Gedanken der FSFE Gemeinschaft

Wednesday, 17 October 2018

Eine Einführung in Freie Software

Deutsch on Björn Schießle - I came for the code but stayed for the freedom | 19:00, Wednesday, 17 October 2018


(Dieser Artikel enthält eine Präsentation, hier zu sehen.)

Tags: #fsfe #FreeSoftware #slides

Wednesday, 10 October 2018

Veranstaltungshinweis: Digitale Emanzipation – Open Source als Keimzelle der Mündigkeit?

Do-FOSS | 20:08, Wednesday, 10 October 2018

Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen

Logo: Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen (© Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen)

Freie Software Thema beim Feierabendtalk bei der Heinrich Böll Stiftung NRW

Am Freitag, den 19. Oktober 2018, ist Do-FOSS von 17:30 Uhr bis 19:30 Uhr bei der Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen für einen Vortrags- und Diskussionsabend zu Gast. Der Einladungstext findet sich im Folgenden. Der Abend wird der Frage nachgehen, warum das Verständnis von Freier Software für die Digitalisierung wesentlich ist. Einen Vorgeschmack auf den Abend gibt ein kurzes Interview mit Christian Nähle von Do-FOSS. Zur Teilnahme an dem Veranstaltungsabend wird um Anmeldung gebeten. Do-FOSS freut sich auf den gemeinsamen Abend bei der Heinrich Böll Stiftung NRW!

Digitale Emanzipation – Feierabendtalk mit Christian Nähle

Open Scource als Keimzelle der Mündigkeit

Digitale Keimlinge

Digitale Keimlinge

Microsoft, Apple, Google & Co.: Immer stärker ist unser Nutzer*innenverhalten geprägt durch digitale Dienste. Die voranschreitende Digitalisierung unseres Alltags wirft viele Fragen auf. Folgt ein schrittweiser Verlust der eigenen Mündigkeit und Autonomie? Software gilt für einen Großteil der Bevölkerung als „Black Box“, deren Quellcode nicht einsehbar ist. Dies bietet potenziell Spielraum für negative Folgen im Nutzer*innenverhalten, Missbrauch von Daten und der Privatsphäre.

Bedenklich ist dabei auch, dass ein Großteil der digitalen Infrastruktur eng mit den USA verbunden ist. Welche Leitplanken sollte es geben, damit eine demokratische Gesellschaft auch im digitalen Bereich Mitbestimmungsrechte ausüben kann? Open Source ist ein Ansatz dafür, allen gemeinschaftliche Verfügungsrechte über die gemeinsame Mitwelt zu ermöglichen. Ein freier Zugang zu Informationen schafft mündige Individuen sowie die nötige Transparenz.

FEIERABENDTALK
In unseren Feierabendtalks schaffen wir einen gemütlichen Raum für interessante Gespräche zum Ausklang des Tages. Bei Getränken und in kleiner Runde nähern wir uns spannenden Themen auf Augenhöhe mit eingeladenen Referent*innen und unseren Teilnehmer*innen.

REFERENT
Christian Nähle ist Verwaltungsfachwirt und engagiert sich in der Dortmunder Bürgerinitiative Do-FOSS für den Einsatz freier Software in öffentlicher Verwaltung.

Böll befragt … Christian Nähle

Interview Christian Nähle ist Verwaltungsfachwirt und engagiert sich in der Dortmunder Bürgerinitiative Do-FOSS für den Einsatz freier Software in öffentlicher Verwaltung.

2. Oktober 2018
von Jurij Kas

Warum ist Open Source ein Grünes Thema?

Open Source, also die Quelloffenheit von Informationen, ermöglicht Menschen sich eine Meinung zu bilden. Mündigkeit ist ein Kernbegriff für uns GRÜNE für unsere Vorstellung einer selbstbestimmten Gesellschaft für Alle. Dazu gehört, dass wir verwenden, verstehen, verbreiten und verbessern dürfen, was wir in unserer Mitwelt vorfinden. Politisch gilt es daher allen Menschen gemeinschaftliche Verfügungsrechte über unsere gemeinsame Mitwelt zu ermöglichen. Open Source ist ein Ansatz hierfür. Im Analogen, wie im Digitalen.

Was hat eine voranschreitende Digitalisierung meiner Umwelt für mich zur Folge?

Eine Digitalisierung meiner Umwelt bedeutet zunächst für mich, dass mein Lebensraum mittels digitaler Technik gestaltet und verwaltet wird. Fraglich ist, wie dies abläuft. Wird Technikeinsatz als dienendes Instrument oder als autoritär-administrierende Fernsteuerung konzipiert? Welche Leitplanken sollte es geben damit eine demokratische Gesellschaft auch im Digitalen Mitbestimmungsrechte und Koalitionsfreiheit ausüben kann? Fragen wie diese sind allem Umsetzungseifer voranzustellen.

Worin besteht eine Gemeinsamkeit von Open-Source-Software und Open-Source-Saatgut?

Beide werden als Gemeingut bereitgestellt und genutzt statt als Privateigentum. Die Eigentumsregelung drückt sich durch die jeweilige Lizenz aus mit der Saatgut bzw. Software belegt sind. Open-Source-Saatgut und Open-Source-Software sind tatsächlich frei, d.h. das genetische Erbgut einer Pflanze bzw. der Quelltext einer Software sind eigentumsrechtlich auf niemanden eingeschränkt, womit sie Gemeingut sind und uns allen gehören. Diese Verfügungsrechte sind ein Schlüsselelement für ein selbstbestimmtes Leben.

Tipp: Christian Nähle ist zu Gast bei unserem Feierabend-Talk am 19. Oktober zum Thema „Digitale Emanzipation“ – hier anmelden und mit ihm diskutieren!

Dokument zum Herunterladen

Der Veranstaltungsflyer des Feierabendtalks kann hier heruntergeladen werden.

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Tuesday, 25 September 2018

Exkurs: Stadt Dortmund erntet Open-Source-Saatgut

Do-FOSS | 20:19, Tuesday, 25 September 2018

Die Open-Source-Tomate

Bild: Die Open-Source-Tomate

Das Prinzip Open Source verbreitert sich bei der Stadt Dortmund

Im Blogbeitrag Exkurs: Saatgut wie Software – eine Frage der Lizenz beleuchtete Do-FOSS die Lizenierungsfrage „Frei oder unfrei?“ anhand eines Vergleichs zwischen Saatgut und Software. Um das Open-Source-Prinzip für Saatgut praktisch anzugehen, hatte sich die Solidarische Landwirtschaft Dortmund (SoLaWi) (weitere Erläuterung s.u.) zum Partner des Open-Source-Prinzips erklärt. Herr Jörg Lüling, Mitglied des Vereinsvorstandes der Dortmunder SoLaWi, hat die Open-Source-Tomaten auf einem Stück Land der SoLaWi gepflanzt, gepflegt und groß gezogen. Nun wurden die Open-Source-Tomaten kürzlich vom Dortmunder Umweltamt geerntet. Auch hierbei hat die SoLaWi maßgeblich unterstützt. Nach der Trocknung des Saatguts wird es demnächst an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger als Gemeingut verteilt.

Im Folgenden findet sich die Pressemitteilung der Stadt Dortmund zur Ernte des Open-Source-Saatguts, zu den Hintergründen und zur Weiterreichung des Saatguts an die Bürgerinnen und Bürger. Do-FOSS freut sich, dass sich die Wahrnehmung für das Prinzip von Open Source bei der Stadt Dortmund verbreitert und praktisch umgesetzt wird.

Pressemitteilung der Stadt Dortmund: Umweltamt erntet und verteilt samenfestes frei nutzbares Saatgut für die Klimafolgenanpassung

Das Team der Koordinierungsstelle für Klimaschutz und Klimaanpassung des Umweltamtes erntet auf dem Acker der Solidarischen Landwirtschaft Kümper Heide Tomatensaatgut, das an Klimaveränderungen angepasst werden kann. Das geerntete Saatgut der samenfesten Tomatensorte „Sunviva“ können Dortmunder nach der Trocknung beim Umweltamt kostenfrei abholen. Es handelt sich dabei um so genanntes „Open-Source“-Saatgut. Das bedeutet, dass das Saatgut frei von privatrechtlichen Schutzrechten ist und frei nutzbar ist.

Start der Verteilung wird noch bekannt gegeben und erfolgt, solange der Vorrat reicht. Mit dieser Aktion unterstützt das Umweltamt Open-Source-Saatgut zum Erhalt der ökologischen Vielfalt und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Klimafolgenanpassung.

Klimawandel fordert Vielfalt im Saatgut

Der internationale Saatgutmarkt wird von immer weniger Unternehmen bestimmt. Da die Saatgutfirmen ihre Züchtungen immer stärker vereinheitlichen, geht die Pflanzenvielfalt stetig zurück. Diese Entwicklung verringert die Fähigkeit der Landwirtschaft, sich an regionale Unterschiede und den Klimawandel anzupassen und macht sie damit auch anfälliger für Umwelteinflüsse. Ökologische Vielfalt ist eine zentrale Grundlage dafür, dass sich Landwirtschaft an den Klimawandel anpassen kann. Dafür leistet das samenfeste Open-Source-Saatgut einen entscheidenden Beitrag zur Klimafolgenanpassung. Durch die aktuelle Entwicklung auf dem Saatgutmarkt ist nicht nur die ökologische Vielfalt, sondern auch unsere Ernährung gefährdet.

Steriles Hybridsaatgut und seine Folgen für Landwirte

Gemüse keimt heutzutage in der Regel von sogenanntem Hybridsaatgut. Für Hybridzüchtungen werden bestimmte Eigenschaften einer Pflanze wie Pflanzengröße, Form und Farbe der Früchte durch Kreuzung von Inzuchtlinien verstärkt. Ein gewünschter Effekt ist, dass die erste Generation überdurchschnittlich gute Ertragsergebnisse liefert. Die Kehrseite ist jedoch, dass die Landwirte das Saatgut aus eigener Ernte nicht verwenden können. Es verliert seine Einheitlichkeit. Manche Pflanzen würden z.B. sehr groß, andere sehr klein. Das bringt enorme Schwierigkeiten für die Weiterverarbeitung und den Verkauf der Ernte mit sich. Zum Teil sind Hybride sogar steril, so dass sie sich gar nicht fortpflanzen können. Zudem dürfen Landwirte das selbst geerntete Saatgut mitunter aufgrund von Lizenzbestimmungen nicht verwenden. Auf diese Weise entsteht neben der ökologischen Verringerung auch eine Abhängigkeit der Landwirte von Saatgutproduzenten, denn das Saatgut muss jedes Jahr neu gekauft werden. Dies trifft sowohl die heimische Landwirtschaft als auch Landwirte in Entwicklungsländern. Die Alternative zu Hybridsaatgut ist samenfestes Saatgut, das nachbaufähig, also fruchtbar ist und in den nächsten Generationen Pflanzen mit den
gleichen Eigenschaften hervorbringt.

Berücksichtigung regionaler und klimatischer Unterschiede

Die in Dortmund auf dem Acker der Solidarischen Landwirtschaft Kümper Heide gesäte Tomatenpflanze „Sunviva“ ist samenfest. Sie ist aber nicht nur aufgrund ihrer Samenfestigkeit, sondern auch wegen ihrer rechtlichen Eigenschaften ein wesentlicher Baustein für die Klimafolgenanpassung. Denn nach ihrer Züchtung wurde die Tomatensorte unter eine Open-Source-Saatgutlizenz gestellt. Anders als bei herkömmlichen Rechten an Saatgut erlaubt diese Art der Lizenz, die Samen frei und kostenlos zu verwenden. Auf diese Weise wird die Verwendung des Saatguts für die Allgemeinheit gesichert. Die Besonderheit ist, dass Landwirte das Saatgut vermehren und für regionale Bedürfnisse weiterentwickeln dürfen. Dabei bleibt es auch in Zukunft frei von Lizenzkosten. Anders als bei globalem Einheitssaatgut großer Konzerne können daher bei Open-Source-Saatgut regionale Unterschiede und klimatische Veränderungen bei der Züchtung und beim Anbau dauerhaft berücksichtigt werden.

Solidarische Landwirtschaft in Dortmund

Als Partner für den Anbau der Open-Source-Tomate „Sunviva“ hat sich die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) Kümper Heide in Dortmund angeboten. Die Grundidee jeder SoLaWi ist, dass sich Landwirte mit Verbrauchern von Anfang an in einer Gemeinschaft zusammentun. So verpflichten die Mitglieder sich im Vorfeld zur Abnahme des Gemüses und finanzieren alles, was für den Anbau notwendig ist, vor. Die Ernte steht allen gleichermaßen zur Verfügung. Somit werden Risiko und Ernte geteilt. Außerdem können alle Mitglieder der Gemeinschaft auf dem Acker mitarbeiten, sich in Arbeitsgruppen und demokratisch in ein Plenum einbringen. Ernährung wird als gemeinschaftliche Aufgabe wahrgenommen.

Saatgut im Umweltamt

Saatgut der Open-Source-Tomate „Sunviva“ und weitere Informationen gibt es bei der Koordinierungsstelle für Klimaschutz und Klimaanpassung des Umweltamtes: Ansprechpartner ist Christian Nähle, Telefon 0231/50–2 87 74, cnaehle@stadtdo.de, www.umweltamt.dortmund.de

Redaktionshinweis:

Dieser Medieninformation hängt eine Pflanzanleitung an: Tomaten selbst zu ziehen ist gar nicht schwer
Kontakt: Heike Thelen

Fotostrecke des Saatgutanbaus

Do-FOSS hat einige Fotos über die SoLaWi erhalten, welche den Saatgutanbau ausschnittsweise dokumentieren.

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Fazit

So ähnlich wie Saatgut aus den verschiedensten Zusammenhängen als Gemeingut wahrgenommen werden sollte, ist dies auch bei Software einzuordnen. Software sollte ebenfalls als Gemeingut behandelt werden. Andernfalls werden Menschen Software nicht nach ihren Bedürfnissen verwenden, verstehen, verbreiten oder verbessern können.

Dokumente zum Herunterladen

Die Pressemitteilung der Stadt Dortmund zur Ernte des Open-Source-Saatguts vom 21.09.2018 kann hier und die Pflanzanleitung „Tomaten selbst zu ziehen ist gar nicht schwer“ kann hier heruntergeladen werden.

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Tuesday, 21 August 2018

Wie unterstützt die Landesre­gierung von Nordrhein-Westfalen Freie Software?

Do-FOSS | 19:16, Tuesday, 21 August 2018

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NRW-Zeichen

Bild: Land NRW

Auskunft der Landesregierung

Die Diskussion um eine Freie-Software-Strategie in der Stadt Dortmund verursachte nicht nur eine breite Medienresonanz, sondern wurde auch im Landtag von Nordrhein-Westfalen wahrgenommen. Aus der Landtagsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN wurde eine entsprechende Kleine Anfrage gestellt, um eine Auskunft der Landesregierung zu Freier Software und Offenen Standards zu erhalten. Do-FOSS freut sich darüber, dass Dortmund als positives Beispiel für eine Diskussion im Landtag dient.

Die Antwort der Landesregierung ist erst einmal aufschlussreich, um eine grobe Vorstellung der Sichtweise der Landesregierung auf Freie Software zu erhalten. Außerdem gibt die Antwort einen Kurzüberblick über die praktische Erfahrung der Landesregierung mit Freier Software. Aus Sicht von Do-FOSS ist besonders hervorzuheben, dass die ministerienübergreifende Antwort vom „Innen- und Digitalisierungsminsterium“ Herstellerunabhängigkeit[1] als positiv einordnet. Ferner werden Offene Standards als unterstützenswert anerkannt.

Anfrage an die Landesregierung im Wortlaut

Kleine Anfrage 1035
des Abgeordneten Matthi Bolte-Richter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wie unterstützt die Landesregierung Freie Software?

Der Verwaltungsvorstand der Stadt Dortmund hat in seiner Sitzung vom 10.04.2018 beschlossen, die Potenziale von Freier Software und Offenen Standards im Bereich der städtischen Informations- und Telekommunikationstechnik zu untersuchen. Die Verwaltung wird den politischen Gremien Ende 2019 einen Ergebnisbericht zum Einsatzpotenzial von Freier Software und Offenen Standards vorlegen. Dortmund ist damit die erste Großstadt in Nordrhein-Westfalen, die die eine systematische Potenzialbetrachtung Freier Software für ihre Verwaltung entwickelt. Die Verwendung von Offenen Standards wurde bereits in der Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030 vereinbart.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

  1. Welche Programme und Konzepte sind der Landesregierung zur Einführung Freier Software auf kommunaler Ebene bekannt?
  2. Durch welche konkreten Maßnahmen unterstützt die Landesregierung die Erstellung von Programmen und Konzepten zur Einführung Freier Software auf kommunaler Ebene?
  3. Beabsichtigt die Landesregierung, den Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich in ähnlicher Weise zu untersuchen?
  4. Welche Potenziale, z.B. durch die Herstellerunabhängigkeit am Softwaremarkt, sieht die Landesregierung für den Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich?
  5. Inwiefern fördert die Landesregierung einen interkommunalen Datenaustausch, der auf Offenen Standards basiert, wie es das E-Government NRW vorsieht?

Matthi Bolte-Richter

Die Antwort der Landesregierung im Wortlaut

Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

Der Minister

12. Juni 2018

Aktenzeichen 2018/03878 (bei Antwort bitte angeben)

Präsidenten des Landtags
Nordrhein-Westfalen
Herrn Andre Kuper MdL
Platz des Landtags 1
40221 Düsseldorf

Kleine Anfrage 1035 des Abgeordneten Matthi Bolte-Richter der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Wie unterstützt die Landesre­gierung Freie Software?“ LT-Drs. 17/2587

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident,

namens der Landesregierung beantworte ich die Kleine Anfrage 1035 im Einvernehmen mit der Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen wie folgt:

  1. Welche Programme und Konzepte sind der Landesregierung zur Einführung Freier Software auf kommunaler Ebene bekannt?
  2. Durch welche konkreten Maßnahmen unterstützt die Landesre­gierung die Erstellung von Programmen und Konzepten zur Ein­führung Freier Software auf kommunaler Ebene?

Die Fragen 1 und 2 werden zusammen beantwortet.

Über den Einsatz von Produkten der Informations- und Telekommunika­tionstechnik einschließlich bestimmter Softwareprodukte entscheiden die Kommunen im Rahmen der ihnen verfassungsrechtlich garantierten kommunalen Selbstverwaltung eigenständig. Der Landesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.

  1. Beabsichtigt die Landesregierung, den Einsatz von Freier Soft­ware und Offenen Standards in ihrem eigenen Zuständigkeitsbe­reich in ähnlicher Weise zu untersuchen?

Es ist aktuell nicht geplant, eine zum Vorhaben der Stadt Dortmund ver­gleichbare Erhebung durchzuführen.
In der überwiegenden Zahl der Behörden und Einrichtungen des Landes wird sowohl freie Software als auch proprietäre Software eingesetzt. Der Schwerpunkt des Einsatzes freier Software liegt dabei im Serverbereich (Betriebssysteme, Webserver für Intranet/Internet, Proxies, DNS-Server, Applikationsserver, Softwareentwicklungsumgebungen, Datenbanken).
Das Land Nordrhein-Westfalen benutzt und entwickelt als Redaktionssys­tem für Internetangebote das Content Management System nrwGOV, eine Distribution der freien Software DRUPAL 8, das wiederum als freie Software veröffentlicht werden soll.

  1. Welche Potenziale, z.B. durch die Herstellerunabhängigkeit am Softwaremarkt, sieht die Landesregierung für den Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in ihrem eigenen Zustän­digkeitsbereich?

Die Landesregierung bewertet den Aspekt der Herstellerunabhängigkeit, der sich durch den Einsatz Freier Software und insbesondere durch die Nutzung offener Standards ergeben kann, positiv. Grundsätzlich erfolgt die Entscheidung für die Auswahl von Softwareprodukten auf der Grund­lage fachlicher Anforderungen – zu denen auch die Unterstützung rele­vanter offener Standards gehört – und unter Berücksichtigung vergaberechtlicher Rahmenbedingungen. Dabei sind bei der Beurteilung der Wirt­schaftlichkeit neben den Lizenzkosten auch die Kosten für die Schulung, die Einführung und die Pflege einer Software zu berücksichtigen.

  1. Inwiefern fördert die Landesregierung einen interkommunalen Datenaustausch, der auf Offenen Standards basiert, wie es das E-Government NRW vorsieht?

