Free Software, Free Society!
Blogs der FSFE-Community

Monday, 19 August 2019

Saatgut wie Software

Infostand bei der 100 Jahr Feier der KGA Wiesengrund Am vergangenen Samstag hat die Kleingartenanlage Wiesengrund in Berlin Köpenick ihren hundertsten Geburtstag gefeiert. Eine Kleingärtnerin und Unterstützerin Freier Software hatte uns von ihrer Idee erzählt unter dem Motto 1919 – 2019 – 2119 , was war, was ist, was wird nicht nur zu feiern sondern auch ein wenig zu informieren.

Nach dem, was uns berichtet wurde, hörte sich das nach einer guten Gelegenheit an mit Menschen über Freie Software zu sprechen die sonst wahrscheinlich eher keinen Kontakt zu der Materie haben. Und um nicht nur Freie Software und die Commons im Allgemeinen dabei zu haben, nahmen wir das Kapitel “Saatgut wie Software” aus dem Begleitbuch zur Bits und Bäume Konferenz als Aufhänger und boten den Kleingärtnern Informationen zu Open Source Seeds und Freier Software an einem kleinen feinen Infostand unter einem ebenso kleinen und feinen Sonnenschirm an.

Saatgut wie Software, frei unterm SonnenschirmIch denke die meisten der Kleingärtner die zur Geburtstagsfeier gekommen sind waren weder wegen des Besuchs des Bezirksbürgermeisters noch wegen der feilgebotenen Informationen da. Die meisten wollten einfach nur feiern und das gute Wetter genießen, nachdem die Wolken einmal aufgerissen waren.

Einige Weniger schlenderten dann aber doch an den Kleintieren vorbei und verharrten einige Augenblicke bei uns am Stand um sich auf ein Gespräch einzulassen. Die Existenz des F-Droid Stores für FLOSS-Applikationen für Android-Geräte stieß auf reges Interesse, beim Thema Freifunk zur eventuellen Versorgung der Anlage mit WLAN spitzten sich die Ohren einiger, und auch die Public Money, Public Code! Idee kam gut an. Nun gehört auch die Feier schon zur Vergangenheit der Kleingartenanlage – habt gute weitere 100 Jahre, vielleicht ja auch mit Open Seeds im Garten, Freifunk in der Luft und Freier Software auf den digitalen Endgeräten.

Vielen Dank für die Einladung @Sonja war ein netter Nachmittag Abseits der ausgetretenen Pfade unserer Infostand Locations.

Monday, 08 July 2019

Resolution des Kirchentags: Gottes Güter umsonst – Einfach frei

  • Do-FOSS
  • 20:50, Monday, 08 July 2019

Freie-Software-Bewegung lebt vor wie Commons organisiert werden können

Der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag fand vom 19.06.2019 bis zum 23.06.2019 in Dortmund statt. Auf dem Podium des Kirchentags Umwelt, Klima und Gerechtigkeit – heute handeln – Eine globale Perspektive hat der Kooperationspartner von Do-FOSS Pauluskirche und Kultur eine Kirchentagsresolution eingebracht. Die Resolution mit dem Titel Gottes Güter umsonst – Einfach frei, ging aus dem Gemeingütertag – Commons, Nachhaltigkeit und Klima von Pauluskirche und Kultur hervor, wofür ihr das Agendasiegel 2018 durch Herrn Oberbürgermeister Ullrich Sierau verliehen wurde. Der Gemeingütertag geht wiederum auf die von Do-FOSS initiierte Veranstaltungsreihe Wer verfügt darüber? zurück. Innerhalb dieser Reihe wurden der Zugang und die Verfügungsrechte bzgl. lebensnotwendiger Grundgüter thematisiert – heutzutage auch zu Digitalem. Damit hat die Logik des Teilens von Freier Software den Grundstein für die aktuelle Kirchentagsresolution gelegt.

Die Resolution fordert die Institutionen der Kirche theologisch begründet auf, sich mit dem Thema Commons als Konzept des Teilens über alle Lebensbereiche hinweg zu befassen. Für die digitalen Aspekte des Lebens, realisiert Freie Software bereits ein Commons. Freie Software ist für alle Menschen frei verfügbar. Dies bedeutet, dass Menschen Freie Software nach den eigenen Bedürfnissen verwenden, verstehen, verbreiten und verbessern dürfen. Hierdurch wird die Beziehung der Menschen zueinander gestärkt, denn sie stehen nicht in einer Marktkonkurrenz um die Wissensressource Software, sondern sie können sich als gleichrangige Menschen austauschen. Dies stärkt die Solidarität der Menschen, denn ihre Beziehungsarbeit kann nicht kommodifiziert werden. Ferner stärkt Freie Software die Bildung der Menschen und ihre Mündigkeit, denn das in der Software vorhandene Wissen ist für alle einseh- und benutzbar.

Do-FOSS unterstützt sehr gerne die Resolution, die mit 90% auf dem Kirchentag angenommen wurde, und gibt diese an dieser Stelle im Wortlaut wieder.

Kirchentagsresolution zu Commons: Gottes Güter umsonst – Einfach frei

37. Deutscher Evangelischer Kirchentag
Resolution: „Gottes Güter umsonst – Einfach frei“

Adressaten: Rat der EKD und die Kirchenleitungen der Landeskirchen
Antragstellerin: GEMEINGÜTER-Initiative von Pauluskirche und Kultur der Ev. Lydia-Gemeinde Dortmund
Ansprechpartner: Pfarrer Friedrich Laker, Kirchenstr. 31, Dortmund
Veranstaltung: Zentrum Stadt und Umwelt | Podium
Umwelt, Klima und Gerechtigkeit – heute handeln – Eine globale Perspektive,
Do. 11:00 – 13:00 Uhr, Westfalenhallen, Halle 3

Resolution: „Gottes Güter umsonst – Einfach frei“
Martin Luthers Gnadenlehre sagt: der Glaube ist ein Geschenk. Da gibt es nichts, was du dafür leisten musst. Du bist ein geliebtes Kind Gottes. Von Anbeginn an.

„Dass die Menschen an allen Gütern der Gemeinschaft teilhaben können unabhängig von ihrer Leistung, das wäre – so der Reformationshistoriker Berndt Hamm – die Überführung der Gnadenlehre Luthers in eine Gesellschaftstheorie. Commons, Gemeingüter als Konsequenz aus Luthers Gnadenlehre: Weil wir Menschen sind, nimmt uns Gott an. Weil wir Menschen sind, steht uns zu, was wir zum Leben brauchen – nicht aufgrund irgendeiner Leistung.“ [1]

Commons, das heißt Gemeingut: Etwas gehört uns gemeinsam, wir pflegen und hegen es gemeinsam, und schützen es davor, dass sich jemand exklusive Rechte daran sichert auf Kosten aller anderen.“ [2] Dies ist besonders relevant für unsere grundlegenden Lebensgüter.

Wer verfügt heute über unsere basalen Lebensgüter? Es sind vornehmlich Privatinteressen, z.B. große Konzerne, die über unsere essentiellen Lebensgüter verfügen und diese als ihr exklusives Eigentum betrachten. Wir fragen: Sollten nicht alle lebenswichtigen Güter wie Wasser, Saatgut, Medikamente, Wohnen, Energie und heutzutage auch Digitales für alle als Commons frei verfügbar sein? „Eine Ressource ist frei, wenn (1) man sie ohne Erlaubnis nutzen kann; oder (2) die Erlaubnis, sie zu nutzen, neutral vergeben wird.“ [3] So wie die Bibel, die jeder lesen und verstehen darf, so wie der Glaube, den nicht allein die Kirchen bestimmen dürfen.

Was steht mir als Mensch zu, einfach weil ich Mensch bin? „Wenn wir uns zu dieser Haltung durchringen können: Dass Menschsein an sich bedeutet, dass wir teilhaben an den Ressourcen dieser Erde, die uns geschenkt worden sind. Und dann versuchen wir diese Ressourcen dieser Erde so gemeinschaftlich zu verwalten, dass wir es nicht abhängig machen von der Leistung des Einzelnen und dem Geldeinkommen des Einzelnen. Das ist tatsächlich ein Paradigmenwechsel, denn da geht es um die Frage, wie verhalten wir uns zu dem Anderen und wie können wir dafür sorgen, dass alle mitkommen und niemand ausgeschlossen wird. […] Weil wir Mensch sind, steht uns [frei] zu, was wir zum Leben brauchen. Und nicht: Nur wer arbeitet, darf auch essen.“ [4]

„Die Logik des Kapitalismus heißt teilen. Nur teilen darin nicht die Menschen, sondern sie werden geteilt.“ [5] Wir rufen den Rat der EKD und die Kirchenleitungen auf, sich mit dem Thema Commons als Praxis gegen die Teilung der Menschen zu befassen. Ebenso fordern wir einen intensiven kirchlichen Dialog darüber, wie das Konzept der Commons den christlichen Urwert des Teilens widerspiegelt. Darin sehen wir auch einen Schlüssel der individuellen Übernutzung unserer Erde sowie dem Klimakollaps entgegenzuwirken.

Bitte unterstützen Sie diese wichtigen sozial-ökologischen Anliegen.

Dokument zum Herunterladen

Die Kirchentagsresolution Gottes Güter umsonst – Einfach frei kann hier heruntergeladen werden. Von Do-FOSS gesammelte Unterlagen zum Thema Gemeingüter/Commons können hier eingesehen werden.

[2] Newsletter „Vielfalt statt Macht“ #3, Heinrich-Böll-Stiftung, 25.07.2018
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeingut, abgerufen am 14.05.2019
[5] „Die Welt der Commons – Muster gemeinsamen Handelns“, Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.), Klappentext, 2015
CC0
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Wednesday, 12 June 2019

Smart City Dortmund: Handyparken – Ein Beispiel für infrastrukturelle Abhängigkeit

  • Do-FOSS
  • 20:47, Wednesday, 12 June 2019

Aktuelle Inside ver.di zum smarten Ausverkauf des öffentlichen Dienstes erschienen

Im Blogbeitrag Dortmund und Digitalisierung: Ja, aber nur gemeinwohlorientiert, hat Do-FOSS einen Beitrag der ver.di-Vertrauensleute der Dortmunder Stadtverwaltung wiedergegeben. Zwei Anliegen des Beitrags waren die Aufklärung über IT-Lobbyismus in der Dortmunder Smart City und Informationen zu den nötigen Rahmenbedingungen einer Digitalisierung, die ganzheitlich im Dienst ihrer Bürgerinnen und Bürger steht.

Nun haben die Vertrauensleute ihre Kritik an dem IT-Lobbyismus in der Smart City Dortmund anhand des Beispiels Handyparken in der aktuellen Inside (Mai 2019), der ver.di-Zeitung für Beschäftigte der Stadtverwaltung Dortmund, konkretisiert. Darin beschreiben die Vertrauensleute wie über die Allianz Smart City Dortmund eine privatwirtschaftliche digitale Abhängigkeit der öffentlichen Infrastruktur forciert wird. Eigentlich müsste Infrastruktur für alle Menschen gleichermaßen zugänglich sein, doch die öffentliche Hand kann dies in der Smart City Dortmund nur noch eingeschränkt steuern.

Do-FOSS vertritt die Auffassung, dass Infrastruktur für alle Menschen gleichermaßen zugänglich und durch politische Willensprozesse steuerbar sein muss. Bei digitaler Infrastruktur sind dabei speziell die Frage nach dem Datenschutz und die transparente Darstellung der Datenverarbeitung zentral. Um diese Ziele zu erreichen ist es aus Sicht von Do-FOSS wichtig, dass Infrastruktur durch die öffentliche Hand souverän betrieben wird und keine Herstellerabhängigkeiten diese Souveränität einschränken. Der ver.di-Inside-Artikel beschreibt mit dem Handyparken eine Entwicklung, welche klar macht, dass die öffentliche Hand digitale Souveränität im Rahmen der Smart City Dortmund nur noch eingeschränkt gewährleisten kann. Aus Sicht von Do-FOSS ist der konsequente Einsatz von Open Data, Offenen Standards und Freier Software notwendig, um eine digitale Kerninfrastruktur zu schaffen. An der Kritik der ver.di-Vertrauensleute wird deutlich, dass der öffentliche Dienst einen ganzheitlichen Ansatz für eine Digitalisierungsstrategie braucht, der die Bürgerinnen und Bürger in das Zentrum der Digitalisierung stellt und nicht vorrangig einzelne Geschäftsmodelle bedient.

Do-FOSS liefert für die Stadt Dortmund mit Freier Software den Grundbaustein für eine Offene Digitalisierung, die zudem wettbewerbsneutral wirtschaftsfähig ist. Dies wird Do-FOSS weiter in den städtischen Dialog einbringen.

Beitrag in der Inside ver.di

Smart City – Lasst uns über die Folgen sprechen
Geschäftsmodell Handyparken und der Ausverkauf des öffentlichen Dienstes

Kein lästiges Münzensuchen, kein Hetzen, weil man die Parkzeit überschreiten könnte – das digitale Parken per Handy hat durchaus Vorteile. Auf den ersten Blick. Der Blick hinter die Kulissen zeigt die problematischen Folgen dieses für die Stadtspitze „smarten Beitrags zur Serviceverbesserung“. Und die dringende Notwendigkeit, darüber zu diskutieren.

Das Smartparking- oder Handyparken-Modell ist bereits Realität in vielen Städten. Allerdings noch mit einer geringen Akzeptanz und unvollständigen Digitalisierung. Während das Parken in Dortmund bisher eine städtische Angelegenheit war und wie die Datenverarbeitung vollständig durch das öffentliche Recht reguliert wurde, läuft dies nun beim privatwirtschaftlich betriebenen Handyparken anders: Bei diesem Projekt im Rahmen der Allianz Smart City Dortmund, der Dortmunder Kooperations-Initiative zur digitalen Vernetzung von Systemen und Menschen, wird der öffentliche Raum zukünftig privat bewirtschaftet, womit dort das öffentliche Recht dem Privatrecht weicht. Eine bedenkliche Entwicklung, denn im Privatrecht spielen Gemeinwohlinteressen eine geringere Rolle – und die Mobilität der Bürger*innen wird dadurch auch nicht optimiert.

Bargeldloses Zahlen, flexible Parkdauer, genaue Zeitabrechnung, Benachrichtigung vor Ablaufzeit, mehr Komfort – die Werbung suggeriert den uneingeschränkt positiven Nutzen für die Parkkunden. Aber stehen sie vor der Uhr, müssen sie sich entscheiden, welche Betreiberfirma die richtige für das Parkticket sein könnte.
In Dortmund stehen nämlich mindestens sechs Anbieter zur Wahl, die sich in Gebührenhöhe, Service und Zusatzleistungen unterscheiden. Und pro Parkzeitbuchung fällt eine Extra-Gebühr an, auch variierend. Einfach eben mal parken geht also schon nicht mehr, wenn man wissen will, bei wem man für welchen tatsächlichen Preis sein Parkticket kauft.

Handyparken ist in seiner Digitalisierung ganz offensichtlich ein Geschäftsmodell. Neben dem finanziellen Gewinn mit einem anderen hohen Preis: unseren Daten.

Dieses und andere Geschäftsmodelle, die Menschen per App mit Datenbanken verknüpfen, sammeln und verwerten personenbezogene Daten – um Werbung und Produkte personalisierter und zielgerichteter an die Kunden zu bringen. Spätestens seit Facebook und Online-Shopping bekannt.
Doch damit nicht genug. Während die öffentliche Kommunalverwaltung vor Ort und direkt ansprechbar und handlungsfähig ist, sind die meisten Unternehmen der Smart City noch nicht einmal mehr in städtischer Reichweite. Mit der Firma Cisco haben wir einen mächtigen Global Player zur Federführung der Allianz Smart City Dortmund bestellt – ihr Hauptquartier allerdings liegt in den USA.
Und auch keiner der sechs Smartparking-Betreiber ist in Dortmund ansässig.

Wo entstehen also echte Mehrwerte für Dortmunder Bürger*innen? Und gibt es einen bilanzierbaren Mehrwert für die Stadtverwaltung?

