nach der Gefährlichkeit. Kurzum: Es ist nicht viel gefährlicher als in einer deutschen Großstadt, wenn man sich nicht vollkommen daneben verhält und ein paar Grundregeln beachtet. Tagsüber haben wir noch nie davon gehört, dass jemand beklaut wurde, obwohl wir allein von der Hautfarbe her natürlich extrem auffällig sind. Moshi gilt als sehr sicher (was auf einige andere südlichere Großstädte in Tansania allerdings nicht zutrifft). Die größte Gefahr im Hellen ist es, in der ersten Zeit auf einen der zahlreichen Straßenverkäufer reinzufallen, die einem zuerst erzählen, wie toll sie arme Waisenkinder unterstützen und nach 5 Minuten plötzlich dubiose Safaris oder Halsketten anbieten – aber da lernt man schnell draus :)

In der Dunkelheit allerdings sind selbst normale Tansanier gut damit beraten, Bus oder Taxi zu nehmen. Armut und Arbeitslosigkeit locken Gelegenheitsdiebe hervor, die technische Geräte und Geld von den Unglücklichen abstauben wollen, aber diese dann meist ziehen lassen – ein Vorteil der kaum vorhandenen Kleinverbrechensaufklärung der hiesigen Polizei. Da das Taxi hier aber je nach Distanz 1,50€ bis 2,50€ pro Fahrt kostet, gehen wir Voluntäre da sowieso auf Nummer sicher und hatten in letzter Zeit nie Probleme.

Meine Arbeit

Ich arbeite für TAREO, eine Organisation, welche die ländliche Bevölkerung, die hier aufgrund der schlechten Bildung und der mieserablen Infrastruktur stark benachteiligt ist, unterstützen will. Das macht sie durch einige ländliche Schulen, aber auch Bildungseinrichtungen in Städten, wo junge Menschen Qualifikationen erwerben können. TAREO macht das vor allem durch den Einsatz von Computern und dem Internet, um die Menschen (meist Kinder, Jugendliche, Frauen und Farmer) gesellschaftlich aufholen zu lassen. Ein Problem nämlich ist, dass Schulen hier meist nicht kostenlos sind, oft ewig weit vom Wohnort entfernt sind und die Schullaufbahn sehr lange dauert, bis man etwa auf eine Universität gehen kann.

Moshi Innenstadt an einem Nachmittag

Moshi Innenstadt an einem Nachmittag

Im Moshi Institute of Technology (MIT), wo ich tätig bin, kann man an Kursen für Bürofachkräfte, IT-Techniker oder einfache PC-Grundlagen teilnehmen, was einen vergleichsweise geringen Betrag kostet. Dafür gibt es dann neben dem hier sehr wertvollen Wissen auch Zertifikate und sogar ganze Schulabschlüsse können nachgeholt werden. Natürlich ist das nicht vergleichbar mit professionellen Angeboten in Europa, schon einfach deswegen, weil die Infrastruktur fehlt. Wir arbeiten hier mit PCs aus dem Jahr 2001-2003, meist Pentium 3 oder 4 mit 256 bis 512MB Arbeitsspeicher. Leider laufen die meisten PCs noch mit WindowsXP, was ich aber durch die Installation von ressourcensparenden und vor allem kostenlosen Linux-basierten Systemen zu ändern gedenke.

Momentan aber ist die neue Webseite von TAREO (mittlerweile schon online) mein Hauptprojekt. Bisher hatte die Dachorganisation eine eigene Präsenz, genauso wie zwei der Center und der IT-Service – jeweils alle hoffnungslos veraltet und optisch ein Graus. Ich fasse nun alle Infos und einer modernen Webseite zusammen, strukturiere sie ordentlich, mache sie attraktiver für Sponsoren und interessierte Freiwillige und  besser auffindbar über Suchmaschinen. Mein Hauptaugenmerk liegt aber auf der einfachen Bedienung für die zuständigen Mitarbeiter, damit sie in Zukunft schnell Infos hinzufügen oder Bilder ändern können.

Diese Arbeit war zeitraubender als gedacht, weil es mehr Informationen, Schulen und Kurse zu vereinheitlichen galt als ich anfangs dachte. Möchte man dann noch aktuelle Bilder von den Einrichtungen auftreiben und vielleicht noch Fotos von den verschiedenen Mitarbeitern sammeln, kann sich das ganze nach hinten verschieben – pole pole halt. Bis Mitte/Ende April möchte ich dieses umfangreiche Projekt aber fertiggestellt haben und mich auf die Schulung von Lehrern des MIT konzentrieren. Momentan schwebt mit vor, die alte Software (und vielleicht auch Hardware) in der Einrichtung zu mordernisieren und dabei die 4 Lehrkräfte im Sinne von Learning by Doing einzubinden. Diese sind meist theoretisch recht fit und höchst interessiert, aber haben noch nie einen modernen Server angefasst oder eine Webseite online gestellt, weil einfach die Mittel dazu fehlen – etwas schade, wenn sie darüber unterrichten.

Die Einheimischen

Eine kleiner Weg in Moshi. Man beachte die Vegetation

Eine kleiner Weg in Moshi. Man beachte die Vegetation

Hier kann und will ich noch gar nicht so viel sagen. Die tansanische Kultur ist mir im Großen und Ganzen noch etwas unbekannt und fremd und man tritt immer mal wieder in kleine Fettnäpfchen. Eines der größten Probleme im Miteinander ist sicherlich die Sprachbarriere und die damit verbundenen Missverständnisse. Nur wenige Einheimische sprechen für unsere Verhältnisse wirklich gutes Englisch, um sich über kompliziertere Sachverhalte wie Kultur oder Gesellschaft zu unterhalten. Zudem waren die meisten Leute hier nie in Europa oder den USA und gehen davon aus, dass wir in der ersten Welt in purem Reichtum leben, nie krank werden, die iPhones und Fernseher auf Bäumen wachsen und alle happy sind. Das wird durch Filme und Serien vermittelt und leider durch Kurzzeittouristinnen in High-Heels und Miniröcken und wohlbeleibte Amis, die mit Geld um sich schmeißen (ist ja alles billig hier) nicht wirklich verbessert.

Ansonsten gibt es hier eine ganz klare Prioritätsverteilung: Die Familie steht ganz oben, dann folgen Freunde und erst dann mal Beruf oder Kunden. Nur die wenigsten Selbstständigen hier streben nach höherem, indem sie etwa ihre Restaurants renovieren, das Angebot erweitern oder eine Zweigstelle eröffnen. Man ist hier meist zufrieden, wenn man die Familie durchbringen kann. Ob das nun gut oder schlecht ist, überlasse ich Eurer Meinung. Aber wie ich schon gehört habe, spielt die Stammeszugehörigkeit hier noch eine sehr große Rolle. Dominant sind hier etwa die Chagga, welche als egoistisch und geschäftstüchtig gelten, wohingegen andere Stämme gastfreundlicher und selbstloser sein sollen. Eine Sonderrolle halten die Maasai inne, die ihrer traditionellen Lebensweise im Einklang mit der Natur treu geblieben sind. Einen Stamm der Maasai werden wir hoffentlich bald einmal über eine Nacht besuchen und dort mehr über sie lernen.

Wetter und Natur

Ein kleiner Ausschnitt aus der Herde Elefanten, die im Tarangire unseren Weg gekreuzt hat

Ein kleiner Ausschnitt aus der Herde Elefanten, die im Tarangire unseren Weg gekreuzt hat

Im April befindet sich Tansania für gewöhnlich in der großen Regenzeit, die Mitte/Ende März beginnt und bis Ende Mai dauert. Wer jetzt an Dauerregen und überschwemmte Straßen denkt, irrt genauso wie ich zu Anfang. Regenzeit bedeutet, dass es nachts mal ein paar Stunden regnet und tagsüber vielleicht mal maximal eine Stunde – dann aber wie aus Kübeln! Daher ist es auch etwas kälter als im hiesigen Sommer (November bis Februar), zumindest wenn man 28°C als kalt bezeichnen will. In höheren Lagen allerdings bewirkt dieser Regen wahre Wunder: Sandbraune Wiesen werden zu blühenden Äckern und jeder Schilling wird in die Landwirtschaft gesteckt. Selbst hier in Moshi sieht man plötzlich mehr Grün. Wir sind mal gespannt, wie sich die Regenzeit noch entwickelt und ob es hoffentlich noch kühler wird.

Tansania ist entgegen der weit verbreiteten Vorstellung, dass es sich um weite Ödnis, verbrannte Weiden und kahle Hügel handelt, ein von der Natur her sehr vielfältiges Land. Nachdem wir am Osterwochenende auf eine dreitägige Safari durch Lake Manyara, den Ngorongoro Krater und den Tarangire-Nationalpark gefahren sind, weiß ich, dass Tansania grün, blau, braun und rot zugleich kann: Urwaldähnliche Wälder, weite Steppen, riesige Seen, Hügellandschaften in sattem sandbraun mit einzelnen gigantischen Bäumen und erwachende Flüsse und an der Straße vulkanische rote Gesteinsbrüche. Das Weiß auf der Kuppe des Kilimanjaros natürlich nicht zu vergessen!

Money money money

10.000 Schilling. Umgerechnet 5€ und die größte Banknote

10.000 Schilling. Umgerechnet 5€ und die größte Banknote

Wie schon angedeutet, sind hier viele Sachen unglaublich günstig, vor allem einheimische Lebensmittel und Dienstleistungen. Die tansanische Währung sind Tansanische Schilling (TSH, TZS). Ein Euro entspricht etwa 2000TSH, die kleinste Münze sind 50TSH, der größte Schein 10.000TSH. Auf dem Markt, auf dem wir Gemüse und Obst einkaufen, kosten 3 (herrliche!) Auberginen 500TSH (0,25€), 5 kleine Paprika 500TSH, ein Eimer voller Kartoffeln je nach Qualität 3000TSH (1,50€) und eine Banane 100TSH (0,05€). Ein Rucksack voller Obst und Gemüse (natürlich Bio :P) kann nach einem Marktbesuch also für 5-10€ randvoll gefüllt sein. Dienstleistungen wie Nähereien sind hier ebenfalls sehr preiswert. So hat sich eine Freundin eine komplette Notebooktasche für 5-7€ nähen lassen, exklusive des auch preiswerten, aber hochwertigen Stoffs.

Vergleichsweise teuer sind hier aber importierte Produkte. 1kg Müsli bekommt man hier nicht für unter 5€, ein bisschen Käse schlägt auch mit mindestens 5€ zu Buche, echte Butter mit 4€ pro 250g. Werkzeuge sind ebenfalls mindestens doppelt so teuer wie im heimischen Baumarkt. Ein Liter Diesel kostet hier umgerechnet 80 Cent, eine kWh Strom 15 Cent – beides also für das tansanische Preisniveau sehr teuer. Beim Essen in Restaurants kommt es ganz klar darauf an, wo man hin geht. Die großen Touri-Restaurants, die in TripAdvisor o.ä. gelistet werden, sind auch für deutsche Verhältnisse mittelklassig teuer. Geht man aber in kleinere oder unbekanntere Läden, zahlt man für ein ausgiebiges und oft sehr gutes Essen auch mal nur 2,50€.

Ausblick

In den nächsten, hoffentlich bald folgenden Artikeln werde ich mich auf einzelne Themen beschränken. Technische, auf meine Arbeit bezogene Themen werde ich meinen Freunden aus dem Umkreis der FSFE zuliebe auf Englisch verfassen, dazu kommen aber wahrscheinlich einige unterhaltsame Nuancen aus Kultur und Alltag hier in Tansania oder Reiseberichte, die dann wieder auf Deutsch geschrieben sein werden.

Tuesday, 07 April 2015

Fellowshiptreffen am 25.03.2015

stehmann's blog | 18:51, Tuesday, 07 April 2015

Der Document Freedom Day (DFD) wird am letzten Mittwoch im März begangen. Am letzten Mittwoch der Monate Januar bis November finden in Düsseldorf die Fellowshiptreffen statt. Daher wurde bereits in den vergangenen Jahren jeweils im März im Rahmen des regulären Fellowshiptreffens der Document Freedom Day begangen.

Dieses Jahr ging es um Geodaten und Freie Geoinformationssysteme.

Die Teilnehmerzahl hatte erfreulicherweise wieder ein übliches Maß erreicht. Allerdings hatten auch fünf Teilnehmer des OpenStreetMap-Stammtisches Düsseldorf die Gelegenheit genutzt, den Referenten zu begleiten und am Fellowshiptreffen teilzunehmen. Nach der Vorstellungsrunde erwartete uns ein interessanter Vortrag.

Der Referent Harald Schwenk beschäftigt sich beruflich und in seiner Freizeit (OpenStreetMap) mit Freien Geoinformationssystemen und Offenen Geodaten. In diesem Bereich spielen Offene Standards eine bedeutsame Rolle.

Zu Beginn stellte uns Harald die OSGeo Foundation und den FOSSGIS e.V. vor. Letzterer hat in Deutschland auch die Rechtsträgerschaft für das OpenStreetMap-Projekt übernommen.

Dann erläuterte er uns die verschiedenen Arten von Geodaten (Vektordaten: Geometrie (Punkt, Linie, Fläche), SRID und Attribut(e); Rasterdaten und Punktwolken als Resultat von LIDAR).

Er erläuterte uns den Offen Standard OpenGIS Implementation Standard for Geographic information – Simple feature access – Part 1: Common architecture und Part 2: SQL option un dessen Implemaentation in PostgreSQL/PostGIS. Er stellte uns auch die Geography Markup Language (GML) vor.

Sein lebendiger, frei gehaltener Vortrag war gespickt mit prakischen Beispielen und Demostrationen. Die zahlreichen Nachfragen beantwortete Harald mit großer Sachkenntnis.

Rainer hatte zum Treffen einige Materialien mitgebracht, von denen der Rucksack “There is NO CLOUD, just other people’s computers” besonderen Anklang fand.

Nächstes Treffen:

Dokumentation ist ein wichtiges Thema – gerade auch bei Freier Software.

Unser Fellowshiptreffen im April 2015 findet am 29.04.2015 ab 19:30 Uhr in den Räumen der Cultural
Commons Collecting Society SCE mit beschränkter Haftung (C3S)
, Heyestr. 194, 40625 Düsseldorf, statt. Hierbei handelt es sich um das ehemalige Bahnhofsgebäude des (Düsseldorf-)Gerresheimer Bahnhofes; es ist also mit dem öffentlichen Verkehr gut erreichbar.

Jan Ulrich Hasecke wird nicht nur über das Python-Dokumentationstool Sphinx sprechen, sondern unter dem Thema

“Undocumented Code is Broken Code          oder
Dokumentation ist erfolgskritisch!”

auch darüber, welchen Stellenwert die Dokumentation in einem Software-Projekt einnehmen sollte. “Documentation Driven Development” ist in diesem Zusammenhang ein Stichwort. Ebenso wird die Frage eine Rolle spielen: “Was kommt nach der Dokumentation?”

Um 20:00 Uhr beginnen wir mit dem „offiziellen“ Teil. Wer später kommt, verpasst also was.

Gäste sind bei diesem Treffen wie immer herzlich willkommen.

Monday, 06 April 2015

FSFE Fellowship-Treffen Rhein/Main April 2015

Being Fellow #952 of FSFE » German | 22:55, Monday, 06 April 2015

Hier der etwas verspätete Bericht vom letzten FSFE Treffen in Frankfurt am 1. April (kein Scherz).Nach der obligatorischen, diesmal leider etwas zerfetzten Vorstellungsrunde, ging es um folgende Themen:

Freifunk für Asylbewerber

Den Anfang des Treffens hat ein Projekt in einer kleinen Gemeinde im Rhein/Main-Gebeit ausgefüllt. Die dort aufgenommenen Asylbewerber erhalten keinerlei Deutsch-Kurse. Eine offizielle Sprachförderung ist kaum vorhanden. Um diesen Missstand zu beheben engagiert sich Jane mit weiteren Freiwilligen im Rathaus und überlegt dort einen Router zu installieren, damit darüber Online-Kurse absolviert werden können. Wir diskutierten verschiedenste technische Möglichkeiten mit ihren Vor- und Nachteilen.

In diesem Zusammenhang kamen wir auch auf das Thema Mumble-Server, der ein soziales Bedürfnis mit Technik, Gerätehoheit und Datenschutz kombiniert.