Die Landesregierung unterstützt grundsätzlich die Nutzung offener Stan­dards und speziell die Nutzung der XÖV-Standards des IT-Planungsrats für den elektronischen Datenaustausch der öffentlichen Verwaltung. Hierzu beteiligt sich das Land Nordrhein-Westfalen aktiv an der Entwick­lung verschiedener XÖV-Standards. Die XÖV Standards schaffen eine stabile Basis auch für den interkommunalen Datenaustausch.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Andreas Pinkwart

Einschätzung zur Antwort der Landesregierung

Die befürwortende Einschätzung der Landesregierung in Bezug auf Freie Software und Offene Standards ist erfreulich. Ein gezielterer Einsatz von Freier Software und eine Zusammenarbeit mit den Kommunen bieten jedoch weitere Vorteile.

Softwareeinsatz

In Bezug auf den Softwareeinsatz ist hervorzuheben, dass die Landesregierung den Zusammenhang zwischen Herstellerunabhängigkeit und Freier Software sieht und diese Eigenschaft von Freier Software positiv bewertet. Darüber hinaus wird Freie Software von IT.NRW bereits in geschäftskritischen Bereichen eingesetzt (Schwerpunkt im Serverbereich). Jedoch scheint der bisherige Einsatz Freier Software keiner grundlegenden Abwägung zum Softwareeinsatz zu folgen. Do-FOSS sieht neben den in der von der Landesregierung gegebenen Antwort erwähnten Kostenaspekten und vergaberechtlichen Rahmenbedingungen noch weitere qualitative Vorteile durch den Einsatz von Freier Software, welche sich nicht monetär darstellen lassen. Ein Beispiel hierfür sind Aspekte der funktionalen Transparenz und der damit verbundenen IT-Sicherheit. Darüber hinaus kann eine systematische Betrachtung des IT-Einsatzes die langfristige Steuerungsfähigkeit der Kostenstrukturen verbessern. Diese Erkenntnis wird von der Stadt Dortmund mit der Potenzialanalyse zum Einsatz von Freier Software umgesetzt. Eine solche Betrachtung wäre auch auf Landesebene wünschenswert, um zu einer differenzierten Diskussion zu gelangen.

Offene Standards

In Bezug auf Offene Standards liest sich die Antwort der Landesregierung eindeutiger. So werden Offene Standards grundsätzlich unterstützt und als stabile Basis für den interkommunalen Datenaustausch gesehen.

Unterstützung des Landes für Kommunen

Nicht zuletzt macht die Antwort der momentanen Landesregierung deutlich, dass sie kommunale Vernetzung und Wissenstransfer über Einsatzkonzepte Freier Software in der Verantwortung der Kommunen sieht. Die Stadt Dortmund leistet mit der Arbeitsgruppe Freie Software hier entsprechende Vorarbeit.

Weiterhin zeigt die Antwort der Landesregierung, dass es durchaus Synergiepotenziale zwischen Land und Kommunen gibt. Die d-NRW, eine Anstalt des öffentlichen Rechts unter Aufsicht des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, hält zu nrwGOV, dem neuen Content-Management-System des Landes, u.a. fest, dass es als Open-Source-Software den Kommunen in NRW zur Verfügung gestellt werden soll:

Ein Ziel des E-Government-Gesetzes NRW ist die Bereitstellung von Informationen und elektronischer Verfahren, welche zukünftig effizient auf Basis einheitlicher Internetauftritte ermöglicht wird.

Vor diesem Hintergrund stellt der CIO des Landes NRW mit nrwGOV ein gemeinsames Landes-Design und ein einheitliches Landes-CMS (Content Management System) für die Internetauftritte und Portale aller Landesbehörden und Einrichtungen in NRW bereit, über welche der Wiedererkennungswert der einzelnen Internetauftritte erhöht und ein einheitlicher Auftritt aller Landesbehörden im Internet geschaffen wird. Das Landes-CMS soll zudem als Open Source Software allen Kommunen in NRW zur Verfügung gestellt werden. [Hervorh. d. Verf.]

Fazit

Die Antwort der Landesregierung in Bezug auf nrwGOV zeigt: Freie Software ermöglicht Zusammenarbeit sowohl interkommunal als auch zwischen Land und Kommunen. An dieser Stelle lohnt es sich über über neue Kooperationsmöglichkeiten nachzudenken, um die Synergieeffekte durch Freie Software voll ausschöpfen zu können. Insgesamt zeigt sich, dass die Themen Freie Software und Offene Standards von der Landesregierung positiv bewertet werden. Dies sind gute Voraussetzungen dafür, dass eine weitergehende Diskussion zum Thema auf fruchtbaren Boden fällt.

Do-FOSS wird sich weiter dafür einsetzen, dass Freie Software in NRW gefördert wird. Hierfür ist Do-FOSS seit neuestem auch unter FOSS.NRW zu erreichen.

Dokumente zum Herunterladen

Die Kleine Anfrage des Abgeordneten Matthi Bolte-Richter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN kann hier heruntergeladen werden. Die Antwort von Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart kann hier heruntergeladen werden.

[1] Was Herstellerabhängigkeit im Kontext von staatlichen IT-Strukturen bedeutet, wurde auch von der ARD mit dem Beitrag Das Microsoft-Dilemma vom 19.02.2018 gezeigt (vgl. z.B. auch Der Staat in Microsofts Hand, erschienen in Süddeutsche Zeitung, 19.02.2018).

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Saturday, 11 August 2018

FOSS.NRW

Do-FOSS | 09:34, Saturday, 11 August 2018

NRW-Zeichen

Bild: Land NRW

Do-FOSS mit zusätzlicher Domain

Do-FOSS hat in der Vergangenheit für Freie Software bereits einige Male von der kommunalen auf die Landesebene geschaut z.B. mit den Beiträgen FOSS – Voraussetzung für demokratiekonforme Open-Government-Lösungen? und Freie Software im Koalitionsvertrag von Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus gibt es Vorteile von Freier Software, welche erst durch interkommunale Kooperationen voll ausgeschöpft werden können und manche interkommunale Zusammenarbeit wird durch Freie Software erst umsetzbar.

Do-FOSS hat erkannt, dass es in NRW einen Bedarf der interkommunalen Vernetzung gibt, um lokale Softwareprojekte umsetzen zu können. Daher ist Do-FOSS ab sofort auch unter der Domain FOSS.NRW erreichbar.

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Tuesday, 31 July 2018

Mehr Dortmunder Engagement für Freie Software: Die FOSS-AG stellt sich vor

Do-FOSS | 15:28, Tuesday, 31 July 2018

Gastbeitrag der FOSS-AG

Die FOSS-AG Dortmund ist eine offene, studentische Arbeitsgemeinschaft der Fachschaft Informatik der TU Dortmund. Wir verschreiben uns der Verbreitung von Wissen über Freie und Quelloffene Software und deren Nutzung. FOSS steht für Free and Open Source Software und ist deswegen auch Teil unseres Namens. Die FOSS-AG wurde im Sommer 2016 gegründet und besteht mittlerweile aus diversen festen Mitgliedern. Die wöchentlichen Treffen sind offen und wir freuen uns über tatkräftigen Zuwachs.

Ein Großteil der Arbeit der AG besteht aus Vorträgen und Workshops, welche von aktiven Mitgliedern und Gästen organisiert und gehalten werden. Auch die Orientierungsphasen für die neuen Erstsemester der Fachschaft werden von der FOSS-AG durch Linux-Workshops unterstützt. Wir unterstützen die Verbreitung und Nutzung Freier Software nicht nur an der Universität, sondern organisieren auch Hackathons oder Programmierkurse für Kinder an Schulen. Aus diesen Initiativen entstand mit freundlicher Unterstützung des PING e.V. in Dortmund-Eichlinghofen der Hack’n’Snack. Beim Hack’n’Snack werden monatlich technische Vorträge und Workshops gehalten, um diese einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Unsere Motivation und das Ziel unseres Engagements ist nicht auf Fortbildung beschränkt, sondern wir werden durch die politische Grundüberzeugung getragen, dass Wissen frei verfügbar sein sollte. Deshalb unterstützen wir als FOSS-AG offene Softwarekonzepte. Wir glauben fest daran, dass der Zugang zu Freiem Wissen, die Unabhängigkeit von Softwaremonopolen und die Etablierung offener Standards wichtige Grundpfeiler einer gleichberechtigten digitalen Gesellschaft sind.

Wir freuen uns gemeinsam mit Do-FOSS Freie Software in Dortmund voranzubringen! Als weiteren Beitrag hierzu, überlegen wir als FOSS-AG einen Freien-Software-Uni-Stickähnlich dem Konzept der Initiative FSFW Dresden — für unsere Kommilitoninnen und Kommilitonen zu erstellen, um den Kontakt zu Freier Software im universitären Umfeld frühzeitig zu fördern.

Wer sich einen weiteren Eindruck von der FOSS-AG verschaffen möchte, kann sich ein ca. 23-minütiges Interview mit Mitgliedern der FOSS-AG bei eldoradio, dem Campusradio für Dortmund anhören. Weiterhin können Interessierte uns kontaktieren und unsere Arbeit stets aktuell über unseren Twitteraccount sowie auf diversen weiteren Kanälen verfolgen.

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Sunday, 22 July 2018

Kooperationen um die FOSS-AG erweitert

Do-FOSS | 15:09, Sunday, 22 July 2018

Do-FOSS bettet sich weiter in bestehende gesellschaftliche Strukturen ein. Nachdem bereits die Free Software Foundation Europe, der ver.di Bezirk Westfalen, die Document Foundation, digitalcourage, die Open Source Business Alliance und die Pauluskirche und Kultur als Kooperationen aufgeführt sind, erweitern wir unser Wissens- und Handlungsnetzwerk um die FOSS-AG – Free & Open Source Software AG. Den Leserinnen und Lesern dieses Blogs ist die FOSS-AG bereits durch ihre Unterstützung des Gemeingütertages in der Pauluskirche bekannt.

Die FOSS-AG ist eine studentische AG der Fachschaft Informatik der Technischen Universität Dortmund. Seit 2016 setzt sie sich für die Aufklärung über und Verbreitung von freier Software ein. Dies geschieht im Rahmen von Workshops, Diskussionsrunden und Themenabenden. Durch die Wahl verschiedenster Veranstaltungsorte und ein stets kostenfreies Angebot wird versucht ein möglichst breites Spektrum der Gesellschaft anzusprechen. Neben den zahlreichen Projekten bietet sie zudem das Hack’n’Snack an – ein monatliches Format, dass sich an jedem Termin einem speziellem Thema widmet.

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Sunday, 10 June 2018

Veranstaltungserinnerung: Gemeingütertag in Dortmund am 6. und 7. Juli 2018

Do-FOSS | 13:54, Sunday, 10 June 2018

Programmpunkte zu Freier Software konkretisiert

Logo Gemeingütertag Pauluskirche und Kultur

Bild: Gemeingütertag Pauluskirche und Kultur

Wie im vorstehenden Blogbeitrag angekündigt, wird Freie Software beim Dortmunder Gemeingütertag – Commons, Nachhaltigkeit und Klima am 6. und 7. Juli 2018 Teil des Gesamtprogramms sein. Nun wurden die Programmpunkte des Freien-Software-Workshops vom Veranstalter konkretisiert. Do-FOSS freut sich, dass Freie Software sehr breit am Gemeingütertag aufgestellt sein wird. Hierfür gilt der FOSS-AG – Free & Open Source Software AG der Fachschaft Informatik der TU Dortmund und Reiner Bock besonderer Dank, denn sie engagieren sich in origineller Weise intensiv für die Mitorganisation des Gemeingütertages!

Das umfangreiche Programm des Gemeingütertages findet sich hier.

Freie Software beim Gemeingütertag – Programmauszug

Freie-Software-Workshop
13:00 Uhr – 17:00 Uhr, Kirchenvorraum, Kirchenschiff und Eingangsraum Südwest
(Zugänge durch den Kirchgarten)

  • Do-FOSS, die Bürgerinitiative für den Einsatz Freier und Quelloffener Software (Free and Open Source Software, kurz FOSS) bei der Stadt Dortmund (Do-FOSS, Denis Kurz)
  • Einführung in die Nutzung Freier Software: Reiner Bock
    • Hier erhalten (neue) Anwenderinnen und Anwender Freier Software eine Einführung in den Alltagsgebrauch ihres (befreiten) Computers. Dabei liegt der Fokus auf der GNU/Linux Distribution (L)Ubuntu, die sehr leicht zu installieren und zu warten ist und auch Computerlaien den Genuss einer Vielzahl Freier und Quelloffener Anwendungsprogramme ermöglicht, die (fast) keine Wünsche offenlassen.
      • besonderes Thema im Eingangsraum Südwest:
        • 14:00 – 16:00 Uhr Gimp Workshop für 6 – 8 Personen
  • FOSS-AG – Free & Open Source Software AG der Fachschaft Informatik der TU Dortmund (FOSS-AG)
    • Kirchenschiff:
      • 13:00 – 17:00 Uhr Informationsstand zur FOSS-AG
      • 13:00 – 17:00 Uhr Informationsstand zu Open Knowledge („Freies Wissen“)
    • Eingangsraum Südwest:
      • 13:00 – 14:00 Uhr offene Linux Demo Station: verschiedene Distributionen stehen zum Probieren bereit, ausgestattet mit OS Software
      • 16:00 – 17:00 Uhr offene Linux Demo Station: verschiedene Distributionen stehen zum Probieren bereit, ausgestattet mit OS Software
    • Kirchenvorraum:
      • 13:00 – 17:00 Uhr Informationsstand PING e.V.
      • 13:00 – 17:00 Uhr OpenStreetMap Demo Station
      • 13:00 – 14:00 Uhr Raspberry Pi Demo Station mit Python, Minecraft und Scratch
      • 14:00 – 17:00 Uhr Raspberry Pi Workshop für Kinder (maximal 3 Kinder), alternativ Raspberry Pi Demo Station, je nach Nachfrage
    • über die FOSS-AG:
      • Vor ca. 2 Jahren gründete sich die FOSS-AG (Free and Open Source Software-AG) in den Räumlichkeiten der Informatik Fachschaft an der TU Dortmund.
        Ein Großteil der Arbeit der AG besteht aus Vorträgen und Workshops, welche von aktiven Mitgliedern und Gästen organisiert und gehalten werden. Auch die Orientierungsphasen für die neuen Erstsemesterinnen und -erstsemester der Fachschaft werden von der FOSS-AG unterstützt.
        Die Motivation und das Ziel des Engagements der FOSS-AG ist nicht nur die Fortbildung der eigenen Mitglieder, sondern auch die freie Verfügbarkeit von Wissen und die Unterstützung offener Softwarekonzepte. Die Mitglieder der FOSS-AG glauben fest daran, dass der Zugang zu freiem Wissen, die Etablierung offener und freier Standards und die Unabhängigkeit von Softwaremonopolen wichtige Grundpfeiler einer modernen, zukunftsgerichteten Gesellschaft sind.
  • PING e.V. – Verein zur Förderung der privaten Internet Nutzung (PING e.V.)
    • Der PING e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der 1994 in Dortmund gegründet wurde, um Privatpersonen das Internet und damit verbundenen Technologien zu vermitteln und zur Verfügung zu stellen. PING bietet aktuell praktische Workshops zum Umgang mit freier Software und Hardware für Kinder und Jugendliche an. Im Mittelpunkt stehen verschiedene Lötworkschops, RaspberryPI-Projekte, Linux, Calliope, Pythonprogrammierung, Minecraft und vieles mehr.
  • besondere Hinweise:
    • Digitale Nachhaltigkeit (Digitale Nachhaltigkeit (Initiative), Digitale Nachhaltigkeit (Wikipedia))
      • „Denn jede Sache, die durch Weitergabe an andere nicht weniger wird, besitzt man nicht so wie man soll, solange sie nur besessen und nicht weitergegeben wird.“ (Augustinus von Hippo, De doctrina Christiana, I, 1 (397 n. Chr.))
      • „Uneigennützig lernte ich, und neidlos gebe ich weiter; den Reichtum der Weisheit behalte ich nicht für mich. Ein unerschöpflicher Schatz ist sie für die Menschen; alle, die ihn erwerben, erlangen die Freundschaft Gottes.“ (Weisheit 7,13-14)
    • Linux User im Bereich der Kirchen e.V. (LUKI e.V.)
      • Jesus würde Linux nutzen!
        Wir sind eine Initiative von kirchlich (hauptberuflich/ehrenamtlich) engagierten Linuxern aus dem deutschen Sprachraum, die Linux und Freie Software auch in der IT-Landschaft der Kirchen etablieren möchten.

Weitere Informationen zum Gemeingütertag

Hier gibt es den Flyer zum Gemeingütertag (mit Hintergrunderläuterungen), das Programm des Gemeingütertages am 6. und 7. Juli (mit vielen Details), sowie den gesonderten Hinweis auf das Gemeingütertages-Konzert am 6. Juli. Der Gemeingütertag ist eine Veranstaltung der GEMEINGÜTER-Initiative von Pauluskirche und Kultur.

Der Gemeingütertag findet in und um die Pauluskirche (Schützenstr. 35, 44147 Dortmund) statt:
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Thursday, 31 May 2018

'Wie Nextcloud Merkel vor Trump beschützt' - Oder wie eine freie, selbst gehostete Cloud deine Daten schützt

Deutsch on Björn Schießle - I came for the code but stayed for the freedom | 08:00, Thursday, 31 May 2018

Auf der diesjährigen No-Spy Konferenz werde ich einen Vortrag mit dem etwas provokanten Titel: “‘Wie Nextcloud Merkel vor Trump beschützt’ - Oder wie eine freie, selbst gehostete Cloud deine Daten schützt” halten. Worum soll es dabei genau gehen?

Spätestens seit Snowden wissen wir das Geheimdienste auf der ganzen Welt unsere Daten sammeln und analysieren. Seit dem Facebook-Cambridge-Analytica-Skandal wissen wir auch das Unternehmen unsere privatesten Daten schamlos sammeln, auswerten und sowohl für kommerzielle als auch für politische Zwecke verwenden. Während man das alles vor ein paar Jahren noch als wilde Verschwörungstheorie abtun hätte können, kann heute niemand mehr ernsthaft behaupten nicht zu wissen was mit unseren Daten bei Facebook, Google, Microsoft und anderen passiert. Wie können wir uns dagegen schützen? Vor dieser Frage stehen nicht nur Privatpersonen sondern auch viele Unternehmen und Organisationen. Eine sinnvolle Maßnahme besteht darin, nicht länger alle Daten in wenigen großen Datensilos aufzubewahren sondern auf dezentrale, selbst gehostete Lösungen zu setzen. Sind diese dann auch noch Freie Software und basieren auf Offene Standards, hat man alle was man braucht um eine sichere und nachhaltige Cloud Plattform aufzubauen. Von der Bundesregierung, über Universitäten und internationale Unternehmen bis hin zu zahlreiche Privatpersonen, ergreifen immer mehr genau diese Möglichkeit mit Nextcloud. Was bringt Nextcloud alles mit um unsere Daten nachhaltig zu schützen, dieser Frage wollen wir nachgehen.

Das sind die Folien dazu:


(Dieser Artikel enthält eine Präsentation, hier zu sehen.)

Tags: #nextcloud #cloud #privacy #talk #nospy #stuttgart #slides

Thursday, 10 May 2018

Gemeingütertag in Dortmund am 6. und 7. Juli 2018

Do-FOSS | 20:37, Thursday, 10 May 2018

Freie Software mit verschiedenen Programmpunkten dabei

Logo Gemeingütertag Pauluskirche und Kultur

Bild: Gemeingütertag Pauluskirche und Kultur

Do-FOSS war bei unserem Kooperationspartner der Dortmunder Pauluskirche Impulsgeber der Veranstaltungsreihe Wer verfügt darüber? im Rahmen des Reformationsjubiläums 2017. Die Themenabende in der Pauluskirche behandelten den Zugang und die Verfügungsrechte zu lebensnotwendigen Grundgütern. Do-FOSS selbst hat mit dem Vortrag Der digitale Lebensraum – Wer bestimmt? einen Abend zu Freie Software gestaltet.

Aus der Veranstaltungsreihe hat sich der nun der Gemeingütertag – Commons, Nachhaltigkeit und Klima entwickelt. Hierzu mehr aus der Programmankündigung:

Der Gemeingütertag besteht aus einem facettenreichen Programm mit vielen Organisationen und Initiativen – diese bieten: Informationsstände rund um die Kirche, Mitmachaktionen, Vorträge, Themenforen, Gesprächskreise, Workshops, Kultur, sowie Essen und Trinken, Shops und vieles mehr.