Im Rahmen der Smart-City-Prozesse findet derzeit ein Umbau des öffentlichen Dienstes statt, der im Fokus von privatwirtschaftlichen Verwertungsinteressen steht – der Einstieg in eine neue Form des digitalen Ausverkaufs des öffentlichen Dienstes.
Während die eigentlichen Geschäfte von Privatfirmen geführt werden, verbleiben etliche (Zusatz-)Aufwände bei städtischen Fachbereichen (z.B. Vertragsabschlüsse, zusätzliche Einnahmekontrollen und Klärung von strittigen Rechtsfragen).
Ähnlich wie beim Cross-Border- Leasing, einem Steuervermeidungsmodell aus den 1990er Jahren, das durch den Verkauf von Dortmunder Stadtbahnanlagen an USA-Firmen und langfristige Rückanmietungen privatwirtschaftliche Einnahmen generierte, entstehen beim Smart-parking indirekte (Dauer-) Seite Kosten und ggf. Einschränkungen bei der Planungshoheit bzw. der Nutzung öffentlicher Flächen.
Das Handyparken ist dabei ein Beispiel für den zunehmenden Privatisierungsraubzug durch unsere öffentlichen Dienstleistungen. Wir sind mitten in einem Veränderungsprozess: vom daseinsvorsorgenden Staat zum Gewährleistungsstaat, also von einem Staat der selbst Dienstleistungen erbringt, hin zu einem Staat der lediglich noch den Rechtsrahmen kontrolliert. Demokratische Strukturen und Volksvermögen werden in privatwirtschaftliche Strukturen überführt. In diesen privaten Strukturen wird die Organisation des öffentlichen Gemeinwohls eine immer geringere Rolle spielen. Mehr noch: Sobald eine gewisse Marktmacht und Abhängigkeit erreicht wird, steigen die Preise. Beim Parken könnte es so aussehen: Ist der Parkraum erst einmal flächendeckend privatisiert, erhöht der Dienstleister flux flexibel und temporär die Parkpreise, auf zum Beispiel lockere fünf Euro pro Stunde bei einem BVB-Spiel …

Das Handyparken ist nur ein Modell, weitere Privatisierungspläne zum Nachteil des Gemeinwohls werden folgen. Dabei ist den unternehmensseitigen Befürworter*innen der Allianz Smart City Dortmund – wie sie in ihrer derzeitigen Form existiert – ein großer Coup gelungen: Die Steuerungsstruktur der Smart City Dortmund ist mit ihren sogenannten Expertengremien im Wesentlichen auf die privatwirtschaftlichen Interessen ausgerichtet – es fehlen Stimmen und Kräfte, die den Gemeinwohlinteressen Gehör verschaffen. Die erkennbar negativen Folgen müssen viel offener, intensiver und breiter diskutiert werden – innerhalb der Gewerkschaften und der Stadtgesellschaft. Außerdem stellt sich für unsere Kolleg*innen auf ganz persönlicher Ebene die Frage: Wie wird sich mein Berufsbild verändern? Von öffentlicher Verantwortung und Vertrauensstellung hin zu privatwirtschaftlichen Erfüllungsgehilfen?

Auf Fragen wie diese wünschen wir uns Antworten. Und genau die Stimmen und Kräfte, die sich für das Gemeinwohl einsetzen.

Dokumente zum Herunterladen

Die Inside ver.di kann hier heruntergeladen werden. Von Do-FOSS gesammelte Unterlagen zu „Smart City Dortmund“ können hier eingesehen werden.

CC0
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Tuesday, 21 May 2019

Freie Software für die Entwicklungszusammenarbeit

  • Do-FOSS
  • 20:30, Tuesday, 21 May 2019

GIZ Logo

GIZ Logo (© GIZ)

Do-FOSS gestaltete Webinar für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Am 17. Mai hat Do-FOSS ein Webinar zu den Grundlagen von Freier Software für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführt. Im Zentrum des Webinars stand die Frage, welche Bedeutung Freie Software für die Entwicklungszusammenarbeit haben kann. Da das Webinar lediglich für Personal der GIZ zugänglich war, ist es Do-FOSS ein Anliegen im Nachgang auch hier im Blog auf die Relevanz von Freier Software für die Entwicklungszusammenarbeit hinzuweisen.

Do-FOSS hat bereits in der Vergangenheit Freie Software im lokal-globalen Zusammenhang beschrieben. Durch Freie Software in der Entwicklungszusammenarbeit sieht Do-FOSS zudem eine besonders verantwortungsvolle Verwirklichung der Ubuntu-Rationalität, welche solidarisch eine eigenverantwortliche Kultur von örtlichen Gemeinschaften fördert. Nelson Mandela erklärt die Grundgedanken der Philosophie Ubuntu folgendermaßen:



Link zum Video
Nelson Mandela erklärt den Begriff Ubuntu. Link zu Wikipedia.

Freie Software ermöglicht ein selbstbestimmtes, soziales Miteinander und fürsorgendes Wirtschaften im digitalen Lebensraum. Auch erlaubt Freie Software gemeinschaftliche Selbstorganisation durch Gleichrangige vor Ort. Diese Eigenschaften passen gut zum Grundsatz in der Entwicklungszusammenarbeit Hilfe zur Selbsthilfe. Denn am Ende jeder Entwicklungszusammenarbeit gilt es keine Abhängigkeiten zu hinterlassen und der lokalen Gemeinschaft die Souveränität über ihr Wissen zu überlassen. Daher bietet sich Freie Software als Teil digitaler Exit-Strategien für erfolgreiche Entwicklungszuammenarbeit an und sollte sich entsprechend als Prinzip für digitale Entwicklungszusammenarbeit etablieren.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), in dessen Auftrag die GIZ arbeitet, hat bereits unter verschiedenen Aspekten zu Freier Software gearbeitet. Diese wurden in das Toolkit 2.0 – Digitalisierung in der Entwicklungszusammenarbeit aufgenommen, welches einen wertvollen Grundstein für Freie Software in der Entwicklungszusammenarbeit legt. Ebenso schreibt die Unterstützung der GIZ der Principles for Digital Development, die sich für Open-Source-Software aussprechen, den Wert von Freier Software international fest. Dazu passt auch die folgende aktuelle Broschüre der Free Software Foundation Europe (FSFE): Modernising Public Infrastructure with Free Software. Diese Broschüre ist Teil der Kampagne Public Money? Public Code!.

Im Folgenden findet sich der Ankündigungstext des Webinars vom 17.05.2019:

Webinar: Digitale Entwicklungszusammenarbeit: Nutzen, Lernen, Einbringen, Weitergeben – Freie Software: Der Weg zur digitalen Souveränität

Virtuelle Güter verhalten sich vollkommen anders als Materielle. Doch häufig nutzen wir digitale Güter, als wären sie materiell und übertragen unsere analogen Verhaltensweisen und Probleme unhinterfragt in die digitale Welt. Die Entfesselung digitaler Potenziale kann dem Menschen dienen oder ihn in neue Abhängigkeiten treiben. Digitale Strukturen können die Gemeinschaft fördern oder sie digital spalten in Menschen mit Zugang und Einfluss sowie in Menschen ohne diese Privilegien.
Software ist in ihrer heutigen Form als globales virtuelles Ökosystem zu betrachten, bei dem lokal schwer von global zu trennen ist. Ideen bauen auf anderen Ideen auf und schaffen damit mächtige Werkzeuge, welche nahezu ohne Kosten geteilt werden können.
Freie Software ist ein gemeinwohlorientierter Ansatz für den Umgang mit dem Wissen und der Nutzung von ditialen Funktionsweisen. Nutzen, Lernen, Einbringen, Weitergeben sind die Kernaspekte von Freier Software. Das Ziel ist die digitale Souveränität aller Menschen ohne künstliche Barrieren und Abhängigkeiten.

Dokumente zum Herunterladen

Die Vortragsfolien von Do-FOSS können hier heruntergeladen werden. Das Toolkit 2.0 – Digitalisierung in der Entwicklungszusammenarbeit des BMZ kann hier heruntergeladen werden und der Glossar des BMZ Digitalisierung in der Entwicklungszusammenarbeit kann hier heruntergeladen werden. Die Broschüre der FSFE Modernising Public Infrastructure with Free Software kann hier heruntergeladen werden.

CC0
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Thursday, 09 May 2019

Netzfest19 am Gleisdreieck

Im letzten Jahr gab es das erste Netzfest als Abschlussveranstaltung der re:publica im Berliner Park am Gleisdreieck. Am vergangenen Wochenende fand nun das zweite Netzfest statt. Dieses mal vor der re:publica, dafür aber auch zwei Tage lang. Wir von der Berliner Unterstützer*innen Gruppe der FSFE waren wieder mit einem Stand dabei.

Der Hashtag zum Netzfest19 auf dem Boden des TechnikmuseumsLeider war nicht ganz so gutes Wetter wie im letzten Jahr. Im Gegenteil, es herrschten im Vergleich fast arktische Temperaturen. Immerhin hielt sich der Regen zurück und so kamen dann doch etliche Menschen, gezielt zum Netzfest oder einfach so zum Wochenendspaziergang durch den Park am Gleisdreieck und bei uns am Stand vorbei.

FreeYourAndroid Presentation am FSFE Stand auf dem Netzfest

Unser Stand lag auf halben Weg die Ladestraße des Technikmuseums rauf, direkt am Anfang der Stände vom Park aus gesehen. In guter Nachbarschaft mit dem Berliner Beauftragten für Datenschutz, dem Deutschen Senioren Computer Club, der Cryptoparty und dem Naturkunde Museum.

Und mal abgesehen von unmenschlichen Zeiten am frühen Morgen, gab es kaum einen Zeitpunkt wo mal kein interessierter Passant am Stand war und sich über Freie Software im Allgemeinen, ForksFree Your Android oder Public Money Public Code informierte.

Ich freue mich schon auf’s nächste Jahr, Dann hoffentlich wieder mit etwas besserem Wetter. Obwohl für einen kleinen Sonnenbrand hat es gereicht, also so schlimm kann das Wetter gar nicht gewesen sein ;-)

Wednesday, 08 May 2019

Software-Rebellen – Die Macht des Teilens

  • Do-FOSS
  • 19:43, Wednesday, 08 May 2019

Do-FOSS TV

Bild: Do-FOSS TV

Filmtipp von Do-FOSS

Do-FOSS empfiehlt die Filmdokumentation Software-Rebellen – Die Macht des Teilens (56 Min., produziert von Arte, erschienen am 2. Mai 2019). Besonders interessant sind aus Sicht von Do-FOSS die Darstellungen der grundlegenden Prinzipien Freier Software, die weit über Software in die analoge Welt hinausreichen und wertschätzende Beziehungen der Menschen zueinander gestalten. Schlussendlich wird über die Prinzipien Freier Software sogar eine Perspektive zum Umgang mit dem Klimawandel aufgezeigt.

Interessant sind darüber hinaus die Parallelen zur Arbeit von Do-FOSS in der Veranstaltungsreihe Wer verfügt darüber? und die Mitwirkung am Gemeingütertag – Commons, Nachhaltigkeit und Klima.



Link zum Video
Arte „Software-Rebellen – Die Macht des Teilens“. Link zu Arte!

Beschreibung der Filmdokumentation „Software-Rebellen – Die Macht des Teilens“ von Arte im Wortlaut

Auf dem Softwaremarkt stehen sich zwei Modelle gegenüber: die sogenannte proprietäre Software der großen Unternehmen und die freie Software, die allen Bürgern kostenlos zur Verfügung steht. Die Doku zeigt anhand von Beispielen aus Indien, den USA und Europa, wie anonyme Entwickler und bekannte Persönlichkeiten versuchen, einer neuen Art des Wissenskapitalismus entgegenzuwirken.

In der globalisierten Welt kommt fast kein Alltagsbereich mehr ohne Computertechnik aus. Doch viele Unternehmen haben aus dem eingeschränkten Zugang zu ihrer Software ein Geschäftsmodell entwickelt. Machen die digitalen Hilfsmittel die Bürger tatsächlich freier? Oder sind diese nicht mehr als passive Konsumenten, naive Spielbälle weniger Großkonzerne? Auf dem Softwaremarkt stehen sich zwei Modelle gegenüber: die sogenannte proprietäre Software großer globaler Player und die freie Software, die allen Nutzern kostenlos zur Verfügung steht. Ihre Entwickler engagieren sich seit den 1980er Jahren dafür, dass das Internet offen und das damit verbundene Wissen allen zugänglich bleibt. Denn das Teilen der Softwarecodes bedeutet gleichzeitig weniger Machtkonzentration für Unternehmen, die proprietäre Software anbieten. Den amerikanischen IT-Konzernen Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft werfen die Open-Source-Befürworter vor, ihre Kunden bewusst im Unklaren darüber zu lassen, was sich hinter ihren technischen Wunderwerken verbirgt. Frei nach dem Prinzip: Nur ein dummer Kunde ist ein treuer Kunde … „Software-Rebellen – Die Macht des Teilens“ wirft einen resolut optimistischen Blick auf die aktuellen Entwicklungen und zeigt konkrete Anwendungsfälle von Open-Source-Lösungen in Medizin, Landwirtschaft, Bildung und Industrie. Anonyme Entwickler und bekannte Persönlichkeiten aus Indien, den USA und Europa erklären, wie sie mit freier Software die virtuelle und auch die reale Welt zum Positiven verändern.

Regie: Philippe Borrel
Land: Frankreich
Jahr: 2017
Herkunft: ARTE F

CC0
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Friday, 05 April 2019

Stadt Dortmund beschreibt ihr Verständnis von Freier Software und Offenen Standards

  • Do-FOSS
  • 20:13, Friday, 05 April 2019

Präsentation für Mitglieder des Ausschusses für Personal und Organisation

AG Freie Software

Bild: AG Freie Software

Die Arbeitsgruppe Freie Software hat auf dem Weg zur Erarbeitung der Potenzialanalyse zum Einsatz von Freier Software einen ersten öffentlichen Zwischenschritt erreicht. Die grundsätzlichen Überlegungen der Arbeitsgruppe wurden vor interessierten Mitgliedern des Ausschusses für Personal und Organisation (APO) vom Dortmunder Systemhaus (dosys.) und Do-FOSS im Dialogformat APO meets dosys. gemeinsam vorgestellt. Dies geschah bereits am 28.06.2018. Wegen des regen allgemeinen Interesses wurde die Präsentation nun freigegeben und von der städtischen Online-Redaktion veröffentlicht. Die Präsentation umfasst eine Vorstellung der Idee von Freier Software und Offener Standards, zeigt Probleme mit proprietären Geschäftsmodellen auf und stellt das geplante Vorgehen der Arbeitsgruppe vor. Do-FOSS hat den politischen Austausch positiv erlebt und ist gespannt, wie sich die Erkenntnisse in den Strukturen der Stadt Dortmund implementieren lassen.

Online-Redaktion der Stadt Dortmund im Wortlaut

Verwaltung erarbeitet Potenziale von „Freier Software“ und „Offener Standards“

04.04.2019

In Informationsveranstaltungen werden interessierten Mitgliedern des Ausschusses für Personal und Organisation (APO) vom Dortmunder Systemhaus (dosys.) IT-Themen näher erläutert. Am 28. Juni 2018 wurde dabei das Projekt „Untersuchung der Potenziale von Freier Software und Offener Standards“ vorgestellt.

„Das Projekt ist Bestandteil des Masterplans Digitale Stadtverwaltung und wird innerhalb der nächsten zwei Jahre die Potenziale von Freier Software und Offener Standards in Bezug auf die vielseitigen Anforderungen durch die Digitalisierung für die Stadtverwaltung Dortmund untersuchen“, erklärt Benjamin Kuhlmeier vom Dortmunder Systemhaus.

Das Projekt wird in einem Beteiligungsverfahren mit Bürgern durchgeführt. Die Einsatzpotenziale von Freier Software und Offenen Standards werden von der Stadtverwaltung gemeinsam mit der Bürgerinitiative Do-FOSS, Abkürzung für Freie und Open-Source Software, untersucht. Die Bürgerinitiative engagiert sich bereits seit mehreren Jahren in einem öffentlich geführten Dialog dafür, die Vorteile von Freier Software und Offenen Standards für die Stadt Dortmund zu nutzen. In einer Präsentation hat das Systemhaus den Ausschussmitgliedern die Eigenschaften Freier Software sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Projekt vorgestellt.

Zum Thema
Die Präsentationsfolien werden nun aufgrund des regen allgemeinen Interesses veröffentlicht. Für Rückfragen zur Präsentation stehen Ihnen Herr Benjamin Kuhlmeier, dosys., und Herr Till Schäfer, Bürgerinitiative Do-FOSS, zur Verfügung.

APO meets dosys. – Freie Software [pdf, 6,6 MB]
bkuhlmeier@stadtdo.de
kontakt@do-foss.de

Dokument zum Herunterladen

Die Präsentation vom 28.06.2018 kann hier heruntergeladen werden.

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Monday, 25 March 2019

WWF Earth Hour 2019 – Freie Software leistet einen Beitrag

  • Do-FOSS
  • 20:46, Monday, 25 March 2019

WWF Earth Hour 2019 Logo

Bild: WWF Earth Hour 2019 (© WWF)

Nachhaltiges Programm des Umweltamtes in der Pauluskirche mit Open-Source-Anteil

Am Samstag, den 30. März 2019, findet um 20:30 Uhr wieder die WWF Earth Hour statt – die weltweit größte Aktion für mehr Klima- und Umweltschutz. Rund um den Globus werden zum 13. Mal Millionen von Menschen, Städte sowie Unternehmen für eine Stunde das Licht ausschalten und so gemeinsam ein Zeichen für den Schutz unseres Planeten setzen. Unzählige Gebäude und Sehenswürdigkeiten in tausenden Städten versinken dann erneut 60 Minuten lang im Dunkeln – als globales Zeichen für den Klimaschutz. Die WWF Earth Hour ist eine globale Gemeinschaftsaktion, die nachwirkt: Die Aktion motiviert weltweit Millionen Menschen dazu, umweltfreundlicher zu leben und zu handeln – weit über die 60 Minuten hinaus.

WWF Earth Hour 2019 - Pauluskirche - Plakat

Bild: Dortmunder WWF Earth Hour 2019 (© WWF Deutschland, Stadt Dortmund)

Auch die Stadt Dortmund wird erneut an der WWF Earth Hour teilnehmen, koordiniert vom Team Klimaschutz und Klimaanpassung des Umweltamtes. Wer die WWF Earth Hour gemeinsam mit anderen erleben möchte, ist zu diesem Programm herzlich zu unserem Kooperationspartner in die Pauluskirche (Schützenstr. 35) eingeladen. Ab 17:00 Uhr wird es einen bunten Nachhaltigkeitsmarkt mit Angeboten von Getränken und Speisen, informativen Redebeiträgen und einem besinnlichen Akustikkonzert bei Kerzenschein geben. Der Eintritt ist frei.