Mutterware

Thomas hat es mal wieder zu uns geschafft und die Gelegenheit nicht ausgelassen mich an die geplante Mutterware-Party zu erinnern. :)

Bewerbung der Treffen

ich habe im Gegenzug wieder versucht Thomas zu überreden meinen Plan umzusetzen künftig die XML Datei für UserGroups Rhein/Main automatisch anzupassen und zu committen. (Siehe voriges Posting)

Vorträge

Wir wollen ja außer unseren üblichen ohnehin gehaltvollen Treffen noch weitere mit Vorträgen gestalten.

Wie im letzten Bericht erwähnt würde Jane gerne einen Vortrag in Form eines Lightning Talks übernehmen \o/. Dafür bräuchten wir nur noch einen Termin, der schon fast gefunden scheint: September soll es sein und es wird grob in die Richtung Nutzerführung gehen. Genaueres ist noch nicht bekannt. Es bleibt spannend. :)

Den Talk im Rahmen eines Stammtischartigen Treffens in einem Lokal zu halten ist nicht soo herausvordernd. Die nächst höhere Stufe wäre dann der freundliche CCC-Ffm, der mich ja bereits letzten Monat schon experimentieren ließ.

Jane würde sich den HQ des CCC-Ffm gerne mal angucken. Da es dort bisher so nett war, wollten gleich welche mit: Angepeilt wurde ein gemeinsamer Besuch am 16. April (heute).

Mehr zu kommenden Vorträgen beim CCC gibt es hier: http://ccc-ffm.de/

Zur Atmosphäre beim CCC für Vorträge: sehr entspannt. Als ich meine “Generalprobe” für meinen Talk beim CLT dort hielt, habe ich anfangs erklärt, dass ich mich sehr schwer mit der Materialauswahl getan habe und den Vortrag noch sehr kürzen müsste. Ich habe dann das Publikum gefragt, ob es OK wäre, wenn ich über die veranschlagten 45 Minuten hinaus gehen dürfe um es danach zu fragen, welche Teile kürzer werden sollen und welche nicht. Da nach mir nichts geplant war, war dies kein Problem und ich habe gute 20 Minuten überzogen und wertvolles Feedback erhalten.

Ich habe die folgende Woche dann damit verbracht den Talk umzuschreiben. Das Resultat wurde etwas zusammengeschnitten auf Youtube veröffentlicht.

Technickphilosophie

Julia hat noch mal kurz die Themen der letzten Technikphilosophie.org Runde besprochen.

Besonders interessant fand ich hier das Thema welche Probleme sich Menschen in politischen Ausschüssen gegenübersehen, wenn sie eigentlich keine Ahnung haben und dass sie dann oft Beratungsresistent wirken. Ein gutes Beispiel sind hier die politischen Konsequenzen aus der Enquette Kommission.

Dazu kamen Themen wie neue Vorschriften zum Forschungsdatenmanagement die Betroffenen ins Straucheln bringen, weil sie eine gewisse Abneigung hegen sich mit Neuem auseinanderzusetzen. Besonders wenn es “von oben” aufgedrückt wird.

Mit der gleichen psychologischen Mechanik haben “verordnete” Freie Software Migrationen zu kämnpfen.

Und es ging darum warum Menschen sich immer weniger engagieren. Viele kehren nach der Arbeit nur noch nach Hause und sitzen vorm Fernseher. Talkshowguckern empfiehlt Alexander “Talk, Talk, Talk” um Zeit für Freie Software zu schaffen :)

FrOSCon

Am Wochenende des 22. und 23. August wird es die 10. FrOSCon geben. Wieder mal mit den Teckids. Freiwillige sind hier immer willkommen! Vielleicht schaffen wir es ja diesmal mehr als nur einen Betreuer beizusteuern.

Digitales Forum im Gallustheater

Am 18. April findet das Digitale Forum im Gallustheater statt. Wir werden berichten. Ich freu mich drauf!

künftige Treffen – Wochentagsfindung

Etwas unter den Tisch gefallen ist meine Umfrage zu bevorzugten Wochentagen. Ich hatte ganz vergessen, dass ich die Umfrage schon gestartet hatte, aber org-mode hat mich brav erinnert, als die von mir gesetzte Deadline verstrichen ist. :)

Kurz: Vorerst bleibt es bei Mittwoch.

Wie MS OOXML als ISO Standard durchgeboxt hat

Ortswechsel

Da es diesmal im Albatros recht laut war, sind wir um 9 noch mal ins Lilium gewechselt.Themen dort waren:

Warum gehen wir zu den Treffen?

was macht ein gutes Treffen aus? Was erwarten wir von einem gelungenem Treffen?

Sind ältere Menschen eine lohnende Zielgruppe für FS Advokaten?

Vielleicht sogar ein Vehicel die Jungen zu erreichen?

Wie hält das Flickwerk Internet zusammen?

Mit social events der Verantwortlichen!

alte IT Literatur

In dem Zusammenhang wurde das Buch The Cuckoo’s egg empfohlen.

Mit dabei waren

  • Alexander
  • Andre
  • Ellen
  • Guido
  • Jane
  • Thomas D.
  • Thomas W.

Nach den angesprochenen Besuch beim CCC heute, dem digitalem Forum im Gallus am Samstag werden wir uns erst wieder am 13. Mai zu Gast bei der “Mobile User Group Frankfurt” treffen.

Näheres dazu wie immer im Wiki. Bis demnächst!

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Sunday, 05 April 2015

OER

stehmann's blog | 16:07, Sunday, 05 April 2015

bedeutet Open Educational Resources. Es geht also um freie Lern- und Lehrmaterialien.

Das Bündnis Freie Bildung hat jüngst zusammen mit der FSFE und weiteren Bündnispartnern ein Positionspapier “Der Weg zur Stärkung freier Bildungsmaterialien” veröffentlicht. OER ist somit auch ein Thema der FSFE.

Am 17.03.2015 fand auf Veranlassung von Schulreferent Frank Wessel, Landespfarrer Peter Mörbel (Studienleiter) und dem Internet-Beauftragten der rheinischen Landeskirche Ralf-Peter Reimann eine Fachtagung zum Thema „Open Education Resources (OER) – ein Thema für Kirche im digitalen Zeitalter“ in der evangelischen Akademie im Rheinland (Bad Godesberg) statt. Wolf-Dieter und ich waren zu dieser Tagung beim vorangegangenen Fellowshiptreffen in Düsseldorf von Ralf-Peter absichtsvoll als Fellows der FSFE eingeladen worden.

Interessant war, dass Frank Wessel in seiner Einleitung den augustinischen Spruch “Omnis enim res, quae dando non deficit, dum habetur et non datur, nondum habetur, quomodo habenda est.”; (deutsch: “Denn jede Sache, die durch Mitteilung an andere nicht verliert, besitzt man nicht, wie man soll, solange man sie nur selber besitzt, ohne sie wieder an andere weiterzugeben”), ein Motto der FSFE aus ihrer frühen Zeit, erwähnte und hinzufügte, dass diese Sentenz aus dem Werk “De doctrina christiana” („Von der christlichen Lehre“), also einem Werk zur Bildung, stammt.

Während des längeren und gut fundierten Vortrag von Jan Neumann vom Hochschulbibliothekszentrum des Landes NRW) und danach fanden sehr angeregte Gespräche statt, in denen vor allem Fragen aufgeworfen wurden, die bei konsequenter Nutzung von OER in der kirchlichen und von der Kirche verantworteten Bildung vorab zu beantworten sind.

Aufgeworfen wurde beispielsweise die Frage, unter welchen Bedingungen jemand in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis ein in der Arbeitszeit erstelltes Werk unter einer Freien Lizenz veröffentlichen kann. Festgestellt wurde auch, dass der Umstand, dass die Creative-Commons-Lizenzen die Inhalte lizenzkostenfrei stellen, nicht bedeutet, dass sich Projekte zur Schaffung und Verbreitung von Inhalten, die unter einer CC-Lizenz stehen, nicht (beispielsweise über Teilnehmerbeiträge, Materialkosten, Crowdfunding) finanzieren ließen. Auch Fragen der Qualitätssicherung wurden erörtert.

Es wurden also Fragen aufgeworfen, die sich so oder so ähnlich auch bei Freier Software stellen, sodass mit gutem Grund gehofft werden kann, dass unsere Beiträge nützlich gewesen sind.

Die Beratungen zu diesem Thema sind sicherlich in der einen oder anderen Form fortzuführen, bevor sie Ergebnisse zeitigen können, denn viele Fragen konnten nur angerissen, nicht aber erschöpfend behandelt werden. Es sind auch noch “dicke Bretter zu bohren”, bis in allen Gremien und bei allen Entscheidungsträgern und Betroffenen das notwendige Bewusstsein für die (“im wahrsten Sinne des Wortes”) Notwendigkeit freier Bildungsmaterialien und ausreichende Kenntnisse hierüber vorhanden sein werden.

Insgesamt ist aber schon jetzt festzustellen, dass die evangelische rheinische Landeskirche, vor allem auch durch Ralf-Peter, ein ambitioniertes Programm in Bezug auf Freie Software und Freie Inhalte verfolgt, welches uneingeschränkt unterstützenswürdig ist.

Das Portal wurde gestartet – wir waren dabei

stehmann's blog | 13:06, Sunday, 05 April 2015

Eine kleine Handbewegung für den CIO – aber ein großer Tag für Nordrhein-Westfalen. Von einem Raum im 15. Stock des Gebäudes der IT.NRW ging eine neue Epoche der Landesgeschichte aus, und wir können sagen, wir sind dabei gewesen.

In diesem Blog ist schon mehrfach über das Projekt Open.NRW berichtet worden.

Open.NRW wurde als Open Government Strategie im Mai 2014 durch die Landesregierung beschlossen. Ziel dieser Strategie ist es, mehr Transparenz durch die Bereitstellung von Daten, mehr Bürgerbeteiligung durch elektronische Partizipationsverfahren und eine bessere Zusammenarbeit durch die Nutzung Sozialer Medien in NRW zu ermöglichen. Dafür soll das Portal die zentrale Plattform bieten. Öffentliche Daten sollen in maschinenlesbaren Formaten zur freien Verwendung bereitgestellt werden.

In einen Raum unter dem Dach im 15. Stock des Gebäudes der IT.NRW in Derendorf mit schönem Aus­blick auf die Sky­line von Düs­sel­dorf und mit 80 lee­ren Stüh­len war­tete das Team der Open.​NRW-Ge­schäfts­stel­le am Abend des 16.03.2015 auf den Be­ginn der Dia­log­werk­statt, mit der das Open.​NRW Por­tal frei­ge­schal­tet wer­den soll. Mechtilde und ich erschienen pünktlich und begrüßten einige Bekannte. Trotz erheblicher Verkehrsstörungen füllte sich der Saal.

Hart­mut Beuß, der Be­auf­trag­te der Lan­des­re­gie­rung für In­for­ma­ti­ons­tech­nik (CIO) er­öff­nete mit einer kurzen Rede die Ver­an­stal­tung. Dann war zunächst ein Vortrag an der Reihe. Chris­ti­an Din­nus erklärte, was seit der ers­ten Dia­log­werk­statt al­les pas­siert sei und was die Nut­zer des Open.​NRW Por­tals in Zu­kunft er­war­ten kön­nten.

Endlich war es dann soweit: der CIO drückte den roten Knopf und eröffnete das Open.​NRW Por­tal.

Nach dem Motto „mitreden, mitbestimmen, mitgestalten“ konnten die Teilnehmer in einer Feedbackrunde ihre Anmerkungen und Ideen mit dem Open.NRW-Team diskutieren und Fragen stellen. Von mir wurde der Vorschlag unterbreitet, die Struktur der CSV-Dateien zu dokumentieren und – soweit möglich – zu standardisieren.

Dr. Dirk Hinterlang vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) erläuterte dann in einem anschaulichen Vortrag sein Projekt „Naturschutzinformationen NRW“.

Danach konnten wir bei Speis und Trank networken. Es ergaben sich noch einige interessante Gespräche unter anderem mit zwei Landtagsabgeordneten der Piraten und ihren Mitarbeitern.

Der Veranstalterbericht findet sich hier; ein Interview mit Herrn Beuß dort. Dieser hat auch “zur Feier des Tages” einen Blogbeitrag verfasst.

Matthi Bolte, der netzpolitische Sprecher der (Regierungs-)Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Landtag NRW, würdigte am nächsten Tage unter dem Betreff “Offene Daten für alle – NRW startet Open Data Portal” das Ereignis als eine neue Stufe der Umsetzung der Open.NRW-Strategie. Mit dem Start des Portals für offene Daten würde ein zentrales Ziel für mehr Transparenz, politische Beteiligung und wirtschaftliche Innovation in Nordrhein-Westfalen gesetzt.

Auch wenn die derzeit dargebotenen Daten und Beteiligungsmöglichkeiten noch eher gering erscheinen können – ein Anfang ist gemacht. Und das in weniger als einem Jahr nach der Verabschiedung der Open.NRW-Strategie durch die nordrhein-westfälische Landesregierung und in weniger als zwei Jahren nach der Vorstellung erster Eckpunkte der Open.NRW-Strategie im Landtag.

Besuch bei der TroLUG

stehmann's blog | 09:48, Sunday, 05 April 2015

Für die Troisdorfer Linux User Group, organisiert als ein Club der Arbeiterwohlfahrt Troisdorf (AWO), ist die FrOSCon in St. Augustin ein “Heimspiel”. Daher hatten wir schon vor einigen Jahren versucht, einmal einen Besuch bei deren Treffen zu arrangieren. Am 05.03.2015 war es dann soweit: Mechtilde, Rainer und ich fuhren auf Einladung der TroLUG zu einem Treffen derselben. Ich war dazu auserkoren, dort einen Vortrag zu halten.

Wir trafen dort alte Bekannte und neue Gesichter. Es stellte sich dann heraus, dass viele Teilnehmer erfahrene IT-ler waren, was den Altersdurchschnitt prägte.

Mein Vortrag über Freie Software, deren Lizenzen und Vorteile für die Anwender, Richard Matthew Stallman und die FSFE und ihr Fellowship, den ich wie gewohnt frei hielt, dauerte länger als von mir erwartet – wohl auch, weil ich beim sachkundigen Publikum, welches kluge Zwischenfragen stellte, tiefer in die Materie einsteigen konnte. Dennoch konnte der offizielle Teil der Versammlung nach Abschluss der Diskussion pünktlich enden. Die teils lebhaften Diskussionen indizierten sicherlich das große Interesse der Teilnehmer an den behandelten Themen.

Rainer auch Materialien mitgebracht, die den Zuspruch der Teilnehmer fanden.

Die Folien hat die TroLUG ins Netz gestellt. Es steht dort auch eine odp-Version für alle, die die Freiheiten der Lizenz CC-BY-SA 3.0 DE nutzen möchten. Seitens der Teilnehmer wurde auch ein Protokoll gefertigt.

Nach dem offiziellen Teil klang der Abend noch in einer Troisdorfer Gastwirtschaft aus. Viel zu früh mussten wir uns leider auf den Heimweg machen.

Der Abend war für uns schön und für die TroLUG wohl, wie im Nachhinein vermeldet wurde, ein voller Erfolg.

Das interessante Vortragsprogramm dieser engagierten LUG ist sicherlich nicht nur einen Besuch in Troisdorf wert.

Lizenzmanagement – Alles im “grünen” Bereich oder Alarmstufe “rot”?

stehmann's blog | 09:39, Sunday, 05 April 2015

lautet das Thema eines Abends, der am 26.02.2015 von der “XING Gruppe Düsseldorf” und der XING-Gruppe “IT-Connection” veranstaltet wurde. Es handelte ich um eine Kooperation zweier befreundeter Xing-Gruppen.

Die zu diskutierende Frage lautete: Ist Ihr Unternehmen in Sachen Softwarelizenzmanagement richtig aufgestellt?

Nun spielt “license compliance” bei Freier Software für die Entwickler derselben eine große Rolle. Der Anwender jedoch, der sich auf sein gutes Recht “use for any purpose” berufen kann, wird mit diesem Thema bei Freier Software nicht belästigt. Da Freie Software auf beliebig vielen Computersystemen, Prozessoren und Prozessorkernen und auch auf virtuellen Maschinen, sowie beliebig lange eingesetzt werden darf, bedarf es auch keines Lizenzmanagements, und “Audit” ist für den Anwender Freier Software ein Fremdwort. Was also bewegte Mechtilde und mich zu einer solchen Veranstaltung zu gehen? Nun der Abend war lehrreich und interessant und bestärkte uns am Ende in unserer Entscheidung für Freie Software.