Bereits am Freitag [Abend — Anm. d. Verf.], den 6. Juli 2018 gibt es ein Auftaktkonzert zum Gemeingütertag. Es wird ein Konzert ohne Eintrittsgeld. Alle können entscheiden was sie geben möchten und den entsprechenden Betrag in einen Hut legen. Kultur ist für Alle!

Das Programm des Gemingütertags deckt also ein vielfältiges Spektrum an Themen ab. Auch das Thema Freie Software wird mit mehreren Programmpunkten vertreten sein:

Freie-Software-Workshop
13:00 Uhr – 17:00 Uhr, im Eingangsraum Südwest

  • Do-FOSS, die Bürgerinitiative für den Einsatz Freier und Quelloffener Software (Free and Open Source Software, kurz FOSS) bei der Stadt Dortmund (Do-FOSS, Denis Kurz; http://do-foss.de)
  • Einführung in die Nutzung Freier Software: Reiner Bock
    • Hier erhalten (neue) Anwenderinnen und Anwender Freier Software eine Einführung in den Alltagsgebrauch ihres (befreiten) Computers. Dabei liegt der Fokus auf der GNU/Linux Distribution (L)Ubuntu, die sehr leicht zu installieren und zu warten ist und auch Computerlaien den Genuss einer Vielzahl Freier und Quelloffener Anwendungsprogramme ermöglicht, die (fast) keine Wünsche offenlassen.
  • FOSS-AG – Free & Open Source Software AG der Fachschaft Informatik der TU Dortmund (FOSS-AG)
    • Freie Software – praktische Tipps, Anwendungsvorstellungen, Workshops und viele Gesprächsmöglichkeiten
  • besonderer Hinweis:

Do-FOSS freut sich auf den Gemeingütertag und den breiten gesellschaftĺichen Kontext von Zugang und Verfügungsrechten! Hier gibt es den Flyer zum Gemeingütertag (mit Hintergrunderläuterungen), das Programm des Gemeingütertages am 6. und 7. Juli (mit vielen Details), sowie den gesonderten Hinweis auf das Konzert am 6. Juli.

Der Gemeingütertag findet in und um die Pauluskirche (Schützenstr. 35, 44147 Dortmund) statt:
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Saturday, 21 April 2018

Neue Herstellerabhängigkeiten im Rahmen der Smart City Dortmund?

Do-FOSS | 17:14, Saturday, 21 April 2018

Fehlende Rahmenbedingungen in der Smart-City-Ausgestaltung

Logo Allianz Smart City Dortmund

Bild: Allianz Smart City Dortmund (© Stadt Dortmund)

Das Themenfeld Smart City ist nun schon einige Male Thema in diesem Blog gewesen. Nach den ersten Berührungspunkten mit dem Smart-City-Projekt der Stadt Dortmund möchte Do-FOSS mit diesem Beitrag einen Einblick in die aktuelle Entwicklung der bisher aufgeworfenen Fragen geben.

In dem Blogbeitrag Smart City Dortmund stellte Do-FOSS bereits die Frage, Wie eine Smart City so gestaltet werden kann, dass der öffentliche Raum, auch digital öffentlich bleibt. Do-FOSS muss jedoch mit Bedauern feststellen, dass im Smart-City-Vorhaben der Stadt Dortmund bislang kein Aushandlungsprozess zwischen öffentlichen, gesellschaftlichen und privaten Interessen erkennbar ist, welcher diese Frage aufgreift.

Während die Dortmunder Stadtverwaltung aktuell mit der Arbeitsgruppe Freie Software im Rahmen des Masterplans Digitale Stadtverwaltung einen starken Willen erkennen lässt sich aus Herstellerabhängigkeiten zu befreien, scheint das Smart-City-Projekt parallel dazu die Grundlage für neue Abhängigkeiten zu schaffen. Hierbei betreffen die Abhängigkeiten jedoch nicht nur die Verwaltung selbst, sondern unmittelbar den öffentlichen Raum.

Zentrale Aufgabe des Smart-City-Planungsbüros müsste es nach Auffassung von Do-FOSS sein, Leitlinien zu erstellen, welche

  • einen Ausgleich zwischen öffentlichen und unternehmerischen Interessen schaffen,
  • die Datenschutzimplikationen einer weitreichenden Datenerfassung im öffentlichen Raum beachten,
  • die Interoperabilität der Smart City gewährleisten,
  • eine nachhaltige wirtschaftliche Perspektive ermöglichen und
  • Open Data in Dortmund mit Offenen Plattformen umsetzten und keine privaten Datensilos mit öffentlichen Daten aufbauen.

Zum Erreichen dieser Ziele sind nach Auffassung von Do-FOSS Rahmenbedingungen auf unterschiedlichen Ebenen notwendig. Insbesondere sieht es Do-FOSS als essentiell an, dass Freie Software und Offene Standards die Grundbausteine für eine Smart City sind. Denn: unfreie bzw. proprietäre Software geht i.d.R. mit Geschäftsmodellen einher, die

  • herstellerabhängig machen,
  • keinen öffentlichen Einfluss auf die Software erlauben und
  • keine technisch nachvollziehbare Kontrolle über die Funktionsweise der Software und die von der Software verarbeiteten Daten bieten.

D.h. bei Software mit unfreien Lizenzen, bzw. bei proprietärer Software, sind Funktionen und zugrundeliegende Algorithmen in der Regel alles andere als rechenschaftsfähig. Das Gegenmodell dazu ist Freie Software.

Was Herstellerabhängigkeit im Kontext von staatlichen IT-Strukturen bedeutet, wurde auch von der ARD mit dem Beitrag Das Microsoft-Dilemma vom 19.02.2018 gezeigt (vgl. z.B. auch Der Staat in Microsofts Hand, erschienen in Süddeutsche Zeitung, 19.02.2018). Die Erkenntnisse dieser Recherche sind auch für Smart-City-Entwicklungen relevant, wenn es darum geht neue IT-Strukturen aufzubauen.

In dem Expertengremium IT-Platformen und Bürgerservices wurde die Problematik der Interoperabilität bereits mehrfach und von unterschiedlichen Seiten thematisert. In diesem Kontext wurde von mehreren Seiten gefordert sich mit dem Thema der Interoperabilität der Smart City Dortmund näher auseinanderzusetzen. Dennoch schafft es eine systematische Betrachtung von Offenen Standards zur Sicherstellung von Interoperabilität nicht auf die öffentliche Smart-City-Agenda. Dies geschieht entgegen der Festschreibung von Offenen Standards durch die Stadt Dortmund in der Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030. Auch die Lizenzierung der Daten und der Software, also auch Open Data und Freie Software werden von Seiten des Smart-City-Büros nicht thematisiert.

So scheint es, als ob sich das Selbstverständnis des Projekts Smart City Dortmund lediglich in Form einer Vernetzungsplattform und Projektbörse für Unternehmen und Wissenschaft versteht. Das Projekt möchte Gelegenheit bieten, gemeinsame Geschäftsfelder zu definieren sowie neue Technologien und Netzwerke zu erschließen. Zu den Fragen der gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen entwickeln die Verhandlungspartnerin der Stadt Dortmund Frau Michaela Bonan und der Verhandlungspartner Herr Dr. Fritz Rettberg vom Kompetenzzentrum Elektromobilität, Infrastruktur & Netze der TU Dortmund aus Sicht von Do-FOSS jedoch keine Antworten. Wie es unter der aktuellen Organisationsform zu einem breit angelegten Ausgleich der speziellen öffentlichen und privaten Interessen kommen soll, ist unklar.

Für die Entwicklung von Rahmenbedingungen könnte die Stadt Ulm als Vorbild dienen, welche einen bürgerzentrierten Ansatz für die Digitalisierung gewählt hat. Auch die Stadt Barcelona geht diesen Weg, nachdem sie schlechte Erfahrungen mit einem unternehmensorientieren Smart-City-Ansatz gemacht hat. Im Interview mit der Wochenzeitung der Freitag sagt Francesca Bria, Chief Technology and Digital Innovation Officer im Büro der Bürgermeisterin von Barcelona (siehe Netzpolitik.org):

Die Regierung davor […] hatte einen Smart-City-Plan forciert und dazu Verträge mit den üblichen Technologie-Unternehmen wie Cisco, IBM und Microsoft abgeschlossen. Sie behauptete, dass durch diese Unternehmen Geld und Fortschritt nach Barcelona kämen, dass die Abläufe in der Stadt optimiert werden könnten. Die Wirklichkeit sah aber komplett anders aus: Es wurden etliche Sensoren verbaut, alle von unterschiedlichen Anbietern, die nicht mal untereinander verbunden waren. Die Stadt hatte keine Kontrolle über die Daten, keine Kontrolle über die Sensoren, aber eine Menge technologischer Probleme. Am Ende hat sie sich mehr darum gekümmert als um die Probleme der Menschen. […] Unsere Smart City ist nicht technologiegetrieben. Wir fragen: Wie sieht eine lebenswerte Stadt aus? Und: Wie können die Menschen selbst darüber bestimmen, wie sie leben wollen? Technologie ist nur dazu da, das zu unterstützen.

Fazit

Wie kann eine Smart City so gestaltet werden kann, dass der öffentliche Raum, auch digital öffentlich bleibt? Mit dieser Frage steht die Stadt Dortmund an einem prägenden Punkt ihrer Digitalisierungsgeschichte. Wie im Analogen muss die Stadt auch im Digitalen Garant für die Rechte ihrer Bürgerinnen und Bürger sein. Do-FOSS sieht es daher weiterhin als essentiell an, dass Freie Software und Offene Standards die Grundbausteine für eine Smart City sind.

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Friday, 20 April 2018

Stadt Dortmund konkretisiert Potenzialanalyse einer Freien-Software-Strategie

Do-FOSS | 08:09, Friday, 20 April 2018

Ergänzende Informationen zum Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards vom 10.04.2018

AG Freie Software

Bild: AG Freie Software

Die Stadt Dortmund konkretisiert den Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards vom 10.04.2018 und ergänzt ihre Pressemitteilung durch einen Anhang mit Hintergrundinformationen.

In dem Anhang befindet sich unter anderem eine Konkretisierung der Zielvorstellungen der Stadt Dortmund für den Einsatz von Freier Software und Offener Standards. Zudem werden diese in einen gesellschaftlichen Kontext eingebettet. Darüber hinaus werden Definitionen für die Begriffe der Freien Software und Offener Standards gem. der Free Software Foundation Europe (FSFE) angeführt.

Für Do-FOSS ist es wichtig, dass in der Arbeitsgruppe Freie Software einheitliche Zielvorstellungen sowie ein gemeinsames grundlegendes Begriffsverständnis für Freie Software und Offene Standards entwickelt wurden. Gleichzeitig freut es Do-FOSS, dass sich die Stadt Dortmund der FSFE als zentralem Akteur der Freien-Software-Community an dieser Stelle annähert und dies auch nach außen kommuniziert.

Die FSFE hatte sich bereits im Mai 2016 mit einer Anfrage zur Definition von Freier Software an Herrn Oberbürgermeister Ullrich Sierau gewandt. Do-FOSS dankt der FSFE an dieser Stelle noch einmal für ihr langfristiges Engagement und die intensive, vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Anhang des Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards im Wortlaut

Anhang zur Pressemitteilung: Hintergrundinformationen

Allgemein ist ein vielfältiger Trend zu digitaler Vernetzung zwischen Menschen, Dingen und Arbeitsprozessen zu erkennen. Die wachsende Bandbreite an digital erschlossenen
Anwendungsfeldern wird dabei von einer stetig wachsenden Anzahl von Softwareprodukten und Geräteklassen bewältigt. Die Stadtverwaltung ist von dieser komplex-dynamischen Entwicklung ebenfalls berührt. So stehen die Leistungen der Verwaltung zunehmend digital zur Verfügung; verwaltungsinterne Prozesse werden digital unterstützt oder automatisiert. Aus Verwaltungssicht stellt sich die IT-Landschaft als Umfeld mit unterschiedlichen Akteuren, wie Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und Behörden, dar. Die technischen Anforderungen, welche sich daraus ergeben, erfordern ein hohes Maß an IT-Flexibilität.

Zu den Zielvorstellungen bei einem möglichen Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in der Stadtverwaltung Dortmund gehören die folgenden Aspekte:

  • Reduzierung der Herstellerabhängigkeit
  • Umsetzung des E-Government-Gesetzes NRW im Rahmen von offenen und standardisierten Dateiformaten
  • Erhöhung der Flexibilität und Steuerungsfähigkeit beim Softwareeinsatz
  • Erhöhung der Interoperabilität (z.B. durch den Einsatz von Offenen Standards für eine herstellerübergreifende Anwendungskopplung) [Erhöhung der digitalen Anschlussfähigkeit – Anm. d. Verf.]
  • Sicherstellung des Datenschutzes [s. auch Trans­parente Software – eine Voraus­setzung für daten­schutzfreundliche Technolo­gien vom 26.09.2000 des Arbeitskreises Technische und orga­nisatorische Datenschutzfragen der Konfe­renz der Daten­schutzbeauftragten des Bundes und der Länder – Anm. d. Verf.]
  • Gewährleistung der IT-Sicherheit
  • steuerbare Kostenstrukturen durch erhöhte Flexibilität bei der Anbieterwahl, Stärkung der Verhandlungsposition gegenüber Anbietern proprietärer Software und Wegfall von Skalierungskosten durch Lizenzgebühren
  • Erhöhung der Archivierbarkeit digitaler Dokumente durch Offene Standards
  • Ermöglichung neuer Synergien und Abbau von lizenzrechtlichen Hemmnissen in der interkommunalen Zusammenarbeit
  • eine erhöhte Technikneutralität
  • eine Erhöhung der funktionalen Transparenz

Zudem hat das Umweltbundesamt festgestellt, dass Freie Software bzgl. Energieeffizienz, Hardwareschonung (geringere Hardwareanforderungen und längere Lebenszyklen) und digitaler Nachhaltigkeit einen entscheidenden Beitrag im Bereich der Ressourcenschonung leisten kann. (vgl. Dokumentation des Fachgesprächs „Nachhaltige Software“ am 28.11.2014, http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/nachhaltige-software)

Definition gem. Free Software Foundation Europe: Freie Software

Freie Software ist Software, die die folgenden vier Freiheiten einräumt:

  • Die Freiheit, das Programm für jeden Zweck auszuführen.
  • Die Freiheit, die Funktionsweise eines Programms zu untersuchen, und es an seine Bedürfnisse anzupassen
  • Die Freiheit, Kopien weiterzugeben und damit seinen Mitmenschen zu helfen
  • Die Freiheit, ein Programm zu verbessern, und die Verbesserungen an die Öffentlichkeit weiterzugeben, sodass die gesamte Gesellschaft profitiert

Definition gem. Free Software Foundation Europe: Offener Standard

Ein Offener Standard bezieht sich auf ein Format oder Protokoll, das:

  • öffentlich zugänglich ist, zur öffentlichen Bewertung und Verwendung, ohne Einschränkungen und für alle beteiligten Teilnehmer gleichwertig,
  • ohne Bestandteile oder Erweiterungen ist, deren Abhängigkeiten wiederum selbst nicht der Definition eines Offenen Standards entsprechen,
  • frei von rechtlichen oder technischen Bestimmungen ist, die die Verwendung von irgendeinem Beteiligten oder Geschäftsmodell einschränken,
  • unabhängig von einem einzigen Anbieter in einem Prozess weiterentwickelt wird, der offen für eine gleichberechtigte Beteiligung von Wettbewerbern und Drittanbietern ist,
  • verfügbar in mehreren vollständigen Implementierungen ist, entweder von konkurrierenden Anbietern, oder als eine vollständige Implementierung, die gleichberechtigt verfügbar für alle Beteiligten ist.

Dokument zum Herunterladen

Der Anhang zum Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards vom 10.04.2018 kann hier heruntergeladen werden.

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Thursday, 19 April 2018

Interview und Medienresonanz zur Potenzialanalyse einer Freien-Software-Strategie

Do-FOSS | 20:26, Thursday, 19 April 2018

Do-FOSS-Sendet

Do-FOSS sendet

Dortmunder Arbeitsgruppe Freie Software bekommt Rückenwind

Das Creative Commons Web-Radio TheRadio.cc hat Do-FOSS zum Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards vom 10.04.2018 der Stadt Dortmund interviewt. In diesem wurde die aktuelle Situation in Dortmund genauer beleuchtet und der Weg dorthin resümiert. Darüber hinaus findet sich in diesem Blogbeitrag eine Zusammenstellung zur Medienresonanz des Beschlusses. Do-FOSS dankt der positiven Resonanz sowie dem bestärkendem Feedback, welches aus den Communities gegeben wurde!

TheRadio.cc Interview mit Do-FOSS

Stadt Dortmund

Presseartikel (alphabetisch sortiert)

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Tuesday, 10 April 2018

Stadt Dortmund untersucht Potenziale einer Freien-Software-Strategie

Do-FOSS | 11:21, Tuesday, 10 April 2018

Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards

AG Freie Software

Bild: AG Freie Software

Der Verwaltungsvorstand der Stadt Dortmund hat in seiner Sitzung vom 10.04.2018 beschlossen, die Potenziale von Freier Software und Offenen Standards im Bereich der städtischen Informations- und Telekommunikationstechnik zu untersuchen. Die Verwaltung wird den politischen Gremien Ende 2019 einen Ergebnisbericht zum Einsatzpotenzial von Freier Software und Offenen Standards vorlegen.

Für Do-FOSS markiert dieser Beschluss einen Meilenstein, der die Grundlage für eine systematische Potenzialbetrachtung Freier Software für die Stadt Dortmund darstellt. Die Verwendung von Offenen Standards wurde bereits in der Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030 vereinbart.

In Kombination mit dem Beschluss des Verwaltungsvorstands, ein Konzept für Open Data Dortmund zu erarbeiten, besteht nun die Möglichkeit, einen ganzheitlichen Ansatz für eine Freie und Offene IT-Landschaft in der Dortmunder Verwaltung zu entwickeln, welcher dem Gemeinwohl und damit allen Bürgerinnen und Bürgern vorteilhaft verpflichtet ist.

Handlungsanlass zum Beschluss des Verwaltungsvorstands

Mit den Beschlüssen vom 07.07.2016 und 01.06.2017 hat der Rat der Stadt Dortmund die Verwaltung mit der Erstellung des Masterplans Digitales Dortmund bzw. Digitale Stadtverwaltung beauftragt, um die weiterführende Digitalisierung von Stadt und Verwaltung zu gestalten. Allgemein ist ein vielfältiger Trend zu digitaler Vernetzung zwischen Menschen, Dingen und Arbeitsprozessen zu erkennen. Die wachsende Bandbreite an digital erschlossenen Anwendungsfeldern wird dabei von einer stetig wachsenden Anzahl von Softwareprodukten und Geräteklassen bewältigt. Als zentrale gesellschaftliche Institution ist die Stadtverwaltung von dieser komplex-dynamischen Entwicklung ebenfalls berührt. Die Verwaltung setzt in ihren pflichtigen und freiwilligen Handlungsfeldern eine Vielzahl von Softwareprodukten ein, die unterschiedlichen gesetzlichen oder technischen Rahmenbedingungen unterliegen. So stehen die Leistungen der Verwaltung zunehmend digital zur Verfügung; verwaltungsinterne Prozesse werden digital unterstützt oder automatisiert. Aus Verwaltungssicht stellt sich die städtische IT-Landschaft als heterogenes Umfeld mit unterschiedlichen Akteuren dar (Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Behörden). Die sich daraus ergebenden technischen Anforderungen an die Verwaltung erfordern ein hohes Maß an IT-Flexibilität. Es stellt sich die Frage, mit welchen Konzepten diese Flexibilität bei gleichzeitig hoher Steuerungsfähigkeit realisiert werden kann.