Do-FOSS möchte besonders auf das Angebot der Open-Source-Tomaten hinweisen, welche durch Schülerinnen und Schüler der Johann-Gutenberg Realschule zu hunderten vorgezogenen wurden und in alten Tetra Paks im Sinne des Upcycling verschenkt werden . Do-FOSS freut sich die Open-Source-Schülerinnen und -Schüler vor Ort unterstützen zu können.

Freie Software: Grundbaustein für eine nachhaltige digitale Infrastruktur

Natürlich wird auch reichlich Raum für Gespräche über Freie Software vorhanden sein. Z.B. darüber, warum Freie Software der Nachhaltigkeit dient.

Do-FOSS stellte bereits auf der Bits & Bäume, der Konferenz für Digitalisierung und Nachhaltigkeit fest, dass Freie Software über eine umfassende Nachhaltigkeitsdimension verfügt und hat im Rahmen des städtischen Agenda-Siegels Freie Software als Teil der globalen Nachhaltigkeitsziele 2030 identifiziert. Auch in der Publikation des Umweltbundesamtes mit dem Titel Nachhaltige Software werden u.a. Zusammenhänge mit dem Energieverbrauch von Software (Green Software Engineering), den Hardwareanforderungen, der Wiederverwendbarkeit von Software (und damit der Einsparung von Entwicklungsressourcen), dem gesellschaftlich zugänglichem Wissen (in Form von Gemeingütern), Modularität (und der damit verbundenen Anpassbarkeit von Softwarelösungen), sowie zahlreiche weitere positive Auswirkungen auf soziale und wirtschaftliche Organisationsformen beschrieben.



Link zum Video
Vortrag von Do-FOSS auf der Konferenz Bits & Bäume: Freie Software in Kommunen: Vom Sollen zum Wollen

Dokumente zum Herunterladen

Der Programmflyer zur Dortmunder WWF Earth Hour 2019 kann hier, das entsprechende Plakat kann hier und die Pressemitteilung der Stadt Dortmund „WWF Earth Hour 2019: Dortmund macht dunkel – Umweltamt und Pauluskirche laden zum gemeinsamen Programm ein“ vom 25.03.2019 kann hier heruntergeladen werden.

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Sunday, 17 March 2019

Slogans für die Berlin gegen 13 Demo

Beim letzten Treffen der FSFE Unterstützer*Innen in Berlin haben wir u.a. auch über die für den kommenden Samstag (23. März) geplante Berlin gegen 13 (bzw. der europaweiten Save The Internet) Demo gesprochen. Auch wenn die FSFE es wunderbarer Weise geschafft hat die Upload Filter für Freie Software zu verhindern

“Providers of services such as open source software development and sharing platforms, not for profit scientific or educational repositories as well as not-for-profit online encyclopedias are also excluded from this definition.”

Gibt es weiterhin viele gute Gründe am 23. gegen diese Reform mit auf die Straße zu gehen. Katarina Nocun hat in ihrem Denkangebot Episode 3 eine wunderschöne Zusammenfassung erarbeitet. Nicht nur im Bezug auf Artikel 13.

Damit am Samstag nicht nur Wir sind [die|keine] Bots auf den Schildern zu lesen steht (auch wenn ich diese Reflexion des Vorwurfs, dass die Demonstranten alles von Google gesteuerte Bots sind überaus sympatisch finde), haben wir uns beim Treffen ein paar andere Slogans überlegt, die ihr gerne verwenden könnt:

  • “Intellectual Property: No such file or directory”
  • “Copyleft statt Copyright” (mit Verweis auf www.copyleft.org)
  • “Nicht zu wenig; zu viel Urheberrecht ist euer Problem”
  • “Copying is no theft” (youtube.com/watch?v=IeTybKL1pM4)
  • “Plagiarism is the greatest form of flattery” oder Alternativ als “Copying is the greatest form of flattery”
  • Die vier Freiheiten “Use, Study, Share, Improve” bzw. abgewandelt zu “Use, Study, Share, Remix”
Viel Spaß beim Schilder bemalen!

Friday, 08 March 2019

Nachtrag zum Exkurs: Open-Source-Saatgut für die Klimafolgenanpassung

  • Do-FOSS
  • 18:50, Friday, 08 March 2019

Die Open-Source-Tomate

Bild: Die Open-Source-Tomate

Umweltamt lädt erneut zum Vortragsabend ein

Im Blogbeitrag Exkurs: Open-Source-Saatgut für die Klimafolgenanpassung – Umweltamt verteilt Tomatensamen hat Do-FOSS auf die Verteilaktion von Freiem Tomatensaatgut des Umweltamtes der Stadt Dortmund hingewiesen. Der Auftakt der Ausgabe des Freien Saatguts wurde durch einen Abendvortrag begleitet. Aufgrund der hohen Nachfrage wird der Vortrag nun wiederholt. Hierauf weist Do-FOSS erneut gerne hin.

Ergänzend hierzu weist Do-FOSS mit Freude auf das Schulprojekt zu Open-Source-Saatgut der Johann-Gutenberg Realschule hin. Schülerinnen und Schüler werden einige hundert vorgezogene Open-Source-Tomaten zur WWF Earth Hour 2019 an die Dortmunder Bürgerinnen und Bürger verschenken. Die zentrale Dortmunder Veranstaltung zur WWF Earth Hour 2019 findet am 30. März ab 17:00 Uhr in der Pauluskirche statt. Auch Do-FOSS wird vor Ort sein und die Schülerinnen und Schüler bei der Verteilaktion unterstützen.

Einladung zum erneuten Saatgutvortrag im Wortlaut

Open-Source-Saatgut für die Klimafolgenanpassung: Umweltamt lädt zum Vortragsabend ein

Was haben leuchtend-gelbe Cocktail-Tomaten mit dem Klimawandel zu tun? Und wieso ist Open-Source-Saatgut gut für die Klimafolgenanpassung? Antworten darauf gibt das Umweltamt am Dienstag, 12. März, 19 Uhr in der Pauluskirche, Schützenstr. 35. Im Anschluss an die Info-Veranstaltung und in den kommenden Wochen kann man Open-Source-Saatgut der samenfesten Freilandtomate Sunviva mit nach Hause nehmen – solange der Vorrat reicht. Für Schulklassen o.ä. sind auch größere Mengen möglich.

Das Team der Koordinierungsstelle für Klimaschutz und Klimaanpassung im Umweltamt hat im vergangenen Herbst Tomatensaatgut geerntet, das an Klimaveränderungen angepasst werden kann. Es handelt sich dabei um sogenanntes Open-Source-Saatgut: es ist frei nutzbar, unterliegt also keinen privatrechtlichen Schutzrechten.

Mehr zum Thema erfährt man beim ca. einstündigen Vortrag am Dienstag.

Außerhalb des Vortrags kann das Open-Source-Tomatensaatgut zu den Öffnungszeiten des dlze – Dienstleistungszentrum Energieeffizienz und Klimaschutz, in der Berswordt-Halle, Kleppingstraße 37 abgeholt werden:

Dienstag: 09:00 Uhr – 12:00 Uhr und 14:00 Uhr – 16:00 Uhr
Mittwoch: 09:00 Uhr – 12:00 Uhr und 14:00 Uhr – 16:00 Uhr
Donnerstag: 14:00 Uhr – 18:00 Uhr
und nach Vereinbarung

Redaktionshinweis: Angehängt ist das Saatgutprospekt mit Informationen zur „Open-Source-Tomate Sunviva“.

Kontakt: Katrin Pinetzki

(Hervorhebungen und Verlinkungen durch den Verfasser)

Dokumente zum Herunterladen

Die Pressemitteilung der Stadt Dortmund „Open-Source-Saatgut für die Klimafolgenanpassung: Umweltamt verteilt Tomatensamen“ vom 05.03.2019 kann hier und das Saatgutprospekt „Open-Source-Tomate Sunviva“ kann hier heruntergeladen werden. Weitere Informationen zum Thema „Open-Source-Saatware“ wurden von Do-FOSS hier zusammengestellt.

CC0
Soweit im gesetzlichen Rahmen möglich verzichtet der Autor auf alle Urheber- und damit verwandten Rechte an diesem Werk.
Es kann beliebig genutzt, kopiert, verändert und veröffentlicht werden.
Für weitere Informationen zur Lizenz, siehe hier.

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Sunday, 24 February 2019

Salonabend im Schätzchen: Passwörter im gemütlichen Ambiente

Anfang des Jahres hatte ich aus aktuellem Anlass im Rahmen des Treffens der Berliner Unterstützer*innen der FSFE einen Vortrag zu diesem Teilthema der digitalen Selbstverteidigung gehalten; Sichere Passwörter und deren Management. Zu dem Zeitpunkt köchelte gerade ein neues Datenleak durch die Presse und erregte die Aufmerksamkeit der Menschen auf der Straße.

Kai Mertens, eine der treibenden Kräfte vom Zerocat Projekt und Mitfellow in der berliner Runde,. konnte leider nicht zum Treffen Anfang Januar kommen, hatte aber die Idee wir könnten doch den Vortrag an einem der kommenden Salonabenden im frisch eröffneten Schätzchen, dem Café für Schöne Dinge & Salonkultur, wiederholen. Im Rahmen des “nach außen hin öffnen”, das wir in der Gruppe immer wieder versuchen, war alsbald der Abend des 23. Februars verplant. Die Folien sind ein wenig umorganisiert worden, aber vom Inhalt her, könnt ihr euch einfach die oben verlinkten Unterlagen ansehen.

Ein gutes Dutzend Menschen, ein bunter Mix aus Laufkundschaft von der Straße spontan überredet in die warme Stube zu kommen, bis zu eingefleischten Computer-Kennern, kam. Folgte dem Vortrag und begab sich im Anschluss auf eine muntere Diskussionsreise über Passwörter, zur Freien Software, der aktuellen Public Money? Public Code Kampagne und wie man deren Forderungen in der Gesellschaft noch anstoßen kann, bis hin zum Fridays for Future Streik der Schüler fürs Klima.

Vielen Dank an Britta und Kai für die Einladung und das Organisieren dieses netten Abends! Ich hoffe wir können so einen Salonabend bei Gelegenheit mal wiederholen. Hat Spaß gemacht.

Das Schätzchen findet Ihr in der Marienburger Straße 5a in Berlin (Prenzlauer Berg). Website: www.schaetzchenberlin.de

Thursday, 21 February 2019

My part of the Fediverse

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich mich auf Mastodon neu eingerichtet hatte, da stieß ich auf ein kleines Problem, dass ich so nicht rumstehen lassen wollte. Ich wollte nämlich jemanden auf Diaspora folgen, das geht aber (momentan) nicht, weil Mastodon und Diaspora nicht miteinder können. Das geht nicht, dachte ich mir, und stieß auf eine alte Bekanntschaft, Friendica.

Friedica ist eine Mischung aus Sozialem Netz und Kommunikationswunder. Bereits vor vielen Jahren war ich Betreiber einer eigenen Instanz und eigentlich ganz happy.

Dann kam der neue heisse Scheiss, Red. Das war ein Experiment für eine neue Form der Onlinekommunikation, das musste ich haben und so widmete ich mich fortan Red, ebenso wie gefühlt ein großer Kreis der Entwicklerschaft.

Und damit war das Schicksal von Friendica für mich erstmal besiegelt, das Projekt verschwand unter meinem Radar und mein Leben ging weiter. Kurze Zeit später entwickelte sich dann Red zu Hubzilla, was dann wieder nicht das war, was ich wollte.

Bis zu dem Tag, an dem ich von Mastodon aus jemandem auf Diaspora folgen wollte und ich erfuhr, dass Friendica lebt und seit neuestem ActivityPub unterstützt.

Also zögerte ich nicht lange, holte mir bei Uberspace einen weiteren Webspace und installierte Friendica, was nach einem Fehlversuch (niemals vergessen den Branch nach dem Klonen aus GIT zu prüfen) wie am Schnürchen lief.

Auch wenn Friendica seit meinem ersten Kontakt deutlich übersichtlicher geworden ist, muss ich sagen, dass die Oberfläche noch nicht der Brüller ist und durchaus noch etwas mehr Mastodon vertragen könnte (ich meine von der Reaktionsfähigkeit, nicht vom Multispaltenlayout :-) ).

Aber das ist ein guter Grund für mich, meine PHP-Kenntnisse abzustauben, vielleicht kann ich ja was in diese Richtung beitragen. Ein bisschen Doku hab ich schonmal korrigiert. Mal schauen was als nächsten kommt.

Bis dahin kannst du mir aus dem Fediverse heraus überall mit https://social.softmetz.de/profile/softmetz folgen.

Saturday, 09 February 2019

Ausgeschaut: BBS The Documentary

Kürzlich überkam mich der Impuls, der 90er-Jahre-Mailbox-Szene nachzuspüren. Ich war erstaunt, wie viele aktive Mailboxen es noch gibt, auch wenn die Einwahl per MODEM oft den Protokollen telnet und neuer ssh gewichen ist oder diese zumindest ergänzt.

Während meiner Recherchen bin ich dann über die Filmreihe BBS The Documentary von Jason Scott aus dem Jahr 2002 gestolpert. Die DVDs sind seit mehreren Jahren ausverkauft, aber jemand war so freundlich, das Werk auf Youtube hochzuladen. Von dort fand es auch schon seinen Weg nach Archive.org.

Ich habe nun mehre Abende in intensiven Erinnerungen an meine eigenen Teenager-Zeit, die durchaus von der Mailbox-Szene (so hiess die BBS-Szene in irgendwie bei uns) geprägt war, geschwelgt und halte meine Gedanken dazu hier fest.

Das fast fünfstündige Werk betrachtet die Bulletin Board System-Szene der zwischen ca. 1980 und 2000 aus verschiedenen Blickpunkten.

  • README: Eine kurze Einführung zu BBSs
  • BAUD: Wie es mit BBS losging
  • SYSOPS AND USERS: Vor allem Interviews mit Sysops (den System Operators) und deren BBS-Users
  • MAKE IT PAY: Kommerzielle BBS, quasi existent ab dem Anfang und daher parallel zu den vorhigen Kapiteln
  • FIDONET: Eine grandiose Übersicht über das Fidonet als quasi das weltweite Nicht-Internet-Netz
  • ARTSZENE: Die ANSI-Kunst-Szene, die es quasi auch immer gab
  • HPAC: Hacking, Phreaking, Anarchy, Cracking
  • NO CARRIER: Das Ende der BBS
  • COMPRESSION: Die ARC-ZIP-Schlacht

Die Protagonisten und BBSs stammen fast ausschließlich aus Nordamerika. Trotzdem kann ich mich mit vielen der geäußerten Gedanken absolut identifizieren.

Ich würde sagen, dass ich einen guten Überblick über die deutsche Mailbox-Szene in den Jahren 1997-1999 habe. Überhaupt war ich geschockt, als ich merkte, dass die vermeintlich endlose Lebensphase nur ca. 2-3 Jahre umfasst hat, geprägt hat sie mich für die nächsten zwanzig. :-)

In dieser Zeit wurde ich vom User in einer Mailbox zu einem User vieler Boxen zu vielen Usern vieler Boxen. Letzteres war nötig, damit ich mehr als die vorgegebene Zeit pro Tag online sein konnte. ;-)

Am Ende meiner “Karriere” durfte ich als CoSysOp der NCC Leuna das Zepter schwingen. Und da fällt mir ein, dass ich sogar mal eine Mailbox-Liste von NCBMail Systemen geführt habe.

Natürlich stelle ich mir die Frage, ob das Konzept BBS in die heute Zeit übertragbar wäre. Ich meine nicht unbedingt MODEMs oder ANSI, wobei das schon seinen Charme hat. Was aber aus meiner Sicht der zentrale Unterschied zum heutigen (mobilen) Internet ist, war die Wertschätzung der Onlinezeit.

Damit meine ich weniger die Telefonkosten, sicher der spürbarste Aspekt dieser Zeit. Aber die Mailboxen hatten in der Regel nur eine sehr begrenze Anzahl von Einwahl-Lines, was sie zu einer begehrten Ressource machten. Daher war es üblich, dass man sich nur eine begrenzte Zeit pro Tag oder Woche in einer Mailbox aufhalten konnte. Diese Zeit konnnte teilweise mit Geld oder einem Stufensystem verlängert werden. Aber die beste Möglichkeit, unbegrenzte Online-Zeit zu bekommen war, sich selbst eine Mailbox zuzulegen. Wenn man dann noch Leute fand (oder Leute die Mailbox), ging der Spaß richtig los.

Ein weiterer wichtiger Punkt war der lokale Bezug. Obwohl man über die (inter)nationalen Nachrichtennetze wie Z-Netz oder FidoNet durchaus internationale Kontakte pflegen konnte, waren die meisten User aus dem direkten regionalen Umfeld, so dass regelmäßige User-Treffen eine wunderbare Möglichkeit waren, Menschen mit einem kompatiblen Mindset zu finden.

Diese beiden Eigenschaften fehlen mir in der heutigen Online-Welt schon etwas, aber vielleicht kann man da was erfinden.

OT: Während ich diesen Post schrieb, lief das hier duch meinen Newsfeed. Es wird.