Neben uns nahmen noch etwa 60 Fachleute aus der IT teil. Organisiert wurde das Event in hervoragender Weise von Alexandra-Danae Wassenhoven von der XING-Gruppe “IT-Connection”, der etwa 90.000 IT-Verantwortliche aus dem deutschsprachigen Raum angehören sollen.

Vor und nach den Vorträgen gab es bei Speis und Trank Gelegenheit zum Networking. Mechtilde und ich lernten einige interessante Menschen kennen.

Johannes Balzer, Senior Consultant SAM Services and Operations bei Crayon, referierte zum Thema “Audit, Risiko oder Chance”. Bernd Löschner, Leiter CC License Services bei MT AG, referierte über “SAMT – Software-Asset-Management”.

Man erfuhr viel Interessantes zum Thema Softwarelizenzaudit.

Klar ist, dass die Hersteller von proprierärer Software dieses Instrument in erster Linie zur Generierung weiteren Umsatzes einsetzen. Dabei kommt ihnen zupass, dass die Verwaltung von Softwarelizenzen bei professionellem Einsatz in den letzten Jahren sehr komplex geworden ist. Hierzu hat nicht nur der technische Fortschritt in Gestalt von Cloud Computing und Virtualisierung beigetragen. Sondern es erschweren auch neue Nutzungsmodelle von unterschiedlichen Herstellern ein effektives Lizenzmanagement durch IT-Anwender und -Verantwortliche.

Zu welcher Verwirrung dies führen kann, berichtete ein Teilnehmer. Ein Vertriebler eines Datenbankherstellers konnte den Verantwortlichen eines mittelständischen Unternehmens mit dem Argument, die Software werde in ja in einem Unternehmen eingesetzt, dazu bewegen, die recht kostspielige “Enterprise”-Lizenz zu erwerben. Allein aufgrund des Aufwandes der mit dem Betrieb dieses Datenbankmanagementsystems verbunden ist, dürfte dieses aber wohl kaum für die häusliche Verwaltung von Briefmarkensammlung Verwendung finden, sodass dieses System wohl nahezu ausschließlich in Betrieben und Verwaltungen und dort auch mit günstigeren Lizenzen eingesetzt wird.

Teilnehmer wunderten sich darüber, wieso die Softwarehersteller “einfach so” in ihr Unternehmen eindringen und dieses untersuchen können. Ihnen musste erklärt werden, dass sie dieses Recht als Unternehmer, die nicht unter dem Schutz verbraucherschützender rechtlicher Regelungen stehen, vertraglich dem Softwarehersteller eingeräumt haben. Die Alternative zum Besuch des Auditteams desselben ist der Besuch durch Strafverfolungsbehörden, denn das Urheberrecht ist strafbewehrt.

Bisher dachte ich, die Verwaltung proprietärer Softwarelizenzen würde “nur” den Aufwand eines Lizenzmanagements erfordern. Dieses Bild war jedoch, wie an diesem Abend deutlich wurde, ziemlich unvollständig. Wegen der Komplexität der Verwaltung von Softwarelizenzen bei professionellem Einsatz drohen dem Anwender nach einem Audit hohe Nachzahlungen und Vertragsstrafen. Auch können sich im schlimmsten Falle (zivil- und straf-)rechtliche Konsequenzen für Unternehmensverantworliche ergeben.

Zur Meidung oder zumindest Minderung dieser zu erwartenden Auditfolgen kann zwar vorher externe Beratung eingeholt werden, was aber wiederum Kosten verursacht. Zwar kann eine solche Beratung möglicherweise auch zukünftig Lizenzkosten einsparen. Aber dann hat man in der Vergangenheit zuviel gezahlt, ohne das diese “ungerechtfertigte Bereicherung” des Softwareherstellers kondiziert werden kann. Man hatte ja “nur” den falschen Lizenzvertrag abgeschlossen, und “pacta sunt servanda”.

Hinzu kommen noch interne Auditkosten, denn zur tunlichen Betreuung der Auditoren ist sachkundiges Personal abzustellen.

Diese wiederkehrenden Kosten dürfen bei der Berechnung der Total Cost of Ownership nicht außer Acht gelassen werden.

Die “Erfindung” neuer Nutzungsmodelle seitens der Hersteller proprietärer Software und deren Durchsetzung bei zeitlich befristeter Lizenzierung raubt dem professionellen Anwender Planungssicherheit. Insoweit kann das bei proprietärer Software meist gegebene Vendor-Lock-in nicht von Anfang an ersichtliche, erhebliche finanzielle Auswirkungen für den Anwender haben.

Wer als professioneller Anwender Softwarelizenzaudits und deren Risiken, Nebenwirkungen und Folgen vermeiden will, tut also gut daran, Freie Software einzusetzen. Dann hat er auch keine diesbezüglichen Complianceprobleme.

Somit war der Blick in diese ganz andere Welt für uns lehrreich und bestätigte ein weiteres Mal unsere Entscheidung für Freie Software.

Interessant war auch der Aspekt, dass Hersteller proprietärer Software als Motiv für die Audits “Kundenerziehung” nannten. Das Menschenbild der Hersteller proprietärer Software scheint also dem der Schöpfer Freier Software ziemlich entgegengesetzt zu sein.

Wednesday, 18 March 2015

FSFE Fellowship-Treffen Rhein/Main März 2015

Being Fellow #952 of FSFE » German | 07:01, Wednesday, 18 March 2015

Hier der etwas verspätete Bericht vom letzten FSFE Treffen in Frankfurt am 4. März.

Ausnahmsweise war kein Platz für uns im Café Albatros und wir mussten umziehen. Um so etwas zu vermeiden werden wir künftig auch ohne “offizielle” Zusagen einfach blind einen Tisch reservieren. Bisher war dies im Albatros nie wirklich nötig gewesen, aber diesmal haben uns zwei große Gruppen mit ihren Reservierungen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich hatte die Bedienung gebeten eventuelle Nachzügler zu informieren, was meines Wissens auch gut geklapt hatte.
Trotzdem bitte ich alle, die uns nicht möglicherweise nicht gefunden haben sollten, um Entschuldigung. Und um es noch schlimmer zu machen: Ihr habt ein richtig tolles Treffen verpasst!
Die “üblichen Verdächtigen” blieben diesmal (teils entschuldigt ;) ) dem Treffen fern. Um so besser, dass von den letztlich 8 Teilnehmern 5 Neuzugänge dabei waren \o/

Vorstellungsrunde

Die bei neuen Gesichtern obligatorische Vorstellungsrunde offenbarte erneut wie breit gefächert Freie Software Interessierte Menschen aufgestellt sind: Von pensionierten Ärzten über Debian Entwicklern, Web-Designern, Wissenschaftlern, Politikern, Juristen bis zu einfachen Angestellten wie mich, die beruflich nahezu nichts mit Software zu tun haben.

Lücken im Wiki

Bernd wies uns darauf hin, dass es im FSFE Wiki noch einige Lücken zu füllen gibt. Dort gibt es noch viele Platzhalter, die mit Inhalt gefüllt werden wollen. Generell lässt die Struktur des Wikis sehr zu wünschen übrig. Man muss kein Fellow der FSFE werden um Schreibzugriff zu bekommen und was dran zu ändern. Wie ein Gastzugang erstellt werden kann, steht auf dieser Seite: http://wiki.fsfe.org/UserGuide#Guest_accounts

Skype Alternativen

Ein Punkt, den Bernd in diesem Zusammenhang angesprochen hat, war die Seite zu Skype Alternativen. Ich denke, das müsste diese hier sein: http://wiki.fsfe.org/ConvinceYourFriends Stimmt’s? Für Konferenzen hatte ich Mumble vorgeschlagen und darauf hingewiesen, dass sich nach dem Test-Workshop in Manchester zum DFD 2012 einiges getan hat. Auf der FOSDEM sah ich auch einen recht interessanten Lightning Talk über Scalable Video Conferencing with Jitsi Videobridge gesehen. Mir fällt auch jetzt ein, dass ich zu dem Thema im FSFE “Planet” schon einige Artikel von Daniel Pollock zu dem Thema gelesen habe.

Wie bringt man Freie Software unters Volk?

Wir kamen später auch wieder darauf zurück wie man Menschen motivieren kann, sich doch mal damit auseinanderzusetzen. Es ist eben ein sehr komplexes Thema, dass hier vermittelt werden muss. Gleichzeitig besteht die Schwierigkeit, dass in großen Teilen der Bevölkerung kein Problembewusstsein besteht und so sehen viele erst gar keine Veranlassung sich damit zu beschäftigen. In dem Zusammenhang kann ich noch folgende Texte und Medien empfehlen:

Nachwuchs in der Freien Software Szene

Es wurde auch bemerkt, dass beim CCC und offenbar in der gesamten Freien Software-Szene das Durchschnittsalter steigt. Interesse am Programmieren besteht allerdings. Wie können wir mehr Junge Menschen motivieren sich für Freie Software einzusetzen? Auch hier scheint ein Hindernis das fehlende Problembewusstsein zu sein. Nutzerrechte werden durch DRM und andere Mechanismen immer weiter eingeschränkt und die junge Generation kennt es gar nicht mehr anders.

FS in der Bildung

Wieder nicht von mir eingebracht! Es ist immer noch üblich, dass Lehrer *.doc oder *xls Dateien von ihren Schülern einfordern. Vielleicht sollten wir hier lokal mal was machen. Gibt es da Vorschläge wie wir da vorgehen können? Ansonsten könnten wir das polnische Konzept übernehmen.

FreeYourAndroid.org

So kamen wir auch auf Nutzerbeschränkungen von Mobiltelefonen und die FreeYourAndroid Kampagne. Wer daran Interesse hat, kann sich auf der Mailingliste eintragen.

Flyer, Sticker, sonstiges Promotion-Material

Ich hatte ja einiges an Promotion-Material mit und die Mannheimer hoffentlich ausreichend ausgestattet. Björn hat auch sofort zwei Tippfehler auf dem angesprochenen Werkzeug-Flyer gefunden, die ich gleich mal melden werde. Noch mal zur Info: Jede/r kann bei der FSFE kostenfrei Material bestellen. Und natürlich auch Tippfehler oder Verbesserungsvorschläge melden. :)

Bewerbung der Treffen

Es wurde vorgeschlagen die FSFE Treffen auch auf Meetup und Eventbrite anzukündigen. Ich habe zwar einen Meetup-Account, aber Events einstellen kostet dort neuerdings Geld. Laura bot an mit ihrem Meetup-Account auch unsere Treffen zu bewerben. Ich werde die Details mit ihr per Mail besprechen. Eventbrite kenne ich nicht und muss es mir erst mal ansehen. Auf den ersten Blick sieht es eher aus als könne man darüber nur Tickets verkaufen. Ist jemand hier, der die Bewerbung unserer Aktivitäten dort übernehmen möchte? Bisher benutze ich für die Ankündigung unserer Treffen ein selbst zusammengeschustertes Skript, dass Event-Einträge auf https://fsfe.org in mehreren Sprachen publiziert, die Mail Erinnerungen, Tweets und Posts an Diaspora verschickt. Eine einigermaßen aktuelle Version findet sich (noch) auf Gitorious. Nebenbei: Kennt jemand eine Freie Software Alternative zu Gitorious? Sonst muss ich es künftig eben selbst hosten. Der Plan ist künftig die XML Datei für UserGroups Rhein/Main automatisch anzupassen und zu committen.

Vernetzung mit anderen Gruppen

Nach dem Usergroup Treffen auf der Fuxcon begannen wir ja schon Kontakte zu anderen Gruppen zu knüpfen. Wir waren zu Gast beim CCC-Ffm und den Freifunkern und werden voraussichtlich im Mai zu den Mobile Users gehen. Danach müssen wir mal gucken wen wir als nächstes besuchen. Auf Rheinmeinrocks gibt es ja eine schöne Liste.

Flossie

Jane hatte Flossie erwähnt, ein Netzwerk für Frauen in der Freien Software Szene (Fokus auf UK). Leider hat sie dabei nicht die Bekanntschaft mit FSFE Aktivistin Anna Morris gemacht. Im Rhein/Main-Gebiet sind mir nur die Techettes , DigitalMediaWomen54 und Webgrrls bekannt, allerdings ohne Bezug auf Freie Software. Grund genug das Thema vielleicht mal dort anzusprechen!

Vorträge

Auch im Rahmen der Vernetzung wurde über einen Austausch von Speakern gesprochen. Die Freifunker hatten sich ja schon angeboten und der CCC würde die Räumlichkeiten stellen. So wie kürzlich geschehen:

Vortrag beim CCC-Ffm

Am 14. März hielt ich einen Vortrag im neuen HQ des CCC Frankfurt: Freie Software in der Bildung – Was passiert in Europa? Durch das dortige Feedback hielt ich dann am 22. März eine überarbeitete Version desselben auf den Chemnitzer Linuxtagen.

Künftige Vorträge

Jane würde gerne den nächsten Vortrag in Form eines Lightning Talks übernehmen \o/. Dafür bräuchten wir nur noch einen Termin um ein wenig Druck zu erzeugen :) April ist wohl zu kurzfristig, im Mai wollten wir zu den MobileUsers, da bliebe der 3. Juni als nächster Termin, aber das müssen wir noch klären.

Digitales Forum im Gallustheater

Björn hat die Idee hinter der geplanten Veranstaltung am 18. April noch etwas genauer erklärt als in der E-Mail an die Liste. Es sieht übrigens so aus das ich wohl kommen kann :)

Finanzierung von Freier Software/Freifunk/Hackerspaces/FSFE

Wir unterhielten uns darüber wie Projekte wie Freifunk sich finanzieren können ohne in Abhängigkeit von einem einzigen Spender zu geraten. Diese Problematik findet sich bei vielen Softwareprojekten, wie GnuPG und auch bei der FSFE und war ein Grund das Fellowship zu gründen. In dem Zusammenhang: Bernd hat bei der Vorstellungsrunde kurz angerissen, das HP viel Freie Software entwickeln lässt. Was er nicht erwähnt hat, war dass HP auch Silver Donor der FSFE ist.

CryptopartyFfm

Die Frankfurter Gruppe um die Cryptoparties tut sich im Moment schwer einen neuen Termin zu finden. Es wurde gefragt, wie die Cryptoparties in der Regel ablaufen. Hier die Kurzversion: Am Anfang gibt es einen kurzen einleitenden Vortrag, dann werden die Teilnehmer je nach Interesse und verfügbare CryptoAngels in Gruppen aufgeteilt und es geht ans Praktische. Wenn ich die Einleitung mache, nehme ich meistens was aus dem Repository hier: https://gitorious.org/cpffm/cpffm/ Da Gitorious im Mai schließen wird, benötige ich auch hierfür bald ein neues Zuhause.

Keysigning

Endlich wurden auch mal wieder GPG-Fingerprints ausgetauscht :)

Sonstige Themen

BootCD

Bernd hat in der Vorstellungsrunde bootcd erwähnt, was zufällig genauso aussieht wie etwas was ich vor einiger Zeit erfolglos gesucht habe. Das werde ich mir auf jeden Fall mal angucken.

Wann kommt RMS denn mal wieder nach Deutschland?

Laura sagte, dass RMS überall in der Weltgeschichte herumreist, aber schon ewig nicht mehr in Deutschland zu sehen war. Ich hab mal kurz geguckt: Stimmt ja gar nicht! ;) Beschwerden in diesem Fall bitte an die FSF in den USA, nicht an die FSFE :)

Technickphilosophie

Alexander hat noch mal auf Technikphilosophie.org hingewiesen. Zur zweiten Veranstaltung dieser Reihe waren wir auch eingeladen, konnten aber nicht kommen. Hoffentlich beim nächsten mal.

Qualität von LibreOffice

Es wurde bemerkt, dass LibreOffice qualitativ noch nicht gut genug sei. Ich nutze es zu selten um es beurteilen zu können. Aber man sieht, dass sich einiges tut. Bleibt mir nur noch auf das nächste Treffen am 1. April (kein Scherz) zu verweisen. Das ist ja nicht mehr lange. Bis demnächst!

flattr this!