Da das Lizenzierungsmodell von Freier Software gegenüber proprietärer Software weitergehende Handlungsspielräume gewährt, wird die Stadt Dortmund das Potenzial von Freier Software in Bezug auf die IT der Stadtverwaltung systematisch erfassen. Zum Potenzial von Freier Software gehört eine Reihe weiterer technischer und nicht-technischer Aspekte. Die Stadt Dortmund verknüpft mit der Untersuchung der Potenziale einer Freien-Software-Strategie folgende Überlegungen:

Zu den Zielvorstellungen bei einem möglichen Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in der Stadtverwaltung Dortmund gehören die folgenden Aspekte:

  • Reduzierung der Herstellerabhängigkeit
  • Umsetzung des E-Government-Gesetzes NRW im Rahmen von offenen und standardisierten Dateiformaten
  • Erhöhung der Flexibilität und Steuerungsfähigkeit beim Softwareeinsatz
  • Erhöhung der Interoperabilität (z.B. durch den Einsatz von Offenen Standards für eine herstellerübergreifende Anwendungskopplung) [Erhöhung der digitalen Anschlussfähigkeit – Anm. d. Verf.]
  • Sicherstellung des Datenschutzes [s. auch Trans­parente Software – eine Voraus­setzung für daten­schutzfreundliche Technolo­gien vom 26.09.2000 des Arbeitskreises Technische und orga­nisatorische Datenschutzfragen der Konfe­renz der Daten­schutzbeauftragten des Bundes und der Länder – Anm. d. Verf.]
  • Gewährleistung der IT-Sicherheit
  • steuerbare Kostenstrukturen durch erhöhte Flexibilität bei der Anbieterwahl, Stärkung der Verhandlungsposition gegenüber Anbietern proprietärer Software und Wegfall von Skalierungskosten durch Lizenzgebühren
  • Erhöhung der Archivierbarkeit digitaler Dokumente durch Offene Standards
  • Ermöglichung neuer Synergien und Abbau von lizenzrechtlichen Hemmnissen in der interkommunalen Zusammenarbeit
  • eine erhöhte Technikneutralität
  • eine Erhöhung der funktionalen Transparenz

Zudem hat das Umweltbundesamt festgestellt, dass Freie Software bzgl. Energieeffizienz, Hardwareschonung (geringere Hardwareanforderungen und längere Lebenszyklen) und digitaler Nachhaltigkeit einen entscheidenden Beitrag im Bereich der Ressourcenschonung leisten kann. (vgl. Dokumentation des Fachgesprächs „Nachhaltige Software“ am 28.11.2014)

Freie Software kann daher auch als Beitrag zu den derzeitigen Green-IT-Bestrebungen der Stadt Dortmund verstanden werden.

Um die Potentiale Freier Software zu untersuchen, hat die Stadt Dortmund die Arbeitsgruppe Freie Software im Rahmen des Masterplans Digitale Stadtverwaltung eingerichtet. In dieser Arbeitsgruppe arbeitet Do-FOSS gemeinsam mit verschiedenen Organisationseinheiten des Dortmunder Systemhauses (dosys.) und dem Personalrat der Stadt Dortmund an der Entwicklung einer Freien-Software-Strategie.

<figure style=" width: 90%; height: auto; text-align: center; text-indent: 0; margin: 0.5em; padding: 0.5em;">
Organigramm - AG Freie Software<figcaption>Organigramm – AG Freie Software</figcaption></figure>

Die Arbeitsgruppe organisiert sich dafür in drei aufeinanderfolgenden Phasen. In der ersten Phase wird es darum gehen, Begriffe zu formalisieren und Anforderungen festzulegen. Zudem wird in dieser Phase eine Bestandsaufnahme der bestehenden IT-Infrastruktur vorgenommen. In der zweiten Phase wird es anschließend darum gehen, die Potenziale von Freier Software genauer zu analysieren. Hierzu sollen u.a. Erfahrungen anderer Behörden mit dem Thema genauer untersucht und kritische Erfolgsfaktoren für den Freien-Software-Einsatz identifiziert werden. In der dritten Phase wird es schließlich darum gehen, eine weitere Vorgehensweise für die Stadt Dortmund zu entwickeln. Es stellt sich in dieser Phase vor allem die Frage, welche konkreten Schritte eingeleitet werden müssen, damit die Stadt Dortmund die Rückschlüsse aus der zweiten Phase umsetzen kann.

Was bezweckt Do-FOSS mit der Teilnahme an der Arbeitsgruppe?

Nach einem bereits länger bestehenden Engagement von Do-FOSS für Freie Software wurde das Vorhaben von Do-FOSS mit dem Masterplan Digitale Stadtverwaltung konkret. Do-FOSS sieht in dem Masterplan die Möglichkeit, Freie Software und Offene Standards durch eine systematische Betrachtung ihrer Vorteile dauerhaft in der Stadtverwaltung zu verankern. Das Ziel von Do-FOSS ist es Konzepte zu entwickeln, wie die Stadt Dortmund mit Hilfe von Freier und Quelloffener Software bzw. Offener Standards die digitale Anschlussfähigkeit ihrer Bürgerinnen und Bürger fördern kann. Dafür zeigt Do-FOSS Wege für einen selbstbestimmten und transparenten Umgang mit digitaler Technik auf und engagiert sich dafür, die notwendigen Voraussetzungen in die Diskussion des Masterplans einzubringen. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Erhalt der kommunalen Selbstverwaltungshoheit, die durch Freie Software gestützt wird. Hierzu hat Do-FOSS eine ausführliche Betrachtung im Blogbeitrag Warum Freie Software und Offene Standards für die Stadt Dortmund? vorgenommen. Weitergehende Zielvorstellungen von Do-FOSS finden sich hier.

Zur weiteren Meinungsbildung sei auf das Video zum Vortrag Der digitale Lebensraum – Wer bestimmt? verwiesen. Zudem sei auf eine von Do-FOSS zusammengestellte Sammlung mit Referenzen zu Geschehnissen und Meinungen rund um das Thema Freie Software mit Fokus auf öffentliche Verwaltung verwiesen.

Pressemitteilung der Stadt Dortmund vom 10.04.2018 im Wortlaut

Erweiterung des Masterplans Digitale Stadtverwaltung

Der Masterplan Digitale Stadtverwaltung wird um das Projekt „Freie Software und Offene Standards“ erweitert. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird die Stadt Dortmund die Potenziale von „Freier Software und Offenen Standards“ für die Verwaltung untersuchen.

Durch die gesellschaftliche Entwicklung hin zur Digitalisierung ergeben sich veränderte Anforderungen an die Informationstechnologie (IT) der Stadtverwaltung. Im Masterplan Digitale Stadtverwaltung werden derzeit diese Anforderungen beschrieben und Handlungsmöglichkeiten erarbeitet, um die Entwicklung der Digitalisierung für die Stadt Dortmund zu gestalten. Die digitale Entwicklung wird stark durch die dafür eingesetzte Software geprägt. Es ist abzusehen, dass für die Digitalisierung, insbesondere in Bezug auf den Softwareeinsatz, ein hohes Maß an organisatorischer und technischer Flexibilität erforderlich sein wird.

Freie Software ermöglicht mehr Handlungsspielräume

Das Lizenzmodell der Freien Software räumt allgemein das Recht ein, Software für jeden Zweck zu verwenden, deren Funktionsweise zu verstehen, sie zu verbreiten und zu verbessern. Diese weitgehenden Rechte an einer Software können die zunehmende Digitalisierung in der Stadtverwaltung in organisatorischen wie gesellschaftlichen Aspekten unterstützen und weitreichende Handlungsspielräume gewähren. Daher werden die Potenziale von Freier Software in der IT der Stadtverwaltung in Bezug auf die vielseitigen Anforderungen durch die Digitalisierung systematisch untersucht.

Offene Standards sollen die Kommunikation erleichtern

Ferner wird in dieser Untersuchung berücksichtigt, dass im Rahmen der Digitalisierung Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Behörden verstärkt digitalen Kontakt zur Stadtverwaltung suchen. Daher beschäftigt sich das Projekt neben der Betrachtung der Potenziale von Freier Software mit der Frage, wie die digitale Kommunikation mit der Stadt für alle Akteure zugänglich gestaltet werden kann. Dazu gibt das E-Government-Gesetz NRW für die Übermittlung von Dateien an Bürgerinnen und Bürger oder Unternehmen vor, dass offene und standardisierte Dateiformate genutzt werden sollen. Durch den Einsatz solcher Offenen Standards soll gewährleistet werden, dass Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Behörden technikneutral mit der Verwaltung kommunizieren können, also z.B. über mobile Geräte oder Heimcomputer beliebiger Hersteller und unabhängig von der eingesetzten Software.

Das Projekt „Freie Software und Offene Standards“ wird in einem Beteiligungsverfahren mit den Bürgerinnen und Bürgern durchgeführt. Die Einsatzpotenziale von „Freier Software und Offenen Standards“ werden von der Stadtverwaltung gemeinsam mit der Bürgerinitiative Do-FOSS (Dortmund-FOSS: englisch für Free and Open Source Software, http://do-foss.de) untersucht. Die Bürgerinitiative engagiert sich bereits seit mehreren Jahren in einem öffentlich geführten Dialog dafür, die Vorteile von Freier Software und Offenen Standards für die Stadt Dortmund zu nutzen.

Danksagungen von Do-FOSS

Mit dem Beschluss des Verwaltungsvorstands hat Freie Software eine ernstzunehmende Perspektive in Dortmund. Bis zu dem Beschluss war es bereits ein längerer Weg, den Do-FOSS nicht alleine gegangen ist. Do-FOSS dankt allen, die diesen Weg bis hierhin begleitet haben, insbesondere den Kooperationspartnern , deren Engagement zum Wissenstransfer für die Stadt Dortmund aus Sicht von Do-FOSS unschätzbar ist: Free Software Foundation Europe, ver.di Bezirk Westfalen, The Document Foundation, digitalcourage, Open Source Business Alliance und Pauluskirche und Kultur.

Herrn Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Frau Stadträtin Diane Jägers, die die Stadt Dortmund zum Jahreswechsel verließ, dankt Do-FOSS besonders für Ihr Engagement, da sie einen Dialog auf Augenhöhe mit der Verwaltung ermöglicht haben. Den Kollegen aus der Arbeitsgruppe Freie Software dankt Do-FOSS dafür, mit dieser Kooperation engagiert neue Wege zu beschreiten.

Nicht zuletzt dankt Do-FOSS all den Menschen im Hintergrund, die Do-FOSS jahrelang unterstützt haben! Ohne euch wäre alles nichts.

Dokument zum Herunterladen

Die Pressemitteilung vom 10.04.2018 kann hier heruntergeladen werden.

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Monday, 26 March 2018

Veranstaltungsrückblick: Der digitale Lebensraum – Wer bestimmt?

Do-FOSS | 23:44, Monday, 26 March 2018

Der digitale Lebensraum

Bild: Der digitale Lebensraum

Wer verfügt darüber? – Pauluskirche & Kultur 2016-2017

Do-FOSS war am 13. Juni 2017 mit dem Vortrag Der digitale Lebensraum – Wer bestimmt? zu Gast bei der Veranstaltungsreihe Wer verfügt darüber? in der Dortmunder Pauluskirche, welche im Anschluss auch Kooperationspartner von Do-FOSS geworden ist. In diesem Vortrag hat Do-FOSS die gesellschaftlichen Implikationen von Freier Software auf unsere digitale Selbstbestimmung thematisiert und zu einer anschließenden Diskussion geladen.

Die Veranstaltungsreihe selbst ging über Freie Software hinaus und befasste sich mit weiteren Themenfeldern, in denen Nutzungsrechte einen Einfluss auf die Selbstbestimmtheit und Mündigkeit haben. Do-FOSS war Impulsgeber der Veranstaltungsreihe in der Pauluskirche und freut sich über die spannenden Themenabende bezüglich Zugang und Verfügungsrechten zu lebensnotwendigen Grundgütern. Bei den einzelnen Veranstaltungen wurde gefragt, welches Verständnis wir heute von Mündigkeit haben, wenn es um Zugang und Verfügungsrechte von basalen Lebensgütern wie Wasser, Saatgut, Medikamenten, Energie und Software geht. In der Kürze zusammengefasst, sind die Leitfragen aus den bisherigen Vorträgen:

  • Was ist Gemeingut?
  • Mit welchen technischen oder rechtlichen Abhängigkeiten werden basale Lebensgüter in Märkten belegt?
  • Wie hängen Finanzierungsmodelle mit dem Zugang zu basalen Lebensgütern zusammen?
  • Inwiefern wird Wissen über den Umgang mit basalen Lebensgütern eingehegt? Ist Wissen rückholbar in die Gesellschaft?
  • Wie können wir uns organisatorisch gemeinsam und gemeinschaftlich eines Gemeinguts annehmen?
  • Wann sind basale Lebensgüter frei?

Die Veranstaltungen waren alle in sich bereichernd und Do-FOSS möchte sich noch einmal bei allen Vortragenden und Mitwirkenden herzlichst bedanken. Bei dem Thema Saatgut wurde die lizenzrechtliche Parallele zur Kernproblematik, die Do-FOSS auch in Bezug auf Software wahrnimmt, besonders deutlich. Hierzu hat Do-FOSS einen Saatgut-Software-Vergleich vorgenommen. In beiden Märkten gibt es eine gezielte Herbeiführung von Herstellerabhängigkeit durch das Verbot der Weitergabe und Weiterentwicklung. Die Auswirkungen dieser Abhängigkeitsstruktur auf unsere digitale Selbstbestimmung sind ebenso vielschichtig wie die Auswirkungen von Hybridsaatgut auf unsere Ernährungssouveränität.

Vortrag: Selbstbestimmung im digitalen Lebensraum?

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Link zum Video
<figcaption>Der Vortrag wurde von RegenbogenTV mitgeschnitten. Link zu YouTube! </figcaption></figure>

Um uns im digitalen Lebensraum zu bewegen, benötigen wir Software. Sie begleitet uns durch unseren Tag und ermöglicht uns, unsere Vorstellungen umzusetzen. Wir beziehen Informationen durch sie, bewegen uns mit ihr in Netzen und kommunizieren mit ihrer Hilfe. Software ermöglicht uns also Dinge zu tun, definiert jedoch auch die Grenzen unseres digitalen Handelns. Doch wer definiert diese Möglichkeiten und Grenzen? In der digitalen Welt führt diese Frage zu dem Begriff des geistigen Eigentums. Der Eigentümer einer Software definiert, wer diese benutzen darf und auf welche Art die Software benutzt werden darf.

Was jedoch eher unbekannt ist: Häufig wird Software nicht gekauft, sondern es wird lediglich eine begrenzte Nutzungserlaubnis erworben. Damit gehört die Software weiterhin dem Hersteller und nicht dem Anwender. Diese Art von Software wird als proprietär bezeichnet.

<figure style=" width: 70%; height: auto; text-align: center; text-indent: 0; margin: 0.5em; padding: 0.5em;">
Schema zum proprietären Modell<figcaption>Das proprietäre Modell</figcaption></figure>

Der Gegenentwurf dazu ist Freie Software. In ihrem Kern unterscheiden sich proprietäre und Freie Software also in der Regelung des Eigentums. Freie Software ist in dem Sinne frei, dass ihr Eigentum auf niemanden eingeschränkt ist, womit sie Gemeingut ist und allen gehört. Dies sichert uns ein erforderliches Maß an digitaler Selbstbestimmung.

<figure style=" width: 70%; height: auto; text-align: center; text-indent: 0; margin: 0.5em; padding: 0.5em;">
Schema zu Freier Software<figcaption>Das Freie-Software-Modell</figcaption></figure>

Warum könnte uns digitale Selbstbestimmung wichtig sein? Oder im Kontext des Titels der Veranstaltungsreihe: Wer verfügt über unsere Möglichkeit digital selbst zu bestimmen?

Mit der fortschreitenden Digitalisierung öffnen sich diese Fragestellungen der digitalen Selbstbestimmung einem immer weiteren Themenfeld. Von gesellschaftlichen Akteuren wird derzeit unter dem Begriff Smart City diskutiert, wie eine weitreichende Digitalisierung des öffentlichen Raums gestaltet sein könnte. Weniger offen wird dabei die Frage diskutiert, wer die Kontrolle über die Smart-City-Software und die von ihr generierten Daten haben wird. Wenn wir unser Lebensumfeld im Sinne einer Smart City mit Sensoren und Überwachungstechnik zur Datenerzeugung ausrüsten, stellt sich aber nicht nur die Frage nach Verfügungsrechten. Es stellen sich zugespitzt auch Fragen wie: Wie verändern sich unsere privaten und beruflichen Motive im Bewusstsein eines umfassenden Überwachungspotenzials?

Die Stadt Dortmund arbeitet derzeit an ihrer Position als Pilotprojektstadt Smart City und möchte in Europa eine Vorreiterrolle besetzen. Der „Dortmunder Weg“ könnte damit prägend für Europa sein. Entsprechend groß ist ein multinationales Unternehmens- und Konzerninteresse an der Dortmunder Verwaltung geworden.

Über grundlegende Zusammenhänge, die vom einzelnen Anwender zu Hause am Computer bis hin zu stadtgestalterischen Fragen reichen, hat Do-FOSS in der Pauluskirche informiert und möchte darüber zu einer gesellschaftlichen Debatte beitragen.

Dokumente zum Herunterladen

Die Vortragsfolien Do-FOSS können hier und die Videoaufzeichnung kann hier heruntergeladen werden. Gesammelte Informationen zur Smart City Dortmund können hier heruntergeladen werden.

CC0
Soweit im gesetzlichen Rahmen möglich verzichtet der Autor auf alle Urheber- und damit verwandten Rechte an diesem Werk.
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Exkurs: Saatgut wie Software – eine Frage der Lizenz

Do-FOSS | 23:42, Monday, 26 March 2018

Die Open-Source-Tomate

Bild: Die Open-Source-Tomate

Frei oder unfrei?

Saatgut und Software könnten kaum verschiedener sein. Saatgut ist analog, Software ist digital. Saatgut begleitet die Menschheitsgeschichte bereits sehr lange, Software ist geschichtlich noch jung. Saatgut kommt aus der Natur, Software entstammt der menschlichen Kultur. Was also haben z.B. Tomaten und Software gemeinsam?

Beide können Frei oder unfrei sein. Sie können entweder als Privateigentum oder Gemeingut bereitgestellt und genutzt werden. Damit unterscheiden sich unfreies Saatgut und proprietäre / unfreie Software von Freiem Saatgut und Freier Software in ihrem Kern in der Regelung des Eigentums. Diese Eigentumsregelung drückt sich stark durch die jeweilige Lizenz aus mit der das Saatgut bzw. die Software belegt sind.

Unfreies Saatgut und unfreie Software verbleiben im Eigentum der Softwarehersteller respektive der Züchter und werden den Nutzerinnen und Nutzern mit sehr eingeschränkten Rechten zur Verfügung gestellt. Dies betrifft beispielsweise die Aussaat von selbst geerntetem Saatgut oder eine Anpassung von gekaufter Software an die eigenen Bedürfnisse. Zudem wird unfreies Saatgut biologisch und unfreie Software technisch i.d.R. auf eine Weise am Markt bereitgestellt, die eine Nachzüchtung von Saatgut oder eine Weiterentwicklung von Software unterbindet.

Hingegen sind Freies Saatgut und Freie Software tatsächlich frei, d.h. das genetische Erbgut einer Pflanze bzw. der Quelltext einer Software sind eigentumsrechtlich auf niemanden eingeschränkt, womit sie Gemeingut sind und allen gehören.

Unfreies Saatgut – eine kurze Einführung

Unser Gemüse keimt heutzutage in der Regel von sog. Hybridsaatgut. Was ist Hybrid? Für Hybridzüchtungen werden bestimmte Merkmale einer Pflanze durch Kreuzung von Inzuchtlinien verstärkt. Ein gewünschter Effekt ist, dass die erste Generation überdurchschnittlich gute Ertragsergebnisse liefert. Die Kehrseite ist, dass das aus der Ernte gewonnene Saatgut von den Landwirten nicht verwendet werden kann (und teilweise aufgrund von eigentumsrechtlichen Lizenzbestimmungen auch nicht darf), weil es seine Homogenität verliert. Das bedeutet, dass Sorteneigenschaften wie Pflanzengröße, Form und Farbe der Früchte uneinheitlich ausgebildet werden. Manche Pflanzen würden z.B. sehr groß, andere sehr klein. Zum Teil sind Hybride auch steril, was bedeutet, dass sie sich nicht fortpflanzen können. In der Folge muss Saatgut erneut vom Saatgutproduzenten erworben werden, um zur nächsten Ernte gesunde, einheitliche Früchte zu bekommen. Auf diese Weise entsteht eine Abhängigkeit von Landwirten zu den Saatgutproduzenten. Die Alternative zu Hybridsaatgut ist samenfestes Saatgut (weitere Infos zur Unterscheidung von Hybrid- und samenfestem Saatgut wurden von Do-FOSS hier zusammengestellt). Darüber hinaus können die eigentumsrechtlichen Lizenzbestimmungen für den Umgang mit Saatgut freiheitsgewährend oder freiheitsbeschränkend sein.