Tuesday, 05 February 2019

Fifty Shades of Hack Back

Regelmäßig flattert mir Die Zeitschrift für Informationssicherheit <KES> in den beruflichen Briefkasten und erfreut mich mit mehr oder weniger spannenden Artikeln zu Informationssicherheit und Datenschutz. Obwohl mir die netzpolitische Tragweite manchmal zu kurz kommt und der ein oder andere Artikel einen leichten Beigeschmack hat, stellt die Lektüre für mich einen allgemeinen Mehrwert dar.

Im aktuellen Heft 62018 mahnt nun Sven Herpig von der Stiftung Neue Verantwortung unter dem Titel “Schwachstellen für Deutschland” an, dass es einen rechtlich verankerten Prozess braucht, nach dem Deutschland zum Ausbau seines Cyber-Offensiv-Potentiales Zero-Days-Schwachstellen horten muss.

Er stellt fest, dass Deutschland “…neben dem Dreiklang aus Prävention, Detektion und Reaktion […] zunehmend auch auf Repression als zusätzliches Element seiner Cyber-Sicherheitsstrategie …” setzt.

Das ist zunächst keine große Überraschung, hat sich doch die Bundesrepublik dafür gerade erst mit Zitis ein Startup zur Unterstützung seiner Sicherheitsbehörden gelaunched.

Im nächsten Satz stellt er ferner fest, dass aufgrund des staatlichen Wunsches nach “aktiver Cyberabwehr”, auch “Hack Back” genannt, wieder einmal Diskussionen aufkommen. Aus seiner Sicht seien viele Fragen noch ungeklärt, und nicht selten bewege sich der Diskurs nur zwischen Schwarz und Weiß, ohne zwischen verschiedenen Eskalationsstufen zu unterscheiden.

Mit diesen Graustufen beschäftigt er sich dann im Laufe des weiteren Artikels und skizziert, wie der Staat “verantwortungsvoll” über die Zurückhaltung von Lücken entscheiden könnte, wie dieser Besitz geschützt werden müsste, welche Kontrollinstrumente es geben sollte und wann die Lücken dann schließlich an die Öffentlichkeit gebracht werden sollten.

Dabei lässt er unter anderem die Frage aussen vor, ob es für den Staat legitim sein sollte, Schwachstellen käuflich zu erwerben, auf “legalen” oder “illegalen” Marktplätzen sei jetzt mal dahingestellt, oder ob Lücken nur durch eigenes Hacking in Kenntnis gebracht werden dürfen. Beim Schutz dieser Informationen mahnt er große Sorgfalt an und führt sogar als Negativbeispiel an, dass selbst “mächtige Geheimdienste wie die NSA” mal Sicherheitslücken haben, wodurch sie Sicherheitslücken verlieren. Das diese dann in Schadsoftware wie Petya/NotPetya oder WannaCry verwendung fanden, findet er richtigerweise katastrophal.

In seiner Vorstellung entscheidet ein Gremium, bestehend aus “Bundeswehr und Sicherheitsbehörden sowie BSI, Bundeswirtschaftsministerium und Auswärtigem Amt” darüber, ob eine Lücke zurückzuhalten sei oder nicht. Bei Bedarf sollen auch weitere Ämter wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte oder (externe) Experten einbezogen werden. Die bekämen aber kein Stimmrecht.

Anhand von neun Indikatoren solle bewertet werden, ob eine Lücke zur Zurückhaltung taugt. Neben Fragen zur Attraktivität (u.a. Verbreitung, Patch-Status, Mitigationsmaßnahmen, Operativer Nutzen), kommen u.a. auch die Fragen nach der Schwere und Kollissionsrate (also wie sicher fühlt man sich, dass man allein diese Lücke kennt) vor. Auf dieser Basis soll demokratisch darüber abgestimmt werden, was mit der Lücke zu geschehen hat, wobei bereits bei einer Ablehnung durch 15% der Teilnehmer eine Lücke sofort zu veröffentlicht sei. Eine qualitative Bewertung soll also nicht stattfinden, jede Behörde entscheidet völltig unabhängig.

Was das bei einem Gremium bestehend aus “Bundeswehr, MAD, BND, VS, Bundespolizei, Zoll, Bundesgrenzschutz, BSI, BMWi, AA” dann z.B. für die Relevanz eines BSI, der auch den “Verbraucherschutz im Internet” verantwortet, bedeutet, lasse ich als kleine Rechenaufgabe stehen. Auch die bundeseigenen Datenschützenden oder die Bundesnetzagentur werden wohl nicht als entscheidungsrelevant angesehen. Aber natürlich gäbe es auch noch parlamentarische Kontrolle, einen Transparenzbericht und das ganze Pipapo. Dann kann sich die Bevölkerung im Nachgang ganz in Ruhe am nächsten Safer-Internet-Day damit befassen, warum schon sie schon wieder ihr Passwort ändern soll.

Wie man merkt, kann ich dem Vorschlag nichts abgewinnen. Aber eigentlich ist das aus meiner Sicht nicht das große Problem an dem Artikel.

Vielmehr finde ich skandalös, dass hier durch eine staatsnahe Fachpublikation Framing vom Feinsten betrieben wird. Anstatt die Notwendigkeit, Sicherheitslücken für Offensivzwecke zu horten, zu hinterfragen, wird es so dermaßen als faktische Notwendigkeit dargestellt, dass man gewillt ist, das beschriebene Konzept als eine Verbesserung wahrzunehmen.

Aber Sicherheitslücken gehören sofort und ohne Umschweife verantwortlich dort gewmeldet, wo eine Behebung erfolgen kann. Alles andere zieht unsere Sicherheit in in Mitleidenschaft und gehört verboten!

Sunday, 03 February 2019

Endlich wieder FOSDEM

Als ich 2014 von meiner ersten FOSDEM wieder nach Hause fuhr, nahm ich mir vor, diesen jährlichen Termin fest im Kalender zu vermerken. Das hatte auch bis 2016 geklappt, leider war ich dann zweimal in Folge nicht in der Lage an der FOSDEM teilzunehmen. Umso mehr hat mich gefreut, dass ich doch noch kurzfristig und trotz vieler anderer Verpflichtungen dieses Jahr wieder in die belgische Hauptstadt fahren konnte.

Los ging es am Freitag vormittag mit dem Zug. Beruflich fliege ich aktuell sehr viel, so dass es mir aus verschiedenen Gründen (Klima, Kosten, Bahncard) ein Anliegen war, die Strecke von Strande nach Brüssel im Zug zurückzulegen, was sich als komplizierter als gedacht erwiesen hat.

Ich hatte bereits die ganze Woche über versucht, mir ein Ticket für die Bahn zu kaufen. Erwartungsvoll wählte ich einen Zug (ICE Kiel-Basel, ICE Frankfurt/Main Brüssel) für den ich aber im ersten Schritt keinen Preis bekam. Soweit kannte ich das, also ließ ich mich zur Bahnseite für internationale Buchungen weiterleiten, gab mein Geburtsdatum (sic!, in Zeiten der DSGVO sollte das Alter eigentlich reichen) an und klickte hoffnungsvoll auf Weiter. Was danach geschah, konnte man nur als Systemfehler deuten, inkl. dem Hinweis man möge doch eine Mail schreiben oder eine Nummer (60ct pro Anruf) anrufen. Also tat ich, wie mir geheissen und schrieb eine Mail, die bis heute unbeantwortet ist. Auch in der Warteschleife der Hotline verbrachte ich einen Teil meines Lebens, helfen konnte man mir dann am Ende nicht. Ich will jetzt kein plattes Bahn-Bashing betreiben, aber es gibt da durchaus Verbesserungsbedarf. Am Ende bin ich dann am Freitag zum Reisezentrum in Kiel gefahren, persönlicher Kontakt ist einfach durch nichts zu ersetzen. Im ersten Moment konnte mein Gegenüber ebenfalls meine gewählte Reiseroute nicht mit einem Preis versehen. Doch die Herausforderung wurde angenommen, letztendlich bestand der Trick darin, den Zug bis zur Grenze und dann von der Grenze nach Brüssel einzeln zu buchen. Der Nachteil, wenn man das selbst zuhause macht ist, dass man für die Platzreservierungen zweimal zahlen müsste. Im Reisezentrum wurde dieser Umstand direkt adressiert und mir der zu Hohe betrag “gutgeschrieben”.

Mit vielen Blättern Papier und einem 10 EUR Gutschein verließ ich dann gutgelaunt das Reisezentrum Richtung Zug. Die weitere Fahrt verlief so dermaßen ereignislos, dass ich sie hier gar nicht weiter ausführen möchte. Meine historisch weitestgehend guten Erfahrungen mit der Deutschen Bahn wurden abermals bestätigt, Shit happens aber ich kam auf die Minute in Brüssel Midi an.

Der öffentliche Nahverkehr in Brüssel ist ziemlich modern, was übersetzt soviel bedeutet, dass es wahnsinnig kompliziert ist, wenn man sich das erste mal damit beschäftigt und man bei egal welchem Kauf immer das Gefühl hat, die falsche Option gewählt zu haben. Ich habe beim letzten Mal den Tipp mitgenommen, dass man sich (anonyme) RFID-Karten kaufen kann, die man immer wieder auflädt. Das macht dann für 10 Fahrten 5 EUR für die Karte und 14 EUR für die Fahrten. Statt den üblichen 2,10 EUR pro Fahrt zahlt man also 1,40, die 5 EUR verteilen sich über die kommenden Jahre, mit dem ersten Kauf spart man bereits 2 EUR. Beim nächsten mal sind das dann 7 EUR und das sind schon fast 2 Bier. :-)

Weiterhin sei noch der Hinweis angebracht, dass man beim Wechsel des Verkehrsmittels die Karte immer scannen muss, das kostet nichts extra, aber wenn man es nicht macht und kontrolliert wird, dann kostet es ordentlich extra.

Ausgestattet mit meinem neuen Finanzoptimierungskonzept fuhr ich zum Check-in ins Hotel (MotelOne), machte mich frisch und fuhr dann zum ersten FSFE-Get-Together ins Goupil le Fol, einer verwinkelten Kneipe, wo wir einen kleinen Raum hatten.

Während sich in den letzen Jahren meine Online-Identität nicht verändert hat, haben die mir gar nicht so bewussten Veränderungen in meinem Gesicht für diverse Wiedererkennungsprobleme gesorgt, aber nachdem das geklärt war, war es ein schönes Wiedersehen und Kennenlernen.

Später bin ich dann noch weitergezogen, hier verliert sich meine Spur in der Nacht…

Der Samstag begann dann mit leichten Anlaufschwierigkeiten, aber nach einem feinen Frühstück in einer nahegelegenen Bäckerei brach ich dann zur ULB auf. Als ich ankam, lief bereits die Keynote von Bradley Kuhn und Karen Sanders, die sich mit der Frage beschäftigte, ob man in seinem Leben komplett auf Freie Software setzen kann. Ich bin dann aber nicht ganz bis zum Ende geblieben, weil ich im vollbesetzten Auditorium nur einen Platz auf einer Kante fand, was mir dann doch zu unbequem wurde. Aber heise.de hat den Vortrag gut zusammengefasst.

Die FOSDEM ist nicht nur das Klassentreffen der FSFE sondern auch der größte FSFE-Merchandising-Verkauf. Also führte mich mein nächster Weg direkt dorthin und das hochmotivierte Stand-Team strahlte meine verbliebene Müdigkeit weg. Nun wollte ich eigentlich Vorträge besuchen gehen, allerdings liefen mir ständig alte Gesichter über den Weg, und mal im Ernst, die Vorträge kann man hinterher auch noch schauen, bei der FOSDEM geht es um die Menschen. Also führte ich viele schöne Gespräche mit alten und neuen Bekannten und verbrachte so die erste Tageshälfte.

Nichtsdestotrotz fand ich noch meinen Weg zu einigen Vorträgen wie über die Nutzung der AGPL oder einem Panel zu Activity Pub. Die AGPL bekam zuletzt durch den Entschluss von MongoDB, eine eigene “Non-Cloud”-Lizenz, die naturgemäß nicht frei im Sinne der FSFE und OSI ist, etwas mehr Aufmerksamkeit. John Sullivan besprach wo die AGPL hilft, und auch wo sie nicht hilft. Insgesamt wird uns das Thema SaaSS (Server as a Software Substitute) wohl noch viel mehr beschäftigen müssen. In der Free Software-Community gibt es starke Bestrebungen, dass Thema Privacy stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Aber das kann eine Lizenz in der Form nicht leisten, ohne unfrei zu werden, doch man merkt deutlich den ethischen Anspruch bei den Freie-Software-Aktiven.

Auf Activity Pub war ich durch den Microblogging-Dienst Mastodon aufmerksam geworden. Es ist eine kleine aber feine Spezifikation für Web-basierte soziale Netzwerke, die föderieren sollen. Auch wenn sie noch Lücken hat, ist es aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und ich hoffe darauf, dass das Fediverse die kritische Masse erreicht, die es verdient.

Am Abend bin ich dann mit einigen Freunden losgezogen, das FSFE-Treffen hatte ich aber ausgelassen. Das Highlight war sicher die Portion Muscheln mit Pommes. Muss ich nicht jeden Tag haben, aber war ziemlich lecker. :)

Der Morgen begann etwas schwungvoller als am Vortag, obwohl die Nacht sogar etwas kürzer war. Das heisst wohl, dass ich mich nun im vollen FOSDEM-Modus befand, ein schönes Gefühl.

Nach einer morgendlichen Begrüßungsrunde nahm ich mir die Zeit, die verschiedenen Projektstände abzuklappern. Natürlich ging es vor allem um Sticker, aber ich habe auch zwei Projekte gefunden, die ich nicht kannte und die für mich sehr relevant sind.

SystemTestPortal ist eine Test-Management-Plattform, die zum Beispiel beim Linage-Projekt zum Einsatz kommt. Im Grunde werden die verschiedenen Testszenarien zu einem Produkt angelegt. Nach einer Änderung wird dann eine neue Version angelegt, zu der sämtliche Szenarien durchgetestet werden sollen. Natürlich ist Testautomatisierung besser, aber erfahrungsgemäß wird es immer einen Platz für manuelle Tests geben und für diese Fälle ist dieses Tool.

Das andere große Ding waren die TechKids aus Bonn. Dieser Verein bringt Kinder und Freie Software zueinander, was insbesondere durch den Einsatz von Skolelinux passiert. Das Skolelinux-Projekt wird für Deutschland ebenfalls aus dem Umfeld des Vereins vorangetrieben. Beim netten Plausch erfuhr ich nebenbei, dass es in Schleswig-Holstein bereits 10 Schulen mit Skolelinux gibt und mir wurde ein Kontakt zur Person dahinter vermittelt.

Den Rest des Vormittags verbrachte ich mit Kaffee und einem leckeren veganen Sandwich (eigentlich wollte ich Käse, aber irgendwie bekomme ich immer gegrilltes Gemüse) und dem schreiben dieses Blogs. Anschließend ging ich zu einer Verabredung in ein gemütliches Bio-Bistro. Von dort kehrte ich gestärkt aber einigermaßen müde zur sich langsam in Auflösung befindlichen FOSDEM zurück.

Der Versuch, noch einen Vortrag zu besuchen, scheiterte an der Platzsituation und so blieb es bei netten Unterhaltungen, z.B. über Privacy IDEA.

Meine FOSDEM endete mit dem Abbau des FSFE-Stands inkl. Abstransport.

Anschließend gingen wir gemeinsam Pommes essen und verbrachten noch einige gemütliche Stunden. Den Abschluss machte ein längerer Spaziergang durch Brüssel und ein Absacker an der Hotelbar.

Nach dem obligatorischen Kauf von Mitbringeln sitze ich nun im Zug nach Hause schreibe die letzten Zeilen hier und schwelge in Erinnerungen an die FOSDEM und der Vorfreude darüber, bald wieder Zuhause zu sein.

Friday, 01 February 2019

Exkurs: Open-Source-Saatgut für die Klimafolgenanpassung – Umweltamt verteilt Tomatensamen

  • Do-FOSS
  • 22:30, Friday, 01 February 2019

Die Open-Source-Tomate

Bild: Die Open-Source-Tomate

Einladung zum Vortrag

In den Blogbeiträgen Exkurs: Saatgut wie Software – eine Frage der Lizenz und Exkurs: Stadt Dortmund erntet Open-Source-Saatgut, hat Do-FOSS sich mit rechtlichen Parallelen von Freier Software und Freiem Saatgut befasst. Nun führt das Umweltamt der Stadt Dortmund sein Engagement für Open-Source-Saatgut fort. Ab nächster Woche wird von der Klimaschutzstelle des Umweltamtes das geerntete Open-Source-Saatgut kostenfrei, an alle Interessierten ausgegeben. Die Ausgabe erfolgt dabei nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Zum Auftakt der Saatgutausgabe wird es einen Abendvortrag geben, der die Hintergründe des städtischen Engagements für Freies Saatgut erläutert. Die Einladung zum Vortrag gibt Do-FOSS gerne hier wieder.

Einladung zum Saatgutvortrag im Wortlaut

Open-Source-Saatgut für die Klimafolgenanpassung: Umweltamt verteilt Tomatensamen

Was haben leuchtend-gelbe Cocktail-Tomaten mit dem Klimawandel zu tun? Und wieso ist Open-Source-Saatgut gut für die Klimafolgenanpassung? Antworten darauf gibt das Umweltamt am Donnerstag, 7. Februar, 18 Uhr im Dienstleistungszentrum Energieeffizienz und Klimaschutz (dlze) in der Berswordt-Halle, Kleppingstraße 37. Erstmalig nach der Info-Veranstaltung und in den kommenden Wochen kann man Open-Source-Saatgut der samenfesten Freilandtomate Sunviva mit nach Hause nehmen – solange der Vorrat reicht. Für Schulklassen o.ä. sind auch größere Mengen möglich.