Sunday, 01 March 2015

“Dortmund braucht Freie Software”

stehmann's blog | 16:31, Sunday, 01 March 2015

propagiert Do-FOSS. Till hat uns diese Initiative beim Fellowshiptreffen in Düsseldorf am 25.02.2015 vorgestellt.

Der Referent war frühzeitig da; die Teilnehmer kamen aber leider nur spärlich. Erst durch zwei “Nachzügler” wurde die Zweistelligkeit der Teilnehmerzahl erreicht. Allerdings hatte sich ein regelmäßiger Teilnehmer krankheitsbedingt entschuldigt. Und Rainer war leider trotz unseres Treffens von der Führung der FSFE zu einem Mitarbeitertreffen nach Berlin beordert worden, obwohl er sich sehr für das Thema und die Menschen hinter Do-FOSS interessiert.

Der offizielle Teil des Treffens begann mit der “obligaten” Vorstellungsrunde.

Till berichtete von der Organisationstruktur, der Entstehung und der Geschichte dieser inzwischen städtisch anerkannten Bürgerinitiative, die sich den verstärkten Einsatz Freier Software in der Verwaltung der Stadt Dortmund zum Ziel gesetzt hat.

Der dargelegte “Weg zu Freier Software” und die “strategische Überlegungen” machten einen sehr ausgereiften Eindruck. Interessant war auch die Zusammenarbeit mit der einschlägigen Gewerkschaft, welche dem Ziel dieser Initiative wohlwollend gegenübersteht.

Die strategische Überlegungen nahmen auch einen breiten Raum in der Diskussion ein, die sicherlich sowohl für den Referenten als auch für die Teilnehmer lehrreich war.

Der Referent brachte auch zum Ausdruck, dass Do-FOSS gerade an einer Unterstützung durch die FSFE sehr gelegen ist. Diese wird u.a. als öffentlicher Unterstützer auf der Homepage von Do-FOSS erwünscht.

Der Ausblick mit aktuellen Fragestellungen schloss diesen interessanten Vortrag ab.

Till hat uns freundlicherweise die Folien seines Vortrages zur Verfügung gestellt. Bis auf das Logo und die Silhouette der Stadt Dortmund steht der Inhalt der Folien unter der Lizenz cc0.

Insgesamt war es wieder ein interessanter Abend, der mehr Teilnehmer verdient gehabt hätte.

Beieindruckend war, was Do-FOSS mit recht wenigen Leuten trotz “starken Gegenwindes” in relativ kurzer Zeit “auf die Beine gestellt hat”. Der Chronist konnte sich insoweit eines besonderen Lobes nicht enthalten.

Diese Initiative verdient – wenn notwendig – unsere Unterstützung.

Das nächste reguläre Fellowshiptreffen in Düsseldorf findet am 25.03.2015 ab 19:30 Uhr im Chaosdorf, Hüttenstr. 25, 40215 Düsseldorf, statt. Um 20:00 Uhr beginnen wir mit dem „offiziellen“ Teil. Wer später kommt, verpasst also was.

Harald beschäftigt sich beruflich und in seiner Freizeit mit Freien Geoinformationssystemen und Offenen Geodaten. Hierüber wird er referieren. In diesem Bereich spielen Offene Standards eine Rolle bedeutsame Rolle, sodass dieses Treffen auch eine Veranstaltung im Rahmen des Document Freedom Day (DFD) ist.

Der Document Freedom Day wird am letzten Mittwoch im März begangen. Am letzten Mittwoch der Monate Januar bis November finden in Düsseldorf die Fellowshiptreffen statt. Daher wurde bereits in den vergangenen Jahren jeweils im März im Rahmen des regulären Fellowshiptreffens der Document Freedom Day begangen.

Gäste sind gerade bei diesem Treffen wie immer herzlich willkommen.

Der offizielle Teil wird spätestens um 23:00 Uhr enden.

Saturday, 14 February 2015

I Love Free Software Day 2015: GnuPG

André on Free Software » Deutsch | 18:40, Saturday, 14 February 2015

Wenn Sie sich gebildet haben in den Niederlanden wie ich, dann sind Sie
höchstwahrscheinlich in einer Situation geendet, wo das was Ihnen
erzählt ist und was um Sie herum geschieht zwei völlig unterschiedliche
Dinge sind.


Was passierte hinter der Mauer in die ’80er…

Während die Menschen in der DDR beraubt wurden, und das Geld
nach die Mauer und das spionieren der Kommunikation der gesamten
Bevölkerung ging, haben die niederländischen Regierung, die staatliche
Medien und die Schulen diese Art von Gesellschaft heruntergeredet. Wir,
in den Niederlanden, waren einer freien, sozialen Marktwirtschaft und
damit sehr viel besser. Zumindest das wurde man uns glauben
lassen.

Auf Vorschlag von meiner Schule damals, habe ich verpflichtet-freiwillig ein Besuch
gebracht an Berlin und Umgebung in den späten 80er Jahren. In meine
Gedanken an Ost-Berlin waren die Straßen sauber, die Preise günstig, und
die Leute sehr freundlich. Es gab fast keine Werbung in den Straßen
oder an Gebäuden. Es gab keine große Slogans von Unternehmen auf die
Kleidung. Eine PR Dame der DDR war immer mit unseren Gruppe und erzählte
über die Vorteile des Kommunismus und was für tolle Dinge der Staat
erreicht hat. Ost-Berlin sah aus wie eine kleine Stadt in der Provinz,
aber mit über einer Million Einwohnern.

… Und die Erzählung von dass, was danach
passierte

Gesellschaften können nur eine begrenzte Anzahl von Ressourcen
(Arbeitszeit, Geld) produzieren. Wenn eine Menge kreative Energie
gesellschaftlich Unterdrückt wird und das Geld geht in die Überwachung
und den Unterhalt der Mauern, dann geht man es nicht gewinnen in die
Wirtschaft. Darum ging die Sowjetunion nach unten.

Aber in dieser Zeit, Anfang der 90er Jahre, ging es nicht mehr
um das behalten und wenn möglich exportieren der freien sozialen
Marktwirtschaft. Es ging um den Grundstein zu liegen für die Demontage
des Sozialstaats in Westeuropa, Russland so weit wie möglich zurück zu
drücken und die Deutschen in einer Situation zu bringen wo es nur
erlaubt war wirtschaftlich zu gewinnen. Was die auch getan
haben.

In den inzwischen Feindlosen Niederlanden, hätte der Staat den
Wahl um sich zu einer echten Demokratie zu bekennen, wo man zum Beispiel
die Bürgermeister wählen kann. Es war aber nicht so.

So “Das Westen” hatte eine einmalige Chance alles zu Gute zu
ändern und hat es komplett gebliesen.

Die Menschen an die Macht wollten an die Macht bleiben und
brauchten eine politische Rechtfertigung. Ausfuhr von Waffen zu
instabilen Ländern wo die Idioten alles regeln sind eine Garantie fur
Terrorismus, und der Terrorismus ist die Ausrede, um hier nicht einer
vollen Demokratie aus zu rufen und die gesamte Bevölkerung unter
Überwachung zu bringen.

Als Untertan von den Niederlanden kann ich fast gar nichts tun.
Aber das, was ich tun kann, mache ich:

  • Freie Software, weil es steht für alles das Diktatoren nicht mögen
  • keine kommerziellen “Soziale Medien”
  • Eine Bank wählen die die Rüstungsindustrie nicht finanziert.

In den ’80er hat meine Geschichtslehrer gesagt, dass was
passiert ist in 1940, der Reden ist dass die niederländische Staat nie
Bevölkerungsdaten mit persönlichen Informationen über alle halten wurde.
Ich hoffe für ihn dass er wach geworden ist aus seinem Märchen und mit
mir die Freier Software unterstützen will.

An diesem Tag möchte ich allen Beteiligten in der Freien
Software danken, und ganz besonders diejenigen, die entwickeln und
arbeiten für GnuPG, weil es im Ende geht um die Freiheit.

Sunday, 08 February 2015

MAGIX: Retten Sie Ihre Videokassetten!

pb's blog » de | 22:06, Sunday, 08 February 2015

Seit einiger Zeit bekomme ich mehr und mehr Anfragen ob das von MAGIX angebotene Paket zur Digitalisierung und Archivierung von alten Videokassetten etwas taugt.

Als Techniker im nationalen Videoarchiv habe ich wahrscheinlich gewisse Ansprüche an die Digitalisierung und Archivtauglichkeit von Videomaterial, die für die meisten Endanwender_innen vielleicht “overkill” wären (z.B. verlustfreie Codecs).

Um analoge Videos einfach und billig zu überspielen ist dieses Produkt derzeit kaum zu unterbieten.
Die langfristige Archivierbarkeit (und Qualität) der Ausgabeformate stelle ich jedoch sehr in Frage.

Beim Nachlesen über dieses MAGIX-Paket fielen einige Dinge auf, die man vielleicht wissen/bedenken sollte, bevor man sich dieses Produkt zulegt.

Zusammenfassung / Überblick

  • Fragliche Qualität des Analog/Digitalwandlers
  • Ausschließlich verlustbehaftete Ausgabeformate
  • Sowohl WMV, als auch optische Speichermedien sind als Archivformat absolut unzulänglich
  • Unklare Generationsverluste bei Aufnahme/Bearbeitung/Export

Mögliche Hybridlösung:
MAGIX-Wandlerstick mit VirtualDub verwenden (siehe unten) und FFV1 oder DV als Videocodec verwenden. PCM für Audio.
Originaldateien auf Festplatte(n) speichern, und DVD/Blu-Ray lediglich für Ansichtskopien.
Somit kann man beschädigte DVD/Blu-Rays jederzeit neu erstellen, oder in Zukunft sogar in das-dann-gängige Videoformat zum Ansehen überspielen. Ohne zusätzlichen Generationsverlust.

Unterstützte Audio/Videoformate:
Unter “Technische Daten > Dateiformate” werden die unterstützten Formate für Video/Audio/Bild aufgelistet.

Die dort angegebenen Formate richten sich ausschließlich nach den Dateiendungen von Medienfiles (zB AVI, MOV, MP3, OGG). Das wirkt auf den ersten Blick zwar einfach(er), jedoch fehlen dadurch konkrete Informationen über die tatsächlich unterstützten Codecs.
Ein Videofile besteht immer aus 3 Komponenten:

  1. Container
  2. Video-Codec
  3. Audio-Codec

Abgesehen davon, dass die angegebenen “Videoformate” eine Mischung von Containern (AVI/MOV) und Codecs (DV, MPEG-1, MPEG-2, WMV) sind, wird ausschließlich “WMV(HD)” als Video-Exportformat aufgelistet.
Unter Anderem gibt es dort keine Information wie der Ton des Videos abgespeichert wird.

Die Liste an Audioformaten gibt lediglich an, dass man ausschließlich verlustbehaftete (!) Codecs wie MP3/WMA/Vorbis importieren kann.

Analog-Digital Wandler (AD-Konverter):
Das analoge Videosignal wird über einen kleinen, süßen USB-Stick mit Videoeingängen digital gewandelt.
Ich konnte noch keine öffentlich-zugänglichen Informationen über die technischen Details dieses Wandlers finden.

Offene Fragen:

  • Liefert der Wandler das unkomprimierte Digitalsignal – oder bereits eine verlustbehaftet (=lossy) komprimierte Version?
  • Selbe Frage für Audio…
  • Bleiben die Video-Halbbilder 1:1 erhalten?
  • Wird die Farbinformation beibehalten, oder das Subsampling verändert (zB 4:2:2 auf 4:2:0?)

Obwohl der Wandler-Stick von anderen Videoprogrammen (zB VirtualDub) als Eingang verwendet werden kann, ist unklar ob man bereits bei der Aufnahme in einen anderen Codec bereits einen Generationsverlust hat.
Das wäre für etwaige Nachbearbeitungen (zB Zuschneiden, Farbkorrekturen, Tonkorrekturen, etc) relevant, da man es sonst gleich mit mindestens 3 Generationsverlusten zu tun hätte:

  • Verlust 1: Lossy-Kompression im Wandler
  • Verlust 2: Bild-/Tonaufnahme in lossy Codec (WMV?)
  • Verlust 3: Export in lossy Codec/Format (DVD,Blu-Ray,etc)

Ich hoffe, der Wandler liefert das unkomprimierte Signal – und ich hoffe auch, dass zumindest der Ton bis zum Zeitpunkt des Exports unkomprimiert (PCM) abgespeichert wird. Klar ist es nicht.
Wer seine Videos in einem (immer noch) sinnvollen Preis/Leistungsverhältnis überspielen und sicher(er) aufbewahren möchte,

Archivtauglich(ere) Formate:
Am Besten ist natürlich, wenn man sich leisten kann Audio/Video unkomprimiert oder mit mathematisch verlustfreien (=lossless) Codecs (zB FFV1) abzulegen. Derzeit sind für Endanwender_innen die Datenmengen dabei jedoch wahrscheinlich noch zu groß.
Beispiel “FFV1/PCM in AVI” benötigt ca. 90 GB für 4h VHS (~370 MB/Min).

Verlockend ist natürlich kleinere Dateien zu erzeugen, aber das hat seinen Preis.

Sollte man sich entscheiden, verlustbehaftet zu komprimieren wäre so ziemlich jeder andere Codec ausser Windows Media zu bevorzugen. WMV/WMA ist aufgrund seines Microsoft-Ursprungs stark mit Windows verheiratet, und es ist aufgrund von lizenz- und patentrechtlichen Hürden unklar womit (und unter welchen Bedingungen) man diese Dateien in Zukunft öffnen kann. Für Nicht-Windows-Umgebungen liegen die Lizenzkosten für Hersteller von Programmen/Geräten, die WMV abspielen (oder umwandeln) möchten derzeit bei 300.000 USD pro Jahr. Siehe “Windows Media Components Product Agreement, Seite 12.

Der beste Kompromiss wäre wahrscheinlich “DV” (=verlustbehaftet, aber weit-verbreiteter offener Standard) als Videocodec mit PCM (=unkomprimiert. Quasi “WAV”) für Audio in AVI. Das wären ungefähr 55 GB für 4h VHS (~230 MB/Min).
Vom Preis/Leistungsverhältnis wäre zB ein Analog-zu-DV Wandler, wie zB der ADVC55 sinnvoll.

Als Aufnahmeprogramm kann “VirtualDub” verwendet werden. Der Ton sollte dabei unkomprimiert (PCM) aufgenommen und so auch im Videofile gespeichert werden. Voreinstellungen (=Presets) wie man damit DV am exaktesten aufnimmt, kann man sich von hier herunterladen.
Diese Einstellungen sind Teil von DVA-Profession, und werden in der Österreichischen Mediathek (dem nationalen Audio/Videoarchiv) verwendet.

Als generelle Faustregel für die Langzeitarchivierbarkeite von Medienformaten kann man sagen, dass eine Implementierung eines offenen Formats/Standards unter einer Freien Softwarelizenz (zB GPL) die besten Chancen hat quasi “für immer” zugänglich zu sein.
Wenn zum Beispiel ein offenes Medienformat vom Tool “FFmpeg” unterstützt wird, stehen die Chancen sehr sehr gut :)

DVD/Blu-ray als Trägerformat:
Hier ein kurzes Zitat von der Produktseite:

Digital ist besser: Vorteile von DVDs & Blu-ray Discs
Neben dem großen Speicherplatz, der langen Lebensdauer und der geringen Größe, besitzen sie keine sensiblen, mechanischen Bauteile und sind daher ideal zum Archivieren geeignet!

Das mit den mechanischen Bauteilen stimmt natürlich, aber “ideal zum Archivieren“?
Theoretisch “ja” – praktisch “nein”.