Eine Freie Tomate – dank Open-Source-Lizenz

Zum Beispiel die Tomatensorte Sunviva ist eine klare Absage an Hybridsaatgut. Sie ist aber nicht nur aufgrund ihrer Samenfestigkeit, sondern in besonderer Weise auch wegen ihrer rechtlichen Eigenschaften ein wesentlicher Baustein für eine selbstbestimmte Landwirtschaft. Denn nach ihrer Züchtung wurde die Tomatensorte unter eine Open-Source-Saatgutlizenz gestellt. Es gibt drei einfache Regeln für die Open-Source-Pflanze, welche die Landwirtschaft frei von rechtlichen Abhängigkeiten halten, insbesondere frei von der Abhängigkeit zu Saatgutproduzenten:

Logo: OpenSourceSeeds

Logo: OpenSourceSeeds (© OpenSourceSeeds – AGRECOL)

  • Regel 1: Jeder darf das Saatgut frei nutzen, es vermehren, weiterentwickeln, züchterisch bearbeiten und es im Rahmen bestehender Gesetze weitergeben.
  • Regel 2: Niemand darf das Saatgut und seine Weiterentwicklungen mit geistigen Eigentumsrechten wie Patenten belegen.
  • Regel 3: Jeder Empfänger überträgt zukünftigen Nutzern des Saatguts und seinen Weiterentwicklungen die gleichen Rechte und Pflichten.

Diese Rechte und Pflichten werden im Weiteren durch die Open-Source-Saatgut-Lizenz geregelt, welche von OpenSourceSeeds erstellt wurde. (vgl. die vier Freiheiten Freier Software gem. der Free Software Foundation Europe).

Dr. Johannes Kotschi von AGRECOL hat die europäische Initiative OpenSourceSeeds gemeinsam mit anderen ins Leben gerufen. Do-FOSS freut sich, dass er bereits im November 2016 mit seinem Vortrag Teile das Brot – teile das Saatgut in der Pauluskirche zu Gast war, um die Notwendigkeit und die Möglichkeiten von Saatgut als Gemeingut vorzustellen. Der Vortrag stellte heraus wie Nutzungsregeln gestaltet werden können, um ein Gut als Gemeingut zu erhalten. Open-Source zum Schutz gemeinnütziger Pflanzenzüchtung! Im Frühjahr 2017 wurde die damals neu gezüchtete Tomate Sunviva dann als Open-Source lizensierte Pflanze der Öffentlichkeit vorgestellt. Dank der Open-Source-Lizenz ist und bleibt die Tomatensorte Sunviva Gemeingut. Denn nicht nur das Saatgut selbst, sondern alle seine Vermehrungen und Weiterentwicklungen fallen unter die Lizenz. Auf diese Weise ergibt sich eine Kette von Verträgen, die vielfach verästelt sein kann. Lizenznehmer werden zu Lizenzgebern. Die Lizenz schafft eine Alternative zum privaten Saatgutsektor. (vgl. Kotschi)

Mehr zu Open-Source-Saatgut gibt es aktuell auf der Aktionsseite der Heinrich Böll Stiftung Vielfalt statt Macht – Saatgut ist Gemeingut. Do-FOSS hat es sich nicht nehmen lassen auch an der Aktion teilzunehmen und hat Open-Source-Tomatensaatgut bestellt, welches in den nächsten Tagen von der Solidarischen Landwirtschaft Dortmund gepflanzt werden wird. Do-FOSS freut sich bereits auf die ersten Open-Source-Tomaten.

Fazit

Was lässt sich von diesen Beobachtugen am Saatgutmarkt für den Softwaremarkt übertragen?

Ein ähnlicher Effekt wie im Hybridsaatgutmarkt lässt sich im proprietären (herstellerspezifischen) Softwaremarkt beobachten. Auch hier gibt es eine gezielte Herbeiführung von Herstellerabhängigkeit durch das Verbot der Weitergabe und Weiterentwicklung von Software. Die Auswirkungen dieser Abhängigkeitsstruktur auf unsere digitale Selbstbestimmung sind ebenso vielschichtig wie die Auswirkungen von Hybridsaatgut auf unsere Ernährungssouveränität. Mehr hierzu im Veranstaltungsrückblick: Der digitale Lebensraum – Wer bestimmt?.

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Sunday, 11 March 2018

Software Freiheit in der Cloud - Ein Vortrag auf den Chemnitzer Linux-Tagen 2018

Deutsch on Björn Schießle - I came for the code but stayed for the freedom | 19:00, Sunday, 11 March 2018

Auf den diesjährigen Chemnitzer Linux-Tagen habe ich einen Vortrag mit dem Title “Freie Software im Zeitalter der Cloud” gehalten. Dabei ging es um den Einfluss von SaaS (Software as a Service) und der Cloud auf Freie Software und wie wir Software Freiheit unter diesen neuen Gegebenheiten erhalten können. Ausgangspunkt für mein Vortrag war der Artikel “Software Freedom im the Cloud” (en) welchen ich vor ein paar Monaten verfasst habe. Die Grundthese war, dass wir ähnlich wie Richard Stallman vor 35 Jahren eine positive Vision für die Zukunft erarbeiten müssen, anstatt den Fortschritt zu ignorieren. Der Vortrag wurde aufgezeichnet und wird in den nächsten Tagen Online abrufbar sein. Ich werde dann einen entsprechenden Link hier einfügen. In der Zwischenzeit kann man sich hier schon mal meine Präsentation ansehen:


(Dieser Artikel enthält eine Präsentation, hier zu sehen.)

Tags: #fsfe #FreeSoftware #cloud #saas #clt #slides

Saturday, 17 February 2018

Kooperationen um Pauluskirche und Kultur erweitert

Do-FOSS | 00:03, Saturday, 17 February 2018

Do-FOSS bettet sich weiter in bestehende gesellschaftliche Strukturen ein. Nachdem bereits die Free Software Foundation Europe, der ver.di Bezirk Westfalen, die Document Foundation, digitalcourage und die Open Source Business Alliance als Kooperationen aufgeführt sind, erweitern wir unser Wissens- und Handlungsnetzwerk um die Pauluskirche und Kultur. Die Pauluskirche und Kultur hat die von Do-FOSS initiierte Reihe Wer verfügt darüber? veranstaltet. Hier war auch Do-FOSS mit dem Vortrag Der digitale Lebensraum – Wer bestimmt? zu Gast.

Pauluskirche und Kultur ist eine Initiative der Ev. Lydia-Kirchengemeinde Dortmund. Die Gemeinde in der Dortmunder Nordstadt hat drei Kirchen. Mit den Angeboten in der Pauluskirche geht sie seit vielen Jahren neue Wege. Heute findet dort ein breites Spektrum an Veranstaltungen statt – von Konzerten, Festivals, philosophischen Abenden, Nacht der Religionen und Kulturen, modernen Gottesdiensten bis hin zu Vorträgen und Diskussionskreisen. Inhaltliche Schwerpunkte sind Diskussionen im Schnittpunkt zwischen Philosophie, Wissenschaft und Theologie sowie ökologisch-soziale Themen wie Gemeingüter — z.B. Freie Software, Umwelt- und Tierschutz/Tierrechte.

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Wednesday, 14 February 2018

Kann Freie Software auch Umweltschutz?

Deutscher Planet – Dreierlei | 16:13, Wednesday, 14 February 2018

Zum heutigen I love Free Software Day möchte ich quasi einmal “über den Tellerrand hinausschauen” und dabei die Bedeutung Freier Software für die Reparierbarkeit sowie die Wieder- und Weiterverwendung (die “Nachhaltigkeit”) von Hardware beleuchten. Da Software kritisch ist für einen erfolgreichen Betrieb und der Weiternutzung von Hardware, kann Freie Software einen entscheidenden Beitrag zu Umwelt- und Verbraucherschutz leisten.

Immer deutlicher tritt in Erscheinung, dass proprietäre Software, dahinter stehende Geschäftsmodelle und geplante Obsoleszenzen von Software sich negativ auf die Reparierbarkeit, Wiederverwertbarkeit und die allgemeine Produktlebensdauer von Hardware auswirken. Nachdem bereits das Umweltbundesamt und das Europäische Parlament diese Gefahren erkannt haben, hat im Januar auch der Runde Tisch Reparatur (RTR) ein dazu passendes Diskussionspapier “Softwareobsoleszenz als Herausforderung für die Reparatur” veröffentlicht.

Der RTR ist ein Zusammenschluss verschiedener Zivilvertreter und -verbände und die Veröffentlichung greift direkt und indirekt die Bedeutung Freier Software zur Vermeidung von Produktobsoleszenz durch Software auf. Die dazu konsequent ausgeführten Argumente möchte ich in diesem Blogpost ausbreiten.

Grunddilemma: Software, Hardware und die Umwelt

Worin besteht eigentlich das grundsätzliche Problem im Wechselspiel zwischen Software und Hardware auf die Nutzungsdauer von Hardware?

Die Softwareabhängigkeit bewirkt bei vielen Produkten einen vorzeitigen Funktionsverlust (funktionelle Obsoleszenz), indem die technische Nutzbarkeit der Software verloren geht oder der subjektive Nutzen des Gerätes aus Sicht des Anwenders nicht mehr gegeben ist”.

Diese Vulnerabilität der Hardware gegenüber der verwendeten Software wird dabei noch potenziert durch die Verwendung proprietärer Software, denn:

“Kündigt der Hersteller den Software-Support für ein Gerät auf, zwingt er NutzerInnen zum Upgrade oder zum Wechsel auf ein neues System. Gibt es keine Upgrade-Möglichkeit und auch keine Möglichkeit zum Wechsel auf ein neues System mit bestehender Hardware, bleibt dem/der NutzerIn nur ein Wechsel der Hardware;”

Derartige Upgragde-Zwänge werden meist mit sogenannten “Lock-in-Effekten” kombiniert und sind immanent in den meisten gängigen Geschäftsmodellen proprietärer Software. Teilweise ist es aber auch ein gewünschtes Zusammenspiel von Software- und Hardware-Herstellern, in dem beide Branchen letztendlich von einem ständigen Update-Zwang profitieren und zugleich alte Systeme nicht länger gewartet werden müssen. Oder es mutiert gar zu einem doppelten Gewinn bei solchen Unternehmen, in denen Soft- und Hardwarehersteller in Union zusammenkommen.

Aber auch

“Peripheriegeräte können nicht mehr genutzt werden, da die Hersteller keine aktualisierten Softwaretreiber bei Upgrades der Gerätesoftware mehr zur Verfügung stellen.”

Nicht weiter entwickelte oder unterstützte, proprietäre Software fördert zudem nicht nur die Entwertung von Hardware sondern beschränkt bereits zu Lebzeiten die Reparatur sowie die Weiterverwendungsmöglichkeiten im Anschluss, denn:

“Geschlosse und geschützte Systeme (proprietäre) verhindern eine herstellerunabhängige Reparatur oder Wartung durch die Nutzerinnen oder Drittparteien. Ein(e) möglicher Weiterbetrieb und -entwicklung der Systeme durch eine (Open Source) Community ist ebenfalls ausgeschlossen;”

und

“Der Reuse-Faktor von IT-Produkten sinkt erheblich, indem Dritten der Zugang zu herstellerspezifischen Diagnosetools, Software-Frameworks, Dokumentationen und dem Quellcode der Software erschwert wird.”

Diese bisher in dem Diskussionspaper ausgebreiteten Probleme haben spürbare Nachteile für den freien Wettbewerb und damit für VerbraucherInnen. Lock-in-Effekte, Updatezwang und verpflichtende Vertragswerkstätten sind nur einige Elemente einer fortschreitenden Monopolisierung zu Gunsten weniger Hersteller. Sie gehen aber darüber hinaus in aller Regel auch – und darüber reden die meisten von uns noch viel zu wenig – mit spürbaren Nachteilen für die Umwelt einher.

Denn letztendlich wird eigentlich noch funktionierende Hardware entwertet oder gar unbrauchbar gemacht – obwohl

“Studien hinreichend belegen, dass eine verlängerte Lebensdauer von IT-Produkten gegenüber der Neuanschaffung mit einem geringeren Ressourcenaufwand und weniger Umweltauswirkungen einhergehen.”

<figure class="wp-caption aligncenter" id="attachment_2469" style="width: 580px"><figcaption class="wp-caption-text">Gebrauchte CPU. (Bild von Ondřej Martin Mach, CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons.)</figcaption></figure>

Lösungsansätze von und durch Freier Software

In seinem Diskussionspaper zur Software-Obsoleszenz fordert der RTR, dass Softwareprodukte als ein Teil der integrierten Produktpolitik der Europäischen Kommission behandelt werden. Erklärtes Ziel dieser integrierten Produktpolitik wiederum ist es die Umweltauswirkungen eines Produktes über den kompletten Lebenszyklus zu minimieren. In den zum erreichen dieses Zieles vom RTR daraufhin vorgeschlagenen Lösungsansätzen, finden sich häufig Lösungen von und durch Freie Software.

Außerdem wird vom RTR zum Ziel erklärt, dass Software zu jedem Zeitpunkt nur diejenigen Hardwareressourcen beansprucht, die es für die jeweilige Aufgabe benötigt. Helfen soll dabei zum Beispiel ein modularer Aufbau der Software. (Über die positiven Aspekte der Modulariät Freier Software hinsichtlich der Nachhaltigkeit von Software habe ich an anderer Stelle bereits geschrieben.)

Ganz konkret fordert der RTR die:

“Unterstützung sparsamer Datenformate in Hinblick auf Bandbreite und Speicherplatz;”

sowie die

“Unterstützung offener Standards bei Datenformaten;”

Es ist erfreulich zu sehen, dass vom RTR hier beide Aspekte – Sparsamkeit und Offenheit – so deutlich und jeweils für sich angesprochen werden. Denn offene Standards sind natürlich ausschlaggebend für die Interoperabilität und damit auch für die Lebensdauer von Geräten. Aber, wie auch Bernhard Reiter ausführt, sollte zugleich auch ein “Minimalgebot für Datenformate” bedacht sein. Dies sowohl aus Gründen der Sparsamkeit als aber auch der Sicherheit.

Noch einen Schritt weiter geht der RTR wenn es darum geht, ältere aber noch funktionstüchtige Geräte weiterhin im Betrieb zu halten. Hier fordert der RTR direkt

“die Offenlegung des Quellcodes bei Einstellung des Supports durch den Hersteller”

Eine solche automatische Offenlegung würde sicher den ein oder anderen positiven Effekt haben, wenn auch eventuell nur, dass der Hersteller beschließt seinen Support doch nicht einzustellen. Dennoch soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass mit der Offenlegung des Quellcodes noch nicht das Ende vom Lied erreicht ist. Denn eine Offenlegung des Quellcodes ohne diesen gleichzeitig unter eine Freie Lizenz zu stellen hat zunächst wenig Vorteile. Eventuell könnte es sich sogar negativ auswirken, da alle Welt zwar nach Fehlern suchen kann um diese auszunutzen, aber keiner diese beheben darf – auf Grund fehlender Lizenzrechte.

Aber selbst bei Veröffentlichung des Codes unter Freier Lizenz gehört für eine sinnvolle Weiterverwendung des Codes auch eine aktive Community dazu. Immerhin – diese kann sich dann rund um den offengelegten Code und dessen Lizenz herausbilden. Noch besser und viel versprechender wäre es aber, wenn der ursprüngliche Hersteller bei diesem Prozess helfen würde durch Zugang zu interner Dokumentation, beispielweise.

Schließlich, und um die Reparierbarkeit zu fördern und einen freien Markt zu ermöglichen fordert der RTR den:

“Einsatz von Open Source oder Open Innovation Lösungen zur Förderung der Herstellerunabhängigkeit und Nutzerautonomie”

Ausblick

Es ist meines Erachtens nach längst überfällig, dass wir uns mit der Nachhaltigkeit unserer IT beschäftigen, am besten auf mehreren Ebenen. Von der nachhaltigen Verwendung der Hardware über die nachhaltige Verwendung von Energieressourcen zu der Verwendung nachhaltiger Software. Über letztere habe ich übrigens an anderer Stelle in diesem Blog bereits ausführlich geschrieben.

Mit der fortschreitenden Digitalisierung unseres Arbeitslebens und unseres Alltags, mit dem sogenannten “Internet of Things”, erleben wir aktuell und sicher auch noch in den kommenden Jahren einen nahezu exponentiellen Zuwachs von Hardware, Computern und Software. Um trotz dieser Entwicklung die zu befürchtenden negativen Umwelt- und Klimaauswirkungen möglichst gering zu halten, müssen wir auf uns auf lange Sicht Gedanken über möglichst nachhaltige Technologien und deren umfassenden Einsatz machen.

Je mehr Studien diesbezüglich angefertigt werden, desto offensichtlicher wird dabei werden, dass Freie Software für die Entwicklung und Bereitstellung nachhaltiger Technologien eine wichtige Bedingung und Hilfe ist. Und deshalb möchte ich auch in diesem Jahr einmal mehr “I love Free Software” sagen. Nicht nur, weil es allen Nutzern seit je her die 4 Freiheiten schenkt, sondern auch weil es immer klarer wird, dass Freie Software auch der Umwelt hilft beziehungsweise helfen wird.

Lasst uns jetzt die Chance ergreifen, die Bedeutung Freier Software in aufkommende Verbraucherschutz- (Reparatur) und Umweltschutz-orientierten (Nachhaltigkeit) Diskurse einzubringen und damit neue Zielgruppen erreichen sowie neue Allianzen zur Förderung Freier Software schmieden.

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Wednesday, 07 February 2018

FSFE Assembly at 34C3: Wir taten was

Deutscher Planet – Dreierlei | 20:04, Wednesday, 07 February 2018

In December 2017, the Chaos Communication Congress moved for the first time onto the Messegelände Leipzig. The FSFE came along and as in recent years, our assembly attracted a lot of visitors. Together with EDRi, for the first time we have been setting up a cluster called “Rights & Freedoms” with our own stage for multiple sessions. Although there have been some organisational issues, this Cluster was a big success and during three days, it has been visited by thousands of people.

I am happy to see the FSFE assembly again growing every year and having the possibility to bring our message of Software Freedom to the people at the Chaos Communication Congress. The CCC is Germany’s biggest annual meetup of hackers and political activists and is “considered one of the largest events of this kind, alongside the DEF CON in Las Vegas” (wikipedia).

<figure class="wp-caption aligncenter" id="attachment_2382" style="max-width: 580px"><figcaption class="wp-caption-text">FSFE assembly by day</figcaption></figure>

<figure class="wp-caption aligncenter" id="attachment_2381" style="max-width: 580px"><figcaption class="wp-caption-text">FSFE assembly by night</figcaption></figure>

After setting up our own self-created track in the session-rooms offered by the CCC in the last two years [2015, 2016], we aligned this year with European Digital Rights (EDRi) and together we have been forming a Cluster called “Rights & Freedoms” around our own lecture hall with a 100-people-audience stage in one half – and room for several friendly organisations to settle their own assemblies in the other half.

<figure class="wp-caption aligncenter" id="attachment_2385" style="max-width: 580px"><figcaption class="wp-caption-text">Polina Malaja and Katharina Nocun give a presentation of FSFE’s Public Money? Public Code! campaign</figcaption></figure> <figure class="wp-caption aligncenter" id="attachment_2383" style="max-width: 580px"><figcaption class="wp-caption-text">Hanno Böck explains “Hacking with wget”</figcaption></figure>

This way, the FSFE’s track became for the first time official part of the CCC-program. Together with likeminded organisations we used our stage to set up a full-time-program in our cluster that in sum led thousands of visitors in there with the FSFE booth being prominently located directly at its entrance.

Also from the organisers of the CCC, people were very happy with us and our organisation and we were giving the hope to get an even bigger lecture room next year. I see this FSFE’s growing presence at the CCC as a strategically important success because it is not “the usual Free Software conference” but a general technology meet-up. So, a good presence at CCC is not simply stewing our own soup but instead extending our outreach into new networks.

As is true for most of our booths and activities, the whole booth would not have been possible to run without our dedicated volunteer booth team! You are the ones empowering FSFE. And I like to use this occasion to give a special thanks to André Klöpfel, Berlin-based volunteer, without whom I would have not been able to organise our booth so smooth this year and last year already.