Das Team der Koordinierungsstelle für Klimaschutz und Klimaanpassung im Umweltamt hat im vergangenen Herbst Tomatensaatgut geerntet, das an Klimaveränderungen angepasst werden kann. Es handelt sich dabei um sogenanntes Open-Source-Saatgut. Das bedeutet, dass das Saatgut frei nutzbar ist, also keinen privatrechtlichen Schutzrechten unterliegt.

Mehr zum Thema erfährt man beim 45-minütigen Vortrag am Donnerstag.

Anmeldungen erwünscht (aber keine Voraussetzung) bei Christian Nähle, Tel. (0231) 50–2 87 74 oder per Mail: cnaehle@stadtdo.de.

Die Öffnungszeiten des dlze zur Abholung des Open-Source-Saatguts:
Dienstag: 09:00 Uhr – 12:00 Uhr und 14:00 Uhr – 16:00 Uhr
Mittwoch: 09:00 Uhr – 12:00 Uhr und 14:00 Uhr – 16:00 Uhr
Donnerstag: 14:00 Uhr – 18:00 Uhr
und nach Vereinbarung

Redaktionshinweis: Angehängt ist das Saatgutprospekt mit Informationen zur „Open-Source-Tomate Sunviva“.

(Hervorhebungen und Verlinkungen durch den Verf.)

Auszug aus dem Saatgutprospekt des Umweltamtes zur Open-Source-Tomate Sunviva

Die Ausgabe des Open-Source-Saatguts erfolgt mit einem kleinen Begleitprospekt, welches Do-FOSS im Folgendem in einem Auszug wiedergibt.

Open-Source-Lizenz

Saatgut ist die Grundlage für unsere Lebensmittel. Diese Sunviva-Tomate ist durch eine Open-Source-Lizenz vor Patentierung geschützt. Nachbau aus den Samen ist frei. Neue Sorten, die aus ihr gezüchtet werden, müssen auch unter die Open-Source-Lizenz gestellt werden.
Das heißt:

  • Jeder Mensch darf das Saatgut nutzen.
  • Niemand darf es privatisieren.
  • Besitzende des Saatguts übertragen diese Rechte und Pflichten auch an zukünftige Nutzende.

Saatgut mit gleichen
Rechten und Pflichten für alle

Mit Erwerb des Saatguts oder bei Öffnung der Verpackung dieses Saatguts akzeptieren Sie im Wege eines Vertrages die Regelungen eines kostenfreien Lizenzvertrages. Sie verpflichten sich vor allem, die Nutzung dieses Saatgutes und seiner Weiterentwicklungen nicht z.B. durch Beanspruchung von Sortenschutzrechten oder Patentrechten an Saatgutkomponenten zu beschränken. Zugleich dürfen Sie das Saatgut und daraus gewonnene Vermehrungen nur unter den Bedingungen dieser Lizenz an Dritte weitergeben. Die genauen Lizenzbestimmungen finden Sie unter www.opensourceseeds.org/lizenz.

Wenn Sie diese Bestimmungen nicht akzeptieren wollen, müssen Sie von Erwerb und Nutzung dieses Saatguts Abstand nehmen.

hr Ansprechpartner im Umweltamt bei der Koordinierungsstelle für Klimaschutz und Klimaanpassung:

Herr Christian Nähle
(0231) 50-2 87 74
cnaehle@stadtdo.de
www.umweltamt.dortmund.de

Landwirtschaft braucht Pflanzenvielfalt – zur Motivation von OpenSourceSeeds

Die vom Umweltamt genutzte Lizenz, um das Saatgut als Gemeingut zu schützen, stammt von OpenSourceSeeds. Im Flyer Landwirtschaft braucht Pflanzenvielfalt von OpenSourceSeeds wird die Motivation für eine Freie-Saatgut-Lizenz zusammengefasst. Hierfür lässt Do-FOSS die Initiative selbst zu Wort kommen.

Logo: OpenSourceSeeds

Logo: OpenSourceSeeds (© OpenSourceSeeds – AGRECOL)

Gegen Privatisierung und Monopolisierung

Bis ins 20. Jahrhundert war Saatgut Gemeingut und gehörte allen. Überall auf der Welt schufen Bauern und Bäuerinnen gemeinsam unsere Kulturpflanzen, erhielten sie und züchteten sie weiter. Heute wird Saatgut zunehmend privatisiert, indem Sortenschutz oder Patente geltend gemacht werden. Drei große Chemiekonzerne bestimmen weltweit fast 60 % des kommerziellen Marktes für Saatgut. Damit entscheiden sie auch, was bei uns auf den Teller kommt. Eine zukunftsfähige Landwirtschaft muss diese Einseitigkeiten und Abhängigkeiten überwinden. Dafür braucht es freien Zugang zu Saatgut und Sorten als Zuchtmaterial für viele unabhängige, ökologische Pflanzenzüchter.

Vielfalt ist notwendig

Jeder Acker ist anders. Reiche Ernte gibt es nur, wenn die Pflanze zu Boden und Klima passt. Dafür reicht es nicht, nur wenige Kulturpflanzen zu züchten und wenige Sorten großflächig zu verbreiten. Für die verschiedensten Standortbedingungen brauchen wir ein reiches Angebot an Kulturpflanzen mit vielen verschiedenen Sorten. Nur so wird es gelingen, die Landwirtschaft an den Klimawandel anzupassen, auf den hohen Einsatz von Chemie zu verzichten und letztlich Ernährungssicherheit für erwartete 11 Milliarden Menschen zu erreichen.

Dafür braucht es freie Pflanzenzüchter

Nur wenn Saatgut frei ist von Patenten und Sortenschutz können viele unabhängige Züchter tätig werden und die dringend notwendige Vielfalt von Kulturpflanzen mit ökologisch angepassten und leistungsfähigen Sorten erzeugen. Hier kommt die Open-Source Saatgut-Lizenz ins Spiel. Sie ermöglicht, Saatgut und seine Weiterentwicklungen vor Privatisierung zu schützen und als Gemeingut rechtlich abzusichern. Dadurch kann die gemeinnützige Pflanzenzüchtung gestärkt und als eine zweite Säule neben der privaten Saatgutbewirtschaftung etabliert werden.

Was Open-Source mit Saatgut zu tun hat

Das Open-Source Prinzip kennen wir aus dem Software-Bereich: Open-Source-Software darf jeder kostenlos nutzen, weitergeben und verändern und Creative-Commons Lizenzen, die wir auch von Wikipedia kennen, sorgen dafür, dass das so bleibt [Dies gilt im Allg. nur für Open-Source-Lizenzen / Creative-Commons-Lizenz-Varianten, welche die Copyleft-Eigenschaft haben. – Anm. d. Verf.]. Auch Pflanzen bergen in ihren Genen eine Vielzahl von Informationen zu ihren Eigenschaften wie Aussehen, Wachstum und Ertrag. Pflanzenzüchtung bedeutet, mit diesen Informationen zu arbeiten und Sorten zu entwickeln, die guten Ertrag bringen und schmackhaft sind. Dies darf nicht einigen wenigen Unternehmen überlassen werden. Je mehr Menschen bei der Pflanzenzüchtung mitmachen, desto vielfältiger kann unsere Landwirtschaft werden. Nur freies Saatgut ermöglicht ihre Teilhabe.

Zukunftsstiftung Landwirtschaft

Neben OpenSourceSeeds ist aus Sicht von Do-FOSS für die Zukunft einer Freien Landwirtschaft die Zukunftsstiftung Landwirtschaft ein weiterer wichtiger Akteur. Diese schreibt über sich selbst:

„Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft fördert Initiativen, die sich für die Stärkung und Weiterentwicklung der ökologischen Landwirtschaft einsetzen. Wir verfügen nur über ein geringes Stiftungsvermögen. Unser Engagement wird von zahlreichen Menschen, Unternehmen und Institutionen ermöglicht, die uns mit ihren großen und kleinen Spenden unterstützen.“

Aus den Reihen von Do-FOSS werden deshalb mit diesem Blogbeitrag 250,- € je an OpenSource Seeds und an die Zukunftsstiftung Landwirtschaft gespendet – wer wie Do-FOSS auch etwas für eine Freie Landwirtschaft spenden möchte, findet hier die Kontodaten von OpenSourceSeeds und hier die Kontodaten der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. Mit dieser Aktion schließt Do-FOSS die Exkurse zum Saatgut-Software-Vergleich ab und freut sich, dass sich die Stadt Dortmund um Freien Zugang und Verfügungsrechte als Gemeingut nicht nur im Softwarebereich bemüht.

Dokumente zum Herunterladen

Die Pressemitteilung der Stadt Dortmund „Open-Source-Saatgut für die Klimafolgenanpassung: Umweltamt verteilt Tomatensamen“ vom 31.01.2019 kann hier und das Saatgutprospekt „Open-Source-Tomate Sunviva“ kann hier heruntergeladen werden. Weitere Informationen zum Thema „Open-Source-Saatware“ wurden von Do-FOSS hier zusammengestellt.

CC0
Soweit im gesetzlichen Rahmen möglich verzichtet der Autor auf alle Urheber- und damit verwandten Rechte an diesem Werk.
Es kann beliebig genutzt, kopiert, verändert und veröffentlicht werden.
Für weitere Informationen zur Lizenz, siehe hier.

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Monday, 24 December 2018

Interview zu F-Droid mit ZDF Heute

Der Onlineauftritt von ZDF heute hat zwei Artikel zu F-Droid veröffentlicht. Im Vorfeld gab es dazu ein Interview mit mir. Da es nicht das ganze Interview in die Artikel geschafft hat, veröffentliche ich es hier der Vollständigkeit und Transparenz halber.

 

Was unterscheidet F-Droid vom Play-Store?

F-Droid ist wie der Play-Store ein Ort, um neue Apps zu bekommen. Allerdings sind bei F-Droid ausnahmslos alle Apps sogenannte Freie Software. Das bedeutet kurz gesagt, dass man sie frei verwenden, verstehen, verbessern und verbreiten darf. So ist für jede Version jeder App auch der Quelltext offen verfügbar (Open Source).

Was ist der Vorteil von F-Droid-Apps aus Nutzersicht?

Die Verfügbarkeit des Quelltextes jeder App verhindert es, dass sich Spionagefunktionen in der App verbergen. Sollten solche bereits im Quelltext des Entwicklers vorhanden sein, dann werden sie von F-Droid entfernt. Im Play Store hat der überwiegende Teil aller Apps meist sogar mehrere Spionagefunktionen mit denen das Verhalten der Nutzer überwacht und ausgewertet wird.

Darüber hinaus finden sich bei F-Droid auch einige kostenlose Apps, die bei Google Play Geld kosten würden.

Wieviel Apps gibt es zur Zeit auf F-Droid?

Aktuell (Dezember 2018) werden 1707 verschiedene Apps von F-Droid aktiv verteilt. Im Archiv finden sich noch mehr, diese Apps sind aber meist veraltet und nicht zur Installation empfohlen.

Wie sieht der Überprüfungsprozess einer App aus? Wenn die App Werbung, proprietäre Elemente oder Tracking enthält, verweist F-Droid in der Profilseite der App auf F-Droid extra darauf?

Eine neue App wird mit einem sogenannten Pull Request hinzugefügt. Dieser wird dann von einer oder mehreren Personen gesichtet und die App einer groben Prüfung unterzogen. Da es sich hierbei um Ehrenamtliche handelt, kann der Code der Apps dabei nicht vollständig auditiert werden. Es gibt allerdings automatische Tools die Tracker und Schadsoftware im Quelltext entdecken können und bei der Prüfung unterstützen. Bisher gab es keinen Fall von Schadsoftware in F-Droid.

Proprietäre, also unfreie Bestandteile der App sind grundsätzlich nicht erlaubt. Werbung ist nicht verboten, wird aber meist mit unfreier Software umgesetzt und ließe sich sowieso leicht entfernen. Deswegen gibt es bei F-Droid’s Apps keine Werbung.

Sollte eine App unerwünschtes Verhalten aufweisen oder unfreie Netzwerkdienste wie z.B. Twitter benötigen, dann weist F-Droid darauf hin.

Warum ist die „normale“ Firefox-Android-App nicht auf F-Droid, sondern nur Firefox Klar? Und wieso zwar Telegram und Kontalk auf F-Droid sind, aber nicht Signal?

Es gab mit Firefox in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit den Markenrechten, deswegen haben viele freie Projekte es unter anderem Namen verbreitet. Hintergrund: https://lwn.net/Articles/676799/

Firefox ist daher aktuell unter dem Codenamen Fennec zu finden.

Mit den Entwicklern von Signal gab es schon vor vielen Jahren Streit um die Aufnahme von Signal in F-Droid. Die Entwickler wollen nicht in F-Droid sein und die Verbreitung der App komplett selbst kontrollieren. Außerdem ist Signal aktuell keine Freie Software, weil es eine Komponente von Google enthält, die unfrei ist.

Wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es Apps, deren F-Droid-Version im Vergleich mit der Play-Store-Version datenschutzfreundlicher sind, weil die App-Betreiber sie für F-Droid „bereinigt“ haben, oder? Kannst du ein Beispiel einer App nennen, bei der es so ist?

Apps in F-Droid die normalerweise Google Analytics verwenden, um das Nutzerverhalten auszuwerten, finden sich hier.

Das ist z.B. die Ubuntu One Files app.

Eine andere Tracking library ist Admob (jetzt ebenfalls von Google). Die
apps dazu sind hier.

Kannst du sagen, wieviele Leute zur Zeit im Kern-Team von F-Droid sind und wieviel in der aktiven Community?

Das lässt sich schwer sagen, aber folgende Zahlen erlauben eine Annäherung:

Auf Gitlab sind 28 Entwickler*innen in der F-Droid Gruppe.

Im Community-Forum sind aktuell 2314 Benutzer registriert.

Thursday, 13 December 2018

Gemeingütertag: Anerkennung und breiter Kontext für Freie Software

  • Do-FOSS
  • 22:03, Thursday, 13 December 2018

Agenda-Siegel 2018 der Stadt Dortmund an die GEMEINGÜTER-Initiative verliehen

Logo Gemeingütertag der GEMEINGÜTER-Initiative von Pauluskirche und Kultur

Bild: Gemeingütertag der GEMEINGÜTER-Initiative von Pauluskirche und Kultur

Für die Organisation des Gemeingütertages – Commons, Nachhaltigkeit und Klima hat die GEMEINGÜTER-Initiative unseres Kooperationspartners Pauluskirche und Kultur das Agenda-Siegel 2018 erhalten. Zu dem Gemeingütertag hat Do-FOSS gemeinsam mit dem Kooperationspartner der FOSS-AG und dem Open-Office-Veranstalter Reiner Bock einen Beitrag geleistet.

Der Gemeingütertag bot einen breiten Kontext in dem u.a. Freie Software als Commons diskutiert wurde.

Commons sind Ressourcen (Code, Wissen, Nahrung, Energiequellen, Wasser, Land, Zeit u.a.), die aus selbstorganisierten Prozessen des gemeinsamen bedürfnisorientierten Produzierens, Verwaltens, Pflegens und/oder Nutzens (Commoning) hervorgehen. [1]

Wer mehr zum Kerngedanken des Themas Commons erfahren möchte, sei auf den Einführungsvortrag des Gemeingütertags vom Commons-Institut hingewiesen. Ergänzend hierzu stellt Do-FOSS gesammelte Unterlagen zum Thema Commons zur Verfügung.

Do-FOSS gratuliert der GEMEINGÜTER-Initiative für den Erhalt des Agenda-Siegels 2018. Den Commons-Aspekt von Freier Software sieht Do-FOSS dabei als sehr gute Ergänzung zu der eigenen Auszeichnung mit dem Agenda-Siegel 2016, welche sich auf Nachhaltigkeitsaspekte von Freier Software bezog.

Im Folgenden soll die Bewerbung der GEMEINGÜTER-Initiative für sich selbst sprechen.

Bewerbung der GEMEINGÜTER-Initiative um das Agenda-Siegel 2018 im Wortlaut


Preisverleihung Sierau
Preisverleihung durch Oberbürgermeister Ullrich Sierau an die GEMEINGÜTER-Initiative (vertreten durch Pfarrer Friedrich Laker) (Foto: Büro für internationale Beziehungen und nachhaltige Entwicklung / © Stadt Dortmund)


Gruppenfoto: Agenda-Siegel-Preisträger
Agenda-Siegel-Preisträger (Foto: Peter Otworowski: terre des hommes-Team Dortmund / Lizenz: unbekannt)

Bewerbungsbogen

Die Stadt Dortmund verleiht das Agenda-Siegel als Auszeichnung für bürgerschaftliche Projekte und Ideen im Bereich nachhaltiger Entwicklung, die im Sinne der Agenda 21 ökologische, ökonomische und soziale Dimensionen verbinden. Auch Projekte unter dem Motto „Global denken, lokal handeln“ sind gefragt. Damit soll Engagement aus der Mitte der Gesellschaft ausgezeichnet und der Begriff „Nachhaltigkeit“ vor Ort mit Leben erfüllt werden.