Die Zeit in der Archive alles auf optische Datenträger gespeicher haben sind vorbei. Größtenteils, da sich sehr schnell herausgestellt hat, dass gebrannte optische Datenträger noch viel anfälliger und kurzlebiger sind als Analogmaterial, Festplatten oder Magnetbänder. Gebrannte Scheiben die nach 2 Jahren schon nicht mehr fehlerfrei lesbar sind, sind nicht die Ausnahme. Je höher die Datendichte, desto fragiler natürlich auch die Daten darauf…

Weiters sollte man zwischen “Daten-Disk” und “Video-Disk” unterscheiden – das gilt für CD, wie DVD und Blu-Ray.
Wenn man seine Videos als Video-Disk brennt (zB Video-DVD), ist das Audio/Videoformat – inklusive Auflösung und Seitenverhältnis – größtenteils festgelegt. Derzeit sind das ausschließlich verlustbehaftete Videocodecs:

  • CD: MPEG-1
  • DVD: MPEG-2
  • Blu-Ray: MPEG-4 (H.264)

Es gibt (noch) keinen perfekten Träger. Schon gar nicht für Digitales.
Derzeit würde ich empfehlen, die Originaldateien auf Festplatte(n) zu speichern – und auf DVD/Blu-Ray lediglich Ansichtskopien.
Damit kann man auch das Archivformat und das Abspielformat des Videos trennen, und so seine Chancen erhöhen in Zukunft leichter und ohne zusätzlichen Generationsverlust auf zukünftige Formate für’s Ansehen der Videos zu konvertieren.

Seitenverhältnis:
Analoges Video in “Standard Definition” (SD) Auflösung, war immer für das Seitenverhältnis 4:3 aufgenommen – und so ist das Bild auch am Band gespeichert.
In den Screenshots auf der MAGIX Website wird das Video jedoch ausschließlich 16:9 angezeigt:

Sogar wenn man schwarze Balken oben und unten hat (=Letterbox), ist die Information am Band eigentlich nicht Breitbild.

In Europa haben wir PAL als Fernseh-/Videonorm.
Digitalisiert man PAL-SD-Video, ergibt sich dadurch in den meisten Fällen eine Pixelauflösung von 720×576. Aufgrund quadratischer Pixel entspricht das 5:4.

Auch wenn man 16:9 auf DV (=”Digital Video”) aufgenommen hat, wurde es anamorph mit 720×576 Pixel (=5:4) gespeichert – also ebenfalls nicht Breitbild.

Will man 4:3 auf 16:9 Vollbild abbilden, geht immer Information verloren.

Wie geht das MAGIX Videoprogramm damit um?
Beschneidet es automatisch, oder könnte man stattdessen schwarze Balken links/recht (=”Pillarbox“) haben? Das wäre das verlustfreie Video-Bildformat zur Archivierung, falls man auf ein 16:9-Anzeigeformat konvertieren will (zB Blu-Ray/HD).

Ich wage nicht zu fragen wie mit Halbbildern (=Fields) und/oder Deinterlacing umgegangen wird…

MXV:
Nur noch kurz eine Anmerkung zum “MXV” Format für Video:
In meiner Arbeit im nationalen Videoarchiv haben wir es tagtäglich mit den unterschiedlichsten Videodateiformaten als Quelle zu tun. MXV war mir bis dato unbekannt. Bei meiner Recherche fand’ ich wenig bis keine technischen Informationen darüber, abgesehen von diesen:

  • Es ist ein MAGIX-internes Format (wahrscheinlich ein Container)
  • Es gibt wahrscheinlich keine Tools (außer von MAGIX), die es öffnen/konvertieren können
  • Vielleicht ist es auch eine Projektdatei für MAGIX Videoprogramme
  • Angeblich enthält es MPEG-2 als Videocodec
  • Welches Audioformat es enthält ist völlig unklar. PCM? MP3? WMA? MXA?

Sollte man Videos in diesem Format abgelegt haben, empfehle ich sehr dringend sie bald-möglichst mit den MAGIX-Tools in ein offenes Format umzuwandeln. Es ist völlig unklar ob (und womit) man MXV überhaupt jemals wieder öffnen kann.
Leider kann bei einer Konvertierung nicht sichergestellt werden, dass man keine Qualität verliert (nochmalige, verlustbehaftere Kompression beim Export).

Beschwerden bitte nicht an mich, sondern an MAGIX ;)

“Let’s talk about sex, baby!”

stehmann's blog | 16:00, Sunday, 08 February 2015

Ein paar Gedanken aus gegebenem Anlass.

Keine Sorge, dieses Blog wird sich an dieser Stelle nicht mit der menschlichen, tierischen oder pflanzlichen Fortpflanzung befassen. Ich referiere an dieser Stelle nicht über Bienchen und Blümchen; es geht um etwas viel anstößigeres, unanständigeres – Ihr müsst jetzt recht tapfer sein oder die Lektüre hier beenden – ein moralisches Skandalthema ersten Ranges – mehr Ehen scheitern hieran, als an unterschiedlichen Vorstellungen über ein erfülltes Sexualleben: Es geht um Geld!

Folgt man einem oft kurzweilig zu lesenden, recht bekanntem Blogger, so kommt der moralisch integere Entwickler Freier Software, nachdem er Körper und Geist durch die Reinigung der Straßen seiner Heimatstadt erfrischt und so für seinen Unterhalt und den Unterhalt seiner Familie gesorgt hat, abends nach Hause, um sich dort in seiner Freizeit der Implementation der Algorithmen elliptischer Kurven zu widmen. In naiver Ignoranz ist dieser Idealist von den Bedürfnissen der Praxis gänzlich unbeeindruckt und befasst sich nur mit dem, was ihm Spass macht oder als geistige Herausforderung sein Interesse weckt.

Nichts darf zwischen dem Schöpfer und seinen Werke stehen! Nicht die Sorgen um das Aus- und Fortkommen oder gar die Gier nach Reichtum. Alles hat von Alltagssorgen unbefleckt, rein zu sein, programmieren l’art pour l’art, coding as a pastime.

Nun darf auch ein Blogger, der ansonsten eigentlich unverdächtig ist, ein Romantiker zu sein, gelegentlich recht kitschige Vorstellungen dem geneigten Publikum unterbreiten. Und überschreibt nicht auch der Verfasser dieses Textes eine seine Vortragsfolien mit: “Geld spielt keine Rolle!”?

Aber:

Unser Vizepräsident, der auch über “10 Missverständnisse über Freie Software” referiert, benennt eines dieser Missverständnisse wie folgt: “Mit Freier Software kann man kein Geld verdienen.” Und er fragt hinsichtlich dieser “Missverständnisse” mit guten Gründen: “Oder sind es Lügen?”

Der hier in Rede stehende Blogger macht daraus sogar, den Mantel des Moralisten umlegend: “Mit Freier Software darf man kein Geld verdienen (selbst wenn man es kann).”

Richard Matthew Stallman, dem mit einiger Berechtigung ein gewisser ethischer Fundamentalismus nachgesagt wird, ist insoweit ganz Pragmatiker:

“Viele Leute glauben, dass es im Sinne des GNU-Projektes wäre, dass man kein Geld für den Vertrieb von Kopien von Software verlangen dürfe, oder dass man so wenig wie möglich verlangen solle – gerade genug, um die Kosten zu decken.
Tatsächlich aber ermutigen wir Leute, die Freie Software weitervertreiben, sogar, so viel Geld zu verlangen wie sie wollen bzw. können.
Freie Programme werden manchmal kostenlos weitergegeben, und manchmal für einen beachtlichen Preis vertrieben. Oftmals steht das selbe Programm auf beide Arten von unterschiedlichen Anbietern zur Verfügung. Das Programm ist frei, unabhängig vom Preis, weil Anwender Freiheiten bei seiner Verwendung haben.“

Das “Geld spielt keine Rolle!” ist somit ganz anders gemeint: Software kann auch dann als frei zu charakterisieren zu sein, wenn man mit ihr Geld verdienen will.

Es ist also demnach keineswegs unmoralisch, sondern vernünftig und dem Fortschritt Freier Software förderlich, durch die Entwicklung Freier Software nicht nur Ruhm und Anerkennung, sondern auch sein Auskommen zu suchen. Moralisch angreifbar ist es vielmehr, unter Ausnutzung seiner Glaubwürdigkeit im Gewande romantischer Vorstellungen vom Programmieren ausschließlich des intellektuellen Vergnügens wegen den FUD der Gegner Freier Software vom Hobbyprogrammierer fortzuspinnen und so zum Kronzeugen derer zu werden, die bereit sind, die Freiheit anderer ihrem eigenen Profit zu opfern.

Manche werfen dem in Rede stehenden Entwickler Freier kryptografischer Software nun auch vor, er hätte sich von einem Unternehmen mit Sitz in Raleigh, North Carolina, anstellen lassen sollen. Dies ist in der Tat an sich kein abwegiger Gedanke.

Ja, hätte er dies doch getan! So hat er uns viel genommen! Spätestens beim ersten neuen Bug in “seiner” Software hätten wir kurzweilige Verschwörungstheorien munter diskutieren können. Um dieses Vergnügen hat uns der Schuft gebracht!

Und die Moral von der Geschichte? Eine derartiger Beitrag muss doch positiv enden!

Die Moral liefere ich gerne:
Wer hier und heute um die Freiheit kämpft, darf, kann und muss nicht warten, bis gesellschaftliche Utopien – und seien sie noch so gut gemeint – erst zur allgemeinen Auffassung und dann auch realisiert werden.

Saturday, 07 February 2015

FOSDEM 2015

stehmann's blog | 17:28, Saturday, 07 February 2015

Für Haecksen und Hacker endet das Jahr mit dem Congress, auf den sie sich das ganze Jahr über freuen und vorbereiten. Für die Freundinnen und Freunde, Entwickler und Entwicklerinnen Freier Software beginnt das Jahr mit einem Event in Brüssel. Das erste und europaweit größte Event in jedem Jahr ist nämlich das Free and Open Source Developers European Meeting (FOSDEM) in Brüssel. Dieses Event fand in diesem Jahr am 31.1. und 01.02. statt.

Begonnen hatte die FOSDEM für uns bereits am Donnerstagabend in der Düsseldorfer Geschäftsstelle der FSFE mit dem Auspacken, Zählen, Falten und Einpacken der T-Shirts und anderer Textilien.

Auch in diesem Jahr ging es dann zeitig bereits am Freitagmittag auf nach Brüssel, denn wir wollten den Apache-OpenOffice-Stand schon am Freitag aufbauen. Erfreulicherweise blieb der befürchtete Schneefall aus, sodass wir bei gutem Wetter reisten.

Das Rollupdisplay wurde auf der anderen Seite des Ganges gegenüber dem Stand platziert, das Material ausgeladen und die Banner angebracht. Letztere mussten wegen der untergrundschonenden Klebematerialien im Laufe des Events noch ein paar Mal neu fixiert werden.

Nach dem Aufbau ging es weiter zum Fellowshipkoordinatorentreffen der FSFE in die Wohnung des belgischen Koordinators Mauricio, wo für unser leibliches Wohl gesorgt war. Zunächst wurden die anderen Teilnehmer begrüßt. Groß war die Wiedersehensfreude. Anhand meines Spickzettels, den ich für das Fellowshiptreffen in Düsseldorf im Januar gefertigt hatte, konnte ich dann – nunmehr in Englisch – über die Aktivitäten der Düsseldorfer Fellowshipgruppe im vergangenen Jahr berichten und erfuhr, was die anderen Gruppen so gemacht hatten.

Am Samstagmorgen wurde dann der Standaufbau durch die Installation von Rechner und Bildschirm vollendet. Wir erhielten das Material, das für das Jubiläum “15 Jahre OpenOffice” angefertigt worden war.

Neben uns war wieder der Perl-Stand, der viel Publikum anzog; auf der anderen Seite dieses Mal LibreOffice. Zahlreiche Freunde aus diesem Projekt waren angereist.

Zum Standdienst waren neben mir Mechtilde und Michaela eingeteilt. Lediglich drei weitere, allerdings hochrangige Mitglieder des Projektes bildeten unser Eventteam, nämlich Andrea, der fungierende PMC-Chair, Jan, zu diesem Zeitpunkt Kandidat für die Nachfolge von Andrea, und ein weiterer Entwickler, der Mitglied des PMC ist. Ein kleines, aber feines Team. Unser Stand war auch wieder Anlaufpunkt für die Entwickler anderer Apache-Projekte, die vorbeischauten.

Die meisten Gespräche führten wir in Englisch, viele aber auch in Deutsch. Flyer waren in diesen beiden Sprachen und in Französisch vorhanden.

Den Samstagabend verbrachten wir im Kreise des Apache-OpenOffice-Projektes; Mechtilde fand einen Parkplatz in einer Parallelstraße des Boulevard Anspach, der Anspachlaan, direkt an der Börse, deren Vorplatz als Treffpunkt ausgemacht war. Da das urige, kleine Fish-and-Chips-Restaurant, wo wir aßen, großen Zulauf hatte, gingen wir anschließend für einen “Absacker” in einen irischen Pub, den wir schon von unseren bisherigen FOSDEM-Besuchen kannten. Wegen der notwendigen Rückfahrt ins Hotel mussten sich Mechtilde und ich leider des Genusses der dort ausgeschenkten, hervorragenden Biere enthalten.

Die FOSDEM ist wohl auch das größte Fellowshiptreffen, sodass vor dem FSFE-Stand meist reger Betrieb herrschte. Die Arbeit hinter dem FSFE-Stand lief dieses Jahr wieder “wie am Schnürchen”. Es hat sich ein bewährtes Team herausgebildet, das “Hand in Hand” arbeitet. Insbesondere die neuen Rucksäcke mit dem Motiv der Kampagne “There is NO CLOUD, …” fanden reißenden Absatz.

Routiniert verlief wieder der Abbau der Stände am Sonntagabend. Noch unter dem Eindruck der zahlreichen Gespräche, die wir mit dem interessierten Publikum, aber auch mit Freunden aus anderen Projekten geführt hatten, traten wir dann die Heimreise an. Wieder hatten wir ein gutes Reisewetter.

Fellowshiptreffen am 28.01.2015

stehmann's blog | 14:32, Saturday, 07 February 2015

Im Januar ist traditionell das Rückblicks- und Planungstreffen. So auch in diesem Jahr.

Leider waren insgesamt nur acht Teilnehmer gekommen, darunter auch zwei Referenten für die Treffen im Februar und März. Ob die Aufforderung “Alle sind auch eingeladen, zu bedenken, ob sie, beispielsweise durch eine Vortrag, etwas zur Gestaltung unserer Aktivitäten im Jahre 2015 beitragen können.” die anderen Aktivisten abgeschreckt hatte? Immerhin fehlten einige entschuldigt. Aus dem rechtsrheinischen Süden von Köln war ein regelmäßiger Teilnehmer des Bonner Fellowshiptreffens gekommen, der sich auch bei uns wohl recht wohl fühlt.

Keineswegs nur ihm zuliebe konnte der Chronist in seinem Rückblick auf das vergangene Jahr feststellen, dass im Jahre 2014 der “rheinische Referentenaustausch” zwischen der Bonner und der Düsseldorfer Fellowshipgruppe in Gang gekommen ist. Dieser wird, da ist sich der Chronist ziemlich gewiss, auch in diesem Jahre fortgesetzt werden.

Der offizielle Teil des Treffens begann mit der “obligaten” Vorstellungsrunde.

“Dortmund braucht Freie Software” propagiert Do-FOSS, eine Initiative für den Einsatz Freier Software bei der Stadt Dortmund. Till hat uns diese Initiative kurz vorgestellt, um uns einen Vorgeschmack auf unser Treffen im Februar zu geben, bei welchem Mitglieder dieser Initiative uns diesselbe und deren Aktivitäten nahebringen werden. Bei dieser Gelegenheit wird man sicherlich auch überlegen, was man eventuell gemeinsam unternehmen kann.

Wer Do-FOSS und ihr Anliegen bereits vorher unterstützen will, hat dazu am Nachmittage des 19.02.2015 ab 14:00 Uhr Gelegenheit. Dann sollen nämlich vor dem Rathaus von Dortmund anlässlich der ersten Ratssitzung in diesem Jahr, die um 15:00 Uhr beginnt, Flyer verteilt werden. Helfer sind willkommen!

Harald stellte das Thema für das Fellowshiptreffen im März vor. Er beschäftigt sich mit Freien Geoinformationssystemen und Offenen Geodaten. Hierüber wird er dann im März referieren.

Beim Rückblick auf das vergangene Jahr konnten zahlreiche Aktivitäten, an denen Düsseldorfer Fellows beteiligt waren, memoriert werden. Einzelheiten können diesem Blog entnommen werden.

Auch im Jahre 2015 fährt wieder unser Bus zu den Chemnitzer Linux-Tagen am 21. und 22.03.2015. Aufgrund der bisherigen Anmeldungen konnte bereits eine erste Senkung des Reisepreises vorgenommen werden. Birgit konnte diese bereits beim Treffen in Aussicht stellen; ihre Erwartung hat sich also betätigt. Es kann festgestellt werden, dass sich dieser Bus etabliert hat.