<figure class="wp-caption aligncenter" id="attachment_2384" style="max-width: 580px"><figcaption class="wp-caption-text">No Free Software without some love …</figcaption></figure>

Tuesday, 30 January 2018

Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030

Do-FOSS | 21:24, Tuesday, 30 January 2018

Stadt Dortmund schreibt Offene Standards fest

Charta

Bild: Charta

Oberbürgermeister Ullrich Sierau hat zusammen mit dem Personalrat der Stadt Dortmund die Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030 unterzeichnet, welche Offene Standards für die Informations- und Kommunikationstechnologien der Stadt Dortmund vereinbart. Diese ist darauf folgend im Ausschuss für Personal und Organisation in dessen Sitzung vom 01.12.2017 zur Kenntnis genommen worden.

Diese Vereinbarung freut Do-FOSS, da die Stadt Dortmund in ihrer Pressemitteilung vom 04.04.2017 noch von dem unscharfen Begriff der „gemeinsamen Standards“ gesprochen hat. Damals stellte Do-FOSS bereits fest, dass es sich bei den gemeinsamen Standards um Offene Standards handeln müsse. Für Do-FOSS ist die Vereinbarung der Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030 damit Ausdruck eines gereiften Erkenntnisprozesses zur digitalen Zukunft der Verwaltung. Die Charta ist darüber hinaus im Hinblick auf die Bestrebungen zur Smart City Dortmund interessant und entfaltet für diesen Verwaltungsbereich ebenfalls eine bindende Wirkung.

Gemeinsam mit den Anforderungen des § 4 Abs. 3 des Gesetzes zur Förderung der elektronischen Verwaltung in Nordrhein-Westfalen E-Government-Gesetz NRW, in dem es heißt:

Werden an Bürgerinnen und Bürger oder Unternehmen Dateien übermittelt, sollen für diese offene und standardisierte Dateiformate genutzt werden.

hat die Stadt Dortmund damit die Zielsetzung einen umfassenden Ansatz für Offene Standards zu entwickeln. Während das E-Government-Gesetz vor allem auf die Kommunikation mit Bürgerinnen, Bürgern, und Unternehmen abzielt, schafft die Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030 eine darüber hinausgehende Zielvorstellung, welche die interne IKT-Ausrichtung mit einschließt.

In diesem Kontext sei auf die Dissertation Die staatliche Gewährleistungsverantwortung für offene Standards – Interoperabilität von Dateiformaten als Voraussetzung des E-Governments, Problem des Wettbewerbsrechts und telekommunikationsrechtliche Notwendigkeit des Juristen Dr. Felix Greve hingewiesen. Diese stellt eine umfassende Betrachtung Offener Standards aus rechtlicher Sicht dar und zeigt auf, warum ohne Offene Standards zentrale Problemstellungen des E-Governments unauflösbar sind.

Darüber hinaus hat die Open Source Business Alliance kürzlich die Handreichung Keine Digitalisierung ohne offene Standards herausgegeben in der Sie darlegt, dass Offene Standards mit Freien Refenzimplementierungen auch aus wirtschaftlicher Sicht erstrebenswert sind.

Do-FOSS freut sich über die Veröffentlichung der Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030 und den transparenten Umgang mit ihr als Referenzdokument. Insbesondere weist Do-FOSS auf die folgende Passage wegen des Bezugs zu Offenen Standards hin, empfiehlt aber das 5-seitige Dokument vollständig zu lesen.

Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030 – Auszug zu Offenen Standards

Interoperable und verlässliche IKT-Services

Eine zuverlässige Funktionsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechniken (IKT) sowie ausreichend vernetzte Infrastrukturen für kommunale Dienstleistungen werden – soweit möglich – sichergestellt. Für die Umsetzung des Vorsorgeprinzips werden neue Technologien und Anwendungen möglichst reversibel und abwärtskompatibel (d.h. mit älteren Geräten nutzbar) sowie mit offenen Schnittstellen und Standards ausgestattet. Dies trägt u.a. auch zur Vermeidung einseitiger Bindungen an Hersteller oder Technologien bei. [Hervorhebung durch d. Verf.] Technische Basis des zukünftig „smarten“ Dortmund bilden (nach und nach) neue hochgradig vernetzte IKT-Systeme. Dabei sind digitale Infrastrukturen – von der Verkehrsleitzentrale oder dem digitalen Rathaus bis zum Wasserwerk – neuen Bedrohungen ausgesetzt. Eine hohe Zuverlässigkeit und Störungsfreiheit kommunaler Dienstleistungen sowie die Notfallvorsorge werden daher bereits in der Planung nach dem Prinzip „Security by Design“ gewährleistet bzw. angestrebt. Für die Kommunikation der Rettungsdienste, die Trinkwasserversorgung, das Gesundheitswesen und weitere unverzichtbare Versorgungsdienste werden alternative Redundanzen vorgehalten.

Dokumente zum Herunterladen

Die Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030 kann hier heruntergeladen werden. Die Handreichung der Open Source Business Alliance zu Offenen Standards kann hier heruntergeladen werden.

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Für weitere Informationen zur Lizenz, siehe hier.

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Saturday, 09 December 2017

Masterplan Digitale Stadtverwaltung: Arbeitsgrundlage der AG Freie Software beleuchtet

Do-FOSS | 17:24, Saturday, 09 December 2017

Die Entwicklung zum Masterplan Digitale Stadtverwaltung

Masterplan Digitale Stadtverwaltung

Bild: Masterplan Digitale Stadtverwaltung

In dem Blogbeitrag Masterplan Digitale Stadtverwaltung: dosys. und Do-FOSS gemeinsam in der AG Freie Software berichtete Do-FOSS bereits darüber, dass die Stadt Dortmund gemeinsam mit Do-FOSS an dem Thema Freie Software arbeitet. Die Grundlage für diese gemeinsame Arbeit, der Masterplan Digitale Stadtverwaltung, wird in diesem Blogbeitrag genauer vorgestellt.

Wie Do-FOSS ebenfalls berichtete gab es zunächst einen Ratsbeschluss vom 07.07.2016 zur Erarbeitung eines Masterplans Digitales Dortmund. Aus diesem leitete sich auch die letzte Zielsetzung von Do-FOSS ab. An den Beschluss zur Erarbeitung des Masterplans Digitales Dortmund schloss sich die Ankündigung der Stadt zur Aufteilung des Masterplans in drei spezialisierte Masterpläne, u.a. in den Masterplan Digitale Stadtverwaltung, an. Im Folgenden stellt Do-FOSS die entsprechende Verwaltungsvorlage Masterplan Digitales Dortmund: Weiterentwicklung des Projektzuschnitts vom 04.04.2017 genauer vor, welche der Rat mit Datum vom 01.06.2017 beschlossen hat.

Begründung zur Aufteilung Masterplan Digitales Dortmund

In der Begründung des Ratsbeschlusses heißt es:

Durch den Beschluss vom 07.07.2016 hat der Rat der Stadt Dortmund die Erarbeitung eines Masterplans Digitales Dortmund beauftragt und die notwendigen Projektschritte definiert […]. Aufgrund der Komplexität war demnach eine Bearbeitung der fachlichen Handlungsfelder Zug um Zug vorgesehen. Dabei sollten die Handlungsfelder Wirtschaft, Bildung und Verwaltung zuerst behandelt werden. Die weiteren Handlungsfelder sollten danach betrachtet werden und von den Erkenntnissen der drei bereits bearbeiteten Handlungsfelder profitieren können. […]

Sowohl aufgrund der sich stark unterscheidenden Aufgabenportfolios als auch der im Bereich Digitale Stadtverwaltung zwingend zu berücksichtigenden Gesetzesänderungen sowie des im Bereich Digitale Bildung bereits in Kraft getretenen und zu erwartenden Förderengagements von Bund und Land ergibt es Sinn, die aktuellen Handlungsfelder Digitale Wirtschaft, Digitale Bildung und Digitale Stadtverwaltung gesondert voneinander zu betrachten und zu bearbeiten.

Diesem Ansatz folgend erarbeitet die Stadt Dortmund drei Masterpläne:

  1. Masterplan Digitale Wirtschaft
  2. Masterplan Digitale Bildung
  3. Masterplan Digitale Stadtverwaltung

Masterplan Digitale Stadtverwaltung – Einbettung von Do-FOSS

Ein Ziel des Masterplans Digitale Stadtverwaltung ist es Beteiligungsformate für die Stadtgesellschaft zu entwickeln. Über ein solches Format ist Do-FOSS als Bürgerinitiative in den Masterplan Digitale Stadtverwaltung durch die Arbeitsgruppe Freie Software, bestehend aus dem Dortmunder Systemhaus (dosys.), dem Personalrat der Stadt Dortmund und Do-FOSS, vertrauensvoll in die Erarbeitung des Masterplans eingebunden. Do-FOSS freut sich darüber, Freie Software für eine Offene IT-Architektur als Basis für Open-Government und Offene Standards für die Stadt Dortmund in die Diskussion über die Digitalisierung der Stadt mit einbringen zu können. Die Zielsetzung von Do-FOSS bleibt damit bestehen. Lediglich die Arbeitsstruktur von Do-FOSS ist durch die Arbeitsgruppe Freie Software ergebnisorientierter geworden und bietet über einen längerfristig ausgerichteten Dialog eine erweiterte Gestaltungsperspektive.

Do-FOSS erlebt die Entwicklung der Masterpläne als spannende Zeit, da in diesen Prozessen digitale Zukunftsweichen gestellt werden. Do-FOSS interessiert: Was erwarten Bürgerinnen und Bürger von ihrer digitalen Stadtverwaltung? Do-FOSS freut sich über Kommentare und Zuschriften zu dieser Fragestellung.

Masterplan Digitale Stadtverwaltung – Auszug des Beschlusses

Masterplan Digitale Stadtverwaltung

Im Masterplan Digitale Stadtverwaltung werden die maßgeblichen Rechtsgrundlagen wie das eGovernmentgesetz NRW und das Signaturgesetz darzustellen sein. Daneben werden die daraus resultierenden Handlungsinstrumente wie elektronische Vorgangsbearbeitung, digitale Signatur, ePayment ins Verhältnis zu den Anforderungen an die Verwaltung von Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und sonstigen Dritten als Ausfluss des gesellschaftlichen Prozesses des digitalen Wandels zu setzen sein.
Bereits jetzt können – ohne abschließende Verbindlichkeit- folgende Handlungsfelder identifiziert werden:

  • Services und eGovernment mit ePayment, eAkte, BürgerApp,
  • Open Government mit Open Data und freier Software, [Hervorhebung durch d. Verf.]
  • IT-Sicherheit,
  • Personal und Organisation,
  • Ressourcen mit Liegenschaften und Infrastrukturanforderungen sowie
  • Kommunikation, Marketing und Public Relations.

[…]

Mit Open Data werden Daten und Statistiken frei, aber ggf. mit vorgreifender Erläuterung und Interpretation verfügbar werden. Mit neuen und verbesserten digitalen Services stellt sich die Stadt Dortmund neu auf und stellt den Zugang der Dortmunderinnen und Dortmunder zu ihren Dienstleistungen und Produkten in vielen Bereichen völlig um. Hierbei ist vorab die Fragestellung zu prüfen, inwieweit und welche kommunalen Daten, die als ein Rohstoff des 21. Jahrhunderts gelten können, durch die Stadt Dortmund selbst oder gemeinsam mit Partnern im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge im Sinne einer erweitert zu definierenden Allgemeinwohlorientierung genutzt werden können. Die systematische Klassierung der Daten der Stadt ist hierfür unabdingbar. Digitalisierung geht mit einer zunehmenden Vernetzung von Daten einher. Für die Vernetzung der Daten ist ein zentrales und standardisiertes System erforderlich. Durch „Systemsharing“ können Synergieeffekte gehoben werden. Kooperationen sind deshalb nicht nur interkommunal, sondern auch mit anderen Unternehmen, Bürgern oder Hochschulen denkbar.

Infolgedessen wird auch eine neue Kommunikationsstrategie unumgänglich. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass eine proaktive Öffentlichkeitsarbeit erforderlich wird, da die Dortmunderinnen und Dortmunder neu und anders mit ihrer Stadtverwaltung kommunizieren werden.
[…]
Die Digitalisierung bedeutet für die Stadtverwaltung Dortmund nicht nur einen Standortvorteil in der Sache, dieser muss auch bekannt gemacht und beworben werden.
Hier wird sich eine Schnittstelle zur Wirtschaftsförderung […], zur Allianz Smart City Dortmund, zur Dortmund Agentur und zur Pressestelle ergeben. Zur Frage einer neuen Strategie der PR und der Öffentlichkeitsarbeit wird im o.g. Handlungsfeld Kommunikation genauso ein Vorschlag zu erarbeiten sein, wie auch die Kommunikation der Beschäftigten untereinander und nach außen zu beleuchten sein wird.

Wie ihre Verwaltung arbeitet, in welche Daten und Prozesse sie Einblick nehmen können und wo sie mitgestalten können, ist auch für die Dortmunderinnen und Dortmunder von Interesse. Im Masterplan Digitale Stadtverwaltung werden daher auch Beteiligungsformate für die Stadtgesellschaft entwickelt. [Hervorhebung durch d. Verf.]

Wie bisher auch wird der Masterplan Digitale Stadtverwaltung nicht nur eine Strategie zur effizienzsteigernden Digitalisierung entwickeln, sondern bereits auch während des Masterplanprozesses Projekte initialisieren. Themen wie die elektronische Vorgangsbearbeitung, ePayment, die sog. BürgerApp und Open Data sind so drängend, dass sie parallel zum Masterplanprozess zu entwickeln sind.

Damit verfolgt der Masterplan Digitale Stadtverwaltung Dortmund auch das Ziel, die Allianz Smart City zu unterstützen. Eine fortschrittlich digitale, also smarte Stadtverwaltung ist ein Element auf dem Weg zur Smart City und wird von der Allianz vorausgesetzt.

[…]

Die Verwaltung wird den zuständigen Fachausschüssen zur Konkretisierung und zum Sachstand regelmäßig berichten und im ersten Quartal 2018 einen Bericht über den Prozessstand vorlegen.

Masterpläne Digitale Bildung und Wirtschaft

In kommenden Blogposts wird Do-FOSS die Masterpläne

  • Masterplan Digitale Bildung
  • Masterplan Digitale Wirtschaft

jeweils kurz vorstellen und sieht regen Diskussionen um die zukünftige digitale Gesamtentwicklung unserer Stadt entgegen.

Dokumente zum Herunterladen

Der Ratsbeschluss der Stadt Dortmund vom 01.06.2017, kann hier heruntergeladen werden. Eine Zusammenstellung der Protokolle aus den zuarbeitenden Ausschüssen und vom Rat findet sich hier. Von Do-FOSS gesammelte Unterlagen zum Themenfeld „Masterplan Digitales Dortmund“ können hier eingesehen werden.

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Wednesday, 22 November 2017

Pressemitteilungen der Stadt Dortmund in Offenen Formaten

Do-FOSS | 20:57, Wednesday, 22 November 2017

Verwaltung befreit ihre Pressemitteilungen

Presseartikel

Bild: Presseartikel

In diesem Jahr hat die Stadt Dortmund ihren Internetauftritt vollständig überarbeitet und setzt nun auf ein Responsive Webdesign. Darüber hinaus hat Do-FOSS beobachtet, dass die Pressemitteilungen, welche die Stadt Dortmund auf presse.dortmund.de veröffentlicht, inzwischen überwiegend in Freien Dateiformaten veröffentlicht werden. Diese Entwicklung ist positiv hervorzuheben, da die Stadt Dortmund ihre Pressemitteilungen in der Vergangenheit im geschlossenen bzw. nicht offenen Word-Dokumenten-Format (Dateiendung „.doc“) der Firma Microsoft herausgegeben hat.

Dass Pressemitteilungen in Offenen Formaten veröffentlicht werden hält Do-FOSS für besonders wichtig, damit die Presse nicht in technische Abhängigkeiten gedrängt wird. Alle Presseaktiven – wie z.B. Journalisten und Bloggerinnen – sollten frei über die von ihnen eingesetzte Software und den damit verbundenen Datenschutz und Sicherheitsfragen entscheiden können. Freie Formate verhindern eine digitale Spaltung der Pressearbeit, da sie einen technikneutralen Zugang zu den Informationen ermöglichen.

Do-FOSS freut sich über die Entwicklung bei der Formatwahl bei der Stadt Dortmund und ist zuversichtlich, dass auch in Zukunft von Seiten der Stadt Dortmund auf Offene Formate gesetzt wird. Do-FOSS bedankt sich für die gute Zusammenarbeit mit The Document Foundation, welche Do-FOSS in dem Anliegen tatkräftig unterstützt hat. Den aktuellen Anlass nutzt Do-FOSS dazu die beiden von der Stadt Dortmund verwendeten Offenen Formate PDF und JPEG näher vorzustellen.

PDF

Das Portable Document Format Archive (PDF) ist ein von dem verwendeten Betriebssystem und der genutzten Anwendersoftware unabhängiges Format zum Dokumentenaustausch. Es wurde von der Adobe Systems Corporation entwickelt, um eine formatgetreue Darstellung unabhängig von spezifischer Hard- oder Software zu ermöglichen. Erreicht wird diese Plattformunabhängigkeit in erster Linie dadurch, dass alle Informationen – auch die binären Daten – innerhalb einer PDF-Datei im ASCII-Format codiert werden.
PDF wurde erstmals als das von Acrobat 1 primär verwendete Dateiformat veröffentlicht. Lange Zeit war das nicht editierbare PDF ein umfangreich durch gewerbliche Schutzrechte abgesichertes, jedoch von Adobe offen dokumentiertes Dateiformat. So ist es bereits anderen Softwareherstellern möglich gewesen, eigene Lösungen zu entwickeln, um Dokumente in das PDF zu übertragen sowie PDF-Dokumente mit eigenen Softwareangeboten darzustellen.
Das PDF wurde 2008 in diesem bereits offengelegten Umfang von der ISO standardisiert. Jedenfalls in der Form des ISO Standards PDF/A ISO 19005-1 handelt es sich beim PDF unstrittig um einen offenen Standard. Denn ab dieser Entwicklungsstufe werden die Spezifikationen unter Royalty-Free-Bedingungen [frei von wiederkehrenden Lizenzzahlungen — Anm. d. Verf.] veröffentlicht und in einer konsensorientierten Weise weiterentwickelt, sodass sie mittlerweile für alle Marktteilnehmer umsetzbar sind. Die Spezifikationen umfassen 1000 Seiten und können bei der ISO gegen eine einmalige Schutzgebühr erworben werden. Als nicht editierbares Dateiformat ist das PDF herstellerunabhängig verbreitet und plattformunabhängig implementiert. Einige Editiermöglichkeiten behält Adobe allerdings bis heute für sein proprietäres Adobe Acrobat vor.
Das PDF gilt mittlerweile als ausformuliert, große Innovationssprünge sind nicht mehr zu erwarten.

Die staatliche Gewährleistungsverantwortung für offene Standards, S. 373, Dr. Felix Greve, 2015

JPEG

JPEG ist die gebräuchliche Bezeichnung für die 1992 vorgestellte Norm ISO/IEC 10918-1 bzw. ITU-T Recommendation T.81, die verschiedene Methoden der Bildkompression beschreibt. Genau genommen bezeichnet JPEG dabei die hinter dem Standard stehende Gruppe von Herstellern und Experten, die Joint Photographic Experts Group. Zusammen mit […] dem [Format] GIF ist JPEG das heute am Weitesten verbreitete Verfahren zur Komprimierung von Bilddateien. Anders als GIF handelt es sich bei dem JPEG-Format allerdings um eine verlustbehaftete Komprimierungstechnik.
Nach den Aussagen der Joint Photographic Experts Group kommt der größte und wichtigste Beitrag für die Entwicklung des Dateiformats aus der Arbeit der Independent JPEG Group (IJG) und von Tom Lane, deren Freie Software Referenzimplementation maßgeblich zum Erfolg von JPEG beigetragen habe. Diese Freie Software konnte von vielen Firmen in deren Produkte, wie Bildeditoren oder Webbrowser integriert werden. Die Joint Photographic Experts Group realisiert dabei zwar die Bedeutung der Möglichkeit, die Kernelemente des Standards lizenzfrei zu implementieren, kann aber wegen des Gesamtzusammenschlusses von unterschiedlichen Herstellern und Technologien keine Garantie dafür übernehmen. Jedenfalls sind einige Erweiterungen nur unter einer (F)RAND Lizenz [1], also nicht royalty-free umsetzbar.