Einsendeschluss: 31. Oktober 2018

Angaben zum Projekt:
1. Bezeichnung/Name des Projekts:

Gemeingütertag – Commons, Nachhaltigkeit und Klima
Leben ist für Alle!

(s. 02. Anlage – Gemeingütertag (Logo) und Pressefoto 03. Anlage – Pressefoto Gemeingütertag (Foto))

Der Gemeingütertag – eine Veranstaltung der GEMEINGÜTER-Initiative von Pauluskirche und Kultur – fand ganztägig am Samstag, den 7. Juli 2018 statt und bestand aus einem facettenreichen Programm mit vielen Organisationen und Initiativen – diese boten: Informationsstände rund um die Kirche, Mitmachaktionen, Vorträge, Themenforen, Gesprächskreise, Workshops, Kultur, sowie Essen und Trinken, Shops und vieles mehr. Der Eintritt war FREI! Alle waren willkommen!

Bereits am Freitag, den 6. Juli 2018 gab es ein Auftaktkonzert zum Gemeingütertag. Es war ein Konzert ohne Eintrittsgeld. Alle konnten entscheiden was sie geben möchten und den entsprechenden Betrag in einen Hut legen. Kultur ist für Alle!

Dem Gemeingütertag lagen folgende Überlegungen zu Grunde:

Luthers Gnadenlehre
Martin Luthers Gnadenlehre sagt: der Glaube ist ein Geschenk. Da gibt es nichts, was du dafür leisten musst. Du bist ein geliebtes Kind Gottes. Von Anbeginn an.

>>Gottes Güter umsonst
Dass die Menschen an allen Gütern der Gemeinschaft teilhaben können unabhängig von ihrer Leistung, das wäre – so der Reformationshistoriker Berndt Hamm – die Überführung der Gnadenlehre Luthers in eine Gesellschaftstheorie. Commons, Gemeingüter als Konsequenz aus Luthers Gnadenlehre: Weil wir Menschen sind, nimmt uns Gott an. Weil wir Menschen sind, steht uns zu, was wir zum Leben brauchen – nicht aufgrund irgendeiner Leistung.<< (Christoph
Fleischmann; Podcast und Manuskript: https://tinyurl.com/Gottes-Gueter-umsonst)

Wer verfügt über unsere Lebensgüter?
Wir haben im Reformationsjahr (2016-2017) viel darüber gesprochen, wer über unsere Lebensgüter verfügt (vgl. https://tinyurl.com/Wvd-Flyer, s. a. Videozusammenfassung der Veranstaltungsreihe „Wer verfügt darüber?“ vom 13.06.2017 [https://tinyurl.com/WvD-Video, Länge: 15:51 Min.]). Sollten nicht alle lebenswichtigen Güter wie Wasser, Saatgut, Medikamente, Energie und heutzutage auch Digitales Frei für alle verfügbar sein? So wie die Bibel, die jeder lesen und verstehen können sollte, so wie der Glaube, den nicht allein die Kirchen bestimmen sollten. Bisher bestimmen aber Privatinteressen, z.B. große Konzerne, über unser aller Lebensgüter und betrachten diese als ihr Eigentum.

Was steht mir als Mensch zu, weil ich Mensch bin?
>>Wenn wir uns zu dieser Haltung durchringen können: Dass Menschsein an sich bedeutet, dass wir teilhaben an den Ressourcen dieser Erde, die uns geschenkt worden sind. Und dann versuchen wir diese Ressourcen dieser Erde so gemeinschaftlich zu verwalten, dass wir es nicht abhängig machen von der Leistung des Einzelnen und dem Geldeinkommen des Einzelnen. Das ist tatsächlich ein Paradigmenwechsel, denn da geht es um die Frage, wie verhalten wir uns zu dem Anderen und wie können wir dafür sorgen, dass alle mitkommen und niemand ausgeschlossen wird. […] Weil wir Mensch sind, steht uns [Frei] zu, was wir zum Leben brauchen. Und nicht: Nur wer arbeitet, darf auch essen.<< (Silke Helfrich; https://commons.blog)

Wie können Frei verfügbare Ressourcen beschrieben werden?
„Eine Ressource ist Frei, wenn
(1) man sie ohne Erlaubnis nutzen kann; oder
(2) die Erlaubnis, sie zu nutzen, neutral vergeben
wird.“ (Lawrence Lessig)

Eine Welt – für Alle
In der GEMEINGÜTER-Initiative werden wir weiter über die Verfügungsrechte unserer Lebensgüter diskutieren und für Veränderungen in der Wahrnehmung unserer Menschenrechte eintreten. Hierzu war der ‚Gemeingütertag – Commons, Nachhaltigkeit und Klima‘ ein Beitrag von uns für Eine Welt für Alle.

Den Aktiven des Gemeingütertages war gemeinsam, dass sie sich in eines der Unterthemen des Gemeingütertages – nämlich Commons, Nachhaltigkeit und Klima – einordnen konnten (vgl. 04. Anlage – Gemeingütertag – Programm).

2. Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Projekt?

Der Gemeingütertag verfolgte im Wesentlichen zwei Ziele:

  • Zum einen sollte ein Ort der Begegnung im Lichte sozialer und ökologischer Überlegungen geschaffen werden. Dies ist mit dem Gemeingütertag gelungen.
  • Zum anderen sollten sich soziale und ökologische Fragen sichtbar miteinander verbinden. Denn in der Beantwortung unserer ökologischen Fragen durch soziale Perspektiven, werden Möglichkeiten für ein zukunftsfähiges Zusammenleben gesehen.

Die planetaren Grenzen werden mit unserer jetzigen Lebensweise überschritten. Daher bedürfen wir einer sozialökologischen Transformation. Diese transformative Notwendigkeit haben wir am Gemeingütertag weiter befördert und verfolgen sie in der GEMEINGÜTER-Initiative täglich weiter.

3. Bitte geben Sie möglichst vollständig an, welche Aspekte nachhaltiger Entwicklung berührt sind.

☑ Ökonomie
☑ Ökologie
☑ Soziales
☑ Globales/Internationales

4. Bitte beschreiben Sie möglichst umfassend, welchen Beitrag das Projekt zu den acht Kriterien
des Agenda-Siegels leistet.

4.1 Themenübergreifender Ansatz
(z. B. gleichwertige Berücksichtigung sozialer, ökonomischer und ökologischer Kriterien, interdisziplinärer
und ressort-übergreifender Ansatz)

Der Gemeingütertag bot die folgenden Themen (alphabetisch):

  • Armutsverwaltung in Dortmund
  • Bedingungsloses Existenzrecht – Bedingungsloses Grundeinkommen
  • Bildung
  • Commons
  • Eine Welt
  • Energie
  • Ernährung
  • Fair Trade
  • Faircomomy
  • Fahrrad fahren in Dortmund
  • Flucht
  • FreiFunk
  • Freie Software
  • Frieden
  • Geld/Finanzen
  • Gemeinwohlökonomie
  • Genossenschaftsgedanken
  • Gesundheit
  • Gewaltfreie Kommunikation
  • Gewerkschaft
  • Kirchentag 2019 in Dortmund
  • Klimaschutz und Klimaanpassung in Dortmund
  • Kultur
  • Landraub/Migration
  • Menschenrechte
  • Minimalismus
  • Müll
  • Nachhaltigkeit
  • Reichtum
  • Reparierbarkeit
  • Theologie des Lebens
  • Veganismus
  • Wasser

4.2 Kommunikation und Beteiligung
(z. B. besondere Form oder Intensität der Beteiligung und Mitwirkung von Bürgerinnen und Bürgern)

Es waren alle Menschen offen zum Besuch des Gemeingütertages, zum Mitdiskutieren und auch zur späteren Mitarbeit in der GEMEINGÜTER-Initiative eingeladen.

Die Ergebnisse unseres gemeinsamen Tages arbeiten wir in der GEMEINGÜTER-Initiative derzeit auf und werden diese in den Kirchentag 2019 einbringen, der vom 19.-23. Juni 2019 in Dortmund stattfinden wird. Alle Beteiligten Organisationen sind in diesen Prozess eingebunden.

4.3 Impulse und Innovationsanstöße
(z. B. experimenteller Charakter, ungewöhnlicher Lösungsansatz)

„Die Logik des Kapitalismus heißt teilen. Nur teilen darin nicht die Menschen, sondern sie werden geteilt.“ (Quelle: 05. Anlage – Heinrich Böll Stiftung – Die Welt der Commons – Muster gemeinsamen Handelns (2015)). Entsprechend war eine Überlegung, die zum Gemeingütertag geführt hat diese: Wie können Lern- und Emanzipationsprozesse so gestaltet werden, dass Menschen aus Markt- und Konsumlogik befreit werden, die entfremdet und vereinzelt? Um diese Frage zu beantworten wurden Commons beim Gemeingütertag als beziehungstragendes Sozialgefüge erprobt. Es ging darum durcheinander wie aneinander zu sein und zu werden. Entsprechend war der Gemeingütertag dem kreativen Imperativ der Commons verpflichtet: >>Gestaltung für Menschen und Leben. Nicht für Profit.<< Die Konzepte hierfür wurden von den Aktiven des Gemeingütertages mitgebracht (vgl. 04. Anlage – Gemeingütertag – Programm).

4.4 Langfristigkeit und Handlungsorientierung
(z. B. Veränderbarkeit und Anpassungsfähigkeit an künftige Entwicklungen, messbare Erfolge)

Das Rahmenwerk des Programms war modular aufgebaut. Insofern könnte der Gemeingütertag in seinen Grundüberlegungen (in beliebiger Zusammensetzung) wiederholt werden (vgl. 4.6 Übertragbarkeit und Multiplikationsfähigkeit).

Eine Grundüberlegung des Gemeingütertages war es einen Ort der Begegnung zu schaffen. Dies hat in vielen Teilnehmenden eine Resonanz erzeugt. Messbar ist diese Kulturarbeit jedoch (zunächst) nicht. In vielen Gesprächen, die nach dem Gemeingütertag stattgefunden haben, war diese Resonanz aber erfahrbar (vgl. 4.8 Kontinuität).

4.5 Ressourcenschonung
(z. B. Umweltverträglichkeit, Ressourceneffizienz, Vermeidung künftiger Altlasten, Flächenrecycling
und Wiederverwertbarkeit)

Abgesehen von den zahlreichen Aktiven des Gemeingütertages, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen, war die Veranstaltungsdurchführung möglichst ressourcenschonend ausgelegt. Seitens der Pauluskirche wurden die Materialien mit Lastenrädern transportiert und der Essensstand der beiden Veranstaltungstage „miteinander vegan“ (https://www.miteinander.world) hat ausschließlich kompostierbares Geschirr ausgegeben. Darüber hinaus ist die vegane Lebensweise deutlichst umweltverträglicher als eine Lebensweise mit Tierprodukten (vgl. 06.1 Anlage – Treibhauseffekt verschiedener Ernährungsweisen pro Kopf und Jahr dargestellt in Autokilometern (08.2008) und 06.2 Anlage – Treibhauseffekt der Herstellung von Nahrungsmitteln dargestellt in Autokilometern (08.2008)).

4.6 Übertragbarkeit und Multiplikationsfähigkeit
(z. B. Projekte müssen von anderen Akteuren nachempfunden werden können)

Das Konzept und die Grafiken des Gemeingütertages sind unter der Creative Commons‘ CC0 (http://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de) verfügbar. Das heißt, dass das Konzept und die Grafiken (http://www.pauluskircheundkultur.net/94.html) des Gemeingütertages ohne Bedingungen beliebig genutzt, kopiert, verändert und veröffentlicht werden können.

4.7 Örtliche Relevanz und globale Perspektive
(z. B. Maßnahme in einem kommunalen, regionalen und globalen Gesamtkonzept)

Die Unterthemen des Gemeingütertages – nämlich Commons, Nachhaltigkeit und Klima – geben Hinweise auf die örtliche Relevanz und die globale Perspektive, die mit der GEMEINGÜTER-Initiaitve verfolgt werden. Im Einzelnen sind dies:

  • Commons:
    Die Commons stellen gem. der Ubuntu-Philosophie fest: „Ich bin, weil wir sind.“ D.h. wir gehen aus Beziehungen hervor. Beziehungen kommen zwar vor allem örtlich zum tragen, sind aber die Basis menschlichen Zusammenlebens und können in ihrer Verflechtung in einer globalisierten Welt sogar um die Erde herum reichen (vgl. z.B. Gründe für fairen Handel, …). Wir wollen dafür sorgen, dass alle mitkommen und niemand ausgeschlossen wird.
  • Nachhaltigkeit:
    Die Nachhaltigkeit fragt nach der Dauer der Beziehungen. Können Sie möglichst langfristig tragfähig sein? Ökologische Nachhaltigkeit wird in diesem Sinne auch als Verlängerung der Menschenrechte verstanden.
  • Klima:
    Das Klima spricht die Dauerhaftigkeit von sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit im Kontext einer der beiden speziesrelevanten Meschheitsfragen an: Der Klimazusammenbruch als Herausforderung der Menschenheit für einen zukunftsfähigen (zivilisatorisch bewohnbaren) Planeten.
    (Die andere speziesrelevante Menschheitsfrage sind Atomwaffen und Kernenergie.)

Bei der Betrachtung von Commons, Nachhaltigkeit und Klima wurden in der Gesamtschau der Aktiven des Gemeingütertages u.a. beinahe alle Globalen Nachhaltigkeitsziele berührt (vgl. 07. Anlage – Die SDGs im Überblick).

Die Erkenntnisse des Gemeingütertages sollen sich über die Zeit zu Konzepten für eine sozialökologische Stadtteilarbeit entwickelt werden. In diesem Zusammenhang lautet eine Frage: Wie können wir lokal so leben, dass es global verträglich ist?

4.8 Kontinuität
(z. B. verantwortliche Akteure arbeiten längerfristig an dem Projekt und stehen als Ansprechpartner zur
Verfügung, verlässliche Projekt- und Zeitplanung)

Der Gemeingütertag war eine Veranstaltung der GEMEINGÜTER-Initiative (https://tinyurl.com/GEMEINGUETER-Initiative) von Pauluskirche und Kultur. Mit Freude kann gesagt werden, dass die Pauluskirche – die Kulturkirche mit besonderem Gesicht – in Dortmund und der Region eine Institution ist. Die Pauluskirche stellt sich und ihre Arbeit seit 2002 hier näher dar: http://www.pauluskircheundkultur.net/kulturkirche.html

Seit dem Gemeingütertag hat die GEMEINGÜTER-Initiative folgende weitere Veranstaltungen durchgeführt und wird auch danach nicht müde die sozialökologischen Transformationen voranzubringen:

  • 7. Juli: Mitgliedschaft der Ev. Lydia-Gemeinde bei der Genossenschaft BioBoden eG erworben; https://bioboden.de (s. 08. Anlage – Mitgliedschaft bei BioBoden eG am 07.07.2018 erworben (Foto))
    Mit diesem Schritt unterstützt die Gemeinde in einer Form solidarischer Ökonomie, dass Land aus der Logik als Ware für eine ökologische Landwirtschaft befreit wird.
  • GEMEINGÜTER-Café: ein Wegpunkt der „Wege zur Nachhaltigkeit“ des Instituts für Kirche und Gesellschaft (befindet sich bis zum Kirchentag 2019 im Aufbau)
  • 6.-9. September: Teilnahme an der Messe FAIR FRIENDS mit einem Gemeinschaftsstand ‚Gemeingütertag‘, an dem täglich wechselnde Organisationen teilgenommen haben (vgl. 09.1 Anlage – Messe FAIR FRIENDS 2018 – Gemeinschaftsstand Gemeingütertag – Standplan, s. 09.2 Anlage – Messe FAIR FRIENDS – Gemeinschaftsstand Gemeingütertag (Foto) und 09.3 Anlage – Messe FAIR FRIENDS – Gemeinschaftsstand Gemeingütertag (Foto))
  • 9. September: Talk to heaven-Gottesdienst: „Ehrfurcht vor dem Leben – Albert Schweitzers Aufruf in einer bedrohten Welt“
  • 11. September: Ein Königreich am Abgrund – Straßentheater beleuchtet Klimawandel: dramatische Folgen für die Gesundheit (in Zusammenarbeit mit der BUKO Pharma-Kampagne und der FH Dortmund)
  • 14. September: Vortrag von Gerhard Breidenstein: „Spiritualität und nachhaltiger Lebensstil“
  • ab 17. September: Teilnahme am Urban-Gardening-Netzwerk des Quartiersmanagements der Nordstadt
  • 19. September: Unterstützung des Themenabends von RESQSHIP e.V. „Flüchtlinge retten – Ein Schiff fürs Mittelmeer“
  • 20. September: Filmabend mit anschl. Diskussion „Das Schönauer Gefühl“ – Elektrizitätswerke Schönau – eine Stunde Spannung: Die mitreißende Geschichte der Stromrebellen aus dem Schwarzwald als Dokumentarfilm
  • ab 1. Oktober: Beteiligung an „Nordstadt naturnah“ des Quartiersmanagements der Nordstadt
  • 6. Oktober: Aufruf zur Demo Hambacher Wald – „Wald retten – Kohle stoppen“
  • 11. Oktober: Vortrag von Eugen Drewermann: „Von Krieg zu Frieden“
  • 26. November: Das Presbyterium der Ev. Lydia-Gemeinde Dortmund hat am 04.10.2018 einen Antrag zum Wechsel des Stromanbieters des Kirchenkreises von der Aktiengesellschaft Lichtblick SE zu den genossenschaftlichen Elektrizitätswerken Schönau (EWS) eG beschlossen. Dieser Antrag steht nun bei der Kreissynode des Ev. Kirchenkreises für Dortmund, Lünen und Selm am 26. November zur Abstimmung. (s. 10. Anlage – Antrag – Wechsel des Stromanbieters des Kirchenkreises von Lichtblick SE zu den Elektrizitätswerken Schönau (EWS) eG)
  • 29. November: Vortrag von Marcel Hunecke: „Psychologie der Nachhaltigkeit“; die Veranstaltung beginnt mit einem Impuls von urgewald: „Schmutzige Geschäfte oder Faire Geldanlagen?“
  • Derzeit läuft die Programmplanung für 2019.