Jeder sollte einmal in Chemnitz zu den Linux-Tagen gewesen sein und der beste Weg dorthin ist der Freedom-Tours-Bus, der auch dieses Jahr wieder mit der freundlichen Empfehlung der Düsseldorfer Fellowship-Gruppe der FSFE auf die Reise geht.

Gewünscht wurden von den Teilnehmern des Treffens mehr technische Themen. Auch wenn wir im Februar eher mit einem politischen Thema starten, werden sich die Koordinatoren bemühen, diesem Wunsche Rechnung zu tragen.

Nach dem außerordentliches Fellowshiptreffen am 12.10.2014 waren sich die meisten ortansässigen Teilnehmer einig, dass eine solche sonntagvormittägliche Veranstaltung mit Familien kein einmaliges Ereignis bleiben darf. Leider musste das “Schwesterherz” schließen. Es soll daher geprüft werden, ob ein solches Treffen in den Räumen des c3s im Gerresheimer Bahnhof stattfinden kann. Dort werden wir auch im April 2015 unser ordentliches Fellowshiptreffen abhalten.

Am 14.02.2015 feiern wir den “I love Free Software Day 2015″. Eine gute Gelegenheit, einmal unsere Liebe zu Freier Software zu zeigen und eine Entwicklerin oder einen Entwickler zu umarmen (Bitte vorher um Erlaubnis fragen!).

Nächstes Treffen:

Das nächste reguläre Fellowshiptreffen in Düsseldorf findet am 25.02.2015 ab 19:30 Uhr im Chaosdorf, Hüttenstr. 25, 40215 Düsseldorf, statt. Um 20:00 Uhr beginnen wir mit dem „offiziellen“ Teil. Wer später kommt, verpasst also was.

Thema ist, wie bereits erwähnt, die Initiative Do-FOSS.

Der offizielle Teil wird um 23:00 Uhr enden.

Gäste sind bei diesem Treffen wie immer herzlich willkommen.

Wednesday, 04 February 2015

Die irreführende Rhetorik für mehr Überwachung

Jens Lechtenbörger » Deutsch | 16:59, Wednesday, 04 February 2015

Unser von Grundgesetz und Europäischer Menschenrechtskonvention zugesichertes Abwehrrecht zur Privatsphäre gegenüber dem Staat wird unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung seit Jahren weiter eingeschränkt. Die Begründungen für zusätzliche Einschränkungen werden mit mehr oder weniger geschickter, aber in jedem Fall irreführender Rhetorik vortragen, die zu selten als solche entlarvt wird. Überlegen Sie selbst.

Der Bundesminister des Innern, Herr Dr. Thomas de Maizière, argumentierte in einer Rede am 20.1.2015, dass Verschlüsselung notwendig sei, damit wir, die Bevölkerung, uns sicher im Internet bewegen könnten. Trotzdem sollten Sicherheitsbehörden in der Lage sein, verschlüsselte Kommunikation zu entschlüsseln. Er versuchte, diese Forderung nach unwirksamer oder umgehbarer Verschlüsselung durch eine Analogie aus der physischen Welt vernünftig erscheinen zu lassen: Wir alle schließen unsere Häuser ab, in die die Polizei unter rechtsstaatlichen Voraussetzungen eindringen darf.

Diese Analogie ist aus mehreren Gründen irreführend:

  • Das Eindringen in unsere Häuser erfolgt in begründeten Einzelfällen. Demgegenüber wird unsere Kommunikation im Internet von Geheim- und Nachrichtendiensten abgehört, gespeichert und analysiert, und zwar im Wesentlichen vollständig, hemmungslos und unkontrolliert, wie wir spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden wissen.
  • Das Eindringen in unsere Häuser erfordert personellen Aufwand, was ein Vorgehen mit Verstand und Augenmaß erzwingt. (Dies ändert sich, je mehr Smartphones, Smart-TVs, Smart-Watches, smarte Brillen usw. wir als zusätzliche Augen und Ohren jenseits unserer Kontrolle einsetzen.) Demgegenüber laufen Spionage und Überwachung im Internet weitgehend automatisiert ab, was anlasslose Massenüberwachung unter Missachtung der Unschuldsvermutung ermöglicht.
  • Das Eindringen in unsere Häuser ist für uns (meistens) erkennbar und damit anfechtbar. Demgegenüber finden Spionage und Überwachung im Internet hinterrücks statt. Welche Daten von wem zu welchen Zwecken erfasst werden, bleibt im Verborgenen und lässt uns keine Möglichkeit zu rechtsstaatlicher Gegenwehr.

Diese Unterschiede zwischen Überwachung in der physischen Welt und Überwachung im Internet erfordern, dass wir unsere Kommunikation verschlüsseln, wenn wir an Privatsphäre interessiert sind. Wenn „vertrauenswürdige“ staatliche Stellen diese Verschlüsselung umgehen können, dann werden das auch nicht vertrauenswürdige staatliche Stellen und andere Kriminelle schaffen. Das ist inakzeptabel.

Unser Bundesinnenminister steht mit seiner wirren Analogie leider nicht allein. In ähnlicher Weise behauptete Herr Troels Oerting, der Leiter des Europäischen Zentrums zur Bekämpfung der Cyberkriminalität, dass die verschlüsselte Kommunikation so ähnlich wirke wie der Kofferraum eines Autos, der bei einer Polizeikontrolle nicht geöffnet werden könne. Offenbar entgehen auch Herrn Oerting die fundamentalen Unterschiede (a) des begründeten Vorgehens im Einzelfall unter Personaleinsatz mit rechtsstaatlichen Abwehrmöglichkeiten und (b) der anlasslosen, automatisierten und unbemerkbaren Massenüberwachung ohne Möglichkeit zur Gegenwehr. Vermutlich dieser haarsträubenden Logik folgend forderte im Januar 2015 der Anti-Terror-Koordinator im Rat der Europäischen Union, Herr Gilles de Kerchove, die Hinterlegung kryptografischer Schlüssel. Höchst bedenklich.

Unser Bundesinnenminister ist auch an anderer Stelle zu schnell, um die Feinheiten der Realität angemessen zu würdigen. So behauptet er in seiner oben erwähnten Rede mit Bezug auf den Terroranschlag auf Charlie Hebdo:

Die Ereignisse in Paris verdeutlichen einmal mehr, dass wir gemeinsam handeln müssen, und zwar nicht nur im Bereich der so genannten „realen“ Welt. Das Handeln krimineller und terroristischer Bestrebungen findet genauso in der „virtuellen“ Welt statt […]

Die Ereignisse in Paris mögen vieles verdeutlichen, mit der virtuellen Welt hatten sie herzlich wenig zu tun. Die Attentäter waren verschiedenen staatlichen Stellen im Vorfeld bekannt, aber ihre Überwachung wurde zu früh beendet. Davon, dass die Täter verschlüsselt kommuniziert hätten, ist nirgends die Rede – auch nicht in der ministeriellen Rede. Dass er dieses Attentat dennoch zur Rechtfertigung der Umgehung von Verschlüsselung, unserer einzigen Waffe gegen anlasslose Massenüberwachung und andere Kriminalität im Internet, verwendet, ist ungeheuerlich.

Im Ausland ist die Lage nicht besser. So versprach Premierminister David Cameron seinen Landsleuten angesichts des Attentats in Paris, im Falle seiner Wiederwahl Terroristen keine sicheren Kommunikationsräume zu lassen. Dem Premierminister ist offenbar ebenso wie unserem Innenminister entgangen, dass das Attentat nichts mit sicherer terroristischer Kommunikation zu hatte. Darüber hinaus macht seine Aussage klar, wohin die Reise gehen soll: Wer unbekannten Terroristen keine sichere Kommunikation zugestehen will, darf niemandem sichere Kommunikation zugestehen. Von Ihnen und mir ist nicht auszuschließen, dass wir unbekannte Terroristen sind; daher müssen wir überwacht werden, und zwar überall, wo dies technisch machbar ist.

Momentan gibt es noch vergängliche, unaufgezeichnete, private Gespräche. In Familien, mit Wildfremden, zwischen ganz normalen und zwischen verrückten Menschen. Auch die Brüder Kouachi werden sich vor ihrem Anschlag auf Charlie Hebdo über ihre Pläne unterhalten haben. Hatten sie ein Recht auf private Gespräche? Haben wir, die wir anders als sie nicht in Terror-Camps ausgebildet worden sind, dieses Recht, oder wollen wir es uns nehmen lassen, Cameron folgend?

Bevor Sie urteilen, sei daran erinnert, dass die Gefahr, ein Terroropfer zu werden, verschwindend klein ist. Laut Zahlen der New York Times vom Juli 2013 starben seit 2005 jährlich 23 Amerikaner durch Terror. Dreiundzwanzig. Etwa doppelt so viele starben an Bienen- und Wespenstichen, 15-mal so viele durch Stürze von Leitern. In Deutschland gab es nach Angaben der Tagesschau im Januar 2015 bisher nur einen einzigen islamistischen Anschlag – und zwar im März 2011 mit zwei Todesopfern. Demgegenüber gibt es bei uns jährlich mehr als 3.000 Verkehrstote. An den Folgen von Alkoholmissbrauch sollen in Deutschland 74.000 Menschen pro Jahr sterben.

Bevor Sie urteilen, sei zudem daran erinnert, dass Terroristen in Europa und in den USA in den vergangenen Jahren regelmäßig im Vorfeld auffällig geworden sind und Sicherheitsbehörden vor ihren Untaten bekannt waren. Offenbar fehlte es an gezielter Überwachung, um Anschläge zu verhindern. Wer trotzdem vorgibt, die Situation durch anlasslose Massenüberwachung oder durch die Schwächung von Verschlüsselungstechniken verbessern zu können, sollte sich rechtfertigen müssen oder ausgelacht werden.

Haben wir also ein Recht auf vergängliche, unaufgezeichnete, private Gespräche? Im Grunde spielt die Antwort auf diese Frage zumindest für Kommunikation im Internet keine Rolle: Wenn Sie denken, dass Sie dieses Recht haben sollten, müssen und können Sie es sich nehmen. Sie dürfen Ihre Kommunikation nicht kommerziell orientierten Datenkraken anvertrauen, und Sie müssen Ihre Kommunikation verschlüsseln.

Verschlüsselung ist alternativlos. Im Januar 2015 sind Berichte hochrangiger europäischer Gremien erschienen, die dies nachdrücklich belegen. Zum einen empfiehlt der Rechtsausschuss der Parlamentarischen Versammlung des Europarats durchgängige Verschlüsselung zum Schutz unserer Privatsphäre. Zum anderen empfiehlt auch der Ausschuss für Technikfolgenabschätzung des EU-Parlaments den Einsatz von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Anonymisierungsdiensten zum Schutz der Privatsphäre.

Ich rate Ihnen, für private Kommunikation nicht auf die Dienste bekannter Datenkraken zurückzugreifen, sondern freie Software zur Verteidigung Ihrer Grundrechte einzusetzen, insbesondere GnuPG zur E-Mail-Selbstverteidigung und Tor oder JonDo zur Anonymisierung im Internet.

Lassen Sie sich nicht in die Irre führen, sondern verteidigen Sie Ihre Grundrechte!

Sunday, 25 January 2015

Freie Software – Ressourcen schonen durch Teilen

Don't Panic » Deutscher Planet | 15:58, Sunday, 25 January 2015

Ende November wurde ich zu einem Fachgespräch „Nachhaltige Software“ eingeladen, veranstaltet durch das Öko-Institut e.V. sowie das Umweltbundesamt. Es handelte sich um eine Auftaktveranstaltung zur Forschungsfrage „Was ist Nachhaltige Software?“ beziehungsweise zu der Frage, welche Kriterien zur Bestimmung von Nachhaltigkeit von Software und dessen Entwicklung in Betracht gezogen werden können.
Ich wurde gebeten die Bedeutung Freier Software in Bezug auf Nachhaltigkeit zu beleuchten. Selbst sehe ich die besondere Bedeutung Freier Software für eine Digitale Nachhaltigkeit – den Veranstaltern war verständlicherweise jedoch die ökologische Nachhaltigkeit ein besonderes Anliegen. Und auch dazu kann Freie Software einen bedeutenden Beitrag leisten. Ich habe versucht in meinen Ausführungen beiden Ansprüchen gerecht zu werden.
Im Anschluss an die Veranstaltung entstand der folgende Artikel, der demnächst in die öffentliche Dokumentation des Umweltbundesamtes aufgenommen wird. Bis das soweit ist gibt es hier eine Vorabversion (auch als PDF verfügbar).

Zusammenfassung:
Dieser Artikel widmet sich den nachhaltigen Aspekten Freier Software und offener Entwicklungsmodelle. Dazu wird zuerst in das Verständnis von Nachhaltigkeit und in die Nachhaltigkeit digitaler Ressourcen eingeführt. Es folgt eine Erklärung Freier Software und schließlich wird skizziert, welche direkten positiven ökologischen Auswirkungen durch die Entwicklung und Verwendung Freier Software erzielt werden können.

Inhaltsverszeichnis

1. Software im Kontext der Nachhaltigkeit

Je mehr unsere alltäglichen Interaktionen durch die Verwendung digital-technischer Geräte geprägt werden, desto mehr rückt die Ökobilanz dieser technischen Geräte in den Fokus der Aufmerksamkeit. Elektroschrott, Recycling, „Green-IT“, Ökostrom, Halbwertszeit von Hardware und verwandte Aspekte gewinnen an Bedeutung. Über die „Nachhaltigkeit“ der verwendeten Software wird hingegen kaum gesprochen. Was könnte man darunter verstehen, was ist nachhaltig und welche Anforderungen müsste Software erfüllen um nachhaltig zu sein?

1.1 Zum Begriff „Nachhaltigkeit“

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ hat im letzten Jahrzehnt eine nahezu inflationäre Verwendung gefunden [1], insbesondere in Politik und Wirtschaft. Als eine Folge daraus wurde in unterschiedlichsten Kontexten von Nachhaltigkeit gesprochen, so dass der Begriff weiter an Unschärfe gewonnen hat. Deshalb wird den weiteren Ausführungen dieses Artikels folgende Definition zu Grunde gelegt:

„Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“

Dieses Zitat ist einer der zentralen und meist zitierten Leitsätze des Brundtland-Berichts „Unsere gemeinsame Zukunft“ [2]. Durch die darin enthaltene intertemporale Dimension wird in Kurzform auch von „Generationengerechtigkeit“ gesprochen.
Bei Betrachtung endlicher Ressourcen, die eines Tage erschöpft sein könnten, wäre unter der Generationengerechtigkeit ein Konsum zu verstehen, der die vorhandenen Ressourcen auf eine Art und Weise schont, dass auch zukünftige Generationen noch von der gleichen Ressource zehren können. Bei Software gilt es, diese Aspekte der Ressourcenschonung beim Energieverbrauch der Software zu bedenken, sowie im Rohstoffverbrauch bei der für den Betrieb der Software notwendigen Hardware. Betrachten wir hingegen Software selbst als Ressource, ergeben sich andere Bedingungen der Generationengerechtigkeit. Denn Software ist digital und damit immateriell – und für den Erhalt digitaler Ressourcen gelten andere Kriterien einer nachhaltigen Entwicklung.

1.2 Nachhaltigkeit digitaler Ressourcen

In der Digitalen Gesellschaft werden unser Arbeitsalltag, unsere Kommunikation und ein großer Teil unserer Infrastruktur inzwischen von Software gesteuert oder vereinfacht. Heute in Deutschland Heranwachsende ohne Zugang zu jeglichem Computer aufzuziehen wäre geradezu verantwortungslos, da es einem sozialen und gesellschaftlichen Ausschluss gleichkäme. Je mehr kritische Infrastruktur von Software gestellt wird, desto wichtiger werden auch der Erhalt, das Verständnis und der Zugang zu dieser Software. Software wird zu einem Fundament, dessen eigene Existenz zum Erhalt unser digital gewachsenen Infrastruktur notwendig ist; ebenso wie das Wissen um die Bedienung der Software. Es ist an der Zeit, Software als Informations- und Wissensressource zu verstehen.