Die staatliche Gewährleistungsverantwortung für offene Standards, S. 382, Dr. Felix Greve, 2015

[1] (F)RAND

Die Abkürzung (F)RAND steht für ‚(Fair), Reasonable und Non-Discriminatory‘, was als ‚chancengleich, angemessen und nicht diskriminierend‘ übersetzt werden kann. Damit sollen auf der einen Seite Mitbewerber vor übertriebenen einseitig ausgestalteten Nutzungsbedingungen und vor allen Dingen vor überhöhten Lizenzzahlungen geschützt werden. Auf der anderen Seite sollen dem Eigentümer angemessene Lizenzvergütungen und anderweitige Vorteile verbleiben. Die Höhe der wiederkehrenden Zahlungen wird bei dieser Lizenzform zumeist von der Implementationsmenge und/oder den geplanten Einsatzgebieten abhängig gemacht.

Die staatliche Gewährleistungsverantwortung für offene Standards, S. 84, Dr. Felix Greve, 2015

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Tuesday, 10 October 2017

Smart City Dortmund

Do-FOSS | 22:30, Tuesday, 10 October 2017

Fachzeitschrift AKP mit dem Titelthema Smart City

Logo Allianz Smart City Dortmund

Bild: Allianz Smart City Dortmund (© Stadt Dortmund)

Im September ist eine neue Ausgabe der Fachzeitschrift für Alternative Kommunal Politik (AKP) mit dem Schwerpunkt Smart City erschienen. Von Do-FOSS konnte ein veranschaulichender Beitrag zur Betrachtung der Bedeutung von Freier Software im Kontext von Smart City eingebracht werden. Die Bestrebungen der Stadt Dortmund zur Smart City Dortmund zu werden, wurde in diesem Jahr bereits von den ver.di-Vertrauensleuten der Stadt Dortmund kritisch betrachtet.

Do-FOSS sieht den Ausgleich zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Interessen als zentrale Aufgabe in Bezug auf Smart City. Schließlich gestaltet Smart City den öffentlichen Raum, der auch digital öffentlich bleiben muss. Wie im Analogen muss die Stadt auch im Digitalen Garant für die Rechte ihrer Bürgerinnen und Bürger sein. Hierzu zählt z.B., dass niemand von der Anbindung an die Stadt Dortmund ausgeschlossen wird und das eingesetzte Endgeräte sowie Software selbst gewählt werden können. Auch muss garantiert sein, dass wir weiterhin unsere Stadt als unsere Lebensumgebung mitgestalten dürfen. Zudem werden ein starker Datenschutz und nachvollziehbare Teilnamebedingungen entscheidend für eine Zukunft sein, in der wir Vertrauen in unsere digitale Umgebung fassen können. Auch gehören eine Kontrolle über die eingesetzte Software und die Rückholbarkeit der Daten in die Hoheit der Stadt. Do-FOSS sieht es daher als essentiell an, dass Freie Software und Offene Standards die Grundbausteine für eine Smarte City sind.

Um diese Sicht zu vertreten, nimmt Do-FOSS auch an den Sitzungen des Expertenteams IT Plattformen und Bürgerservices teil. Als weiteren Schritt hierzu freut sich Do-FOSS den Artikel aus der AKP hier wiedergeben zu dürfen. Darüber hinaus möchte Do-FOSS auf die pasende Themenseite Smart Everything von Digitalcourage hinweisen.

Digitale Selbstbestimmung – Wem gehört die Software?

Auch die Stadt Dortmund strebt eine weitreichende Digitalisierung des öffentlichen Raums an. Welche Software dabei verwendet wird, hat weitreichende Folgen für das Zusammenleben der Menschen.

> Christian Nähle

Die Stadt Dortmund arbeitet derzeit an ihrer Position als Pilotprojektstadt Smart City und möchte in Europa eine Vorreiterrolle besetzen. Der sogenannte Dortmunder Weg könnte damit prägend in Europa sein. Projekte wie „Nordwärts“ und „Schaufenster Smart City“ sollen insbesondere den Norden Dortmunds zu einem Innovationslabor machen. Weniger offen wird dabei die Frage diskutiert, wer die Kontrolle über die Smart-City-Software und die von ihr generierten Daten haben wird.

Es besteht ein großes Interesse multinationaler Konzerne, mit unserer Dortmunder Verwaltung zu kooperieren. Dabei spielen öffentlich-rechtliche Fragen aber nur eine untergeordnete Rolle. Vorrangig suchen die WirtschaftsvertreterInnen in der Allianz Smart City Dortmund einen schnellen Marktzutritt, um als Dienstleister und Auftragnehmer die Digitalisierung des Gemeinwesens voran zu bringen. Die Stadtverwaltung unterliegt dagegen besonderen rechtlichen Rahmenbedingungen. WirtschaftsvertreterInnen dürfen öffentlich-rechtliche Grundsätze aber nicht durch Markt-Argumente wegwischen und ignorieren. Es muss zu einem breit angelegten Ausgleich der speziellen öffentlichen und privaten Interessen kommen. An dessen Ende sollte digitale Selbstbestimmung ein zentrales Element sein. Hierfür lohnt sich ein Blick auf Geschäftsmodelle am Softwaremarkt.

Freie Software

Eine Alternative zum weit verbreiteten proprietären Angebot ist Freie Software. Es ist ein gutes Zeichen, dass der Dortmunder Rat zur Wahrung der öffentlichen Interessen im Juni 2017 beschlossen hat, zumindest für sein Open Govern­ment-Programm Freie Software vorzusehen. Die Free Software Foundation Europe definiert deren Lizenz über vier Freiheiten:

1. das Programm für jeden Zweck auszuführen;

2. die Funktionsweise eines Programms zu untersuchen und es an seine Bedürfnisse anzupassen;

3. Kopien weiterzugeben und damit seinen Mitmenschen zu helfen;

4. ein Programm zu verbessern, und die Verbesserungen an die Öffentlichkeit weiterzugeben, sodass die gesamte Gesellschaft profitiert.

Proprietäre Software, ein bekanntes Prinzip

Um zu verstehen, weshalb Software mit proprietären – also herstellerspezifischen – Geschäftsmodellen im öffentlichen Raum so problematisch ist, hilft ein Blick in die Landwirtschaft: Unser Gemüse keimt heutzutage in der Regel aus sogenanntem Hybridsaatgut. Dadurch kann die erste Generation zum Beispiel überdurchschnittlich guten Ertrag liefern. Eine Kehrseite ist, dass das aus der Ernte gewonnene Saatgut von den Landwirten kaum verwendet werden kann und teilweise aufgrund von Lizenzbestimmungen auch nicht verwendet werden darf. In der Folge muss Saatgut erneut vom Saatgutproduzenten erworben werden, um zur nächsten Ernte gesunde Früchte zu bekommen. Auf diese Weise entsteht eine Abhängigkeit der Landwirte von den Herstellern.

Ein ähnlicher Effekt lässt sich im proprietären Softwaremarkt beobachten, dessen Geschäftsmodelle die Smart-City-Angebote der Wirtschaft dominieren. Auch hier wird Herstellerabhängigkeit durch das Verhindern der Weitergabe und Weiterentwicklung von Software erzeugt. Funktionen und zugrundeliegende Algorithmen sind in der Regel alles andere als transparent. Eigenschaften, die einer digitalen Selbstbestimmung im Wege stehen. Daher die Frage: Passen proprietäre Geschäftsmodelle zu einem demokratischen Gemeinwesen? Kaum.

Dokument zum Herunterladen

Der Artikel aus der AKP „Wem gehört die Software?“ kann hier heruntergeladen werden. Von Do-FOSS gesammelte Unterlagen zu „Smart City Dortmund“ können hier eingesehen werden.

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Tuesday, 26 September 2017

Public Money? Public Code! – Software als Gemeingut

Do-FOSS | 21:29, Tuesday, 26 September 2017

Do-FOSS unterstützt politische Kampagne der FSFE

Public Money? Public Code!

Public Money? Public Code! (CC-BY-SA 4.0 fsfe.org)

Warum wird durch Steuergelder finanzierte Software nicht als Freie Software veröffentlicht? Die Free Software Foundation Europe (FSFE) bringt diese Frage mittels der politischen Kampagne Public Money? Public Code! stärker ins öffentliche Bewusstsein – speziell richtet sich die Öffentlichkeitsarbeit der FSFE an politische Entscheidungsträgerinnen und -träger. Die FSFE führt zur Begründung der Kamapgne an:

Wir wollen rechtliche Grundlagen, die es erfordern, dass mit öffentlichen Geldern für öffentliche Verwaltungen entwickelte Software unter einer Freie-Software- und Open-Source Lizenz veröffentlicht wird. Wenn es sich um öffentliche Gelder handelt, sollte auch der Code öffentlich sein!

Von allen bezahlter Code sollte für alle verfügbar sein!

Der Kerngedanke der Initiative ist daher, dass öffentlich finanzierte Software auch im öffentlichen Eigentum sein sollte, d.h. als Gemeingut behandelt wird. Eigenschaften von Freier Software wie Technikneutralität, eine hohe Datenschutzfreundlichkeit, Transparenz, organisatorische Flexibilität und Vertrauen spielen im Verwaltungsumfeld eine außerordentlich wichtige Rolle. Schließlich muss der öffentliche Raum für alle Bürgerinnen und Bürger mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen annehmbar sein. Es handelt sich hier, um unser gemeinsames Umfeld, in dem wir leben. Dieses sollten wir gemeinsam und frei gestalten sowie verstehen dürfen.

Das Kampagnenvideo zu Pulic Money? Public Code! veranschaulicht die Beweggründe für die Kampagne und zeigt die Probleme bei der Nutzung von proprietärer Software im Behördenumfeld auf.


<video class="wp-video-shortcode" controls="controls" height="360" id="video-2059-1" preload="metadata" width="640"><source src="https://download.fsfe.org/videos/pmpc/pmpc_de_desktop.webm?_=1" type="video/webm">https://download.fsfe.org/videos/pmpc/pmpc_de_desktop.webm</video>
<figcaption>Public Money? Public Code! – Klingt kompliziert? Nein, es ist super einfach!</figcaption>

Weitere Argumente sind auf der seit dem 13.09.2017 zugänglichen Kampagnenseite dargestellt. Do-FOSS unterstützt die Initiative der FSFE und freut sich darüber mit so vielen großartigen Organisationen gemeinsam an dieser politischen Perspektive zu arbeiten. Der zur Kampagne gehörende offene Brief kann von Einzelpersonen unterzeichnet werden. Um sich als Organisation an dem Aufruf zu beteiligen ist eine Kontaktaufnahme an die FSFE per E-Mail erforderlich.

Public Money? Public Code! – Offener Brief

<h>Offener Brief

Öffentlich finanzierte Software muss Freie Software/Open Source sein. Es gibt zwar viele triftige Gründe dafür, aber viele Politiker sind sich der Bedeutung von Software noch nicht vollends bewusst.

Freie Software gibt allen das Recht, Programme für jeden Zweck zu verwenden, zu verstehen, zu verbreiten und zu verbessern. Diese Freiheiten stärken andere Grundrechte wie die Redefreiheit, die Pressefreiheit und das Recht auf Privatsphäre.

Die von unseren öffentlichen Verwaltungen angebotenen und genutzten digitalen Dienste sind die kritische Infrastruktur demokratischer Nationen des 21. Jahrhunderts. Um vertrauenswürdige Systeme zu etablieren, müssen öffentliche Stellen sicherstellen, dass sie die vollständige Kontrolle über die Software und die Computersysteme im Kern unserer staatlichen digitalen Infrastruktur haben. Doch im Moment ist dies aufgrund restriktiver Softwarelizenzen nur selten der Fall. Diese Softwarelizenzen:

  • Untersagen die Weitergabe und den Austausch von öffentlich finanziertem Code. Dies verhindert Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Verwaltungen und behindert die weitere Entwicklung.
  • Fördern Monopole, indem sie den Wettbewerb behindern. Infolgedessen werden viele Verwaltungen von einer Handvoll Unternehmen abhängig.
  • Stellen eine Bedrohung für die Sicherheit unserer digitalen Infrastruktur dar, indem sie den Zugriff auf den Quellcode verbieten. Dies macht das Beheben von Hintertüren und Sicherheitslöchern extrem schwierig, wenn nicht gar unmöglich.

Wir brauchen Software, die den Austausch guter Ideen und Lösungen fördert. So können wir die IT-Dienste für Menschen überall in Europa verbessern. Wir brauchen Software, die Wahlfreiheit, Zugang und Wettbewerb garantiert. Wir brauchen Software, mit der öffentliche Verwaltungen die volle Kontrolle über ihre kritische digitale Infrastruktur zurückgewinnen und von einigen wenigen Unternehmen unabhängig werden und bleiben können. Deshalb rufen wir unsere Abgeordneten dazu auf, Freie Software/Open Source in öffentlichen Verwaltungen zu unterstützen, weil:

  • Freie Software/Open Source ein modernes öffentliches Gut ist, das es jedermann erlaubt, Anwendungen, die wir täglich einsetzen, frei zu verwenden, zu verstehen, zu teilen und zu verbessern.
  • Freie-Software- und Open-Source-Lizenzen Schutz vor einer Beschränkung auf Dienstleistungen bestimmter Unternehmen bieten, welche restriktive Lizenzen verwenden, um den Wettbewerb zu behindern.
  • Freie Software/Open Source sicherstellt, dass der Quellcode zugänglich ist, so dass Hintertüren und Sicherheitslücken behoben werden können, ohne von einem bestimmten Dienstleister abhängig zu sein.

Öffentliche Einrichtungen werden durch Steuern finanziert. Sie müssen sicherstellen, dass sie die Mittel so effizient wie möglich ausgeben. Wenn es sich um öffentliche Gelder handelt, sollte auch der Code öffentlich sein!

Deshalb rufen wir, die Unterzeichnerinnen, unsere Abgeordneten auf:

„Sorgen Sie für rechtliche Grundlagen, die es erfordern, dass öffentlich finanzierte Software, die für die öffentliche Verwaltung entwickelt wurde, unter einer Freie-Software- und Open-Source-Lizenz öffentlich zugänglich gemacht werden muss.“

Der offene Brief kann hier unterzeichnet werden.

Berichterstattung: Public Money? Public Code!

Do-FOSS weist an dieser Stelle auf eine ausgewählte Berichterstattung zu Public Money? Public Code! vom Tag des Kampagnenstarts, dem 13.09.2017, hin:

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Friday, 22 September 2017

Freie Software auf den Fellbacher Weltwochen

Deutsch on Björn Schießle - I came for the code but stayed for the freedom | 20:44, Friday, 22 September 2017

Am 20. Oktober werde ich auf den Fellbacher Weltwochen zum Thema Freie Software sprechen. Der Titel meines Vortrags lautet “Digitale Abhängigkeit vermeiden - Mit Freier Software für gute Bildung und eine starke und unabhängigen Wirtschaft sorgen” und darum geht es:

Software ist heute aus dem Alltag nicht mehr weg zu denken. Laut einer Studie interagieren wir im Schnitt mehr als 300 mal am Tag mit Software. Damit nimmt Software eine Schlüsselrolle in unserem Leben ein. Sie entscheidet über unsere Möglichkeiten am kulturellen Leben teilzunehmen, über unsere Bildung und unsere Möglichkeiten am Arbeitsmarkt. Proprietäre Software, also Software welche als eine Art Black-Box ausgeliefert wird, macht es unmöglich diese zu verstehen und eigene Lösungen darauf aufzubauen. Niemand außer dem Hersteller, welcher in der Regel aus einem reichen westlichen Land kommt, ist in der Lage Fehler zu beheben oder die Software an lokale Gegebenheiten anzupassen. Mit dem Export dieser Software in wirtschaftlich schwächere Länder laufen wir Gefahr neue, diesmal digitale, Kolonien zu errichten indem wir den Menschen zwar auf den ersten Blick nützliche Werkzeuge in die Hand geben, sie aber gleichzeitig abhängig von wenigen großen Unternehmen machen. Damit nehmen wir den Menschen jegliche Möglichkeit diese neue Kulturtechnik zu verstehen und für sich zu nutzen. Freie Software, also Software die jeder verwenden, studieren, anpassen und weitergeben kann, bietet hier einen Ausweg. Mit Freier Software exportieren wir nicht nur Werkzeuge sondern Wissen, was die Basis für gute Bildung, Unabhängigkeit und nicht zuletzt für eine starke lokale Wirtschaft bildet.

Für alle die nicht vorbeischauen können und zum nachlesen, habe ich hier schon mal meine Präsentation:


(Dieser Artikel enthält eine Präsentation, hier zu sehen.)

Interessant? Dann freue ich mich auf euren Besuch und spannende Diskussionen am 20. Oktober in der Volkshochschule Fellbach, Theodor-Heuss-Str. 18, im Raum Nummer 07. Einlass 18:30 Uhr.

Tags: #FreeSoftware #fsfe #slides

Thursday, 24 August 2017

Masterplan Digitale Stadtverwaltung: dosys. und Do-FOSS gemeinsam in der AG Freie Software

Do-FOSS | 21:03, Thursday, 24 August 2017

Gemeinsame Strategieentwicklung zur Reduzierung der Monopolstellungen von Softwareanbietern

AG Freie Software

Bild: AG Freie Software

In den vergangenen Monaten haben verschiedene Gespräche zwischen der Stadt Dortmund und Do-FOSS stattgefunden. In diesen Gesprächen konnte Do-FOSS einige Mitarbeiter der Stadt persönlich kennen lernen und es hat sich ein Dialog mit positivem Ausblick für die Zukunft entwickelt. Vor allem konnte Do-FOSS viel Vertrauen in Mitarbeiter des Dortmunder Systemhauses (dosys.) aufbauen. Do-FOSS ist in den Gesprächen hochengagierten Beschäftigten begegnet, die in der Frage nach digitaler kommunaler Selbstbestimmung das Potenzial Freier Software für die städtischen Prozesse nutzen möchten.

Die Ernsthaftigkeit dieses Bestrebens unterstreicht die Stadt Dortmund durch die Gründung der Arbeitsgruppe Freie Software im Rahmen des Masterplans Digitale Stadtverwaltung. Die Stadt Dortmund setzt damit die Zusage von Herrn Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Frau Stadträtin Diane Jägers um, Freie Software im Rahmen des Masterplans zu behandeln. Die ersten Zwischenergebnisse der Arbeitsgruppe Freie Software werden im Rahmen des Masterplans Digitale Stadtverwaltung dem Rat 2018 öffentlich zur Verfügung gestellt werden, womit die Stadtverwaltung aus Sicht von Do-FOSS ihrer politischen Rechenschaftspflicht nachkommt.

Darüber hinaus erlebt Do-FOSS die Stadt bürgernah, indem sie Do-FOSS in die Arbeitsgruppe Freie Software und damit in den Prozess des Masterplans fest einbindet. Do-FOSS freut sich über das hohe Maß an Dialogbereitschaft und Dialogfähigkeit der Stadt Dortmund. Damit hat sich die Wahrnehmung von Do-FOSS im Rahmen der Diskussion um das Zentrale Softwareverzeichnis ins Positive gewandelt. Die Mitarbeiter der Stadt konnten in diesem Zusammenhang darlegen, dass Herstellerabhängigkeit auch innerhalb der Verwaltung bereits als Problem erkannt wurde. Do-FOSS ist zuversichtlich, mit dem dosys. in Fragen der Herstellerabhängigkeit in eine gemeinsame Richtung zu denken. Außerdem wird in der Arbeitsgruppe Freie Software eine Evaluation von Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung von Softwareschnittstellen durchgeführt werden. In Zukunft möchte Do-FOSS dazu beitragen, Abhängigkeitsstrukturen weiter zu durchdringen und bestehende Strategien zur Auflösung monopolistischer Strukturen durch die Berücksichtigung von Offenen Schnittstellen (Offene Standards) und Freier Software weiterzuentwickeln. Zunächst wird sich die Arbeitsgruppe dafür einen Überblick über die zurzeit eingesetzte Freie Software verschaffen.

In den Vorgesprächen um die Arbeitsgruppe Freie Software hat Do-FOSS die öffentlich-rechtlichen Rahmenbedingungen für den behördlichen Software-Einsatz kritisiert. Dies beinhaltet insbesondere das Vergaberecht. Auf diesen Kritikpunkt aufmerksam gemacht, überprüfte das dosys. die geltende Rechtslage. Die bisherigen Vergaben folgten nach Prüfung des dosys. demnach den öffentlich-rechtlichen Rahmenbedingungen und wurden im Vergabeprozess zudem zu großen Teilen durch das Rechnungsprüfungsamt hinsichtlich ihrer Rechtmäßigkeit überprüft. Tiefergehende Kritik am Vergabewesen ist daher insbesondere auf einer höheren rechtlichen Ebene als der kommunalen anzusiedeln.