Dokumente zum Herunterladen

Alle Dokumente rund um die Bewerbung und Verleihung des Agenda-Siegels 2018 an die GEMEINGÜTER-Initiative können hier heruntergeladen werden. Die Pressemitteilung der Stadt Dortmund vom 10.12.2018 gibt es direkt hier.

[1] Quelle: Workshop des Bildungswerks Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung – Commoning: Wie offene Werkstätten gesellschaftliche Utopie erlebbar machen

CC0
Soweit im gesetzlichen Rahmen möglich verzichtet der Autor auf alle Urheber- und damit verwandten Rechte an diesem Werk.
Es kann beliebig genutzt, kopiert, verändert und veröffentlicht werden.
Für weitere Informationen zur Lizenz, siehe hier.

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Thursday, 06 December 2018

Dortmund und Digitalisierung: Ja, aber nur gemeinwohlorientiert

  • Do-FOSS
  • 13:10, Thursday, 06 December 2018

Aktuelle Inside ver.di zum Thema Digitalisierung erschienen

Anlässlich der heutigen Personalversammlung der Stadt Dortmund hat der ver.di Bezirk Westfalen eine Ausgabe der Inside (Dezember 2018), der ver.di-Zeitung für Beschäftigte der Stadtverwaltung Dortmund, veröffentlicht. Damit hat ver.di sich in der städtischen Digitalisierungsdebatte auf der Vollversammlung des städtischen Personals klar positioniert: Dortmund und Digitalisierung: Ja, aber nur gemeinwohlorientiert – Gegen IT-Lobbyismus in Smart City. Der Artikel beschränkt sich dabei allerdings nicht ausschließlich auf Überlegungen zur Smart City, sondern bezieht sich darüber hinaus auf den Masterplan „Digitale Stadtverwaltung“.

Do-FOSS schätzt besonders die folgende Aussage aus der Inside:

Vertrauensleute und Personalrat fordern […] selbstbestimmte und unabhängige Software sowie offene Format-Standards für die Stadt Dortmund, da ein zu starker Einfluss von IT- und Softwarekonzernen eine gesellschaftliche und demokratiegefährdende Fehlentwicklung fördert.

Der ver.di-Artikel gibt aber zu bedenken:

Unklar ist, ob die Stadtverwaltung die notwendigen Ressourcen – Finanzmittel und Personal – für den digitalen Masterplan und dessen Projekte zur Verfügung stellt.

Auf der einen Seite erkennen Politik, Verwaltung und Beschäftigte den öffentlichen Gestaltungsanspruch für die Digitalisierung an. Auf der anderen Seite müsste die Organisationsstruktur der Verwaltung noch ausgefüllt werden, um die digitale Gestaltung auch tatsächlich wahrzunehmen. Hier liegt eine Asymmetrie vor, die es auszugleichen gilt. Bereits in der Vergangenheit hat ver.di in Dortmund kritisch nachgehakt, wenn es um die Hoheit über die digitale Infrastruktur der Stadt ging. Nun gilt es, die Ansätze einer Offenen Digitalisierung durch entsprechende Finanzmittel und Personal umzusetzen. Ohne das finanzielle Budget und den politischen Willen bleiben die Bestrebungen der Stadt Dortmund für eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung folgenlos. Die Lokalpolitik ist durch die Gewerkschaft aufgerufen, sich für eine digital selbstbestimmte Behörde zu engagieren. In diesem Zusammenhang war Do-FOSS zuletzt als World-Café-Impulsgeber im Grünen Salon Paderborn. Bei dieser Veranstaltung hat Do-FOSS ebenfalls auf die anstehenden weichenstellenden Entscheidungen im Dortmunder Smart-City-Prozess hingewiesen. Diese Entscheidungen werden akut, denn es gilt die stadtweiten IT-Bedingungen selbstbestimmt zu gestalten, bevor die Smart City Dortmund durch einen Herstellereinschluss dauerhaft fremdbestimmt wird. Den Titelbeitrag der Inside gibt Do-FOSS in diesem Sinne gerne hier wieder (Verlinkungen durch Verfasser).

Beitrag in der Inside ver.di

Dortmund und Digitalisierung: Ja, aber nur gemeinwohlorientiert
Gegen IT-Lobbyismus in Smart City

Die Digitalisierung ist in vollem Gange. Auch bei der Stadt Dortmund. Die Prozesse gilt es nun mitzugestalten. Doch was braucht es, um die neuen Technologien für das Gemeinwohl, für alle Menschen einzusetzen und nicht für spezielle Wirtschaftsinteressen, für Interessen Einzelner? Und: Wo bleibt der Mensch in der smarten Stadt?

Zu viele Fragen, zu viele Unsicherheiten und Ängste beim Thema Arbeit und Leben 4.0. Daher trafen sich im August dieses Jahres die ver.di-Vertrauensleute und der Personalrat der Stadtverwaltung Dortmund mit Expert*innen zur Fachtagung ver.di Westfalen & Digitalisierung und diskutierten die aktuelle Situation mit Annette Mühlberg, Leiterin der ver.di-Bundesprojektgruppe Digitalisierung, Leon Kaiser von netzpoltik.org und eigenen Fachleuten aus der Verwaltung.

Die Digitalisierung wird gravierende Folgen für den Arbeitsmarkt haben und auch den Öffentlichen Dienst verändern. Der Prozess beschäftigt die Stadtverwaltung Dortmund bereits seit einigen Jahren und führte zur Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030, die vom Personalrat verfasst und gemeinsam mit dem Oberbürgermeister auf der Personalversammlung 2017 unterzeichnet wurde. Diese Charta versteht sich als Leitlinie auf gemeinsame Ziele und Gestaltungsgrundsätze: für nachhaltiges, gemeinsames Vorgehen im Transformationsprozess sowie als Motivationsschub und Schutz vor Fehlentwicklungen für die Belegschaft und die Stadtgesellschaft. Die Charta versetzt alle Kolleg*innen in die Lage, die Veränderungsprozesse abgesicherter und damit konstruktiv mitzugestalten. Dies, so Horst Kortwittenborg, Sprecher der ver.di-Vertrauensleute bei der Stadtverwaltung Dortmund, ist aber nur ein erster Schritt in die richtige Richtung: „Wir müssen noch zu weit verbindlicheren Abschlüssen auch auf tariflicher wie auf gesetzlicher Ebene kommen“. Ferner ist eine grundlegend neue Lebens- und Arbeitszeitdiskussion für die und mit den Beschäftigten erforderlich.
Große Sorge bereitet die Beobachtung, dass immer mehr private Anbieter in die öffentliche Daseinsversorgung eindringen und anstelle der öffentlichen Hand die Voraussetzungen für Serviceleistungen bereitstellen wollen. Nur, so die Befürchtung, werde sich deren Service an den Bürgerinnen und Bürgern allein an privatwirtschaftlicher Verwertungslogik, nämlich an Gewinnmaximierung orientieren – inklusive zukünftiger Preisanstiege. Das, was sich privatwirtschaftlich nicht lohnt, verbleibe dann in der öffentlichen Hand.

Vertrauensleute und Personalrat fordern daher selbstbestimmte und unabhängige Software sowie offene Format-Standards für die Stadt Dortmund, da ein zu starker Einfluss von IT- un Softwarekonzernen eine gesellschaftliche und demokratiegefährdende Fehlentwicklung fördert. Auf der Fachtagung beschrieben die beiden Technologiebeauftragten des Personalrates, Ralf Voelzkow und Daniel Chadt, aktuelle städtische Aktivitäten und neu geschaffene Verwaltungseinheiten, darunter ein Chief Innovation/ Information Office. Aus dem „Masterplan Digitale Verwaltung“ entstanden die Projekte „Open Government“ und „Potentialanalyse Freie Software“. Durch personelle Vakanzen bzw. Personalveränderungen kam es erst zu Verzögerungen, dann, im Jahr 2018, zu einer Neuausrichtung des Masterplans Verwaltung in Richtung „Masterplan Arbeit 4.0.“ In diesem Zusammenhang wird oft das 2017 vom Bundesarbeitsministerium erstellte „Weißbuch 4.0“ erwähnt, das problematische Prognosen zur Zukunft des Öffentlichen Dienstes enthält: Demzufolge soll sich der Personalbedarf bis 2030 um die Hälfte reduzieren …

Unklar ist, ob die Stadtverwaltung die notwendigen Ressourcen – Finanzmittel und Personal – für den digitalen Masterplan und dessen Projekte zur Verfügung stellt. Bislang herrscht daran, wie immer, Mangel – was erklärt, warum Projekte und Maßnahmen nicht so gut (an-)laufen, wie sie sollten. Anhand des „smarten“ Dortmunder Pilot-Projekts „Handyparken“ beschrieb Christian Nähle, ver.di-Vertrauensmann und städtischer Vertreter in einem Smart City-Expertenteam, die Auswirkungen auf Parkplatzsuchende und städtische Beschäftigte (u.a. bei der Verkehrsüberwachung, beim Tiefbauamt und Rechtsamt sowie in den IT-Abteilungen). Seine Beschreibung mündete in einer Technologiefolgenabschätzung, die mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit über kurz oder lang Realität werden könnte: Städtische Parkautomaten und somit städtisches Personal werden komplett eingespart, das öffentliche Parkraummanagement wird von privaten Betreibern im Auftrag der Stadt erledigt, Parkplatzsuchende sind gezwungen, per „Park-App“ Parkplätze zu buchen. Die technische Infrastruktur ermöglicht eine variable Parkplatzpreisgestaltung mit Gewinnmaximierung, vergleichbar den Tank stellen. Die „smarte“ Privatstadt profitiert von Mehreinnahmen auf Kosten des Gemeinwohls. Damit das so nicht passiert, fordert die ver.di-Bundesprojektgruppenleiterin Digitalisierung, Annette Mühlberg, für eine gemeinwohlorientierte Version von Smart City klare Kriterien. Diese müssen eine demokratische IT-Infrastruktur möglich machen. Das Berliner Manifest benennt entsprechende Grundfeste:

  1. Grundversorgung und offener Zugang!
  2. Wissen teilen, Wissen mehren!
  3. Keine Privatisierung öffentlicher Güter im virtuellen Raum!
  4. Selbstverwaltung und öffentliche Steuerungsfähigkeit stärken!
  5. Verlässliche demokratische Verfahren und Standards!
  6. eGovernment mit offenen Standards!
  7. Kritische Infrastrukturen sichern!
  8. Daten- und Persönlichkeitsschutz verwirklichen!
  9. eDemokratie für ArbeitnehmerInnen, Mitbestimmung stärken!
  10. Öffentliche Daseinsvorsorge nicht IT-Lobbyisten überlassen!

Dass diese Kriterien als Standard verbindlich für alle digitalen Veränderungen zur verpflichtenden Voraussetzung gemacht werden, wird unsere Aufgabe im öffentlichen Dienst sein. Nach dieser Maßgabe werden wir alle Digitalisierungsprozesse reflektiert begleiten. Und wir werden dazu weitere solcher Treffen veranstalten, auch in größerer Form. Im Frühjahr werden wir eine Extraausgabe der Inside zum Thema herausgeben und Euch, liebe Kolleg*innen, werden wir Angebote der Unterstützung und Mitarbeit machen. Denn wir brauchen jede Unterstützung, damit wir eine digitale Zukunft für uns Menschen bauen, die gemeinwohlorientiert ist und sich nicht an den Interessen der Privatwirtschaft ausrichtet. „Es ist notwendig, sich viel intensiver als bisher mit diesem Thema zu befassen“, betont Horst Kortwittenborg, damit Daseinsvorsorge und „gute Arbeit“ auch in Zukunft noch Bestand haben.

Dokumente zum Herunterladen

Die Inside ver.di kann hier heruntergeladen werden. Von Do-FOSS gesammelte Unterlagen zu „Smart City Dortmund“ können hier eingesehen werden.

CC0
Soweit im gesetzlichen Rahmen möglich verzichtet der Autor auf alle Urheber- und damit verwandten Rechte an diesem Werk.
Es kann beliebig genutzt, kopiert, verändert und veröffentlicht werden.
Für weitere Informationen zur Lizenz, siehe hier.

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Friday, 30 November 2018

Veranstaltungshinweis: SMARTE GRÜNE WELT? – Klima und Nachhaltigkeit in Zeiten der Digitalisierung

  • Do-FOSS
  • 15:40, Friday, 30 November 2018

Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen

Logo: Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen (© Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen)

Freie Software Thema beim Grünen Salon Paderborn der Heinrich Böll Stiftung NRW

Kommenden Sonntag, den 2. Dezember 2018, findet ab 11:30 Uhr im Rahmen des Grünen Salons Paderborn der Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen eine Vortragsveranstaltung mit anschließendem World Café statt. Do-FOSS ist Impulsgeber am Thementisch Smart City und wurde u.a. für die bisherige Arbeit zu diesem Thema eingeladen. Der Einladungstext der Veranstaltung ist hier und der Flyer ist hier zu finden. In diesem Kontext möchte Do-FOSS die folgenden Blogbeiträge besonders hervorheben:

Die smarte Welt ökologisch zu gestalten, ist für Do-FOSS ein essentielles Anliegen. In diesem Zusammenhang nahm Do-FOSS zuletzt am Samstag und Sonntag, den 17. und 18. November 2018, an der Bits und Bäume, der Konferenz für Digitalisierung und Nachhaltigkeit, teil. Hier brachte Do-FOSS eigene erste Ansätze zu Nachhaltigkeitsaspekten des Softwareeinsatzes ein. Diese finden sich u.a. in den Überlegungen Freie Software: global denken, lokal handeln und Freie Software und Nachhaltigkeit wieder. Do-FOSS beabsichtigt diese Betrachtungen auch in die Potentialanaylse einer Freien-Software-Strategie der Stadt Dortmund eingehen zu lassen.

Zwischen der Bits & Bäume Konferenz und dem Grünen Salon Paderborn gibt es noch weitere Überschneidungen. Der Hautreferent des Grünen Salongs Paderborn, Dr. Steffen Lange, war mit dem Vortrag Digitale Suffizienz: wie kann die smarte Welt auch grün werden? ebenfalls auf der Bits und Bäume vertreten. In diesem Vortrag wurden digitale Möglichkeiten aber auch ökologische Grenzen einer smarten Welt gezeichnet. Herr Dr. Lange ist Co-Autor des Buchs Smarte grüne Welt? Digitalisierung zwischen Überwachung, Konsum und Nachhaltigkeit.



Link zum Video
Vortrag von Dr. Steffen Lange: Digitale Suffizienz – Wie kann die smarte Welt auch grün werden?

Wer sich für die Diskussion beim Grünen Salon Paderborn vorab ein Bild vom Anwendungsangebot der Smart City Paderborn machen möchte, kann dies auf der Webseite der Stadt Paderborn tun.

Do-FOSS freut sich auf den gemeinsamen Tag mit der Heinrich Böll Stiftung NRW und weist im Folgenden gerne im Wortlaut auf die Veranstaltung hin.

Heinrich Böll Stiftung NRW – Grüner Salon Paderborn

SMARTE GRÜNE WELT? – Klima und Nachhaltigkeit in Zeiten der Digitalisierung

Drei sogenannte Megatrends bestimmen Wirtschaft, Staat und Gesellschaft: der Klimawandel, die Digitalisierung und die wachsende Ungleichheit – national sowie international. Für viele ist die Digitalisierung eine der zentralen Antworten auf die Zukunftsfragen der Menschheit, der Schlüssel zum guten Leben für alle.

Ist das wirklich so? Wie sieht die Praxis aus – Energie und Ressourcenverbrauch, Arbeitsplätze, Verteilung der Einkommen? Wie wirkt sich die immer vernetztere und schnellere Kommunikation von Menschen, Dingen und Maschinen auf unser Zusammenleben aus?

Wo liegen die Chancen, wo liegen die Risiken der zunehmenden Digitalisierung vieler unserer Lebens- und Wirtschaftsbereiche für eine soziale und ökologische Transformation der Gesellschaft?

Wir stehen am Beginn einer großen Umwälzung. Durch die Konferenz wollen wir Digitalisierung mitbestimmen und mitgestalten. Konkret in Pader­born, beim Projekt „Digitale Stadt“ und in globalen Zusammenhängen.