Betrachten wir Software als eine Ressource, unterscheidet sich diese grundlegend von natürlichen, endlichen Ressourcen. Software – sowie digitale Information jeglicher Art – ist eine immaterielle Ressource und unterliegt damit ähnlichen Bedingungen wie Wissens- und Kulturgüter. Für digitale Ressourcen gilt, dass trotz exzessiver Anwendung, Gebrauch und miteinander Teilen kein Verzehr der Güter stattfindet. Jeder kann von derselben Ressource profitieren ohne dabei die Ressource für andere Konsumenten zu schmälern.
Beispiel: Betrachten wir ein einzelnes Computerprogramm als eine Ressourcen-Einheit der Menge Eins, dann kann diese Einheit prinzipiell unendlich oft verwendet, kopiert und getauscht werden ohne dass sich dadurch die Ursprungsressource jemals verbrauchen würde. Im Gegenteil: Mit jeder Kopie des Computerprogramms steigt die Menge der zur Verfügung stehenden Ressourcen-Einheiten. Betrachtet man eine spezifische Form digitaler Information – zum Beispiel ein einzelnes Computerprogramm – als besonders schützenswert und möchte diese Ressource für zukünftige Generationen erhalten, dann ist eine erfolgversprechende Strategie, möglichst viele Kopien davon (= Einheiten) möglichst weit zu verbreiten.
Zusammenfassend gilt, dass Software dann zu einer nachhaltigen Ressource wird, wenn sie frei kopiert und angepasst werden kann. Diese Möglichkeiten müssen jedoch explizit eingeräumt werden. Denn obwohl Software sich durch die Erstellung von Kopien nicht erschöpfen kann, können digitale Ressourcen durchaus ausschließbare Güter sein: Durch Anwendung von Immaterialgüterrechten, geschlossenem Code und Kopierschutzmaßnahmen werden digitale Ressourcen künstlich verknappt und damit vom Teilen, dem freien Gebrauch und der freien Weiterentwicklung ausgeschlossen. Die künstliche Verknappung des Angebots soll Markt erschaffend wirken; allerdings liegt gerade in der künstlichen Verknappung digitaler Ressourcen die Gefahr des unwiderruflichen Ressourcen- und damit Wissensverlustes. Denn mit der Nicht-Veröffentlichung des dem Programm zu Grunde liegenden Codes wird das Wissen um die Herstellung und Funktionsweise der Software privatisiert. Das sorgt für einen unmündigen Kunden, der vom Support und dem Gutdünken des Herstellers abhängig ist. In unserem Zusammenhang ist es darüber hinaus vor allem eine Gefahr für den Erhalt der Software als zukünftige Ressource.
Durch das Verschließen des Codes liegt das Wissen um die Funktion sowie das Recht der Kopie und der Verbreitung dieser Information in den Händen einer geschlossenen Gruppe, beispielsweise eines Unternehmens. Verschwindet dieses Unternehmen eines Tages vom Markt, dann ist die Gefahr groß, dass damit auch für immer das Wissen um die Software verloren geht. Gleiches gilt für verschlossene Dateiformate. Daten, die in proprietären Formaten gespeichert werden, können nicht als zukunftssicher gelten, denn es sind nur ganz spezielle, verschlossene Computerprogramme fähig, diese Daten auszulesen. Mehr noch: Proprietäre Dateiformate erschaffen und gestalten Insellösungen und Inkompatibilität. Dadurch sollen Kunden an den Hersteller gebunden werden. Geht jedoch dem Hersteller das Wissen um seine proprietären Formate verloren, ist es damit zugleich den zukünftigen Generationen verloren gegangen. Das ist eine der wenigen Gefahren, wie sich eine digitale Ressource in der Tat erschöpfen kann.

Dieser Gefahr entgegen wirken Freie Software [3] und Offene Standards [4]. Beide stehen der Öffentlichkeit dank ihrer offenen Lizenzbestimmungen frei zur Verfügung. Durch öffentliche Dokumentation sowie das explizite Recht, die Software zu kopieren und anzupassen, bilden sie das Fundament, um digitale Information und Software als eine nachhaltige Ressource für zukünftige Generationen zu erhalten. So lange es Computer gibt, werden diese in der Lage sein Freie Software zu verstehen und zu verwenden. Das erfüllt nicht nur den Anspruch der Generationengerechtigkeit, sondern auch einen weiteren Leitsatz des Brundtland-Berichts:

“Im wesentlichen ist dauerhafte Entwicklung ein Wandlungsprozeß, in dem die Nutzung von Ressourcen, das Ziel von Investitionen, die Richtung technologischer Entwicklung und institutioneller Wandel miteinander harmonieren und das derzeitige und künftige Potential vergrößern, menschliche Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen.“ [5]

Verfolgen wir also eine Entwicklung, welche „die Nutzung von Ressourcen“ auf eine Weise ermöglicht, „das derzeitige und künftige Potential [zu] vergrößern“, dann müssen wir auf Freie Software und Offene Standards setzen. Nur diese können die Ressource Software nachhaltig sichern und deren Potenzial auch für die Zukunft vergrößern. Es ist an der Zeit für die Digitale Gesellschaft eine Digitale Nachhaltigkeit [6] zu fördern.

1.3 Nachhaltigkeit ‘durch’ aber auch ‘von’ Software

Die bisherigen Ausführungen legen nahe, dass bei der Bestimmung von „nachhaltiger Software“ mindestens zwei Aspekte von Nachhaltigkeit berücksichtigt werden sollten. Zum einen die ökologischen Auswirkungen durch den Betrieb von Software, eine Nachhaltigkeit ‘durch’ Software. Zum andern das Verständnis von Software selbst als eine Ressource, das eine Nachhaltigkeit ‘von’ Software fordert.

Bei der Betrachtung von Nachhaltigkeit durch Software ist in erster Linie der Energieverbrauch ein maßgebender Faktor. Um Prozesse durchzuführen, benötigt Software Energie. Energieerzeugung bringt jedoch häufig massive Umwelt- und Klimaeinflüsse mit sich. Eine logische Ableitung aus diesem Zusammenhang wäre, dass nachhaltige Software eine Software sei, die möglichst effizient und dadurch Energie schonend läuft. Betrachten wir als Beispiel Software A und B, welche exakt dieselbe Leistung erbringen, wobei A jedoch weniger Energie für das gleiche Ergebnis benötigt. Dann wäre A in unserem Sinne als eine Energie schonende und damit nachhaltige Software zu verstehen.
Der Energieverbrauch zum Betrieb der Software ist jedoch nur ein Aspekt. Einen weitaus größeren ökologischen Fußabdruck hinterlässt die zum Betrieb von Software produzierte Hardware. Ihre Produktion erfordert hohe Mengen an Energie und oft den Einsatz äußerst begrenzter Ressourcen, z.B. sogenannter „seltener Erden“. Software, die zum Betrieb möglichst geringe Anforderungen an Hardware stellt oder gar eine langfristige Verwendung von Hardware garantiert, ist damit im Sinne der Ressourcenschonung definitiv auch als eine nachhaltige Software zu verstehen.

Schließlich müssen Software und digitale Information selbst als Ressource betrachtet werden. Software wird immer mehr zur kritischen Infrastruktur der Digitalen Gesellschaft. Die größte Gefahr für die Nachhaltigkeit von Software besteht – analog zu der Ressource Wissen – darin, die eigentlich unbegrenzte Ressource in einer Weise zu verknappen oder zu verschließen, dass zukünftige Generationen nicht mehr daran teilhaben können. Im Gegenzug können sich insbesondere in der Verwendung von Software als eine gemeinsame Ressource erhebliche Synergieeffekte ergeben, da effiziente Lösungen geteilt und damit potenziert werden [7]. Wie zu sehen sein wird, kann Freie Software zu allen drei Aspekte – Energieeffizienz, Hardwareschonung und Digitale Nachhaltigkeit – einen entscheidenden Beitrag leisten.

2. Freie Software – Definition, Entstehung und heutige Bedeutung

Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde Software weitgehend als ein freies Gut behandelt und inklusive des offenen Quellcodes verbreitet. Computer sind zu dieser Zeit meist im universitären Umfeld zu finden. Es ist üblich, die zugehörige Software auf ihre Eigenschaften und Auswirkungen hin zu untersuchen, diese zu teilen und zu verbessern. Transparenz, sowie die Wiederverwendung oder Wiederholung von Ergebnissen und Erkenntnissen bilden die Grundlagen der elektronischen Informationswissenschaft.
Mit dem Aufkommen des Heimcomputer in den 70er und 80er Jahren beginnen Hardwarehersteller jedoch damit, ihre für den Betrieb der Hardware mitgelieferte Software nur noch in verschlossenen Dateiformaten und damit ohne den zu Grunde liegenden Quellcode auszuliefern. Das Wissen um den Betrieb der Maschine soll verschlossen bleiben. 1974 wird das amerikanische Copyright auch auf Computerprogramme ausgeweitet. Es kommt zur Verbreitung des Personal Computers der Firma International Business Machines Corporation (IBM) und dessen mitgeliefertem Betriebssystem DOS der Firma Microsoft. Damit wird im außeruniversitären Umfeld der Grundstein zur Akzeptanz des Vertriebs proprietärer Software gelegt. Als proprietäre Software wird Software bezeichnet, deren Quellcode nicht ersichtlich ist und für die zudem nur eingeschränkte Nutzungsrechte gelten.

Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, initiiert Richard Stallman – Mitarbeiter im Labor „Künstliche Intelligenz“ des Massachusetts Institute of Technology – 1983 die Entwicklung des GNU-Projektes [8]. Ziel des GNU-Projektes ist, ein komplettes Betriebssystem zu schreiben, dass vollständig aus Freier Software besteht. Damals bis heute wird unter Freier Software jegliche Software verstanden, die allen Nutzenden vier grundsätzliche Rechte (sogenannte „Freiheiten“) einräumt [9]. Diese sind das Recht die Software

  1. zu verwenden (zu jedem Zweck, ohne Einschränkung)
  2. zu verstehen (den Quellcode einzusehen um das Programm untersuchen zu können)
  3. zu verbreiten (das Programm beliebig oft zu kopieren und zu teilen)
  4. zu verbessern (das Programm zu verändern und die neue Version selbst zu veröffentlichen)

Diese Nutzungsrechte werden gegeben und garantiert durch Lizenzen. Die Lizenz der Software beschreibt, was Nutzende unter welchen Umständen mit der Software machen dürfen. Im Gegensatz zu proprietärer Software räumen die Lizenzen Freier Software explizit das Recht ein die Software zu verstehen und zu teilen. Lizenzen dieser Art gibt es viele. Die Free Software Foundation (FSF) führt dazu eine Liste von anerkannten Freie Software Lizenzen [10]. Die am häufigsten verwendeten Lizenzen [11] sind in Reihenfolge ihrer Häufigkeit GPLv2, MIT , Apache, GPLv3 und BSD. Grob lassen sich diese Lizenzen in zwei „Familien“ einteilen, die sich durch unterschiedliche Formen der „Weitervererbung“ unterscheiden: Manche Lizenzen fordern, dass im Falle einer Veränderung und Wiederveröffentlichung des Quellcodes der abgewandelte Code unter derselben Lizenz veröffentlicht werden muss. Damit wird erreicht, dass eine einmal als Freie Software veröffentlichte Software sowie alle Ableitungen und Weiterentwicklungen frei bleiben. Dieses weitervererbende Prinzip wird als Copyleft bezeichnet.
Andere Lizenzen hingegen fordern nicht ihre eigene Weitervererbung. Diese gelten als nicht-schützend. Zur Abgrenzung von Copyleft-Lizenzen werden diese als nicht-schützend oder auch permissiv bezeichnet. Wer den Quellcode einer Freien Software verändert, die unter nicht-schützender Lizenz veröffentlicht wurde, kann diese Abwandlung entweder unter der gleichen Lizenz veröffentlichen, unter einer Copyleft-Lizenz oder gar unter einer proprietären Lizenz. Beide Lizenz-Familien finden in der Praxis etwa gleich häufig Verwendung [12].

1984 kündigt Richard Stallman seinen Job, um sich in Vollzeit der Entwicklung von GNU zu widmen. 1985 gründet er die Free Software Foundation und entwickelt 1989 mit der Veröffentlichung der ersten GNU General Public License (GPL) [13] das Prinzip des Copyleft. Stallmans ursprüngliche Ankündigung der Entwicklung des GNU-Projektes gilt heute als Geburtsstunde Freier Software und der Freien Software Bewegung. Anfang 2000 entwickelt Lawrence Lessig aus den Prinzipien Freier Software und deren Lizenzen die Creative Commons Lizenzen, die eine Adoption der Ideen Freier Software auf die Verbreitung freier Wissens- und Kulturgüter darstellt. Zur selben Zeit und in den Folgejahren berufen sich weltweit immer mehr Bewegungen auf die Prinzipien Freier Software und Freien Wissens, darunter Open Access, Open Data, Open Source, Open Knowledge und Open Educational Resources.

Freie Software finden wir heutzutage in unzähligen digitalen Geräten, die uns umgeben. Darunter eingebettete Systeme (zum Beispiel Internet-Router), digitalisierte Geräte (zum Beispiel Fernseher, Kühlschrank, Mikrowelle), Taschencomputer (zum Beispiel sogenannte „Smartphones“ [14]), Supercomputer [15], der größte Teil der Internet-Hardware (zum Beispiel Server [16]) und mit GNU/Linux [17] auch der Laptop und Desktop. Unter Endanwendern bekannte Software ist zum Beispiel Linux, Firefox, Wikipedia, Android, Open/Libre Office, Apache, WordPress und viele mehr.

3. Freie Software und ökologische Nachhaltigkeit

Die Veröffentlichung des Quellcodes, dessen Teil- und Wiederverwendbarkeit sind maßgebende Eigenschaften Freier Software. Freie Software kann durch diese Charakteristika als gemeinsame Ressource verwendet werden, wie beispielsweise das Wissen in der Bibliothek. Offenheit und Verfügbarkeit des Quellcodes bergen zudem zahlreiche positive Auswirkungen auf unsere sozialen und wirtschaftlichen Organisationsformen. Diese können hier jedoch nicht weiter ausgeführt werden; dieses Kapitel widmet sich ausschließlich den möglichen ökologischen Gewinnen Freier Software.

3.1 Modularität, Freie Software und Effizienz

Freie Software und Betriebssysteme bestehen üblicherweise aus einer Kombination einzelner Module, die mit Hilfe offener Schnittstellen miteinander kommunizieren und so zu einer Gesamtkomposition zusammengestellt werden. Diese Modularität kann dazu dienen, das verwendete Betriebssystem so schlank und effizient wie möglich den Betriebsanforderungen anzupassen. Viele Computer und Computerarbeitsplätze werden schließlich nur dazu verwendet, Texte zu schreiben und zu verarbeiten, sowie diese über das Internet auszutauschen (im Folgenden „Textverarbeitungsplatz“). Wird für einen solchen Textverarbeitungsplatz ein proprietäres System „von der Stange“ erworben, dann ist dieses System üblicherweise dazu ausgelegt viele weitere Aufgaben erledigen zu können und erfordert und verwendet dazu zahlreiche Hardwarekomponenten sowie erhöhte Mindestanforderungen an die Hardware. Meist bieten die Vertreiber keine Anpassungen oder bedarfsorientierte Abstufungen ihrer Systeme an. Weil es sich um proprietäre Software handelt, haben Nutzende zudem keine Möglichkeit, das System selbst zu verschlanken oder gewisse Funktionen auszulassen. Bei Verwendung derartiger Systeme entsteht eine Herstellerabhängigkeit, in welcher der Software-Hersteller allen Nutzenden die zur Anwendung benötigte Hardware vorschreiben kann.
Bei der Verwendung eines Freien Software Betriebssystems hingegen besteht prinzipiell die Möglichkeit, jedes Modul und Programm manuell zu konfigurieren, zu entfernen, auszutauschen oder auch einzubauen. Da Freie Software geteilt werden darf, können eigens konfigurierte Systeme verbreitet werden und alle Nutzenden von dieser Konfiguration profitieren. Das führt zu Interessensgruppen – sogenannte communitys – die spezielle GNU/Linux-Software Konfigurationen – sogenannte Distributionen – pflegen und veröffentlichen. Darunter gibt es auch Distributionen, die sich als besonders Hardware- und Ressourcenschonend hervortun [18]. Für den oben angeführten Textverarbeitungsplatz sind solche Distributionen im Sinne der Effizienz bestens geeignet. Ganz generell ermöglicht die Modularität Freier Software ein für die jeweiligen Aufgabenbereiche zugeschnittenes System zu erstellen, ohne unnötigen Ballast. Oder, wie es Antoine de Saint-Exupéry einst ausdrückte: “Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn es nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.” [19]

3.2 Hardware als Ressource verstehen

Die Produktion von Hardware erfordert jede Menge Ressourcen, sowohl seltene Rohstoffe als auch Energie. Jede Möglichkeit, unseren Hardwareverbrauch zu senken, kann als ein Beitrag zur ökologischen Nachhaltigkeit betrachtet werden. Darunter wäre eine bedarfsorientierte Neuanschaffung von Hardware zu verstehen sowie eine möglichst lange Verwendung alter Hardware. Wie soeben ausgeführt, bietet Freie Software, insbesondere GNU/Linux-Systeme, dafür speziell zugeschnittene Distributionen, die möglichst wenige Anforderungen an die Hardware stellen. Hinzu kommt, dass der offene Quellcode eigene Anpassungen sowie die Übertragbarkeit der Software auf verschiedene Endgeräte ermöglicht. Das heißt, für unser Beispiel des Textverarbeitungsplatzes benötige ich mit der Verwendung Freier Software nicht länger einen Laptop oder Desktop-Computer. Durch die Verwendung eines schlanken GNU/Linux-Systems mit grafischer Oberfläche und einer Libre Office-Suite [20] ist ein komfortabler Textverarbeitungsplatz bereits mit viel geringerem Hardwareaufwand möglich, beispielsweise mit dem Mini-Computer RaspberryPi [21]. Anstatt sich also vom Hersteller diktieren zu lassen, welche Hardwareanforderungen dessen multifunktionales Betriebssystem benötigt, kann durch die Verwendung Freier Software ein möglichst schlankes System verwendet werden und in Folge dessen eine bedarfsorientierte Neuanschaffung von Hardware erfolgen.