Für Do-FOSS stellt sich aber auch die Frage, wo Kompromisse eingegangen werden müssen, da das von Do-FOSS angestrebte Ziel einer Freien-Software-Verwaltung nicht ohne Umwege zu erreichen ist. Daher wird es in der Praxis auch darum gehen, die Erwartungshaltung an dieses komplexe Thema zu managen. Zudem erlauben die Rahmenbedingungen einer Verwaltung, die am offenen Herzen operiert werden soll, keinen Stillstand der Verwaltung. Nicht nur die Dienstleistungen der Verwaltung müssen permanent hochverfügbar sein. Auch darf sich die Verwaltung technisch nicht von der Außenwelt isolieren und sie sollte nicht von technologischen Entwicklungen ausgeschlossen werden. Ferner geht es für die kommunalen Beschäftigten darum, gute digitale Arbeitsmöglichkeiten zu erhalten. Diese groben Betrachtungen legen bereits nahe, dass eine Weiterentwicklung der Softwareausrichtung ein Spagat bedeutet, der klug vorbereitet und umgesetzt sein muss.

Insoweit scheint das Kriterium Strategieenwicklung zur Reduzierung der Monopolstellungen von Softwareanbietern der Polarstern im gemeinsamen Dialog zwischen dem dosys. und Do-FOSS zu sein. Do-FOSS freut sich über diesen Dialog und möchte zukünftig einen gemeinsamen Lernprozess vertrauensvoll und konstruktiv gestalten, um in der Sache etwas zu bewegen. Der Blick von Do-FOSS ist nach vorne gewandt.

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Sunday, 23 July 2017

Das Europäische Parlament und/über Produktlebenszyklen & Software Obsoleszenz

Deutscher Planet – Dreierlei | 12:18, Sunday, 23 July 2017

Zusammenfassung: Das Europäische Parlament hat mit 95% der Stimmen am 4.Juli eine “Entschließung” verabschiedet, in der es kurzgefasst eine “längere Lebensdauer für Produkte” fordert. Da die Lebensdauer elektronischer Produkte unweigerlich mit der verwendeten Software, deren Anpassbarkeit sowie Reparatur- und Updatepolitiken zusammenhängt, besteht in diesen Forderungen eine Chance, Freie Software über einen Verbraucherschutz-orientierten Diskurs zu fördern: Freie Software als ein Kernstück digitaler Nachhaltigkeit.

Bei einer “Entschließung” des Europäischen Parlaments (EP) handelt es sich um keine verbindlichen Vorgaben, viel mehr um eine Willenserklärung. Dennoch lässt die soeben verabschiedete Entschließung des EP aufhorchen. Denn sie fordert eine längere Lebensdauer von Produkten und stellt dabei klar, dass die Langlebigkeit elektronischer Produkte nicht nur von der Hard- sondern auch von der Software abhängt. Und auch wenn diese Entschließung teilweise noch konkrete Maßnahmen vermissen lässt, hält damit Einzug ins EP, was bereits seit längerem auf der Agenda von verschiedenen zivilgesellschaftlichen Institutionen und Forschungseinreichtungen steht: dass eine digitale Nachhaltigkeit und die Nachhaltigkeit elektronischer Produkte eine Anpassbarkeit der Software bedingt.
Anpassbarkeit ist eine Grundeigeschaft Freier Software und damit ergibt sich hierin eine Chance, das Thema aufzugreifen und Freie Software auch in einen Verbraucherschutz-orientierten Diskurs einzubringen.

Reparatur und Handwerk

In der Entschließung des EP wird festgehalten:

“dass elektronische Geräte angesichts der Tatsache, dass Software immer schneller obsolet wird, unbedingt anpassbar sein müssen, damit sie auf dem Markt wettbewerbsfähig bleiben;”

sowie

“dass unbedingt die Möglichkeit gewährleistet sein sollte, Produkte von unabhängigen Anbietern reparieren zu lassen, und dass daher beispielsweise technischen Lösungen, Sicherheitsvorkehrungen und Softwarelösungen entgegengewirkt werden sollte, die dazu führen, dass Reparaturen nur von zugelassenen Unternehmen oder Stellen ausgeführt werden können;”

Beide Forderungen sind nicht nur im Sinne der Nachhaltigkeit immens wichtig, sondern auch um Monopolstellungen auf gesunde Weise einen Riegel vorzuschieben. In den letzten Jahren ist leider immer häufiger zu beobachten, wie etablierte Produzenten elektronischer Produkte dazu übergehen, die verbaute Hardware und verwendete Software immer unzugänglicher zu gestalten um Reparaturleistungen oder Anpassungen nur noch bei sich selbst oder mit zertifzierten Vertragspartnern zu ermöglichen. Diese Maßnahmen dienen dazu den Sektor lokaler und handwerklicher Dienstleistungen möglichst zu unterbinden und so eine eigene Monopolstellung zu festigen. Die Gesellschaft leidet hierbei doppelt, sowohl die Verbraucher als auch die lokale Wirtschaft.

Für das Thema Freie Software ist dabei der springende Punkt, dass immer mehr Reparaturleistungen und Anpassungen auch die Anpassung der zum Betrieb verwendeten Software erfordert. Und während erst der verschlossene Code einem Hersteller exakt die hier vom EP angeprangerten monopolartigen Dienstleistungsangebote ermöglicht, unterstützt die Offenheit Freier Software hingegen den lokalen IT- und Reparaturmarkt. Je weiter diese Erkenntnis in den Köpfen der Verbraucherschützer sowie Entscheidungsträger reift, desto mehr Unterstützung werden weitere Forderungen nach der Verwendung offener Standards und Freier Software auf politischer Ebene vermutlich auch in anderen Zusammenhängen erfahren können.

Software-Obsoleszenz

Vielversprechend klingen auch die Forderungen dazu, einer geplanten Software-Obsoleszenz entgegenzutreten. Dazu beleuchtet das EP insbesondere die fragwürdigen Update-Politiken mancher Hersteller, die dazu führen können, dass manch Produkt nach einem Update der Software an Funktionsfähigkeit verliert. Sei es zum Beispiel indem das Produkt danach unerträglich langsam wird oder nicht länger mit anderen Anwendungen kompatibel ist.

Darum fordert das EP:

“[…] die Hersteller auf, klare Informationen darüber bereitzustellen, inwiefern Software-Aktualisierungen und andere Aktualisierungen mit den eingebetteten Betriebssystemen, die den Verbrauchern zur Verfügung gestellt werden, kompatibel sind;”

sowie

“dass bei derartigen Aktualisierungen erläutert werden muss, wie sie sich auf den Betrieb des Geräts auswirken, und dass neue essenzielle Software mit der vorausgehenden Generation der Software kompatibel sein muss;”

und

“dass die Möglichkeit bestehen muss, essenzielle Software-Aktualisierungen rückgängig zu machen,”

Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen fordert das EP:

“die Kommission auf, in Konsultation mit Verbraucherverbänden, Herstellern und anderen Interessenträgern einen Vorschlag für eine EU-weit geltende Definition des Begriffs „geplante Obsoleszenz“ für materielle Güter und Software vorzulegen; fordert die Kommission ferner auf, gemeinsam mit den Marktüberwachungsbehörden die Einrichtung eines unabhängigen Systems zu prüfen, mit dem getestet werden könnte, ob Produkte geplante Obsoleszenz aufweisen; fordert in dieser Hinsicht, dass Hinweisgeber auf rechtlicher Ebene besser geschützt werden und in Bezug auf die Hersteller abschreckende Maßnahmen getroffen werden;”

Nach dem Umweltbundesamt anerkennt mit dieser Entschließung nun auch das Europäische Parlament eine geplante Osoleszenz durch Software.

Wenn es auch leider keine Erwähnung in der Entschließung des EP gefunden hat, ist offensichtlich, dass die Verwendung Freier Software einen möglichen Ausstieg aus geplanter Obsoleszenz bietet. Durch Herstellerunabhängigkeit und der Entkopplung von einer Produktbindung oder anderen DRM-Maßnahmen, kann die Verwendung Freier Software den meisten Probleme duch seine eigenen spezifischen Eigenschaften entgegentreten. Denn Updatefreiheit, Informationsbereitstellung sowie Abwärtskompatibilität sind häufig wesentliche Elemente Freier Software.

Geplante Software-Obsoleszenz und ihre Auswirkungen auf Produktlebenszyklen sind neben den staatlichen Akteuren auch Gegenstand aktueller Diskussionen zivilgesellschaftlicher Organisationen wie dem Runder Tisch Reparatur – unter anderem ein Zusammenschluß von Verbraucherzentralen, Umweltverbänden und Reparatur-Initiativen. Die dort ansässige AG Software Obsoleszenz erarbeitet aktuell ein Papier, dass aller Voraussicht nach noch ein paar Schritte weitergehen wird als die Entschließung des EP und insbesondere auch die Bedeutung offener Technologien hervorheben wird. Wünschenswert wäre die konkrete Forderung nach der Unterstützung offener Standards bei Datenformaten wie auch eine Unterstützung sparsamer Datenformate, die Bereitstellung von offenen Programmierschnittstellen sowie den Einsatz von Freien-Software-Lösungen zur Förderung der Herstellerunabhängigkeit und Nutzerautonomie.

Wichtige Schritte in Richtung einer digitalen Nachhaltigkeit

Die Themen Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit sind Themen die uns seit der Industrialiserung begleiten und fortan begleiten werden. Inzwischen scheint die Zeit gekommen, diese Themen auch in Bezug auf Software zu durchdenken. Und auch wenn die Entschließung des EP keine rechlichen Konsequenzen hat, wird eine Strahlwirkung davon auf verschiedene gesellschaftliche Akteure ausgehen. Um auf den fahrenden Zug aufzuspringen und die Bedeutung Freier Software für dieses Thema hervorzuheben, sollten wir uns als Freie-Software-Community weiter in diesen Diskurs einbringen. Digitale Nachhaltigkeit bietet eine große Chance, die Bedeutung Freier Software in einen Verbraucherschutz-orientierten Diskurs einzubringen und damit neue Allianzen zur Förderung Freier Software zu schmieden.

Des weiteren sollte meines Erachtens nach auch unabhängig von konkreten Produktlebenszyklen die (geplante) Obsoleszenz von Software selbst verstärkt in den Fokus rücken. Verschlossener Code, der zum Beispiel nicht länger weiterentwickelt wird oder dessen Support endet, ist letztendlich die geplante Obsoleszenz eines Software-Programmes. Auch die Verwendung proprietärer Standards sowie DRM-Maßnahmen und eine daraus entstehende fortschreitende Inkompatibilität zu anderer Software führt zu einer Obsoleszenz von Software. Diese und weitere Aspekte der digitalen Nachhaltigkeit sowie der Vorteile Freier Software habe ich für das Umweltbundesamt im Fachgespräch „Nachhaltige Software“ (S.29 ff.) beleuchtet.

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Friday, 21 July 2017

Bundesregierung so: Freie Software Vielfalt und dessen strategische Vorteile nutzen

Deutscher Planet – Dreierlei | 08:34, Friday, 21 July 2017

Ich habe gerade die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Korte, Dr. Petra Sitte, Frank Tempel, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. – Drucksache 18/12698 – überflogen. Aus Sicherheitsgründen ist die Antwort leider stark gekürzt. Aber die Antwort auf die Frage nach dem Einsatz Freier-Software-Betriebssysteme im Sinne der IT-Sicherheit ist so schön, dass ich sie hier im Volltext zitieren möchte:

11. Welche Auswirkungen auf die IT-Sicherheit hat nach Auffassung der Bundesregierung der Einsatz von Open-Source-Betriebssystemen?

Ein zentraler Aspekt innerhalb der IT-Strategie des Bundes ist es, Monokulturen zu vermeiden, weil diese leichter angreifbar und daher sicherheitstechnisch bedenklich sind. Zudem ermöglicht eine gewisse Software-Vielfalt eine Hersteller-Unabhängigkeit, verhindert die Bildung von Monopolen und schützt vor den damit verbundenen negativen finanziellen Auswirkungen.

Der Einsatz von Freier Software ist mit technischen und strategischen Vorteilen verbunden, die durch die Eigenschaften Freier Software wirksam werden, und zwar vorrangig bei Einsatz, Lernen, Erweitern, Verteilen. Beim Einsatz der Freien Software sind folgende technische Aspekte hinsichtlich der IT-Sicherheit besonders wichtig:

  • Warnmeldungen über bei Sicherheitsprüfungen gefundene Fehler können veröffentlicht werden, weil es kein Non Disclosure Agreement (NDA; Geheimhaltungsvereinbarung) gibt. Der Anwender kann so bei Sicherheitslücken schnell informiert werden und Gegenmaßnahmen ergreifen.
  • Die Prüfung von Software auf Sicherheitslücken sollte immer möglich sein. Beim Einsatz von Software kann dies ein K.O.-Kriterium sein. Beim Vergleich zwischen herstellerabhängiger und freier Software steht Vertrauen versus Wissen.

Zu den Vorteilen zählt unter anderem die Software-Vielfalt, aber auch die Herstellerunabhängigkeit. Um die Kommunikation von Software-Komponenten untereinander und mit anderen Systemen zu gewährleisten, ist die Verwendung offener Standards und Schnittstellen unabdingbar.

Herstellerunabhängigkeit sowie die Verwendung offener Standards bieten eine gute Basis für IT-Sicherheit. Sicherheit ist jedoch ein Prozess. Um IT-Sicherheit erhalten zu können, müssen die Verantwortlichen das System genau kennen, regelmäßig warten und Sicherheitslücken schnell beheben.

Der Einsatz Freier Software bietet daher per se keine Gewähr für ein sicheres System. Er bietet in diesem Prozess jedoch strategische Vorteile.

Doch ständig lockt das Windows XP

Erschreckend jedoch, an anderer Stelle im gleichen Dokument (Frage 5 über die Kosten für Support- und Wartungsverträge der Betriebssysteme) wieder mal lesen zu müssen, dass immer noch Windows XP im Einsatz ist:

“Teilweise bestehen Support-/Wartungsverträge für ältere Betriebssysteme (Windows XP/NT).”

Peklo (Raspenava), kopec z pozadí Microsoft Windows XP

Ich habe zu dem Thema Einsatz von Windows XP auch eine IFG-Anfrage an das Bundesverteidigungsministerium gestellt, da es nach Aussage von Andrea Voßhoff noch etwa 12.000 Rechner mit Windows XP als Betriebssystem betreibt.

Frage doch mal deine Verwaltung, was diese eigentlich für Software im Einsatz oder in der Entwicklung hat.

Sunday, 16 July 2017

Inside ver.di – Digitalisierung aller Lebensbereiche wird immer konkreter

Do-FOSS | 14:47, Sunday, 16 July 2017

Was bestimmen wir, was die Konzerne?

Vor dem Hintergrund Smart City befasst sich ver.di Dortmund mit dem Thema Digitalisierung und bringt eine Extra-Ausgabe der Inside (Juli 2017), der ver.di-Zeitung für Beschäftigte der Stadt Dortmund, heraus. Mit einem Beitrag engagieren sich die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter der Verwaltung für eine Diskussion um die digitale Zukunft der Stadt Dortmund. Besonders wird die Frage aufgeworfen, wo die Gestaltungsmacht der Software liegt. Liegt die Gestaltungsmacht in den Händen der demokratischen Stadtgesellschaft oder in den Händen von global agierenden Konzernen, auf die kaum demokratischer Einfluss zu nehmen ist?

Die Vertrauensleute haben sich bereits in der Vergangenheit mit der Frage digitaler Selbstbestimmung befasst. Hieraus resultierte auch ein Beitrag für eine Inside. Do-FOSS freut sich über dieses anhaltende Engagement aus den Reihen der Stadt Dortmund und gibt den Titelbeitrag der aktuellen Inside im Folgenden gerne wieder. Darüber hinaus beinhaltet die Inside auch das Berliner Manifest: öffentliche Dienste 2.0 – Die Daseinsvorsorge in der Informationsgesellschaft stärken und die gewerkschaftliche Erklärung Gute Arbeit in Zeiten des digitalen Umbruchs! als Grundbausteine für eine informierte Debatte.

Beitrag in der Inside ver.di

Warum geht die Digitalisierung nicht nur „PC-Freaks“ etwas an?
Digitalisierung aller Lebensbereiche wird immer konkreter – was bestimmen wir, was die Konzerne?

Es geht voran mit der Digitalisierung aller Lebensbereiche. Als ver.di-Gewerkschafter*innen wollen wir für die laufende und zukünftige Digitalisierung sensibilisieren – allerdings ohne uns zu sehr in technischen Fragen zu verlaufen.
Wir wollen die Digitalisierung nicht unnötig verfachlichen. Die aus der Digitalisierung entstehende gesellschaftliche Dynamik geht uns alle an. Deshalb gilt es – nicht nur für uns als Gewerkschaft – einen Diskussionsprozess zu der Digitalisierung zu gestalten, der möglichst breit angelegt ist.

Die Digitalisierung hat nicht nur einen Einfluss darauf, wie effizient wir Informationen maschinell verarbeiten. Die Digitalisierung erzeugt eine gesellschaftliche Umwälzung von revolutionärem Ausmaß. Wir sind gut beraten, Fragestellungen und Anforderungen zu entwickeln, anhand derer wir die Digitalisierung gesamtgesellschaftlich nutzbringend gestalten können. Wie sich beispielsweise in einem anderen Themenfeld (Globalisierung) rückblickend klar zeigt, haben wir dort zu viel auf Effizienz und zu wenig auf Verteilungsfragen gesetzt. Was können wir hieraus lernen? Wie können wir Gestaltungs- und Verteilungsfragen besser in den Diskurs um die Digitalisierung einbinden, damit Effizienz nicht wieder über allem steht? Wie können wir erreichen, dass Technik dem Menschen und dem Zusammenleben dient? Dass Nutzer*innen nicht als Datenlieferanten missbraucht und als Konsument*innen ausgenutzt werden?

Von gesellschaftlichen Akteuren wird unter dem Begriff „Smart City“ eine weitreichende Digitalisierung des öffentlichen Raums geplant und realisiert. Weniger offen wird dabei die Frage diskutiert, wer die Kontrolle über die Smart-City-Software und die von ihr generierten Daten haben wird. Wenn wir unser Lebensumfeld im Sinne einer Smart City mit Sensoren und Überwachungstechnik zur Datenerzeugung ausrüsten, stellt sich nicht nur die Frage, wer über Funktionen und Daten verfügen darf. Es stellen sich zugespitzt auch Fragen wie: Verändern sich unsere privaten und beruflichen Beziehungen angesichts eines umfassenden Überwachungspotenzials? Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen sind durch vermehrte Kontrollen zu erwarten?

Die Stadt Dortmund arbeitet derzeit an ihrer Position als Pilotprojektstadt Smart City und möchte in Europa eine Vorreiterrolle besetzen. Der „Dortmunder Weg“ könnte damit prägend für Europa sein. Es besteht ein großes multinationales Unternehmens- und Konzerninteresse mit unserer Dortmunder Verwaltung zu kooperieren. Wie Unternehmensvertreter der Allianz Smart City Dortmund aufgezeigt haben, sind öffentlich-rechtliche Fragen nicht zwangsläufig im Interesse von Unternehmen. Vorrangig suchen die in der Allianz vertretenen Wirtschaftsteilnehmer einen schnellen Marktzutritt, um als Dienstleister (Auftragnehmer) die Digitalisierung unseres Gemeinwesens voran zu bringen. Dass eine Stadtverwaltung aber kein Unternehmen wie jedes andere Unternehmen ist und besonderen rechtlichen Rahmenbedingungen unterliegt, tritt hinter dem Bestreben, neue Märkte besiedeln zu können, in den Hintergrund. Unternehmen dürfen aber öffentlich-rechtliche Grundsätze nicht durch einseitige Argumente wegwischen und ignorieren. Es muss zu einem breit angelegten Ausgleich der speziellen öffentlichen und privaten Interessen kommen. In diesem Zusammenhang begrüßen wir, dass der Dortmunder Rat zur Wahrung der öffentlichen Interessen mit Datum vom 01.06.2017 bereits beschlossen hat, Freie Software für die Realisierung von Open Government vorzusehen. [Hervorhebung durch d. Verf.]

Dokumente zum Herunterladen

Die Inside ver.di kann hier heruntergeladen werden. Von Do-FOSS gesammelte Unterlagen zu „Smart City Dortmund“ können hier eingesehen werden.

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