Die Unabhängigkeit der Software und ihrer Anwendung wirkt sich zudem positiv auf den Lebenszyklus und die Langlebigkeit von Hardware aus. Mit Freier Software kann ökologisch problematischen Geschäftsmodellen entgegengewirkt werden, welche vorsehen die Halbwertszeit von Hardware gering zu halten oder den Wert alter Hardware zu senken, indem neue Softwareentwicklungen nicht länger den Einsatz alter Hardware unterstützen. Denn selbst viele Jahre alte Rechner sind meist vollkommen ausreichend um mit Hilfe schlanker Distributionen einen stabilen, schnellen und effizienten Textverarbeitungsplatz zu ermöglichen. Die Unabhängigkeit und Anpassungsfähigkeit Freier Software bietet dadurch die Freiheit, selbst zu entscheiden, ab wann eine Hardware zu alt für den eigenen Einsatz geworden ist.
Um den Vertrieb neuer Hardware zu fördern, wird teilweise versucht zu argumentieren, dass neue Hardware doch viel Energie sparsamer sei als alte Hardware. Das ist allerdings Augenwischerei, denn die Herstellung neuer Hardware zehrt in der Energiebilanz jeden Effizienzgewinn auf. Ökologisch schneidet jede Wieder- oder Weiterverwendung von Hardware besser ab als Elektroschrott, selbst mit Recycling. Auch birgt die Verwendung alter Hardware eine soziale Komponente. Wer für den eigenen Betrieb neue Hardware benötigt, kann die ausrangierte Hardware beispielsweise noch sinnvoll als Arbeitsplatz in anderen Abteilungen, in Bildungseinrichtungen oder in der Entwicklungshilfe einsetzen.

3.3 Gemeinsame Lösungen für eine gemeinsame Ressource

Freie Software gibt jeder und jedem das Recht, die Software frei zu verwenden, zu verstehen, zu verbreiten und zu verbessern. Dadurch entsteht ein Entwicklungsmodell, welches es uns ermöglicht, Software als eine gemeinsame Ressource zu verstehen und zu verwenden. Einzelne Lösungen können so für gemeinsame Lösungen sorgen, Effizienzgewinne sich dadurch potenzieren.
Ein Beispiel: Der Stadt Berlin gelingt es, eine äußerst effiziente und maßgeschneiderte Software für ihre Verwaltung zu schreiben. Sie beschließt, diese Software per Lizenz als Freie Software zu veröffentlichen. Die Stadt Konstanz bedient sich nun dieser Freien Software und verwendet sie für ihre eigene Verwaltung. Weil die Stadt Konstanz jedoch viel kleiner ist, werden bestimmte Module nicht benötigt, zum Beispiel die Erfassung des Straßenbahnnetzes. Die entsprechenden Module werden entfernt und in Konstanz wird nun eine schlankere Version der Software zum Einsatz gebracht. Nachdem Konstanz ihre selbst angepasste Version wiederveröffentlicht, können andere Kleinstädte davon ebenso profitieren ohne dazu erst eigene Personalressourcen einsetzen zu müssen. Schließlich fällt einem pfiffigen Mitarbeiter in Neubrandenburg beim Betrachten des Codes eine Möglichkeit auf, verschiedene Rechenprozesse zusammenzuführen und die Software damit noch effizienter zu gestalten. Nach erfolgreicher Implementierung und Wiederveröffentlichung durch die Stadt Neubrandenburg können nun auch Konstanz und Berlin die verbesserte Version des Codes in ihren eigenen Anwendungsumgebungen implementieren und somit profitieren am Ende alle Anwender von der gleichen Lösung. Schließlich entsteht so eine gemeinsame Ressource und im Falle von nur einer nachhaltigen Lösung kann sich zugleich die Ökobilanz aller Anwendenden erhöhen.
Dieses Prinzip, das hier als theoretisches Beispiel angeführt wurde, finden wir in der Praxis in vielen Freie Software-Projekten [22]. Als herausragendes Beispiel sei der Linux-Kernel angeführt. Der Linux-Kernel ist eine Schnittstelle, welche die Anweisungen der Software in maschinenlesbare Anweisungen an die Hardware übersetzt. 1991 begann Linus Torvalds als einzelne Person den Linux-Kernel zu entwickeln und als Freie Software unter der GPLv2-Lizenz [23] zu veröffentlichen. Schnell haben sich über das Internet weitere Entwickler eingefunden um gemeinsam den Linux-Kernel zu programmieren. Heute ist der Linux-Kernel wohl der meistverwendete Kernel weltweit. Wir finden dessen Anwendung in nahezu allen Formen digitaler Geräte, vom Router zum Kühlschrank über das Smartphone und den Laptop hin zu Supercomputern [24]. Ermöglicht wird dies durch inzwischen hunderte, tausende Programmierer weltweit, die jeder für sich immer weiter zur gemeinsamen Ressource des Linux-Kernels beitragen und diesen verbessern. Darunter sind Studierende und Freiwillige, aber vor allem auch Angestellte globaler IT-Firmen wie Intel, Red Hat, Samsung, IBM oder Google [25]. Firmen, die auf dem freien Markt in Konkurrenz zueinander stehen, erschaffen hier eine gemeinsame Ressource, die wiederum alle – inklusive der Konkurrenz – ausschöpfen können um Kapital zu generieren. Das ist kein Widerspruch sondern kalkuliertes Geschäft. Durch die gemeinsame Ressource vermeiden sie die Gefahr, dass Eigenentwicklungen scheitern oder obsolet werden, sie profitieren zudem von den Entwicklungen anderer und müssen nicht jeden Gedanken aufs neue Erfinden oder imitieren.
Ob gewollt oder nicht, alle Beitragenden erzeugen mit der Entwicklung des Linux-Kernels eine digitale Nachhaltigkeit der gemeinsamen Ressource „Software Kernel“. Diese zeichnet sich durch stetige Effizienzsteigerung sowie Anpassungsfähigkeit aus. Die Möglichkeit, diese Entwicklungen auf unzählige Endgeräte zu adaptieren, hat nachhaltige Auswirkungen auf die gesamte Sphäre digital-technischer Hardware. Positive und nachhaltige Aspekte für die Umwelt ergeben sich aus gemeinsamen Möglichkeiten der Energiesparsamkeit sowie dem Erhalt von Hardware beziehungsweise der bedarfsorientierten Neuanschaffung von Hardware.

4. Ausblick

Für die Beantwortung der Forschungsfrage „Was ist Nachhaltige Software?“ beziehungsweise der Kategorisierung der Nachhaltigkeitskriterien von Software spielt Freie Software und dessen Entwicklungsmodell zweifelsfrei eine wichtige Rolle. Wie gezeigt, fördert Freie Software eine digitale Nachhaltigkeit in der digitalen Gesellschaft und ist die Grundvoraussetzung dafür, Software als gemeinsame Ressource zu verstehen und zu erhalten. Ökologisch können durch Modularität und Anpassungsmöglichkeiten sowohl Energie als auch Hardware als Ressourcen geschont werden. Schließlich sorgen selbst einzelne Lösungen für gemeinsame Effizienzsteigerungen und eine gemeinsame Nachhaltigkeit. In Bezug auf die in Frage stehende Analogie zu dem „Blauen Engel“ empfehle ich deshalb eine Nachhaltigkeitskategorie „Freie Software“.

Fussnoten

[1] Der Autor empfiehlt dazu die satirische Visualisierung der zunehmenden Verwendung des Begriffes “Sustainable” durch den Webcomic “xkcd”
[2] Brundtland 1987, Absatz 49; Der sogenannte “Brundtland-Bericht” ist der Abschlussbericht der von den Vereinten Nationen eingesetzten Brundtland-Kommission. Seine Veröffentlichung hat maßgebend zu einem gemeinsamen globalen Verständnis einer nachhaltigen Entwicklung beigetragen.
[3] Für eine Einführung in Freie Software, siehe Kapitel 2: „Freie Software – Definition, Entstehung und heutige Bedeutung“
[4] Unter dem Begriff „Offene Standards“ werden Dateiformate oder Protokolle verstanden, deren Dokumentation, Verwendung und Implementation frei, offen und für alle zugänglich ist. Für eine genaue Definition siehe die „Genfer Erklärung zu Standards und der Zukunft des Internets“ (Genf 2008)
[5] Brundtland 1987, Absatz 15
[6] “Digitale Nachhaltigkeit” ist ein noch junger Begriff ohne allgemeingültige Definition. In der Wissenschaft (vgl. Busch 2008, Grassmuck 2004, Stürmer 2009) hat sich jedoch eine weitgehend einheitliche Verwendung des Begriffes etabliert (vgl. Martens 2013). Demnach wird unter Digitaler Nachhaltigkeit mindestens verstanden: die Verwendung Freier Software und Offener Standards, der offene Zugang zu Daten und die Freie Zirkulation von Daten.
[7] Zur Erläuterung dieses Arguments siehe Abschnitt “3.3 „Gemeinsame Lösungen für eine gemeinsame Ressource“
[8] In Anlehnung an das damals weit verbreitete Betriebssystem Unix ergibt sich das Akronym „GNU“, das bedeutet „Gnu’s Not Unix“.
[9] Die Anwendung und Garantie dieser vier Freiheiten für alle Nutzenden hat bedeutende Auswirkungen auf die Software selbst, deren Entstehungsprozess sowie deren Verwendung und Bedeutung. Diese Aspekte können hier allerdings nicht diskutiert werden. Für mehr Hintergrund siehe FSFEs “Introduction to Free Software”
[10] Siehe https://www.gnu.org/licenses/license-list.html
[11] Siehe Black Duck 2014
[12] ebd.
[13] Inzwischen gibt es eine ganze „GPL-Lizenzfamilie“. Dazu gehören Versionsnachfolger (GPLv2, GPLv3) sowie Abwandlungen (LGPL, AGPL) und deren Nachfolger.
[14] Das Freie Software Betriebssystem Android hat einen Marktanteil auf europäischen Mobilgeräten von 73,9%. (vgl. ZDNet 2014a)
[15] 97% der Top 500 schnellsten Supercomputer laufen unter Linux (vgl. ZDNet 2014b)
[16] 58% aller Webserver laufen mit der Freien Software Apache (vgl. W3Techs 2014)
[17] Als GNU/Linux werden Betriebssysteme bezeichnet, die eine Kombination aus GNU Software und dem Linux-Kernel sind. Diese werden klassischerweise auf dem Desktop und Laptop eingesetzt.
[18] thinkwiki.de listet unter „Ressourcenschonende Linux Distributionen“ (thinkwiki 2014) beispielsweise Debian (eine Distribution) für den Einsatz mit einer i486-CPU-Architektur. Das ist Hardware, die in Desktops zwischen Anfang und Mitte der 90er Jahre eingebaut wurde. In Kombination mit einer ressourcenschonenden Desktopumgebung, beispielsweise LXDE oder Xfce (siehe thinkwiki 2014), kann damit auf bereits 20 Jahre alter Hardware eine aktuelles Betriebssystem mit grafischer Oberfläche effizient betrieben werden.
[19] Saint-Exupéry 1939: S. 61
[20] Libre Office wird hier nur als ein Beispiel für eine komplette Büroanwendungsumgebung auf Basis Freier Software verwendet. Dieselbe Aussage gilt auch für andere Büroanwendungssoftware, die als Freie Software lizenziert ist.
[21] „RaspberryPi“ bezeichnet einen preisgekrönten Einplatinencomputer, der besonders günstig (derzeit in etwa 40 Euro) und zudem energiesparsam ist. Seit 2012 kann dort ein komplettes Libre Office-Systen zum Laufen gebracht werden (siehe TDF 2012)
[22] Genau genommen finden wir das Prinzip überall. Allerdings sind in der Praxis manche der Projekte so klein, dass es nur eine Person ist, die tatsächlich Codezeilen beiträgt und die Software somit verbessert.
[23] Die 1991 veröffentlichte Folgeversion der ursprünglichen Gnu General Public License
[24] Siehe dazu auch Ende des Kapitel 2: „Freie Software – Definition, Entstehung und heutige Bedeutung“
[25] Für die Version 3.18 des Linux Kernel haben allein die oben gelisteten Firmen zusammen 29% aller Code-Änderungen beigetragen (LWN 2014)

Quellenverzeichnis:

Saturday, 24 January 2015

Fellowshiptreffen am 26.11.2014

stehmann's blog | 19:25, Saturday, 24 January 2015

Beim Fellowshiptreffen am 26.11.2014, also dem letzten Treffen in diesem Jahr stand das Thema Gesundheitskarte auf der Agenda. Der Bonner Neurologe und Freund Freier Software Walther Koehler diskutierte mit uns seine kritischen Gedanken hierzu.

Bereits die Historie, die uns der Referent erläuterte, vermag kaum Anlass zum Optimismus hinsichtlich eines Gelingens dieses Projektes geben. Ankündigungen und Resultate stehen in einem Missverhältnis, welches aber für viele EDV-”Groß-”Projekte typisch ist.

Erläutert wurde auch die derzeitige Auslegung dieses Projektes, wie sie sich aus der Sicht eines zwangsläufigen Anwenders darstellt. Vieles erscheint derart unpraktikabel und fehlgeplant, dass ernste Sorgen um den Datenschutz in den Arztpraxen angezeigt erscheinen. Vom versprochenen Nutzen für den Patienten ist praktisch nichts übriggeblieben. Für den Arzt und die anderen Angehörigen der Heilberufe ist die Gesundheitskarte keine Hilfe, sondern nur eine zusätzliche Last, wofür die fehlende Begeisterung der Ärzteschaft für dieses Projekt deutlicher Ausdruck ist.

Beispielsweise wird das notwendige Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient dadurch belastet, dass dem Arzt die Prüfung der Identität seines Patienten auferlegt wird.

Dass auch hinsichtlich Freier Software nichts Positives berichtet werden konnte, erschien daher kaum überraschend.

Mit den Vortrag von Walther hat der “rheinische Referentenaustausch” eine schöne Fortsetzung erfahren. Die Kontakte zwischen der Bonner und der Düsseldorfer Fellowshipgruppe erweisen sich als fruchtbringend und hoffnungsvoll für die Zukunft.

Nächste Treffen:

Im Januar, am 28.01.2015, ist ab 19:30 Uhr im Chaosdorf unser “traditionelles” Rückblicks- und Planungstreffen.

Referenten für Februar und März 2015 konnten bereits gewonnen werden.