SMARTE GRÜNE WELT? – Klima und Nachhaltigkeit in Zeiten der Digitalisierung

Der Grüne Salon Paderborn lädt ein zur Digitalisierungskonferenz:
Sonntag, 2.12.2018, ab 11:30 Uhr
Gasthaus Haxterpark, Haxterhöhe 2

Referent:
Dr. Steffen Lange
Co-Autor „Smarte grüne Welt“

Leitung:
Gudrun Oevel, Klaus Schüssler

Eintritt frei

Ablauf:
11:30 – 13:30 Uhr: Vortrag und Diskussion

Dr. Steffen Lange: „Smarte grüne Welt? – Digitalisierung zwischen Überwachung, Konsum und Nachhaltigkeit“

Mittagsimbiss

Ab 14:15 Uhr World Café – zwei Runden an den Themen­tischen:

Energie + Industrie 4.0 + Konsum und Handel + Verkehr + Digitale Stadt + Teilhabe und Gestaltung

16:15 – 17:00 Uhr: Zusammenführung

Die Stiftung über den Salon und sich selbst

Die Heinrich Böll Stiftung NRW beschreibt sich selbst und den Grünen Salon Paderborn wie folgt:

In Zeiten medialer Überflutung und der stärker werdenden Orientierung an schlagzeilenträchtiger Rhetorik, gerät ein Wesensmerkmal der Demokratie zunehmen in den Hintergrund: Die freie Meinungs- und Willensbildung, die auf dem Austausch unterschiedlicher Argumente beruht.

Der Grüne Salon Paderborn will als Ort der politischen Debatte und Reflexion entgegenwirken, der den Austausch der Meinungen fördert und sachliche Kontroversen zulässt, jedoch ohne reflexhafte Zuspitzung und Verkürzung.

Der Grüne Salon ist ein Debattenformat der Heinrich Böll Stiftung NRW. Gemäß deren Statuten versteht sich auch der Grüne Salon Paderborn als unabhängig, jedoch grün-nah. Mehr über das Selbstverständnis …

Alle Debatten des Grünen Salons Paderborn enden nach zwei Stunden. Die Themen und Orte wechseln. Der Eintritt ist frei.

Format des Grünen Paderborner Salons: Lean World Café

Die Handreichung zur Vorbereitung des Grünen Salons Paderborn beschreibt den Ablauf des World Cafés wie folgt:

1. Grundlegende Idee
An 6 Tischen werden in zwei Runden à 45 Minuten Anwendungsfelder der Digitalisierung in Hinblick auf Nachhaltigkeit diskutiert. Je zwei Impulsgeber*innen an den Tischen geben Impulse aus ihrem Feld und stehen für Rückfragen zur Verfügung. Zielsetzung ist es in den Austausch zu kommen und zu sehen, wo gibt es im Publikum viele Fragen, welche Themen sind besonders interessant und wo müsste evtl. eine Nachfolgeveranstaltung konzipiert werden. An manchen Tischen sind 2 Impulsgeber*innen mit unterschiedlichen Kompetenzen vorhanden. Hier bietet es sich an, dass in jeder Runde nur eine Person einen kurzen Impuls macht und die andere Person sich jeweils nur vorstellt. Die Tische und ihre Impulsgeber*innen werden vor der Mittagspause direkt nach dem Vortrag von den Moderatoren*innen im Plenum vorgestellt.

2. Rolle und Aufgaben der Impulsgeber*innen
Die Impulsgeber*innen stellen sich an den Tischen mit einem Impuls von etwa 5 Minuten selbst vor. Sie erläutern wie sie aus ihrem beruflichen/persönlichen Kontext mit dem Thema (Digitalisierung und Nachhaltigkeit in dem Anwendungsfeld) in Berührung stehen und wo sie persönlich Chancen und Risiken bzgl. Nachhaltigkeit sehen. Anschließend sollen die Besucher*innen an den Tischen Fragen stellen, die die Impulsgeber*innen beantworten oder kommentieren oder als Herausforderung sammeln (lassen).

3. Methode zur Diskussion
Das Orga-Team schlägt vor die Diskussion und Fragen in der Form des Lean World Café zu organisieren. Nach dem Impuls werden die Tischbesucher*innen gebeten ihre Fragen auf ausliegenden Themenkarten aufzuschreiben (ca 5 Minuten). Diese werden gesammelt, sortiert und priorisiert (Impulsgeber*innen und Begleiter*innen). Es wird anschließend immer ein Themenblock diskutiert, um eine Hin-und-Her-Springen zu vermeiden. Diskutierte Themen werden am Ende der Veranstaltung durch die Begleiter*innen kurz präsentiert. Schon diskutierte Themen im ersten Block können in den zweiten Block übernommen werden, wenn das sinnvoll erscheint.

Dokument zum Herunterladen

Der Veranstaltungsflyer des Grünen Salons Paderborn kann hier heruntergeladen werden.

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Thursday, 15 November 2018

Freie Software bei der Stadt Dortmund – ein Tor zur Kommunalebene in NRW

  • Do-FOSS
  • 20:25, Thursday, 15 November 2018

Gastbeitrag für das Offene Kommune.NRW Institut

Logo: Offene Kommunen.NRW

Logo: Offene Kommunen.NRW Institut (© Offene Kommunen.NRW Institut)

Kürzlich durfte Do-FOSS einen Gastbeitrag für das Offene Kommunen.NRW Institutunserem jüngsten Kooperationspartner – verfassen. Da dieser einen zusammenfassenden Einblick in die Arbeit von Do-FOSS bietet, wird dieser nun auch hier veröffentlicht. Besonders hingewiesen sei auf das Barcamp nach dem Vorbild von OK.NRW in Dortmund 2019.

Gastbeitrag im Wortlaut

Seit kurzem setzt sich das Offene Kommunen.NRW Institut gemeinsam mit Do-FOSS innerhalb einer Kooperationspartnerschaft dafür ein, den Prozess der Offenheit, Zusammenarbeit und Transparenz auf landespolitischer und kommunaler Ebene in NRW voranzubringen und zu gestalten.

Do-FOSS ist die Bürgerinitiative für den Einsatz Freier und Quelloffener Software (Freie und Open Source Software, kurz FOSS) bei der Stadt Dortmund. Um den Einsatz von Freier Software in der öffentlichen Verwaltung zu fördern, setzt Do-FOSS auf eine Vielzahl unterschiedlicher Wege zur Thematisierung und Umsetzung von Freier Software. Unter anderem arbeitet Do-FOSS zusammen mit der Stadt Dortmund an einer Potenzialanalyse eines systematischen Freien-Software-Einsatzes. Im Sinne der interkommunalen Vernetzung zum Thema Freie Software in öffentlichen Verwaltungen ist Do-FOSS auch über die Domain FOSS.NRW erreichbar.

Do-FOSS freut sich darüber die eigene Arbeit in einem Gastbeitrag im Blog von OK.NRW vorstellen zu dürfen und erworbenes Wissen zu den Vorteilen von Freier Software im öffentlichen Dienst in OK.NRW einbringen zu können.

Themen dieses Gastbeitrags:

Kooperationspartner von Do-FOSS

Neben OK.NRW sind weitere Kooperationspartner Teil des Wissens- und Handlungsnetzwerk von Do-FOSS. Dies sind die Free Software Foundation Europe, die FOSS-AG der TU Dortmund, der ver.di Bezirk Westfalen, die Document Foundation, digitalcourage, die Open Source Business Alliance und Pauluskirche und Kultur. Kurzbeschreibungen der Kooperationspartner finden sich hier.

Potenzialanalyse der Stadt Dortmund zu Freier Software

Der Verwaltungsvorstand der Stadt Dortmund hat in seiner Sitzung vom 10.04.2018 beschlossen, die Potenziale von Freier Software und Offenen Standards im Bereich der städtischen Informations- und Telekommunikationstechnik zu untersuchen. Die Verwaltung wird den politischen Gremien Anfang 2020 einen Ergebnisbericht zum Einsatzpotenzial von Freier Software und Offenen Standards vorlegen. Die Definitionen Freier Software und Offener Standards kommen von der Free Software Foundation Europe – dies sichert die zivilgesellschaftliche Verwurzelung der Freien-Software-Diskussion innerhalb der Institution Stadt. Die Verwendung von Offenen Standards wurde zudem in der Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030 vereinbart. Für Do-FOSS markieren diese Entwicklungen Meilensteine, welche die Grundlage für eine systematische Potenzialbetrachtung von Freier Software und Offenen Standards für die Stadt Dortmund darstellen.

In Kombination mit dem seit August 2018 freigeschaltetem Open-Data-Portal, besteht derzeit die Möglichkeit, einen ganzheitlichen Ansatz für eine Freie und Offene IT-Landschaft in der Dortmunder Verwaltung zu entwickeln, welcher dem Gemeinwohl und damit allen Bürgerinnen und Bürgern vorteilhaft verpflichtet ist.

Ziele von Do-FOSS

Derzeit wird die Potenzialanalyse zu Freier Software von Do-FOSS in der Arbeitsgruppe Freie Software gemeinsam mit dem Dortmunder Systemhaus (dosys.) und dem Personalrat der Stadt Dortmund erarbeitet. Do-FOSS wird die Vorteile Freier Software sowie Offener Standards in diesem Prozess benennen und Vorschläge entwickeln, wie diese in die Verwaltungsstrukturen zu integrieren wären. Das Ziel von Do-FOSS ist es fortan Konzepte zu entwickeln, wie die Stadt Dortmund mit Hilfe von Freier Software bzw. Offener Standards die digitale Anschlussfähigkeit ihrer Bürgerinnen und Bürger fördern kann. Do-FOSS engagiert sich dafür, die Voraussetzungen für einen selbstbestimmten und transparenten Umgang mit digitaler Technik im Masterplan Digitale Stadtverwaltung zu verankern. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Erhalt der kommunalen Selbstverwaltungshoheit, die durch Freie Software gestützt wird. Hierzu hat Do-FOSS eine ausführliche Betrachtung im Blogbeitrag Warum Freie Software und Offene Standards für die Stadt Dortmund? vorgenommen. Weitergehende Zielvorstellungen von Do-FOSS finden sich hier.

Ziele der Stadt Dortmund

Zu den in der Potenzialanalyse festgeschriebenen Zielvorstellungen für einen möglichen Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in der Stadt Dortmund gehören für die Arbeitsgruppe Freie Software die folgenden Aspekte:

  • Reduzierung der Herstellerabhängigkeit
  • Umsetzung des E-Government-Gesetzes NRW im Rahmen von offenen und standardisierten Dateiformaten
  • Erhöhung der Flexibilität und Steuerungsfähigkeit beim Softwareeinsatz
  • Erhöhung der Interoperabilität (z.B. durch den Einsatz von Offenen Standards für eine herstellerübergreifende Anwendungskopplung) [Erhöhung der digitalen Anschlussfähigkeit – Anm. d. Verf.]
  • Sicherstellung des Datenschutzes [s. auch Transparente Software – eine Voraussetzung für datenschutzfreundliche Technologien vom 26.09.2000 des Arbeitskreises Technische und organisatorische Datenschutzfragen der Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder – Anm. d. Verf.]
  • Gewährleistung der IT-Sicherheit
  • steuerbare Kostenstrukturen durch erhöhte Flexibilität bei der Anbieterwahl, Stärkung der Verhandlungsposition gegenüber Anbietern proprietärer Software und Wegfall von Skalierungskosten durch Lizenzgebühren
  • Erhöhung der Archivierbarkeit digitaler Dokumente durch Offene Standards
  • Ermöglichung neuer Synergien und Abbau von lizenzrechtlichen Hemmnissen in der interkommunalen Zusammenarbeit
  • eine erhöhte Technikneutralität
  • eine Erhöhung der funktionalen Transparenz

Barcamp nach dem Vorbild von OK.NRW in Dortmund 2019

Um die Ergebnisse der Potenzialanalyse zu Freier Software vor einer Festschreibung durch den Rat der Stadt Dortmund zu reflektieren und in einen Diskurs mit der Zivilgesellschaft zu bringen, soll es Ende 2019 ein Barcamp in Dortmund nach dem Vorbild von OK.NRW geben. Für Unterstützung bei der Organisation dieser Aufgabe wäre Do-FOSS dankbar. Wer Interesse an einer Mitwirkung hat oder sich gerne näher informieren möchte, kann sich gerne melden kontakt@do-foss.de. Eine Frage, die Do-FOSS in das Barcamp hineintragen möchte, ist folgende: Wie können die Ergebnisse der Dortmunder Potenzialanalyse zu Freier Software auf andere Städte übertragen werden, so dass Synergien Freier Software interkommunal genutzt werden können?

Infos zum Dortmunder Freien-Software-Prozess stets aktuell auf Do-FOSS

Alle Entwicklungen rund um Freie Software der Stadt Dortmund und in wesentlichen Aspekten von NRW, sind stets aktuell im Blog von Do-FOSS nachzulesen.

Für Rückfragen zur Arbeit von Do-FOSS steht Christian Nähle, von der Geschäftsführung, gerne zur Verfügung.

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Wednesday, 07 November 2018

Veranstaltungshinweis: Bits & Bäume – Die Konferenz für Digitalisierung und Nachhaltigkeit

  • Do-FOSS
  • 18:54, Wednesday, 07 November 2018

Logo: Bits & Bäume - Die Konferenz für Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Logo: Bits & Bäume (© Bits & Bäume)

Vortrag von Do-FOSS – Freie Software in Kommunen: Vom Sollen zum Wollen

Global denken, lokal handeln für nachhaltige Software

Am Samstag und Sonntag, den 17. und 18. November 2018 nimmt Do-FOSS an der Bits und Bäume, der Konferenz für Digitalisierung und Nachhaltigkeit teil. Christian Nähle wird für Do-FOSS einen Vortrag zur Konferenz am Samstag um 15:00 Uhr auf Bühne 4 beitragen. Der Vortrag wird der Frage nachgehen, wie die Vorteile von Freie Software im praktischen Verwaltungshandeln Fuß fassen können. Wie sich Freie Software in Verwaltungsstrukturen implementieren lässt, wird am Beispiel der Stadt Dortmund vorgetragen. Außerdem wird es einen Ausblick auf die angestrebte Verknüpfung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Dortmunder-Freien-Software-Prozess geben – zwei Schlüsselthemen unserer Zeit. Do-FOSS freut sich auf die Konferenz Bits und Bäume und ist den Organisatorinnen und Organisatoren dankbar, dass sie die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammen denken und damit einen hochrelevanten Schmelztiegel für viele engagierte Menschen bieten.

Programmankündigung von Do-FOSS auf der Bits & Bäume

Im Folgenden findet sich der Ankündigungstext des Vortrags, wie er im Programm steht.

Freie Software in Kommunen: Vom Sollen zum Wollen

Um den Einsatz von Freier Software in der öffentlichen Verwaltung zu fördern, setzt Do-FOSS auf eine Vielzahl unterschiedlicher Wege zur Thematisierung und Umsetzung von Freier Software. Unter anderem arbeitet Do-FOSS zusammen mit der Stadt Dortmund an einer Potenzialanalyse eines systematischen Freien-Software-Einsatzes.

Welchen Weg hat Do-FOSS genommen? Wie können die Erfahrungen und Ergebnisse für andere Kommunen genutzt werden? Wie kommen wir beim kommunalem Freien-Software-Einsatz vom Sollen zum Wollen?

Dortmunder Zielvorstellungen zu Freier Software

Das Lizenzierungsmodell von Freier Software gewährt gegenüber proprietärer Software weitergehende Handlungsspielräume. Deshalb hat sich die Stadt Dortmund aufgemacht, um das Potenzial von Freier Software in Bezug auf die IT der Stadtverwaltung systematisch erfassen. Zum Potenzial von Freier Software gehört eine Reihe weiterer technischer und nicht-technischer Aspekte. Die Stadt Dortmund verknüpft mit der Untersuchung der Potenziale einer Freien-Software-Strategie folgende Überlegungen:

  • Reduzierung der Herstellerabhängigkeit
  • Umsetzung des E-Government-Gesetzes NRW im Rahmen von offenen und standardisierten Dateiformaten
  • Erhöhung der Flexibilität und Steuerungsfähigkeit beim Softwareeinsatz
  • Erhöhung der Interoperabilität (z.B. durch den Einsatz von Offenen Standards für eine herstellerübergreifende Anwendungskopplung) [Erhöhung der digitalen Anschlussfähigkeit – Anm. d. Verf.]
  • Sicherstellung des Datenschutzes [s. auch Trans­parente Software – eine Voraus­setzung für daten­schutzfreundliche Technolo­gien vom 26.09.2000 des Arbeitskreises Technische und orga­nisatorische Datenschutzfragen der Konfe­renz der Daten­schutzbeauftragten des Bundes und der Länder – Anm. d. Verf.]
  • Gewährleistung der IT-Sicherheit
  • steuerbare Kostenstrukturen durch erhöhte Flexibilität bei der Anbieterwahl, Stärkung der Verhandlungsposition gegenüber Anbietern proprietärer Software und Wegfall von Skalierungskosten durch Lizenzgebühren
  • Erhöhung der Archivierbarkeit digitaler Dokumente durch Offene Standards
  • Ermöglichung neuer Synergien und Abbau von lizenzrechtlichen Hemmnissen in der interkommunalen Zusammenarbeit
  • eine erhöhte Technikneutralität
  • eine Erhöhung der funktionalen Transparenz

Freie Software: global denken, lokal handeln

Do-FOSS hat sich bislang vor allem intensiv in lokale Fragen von Softwareeinsatz eingebracht. Jedoch ist eine lokale Softwarestrategie nicht von einer globalen Entwicklung zu trennen. Freie Software entfaltet ihre Wirksamkeit durch die Möglichkeit globales Know-How mit örtlicher Kompetenz zu verbinden. Während Freie-Software-Projekte zum wesentlichen Teil international verfügbar sind und häufig auf internationalen Kooperationsstrukturen basieren, ist der Nutzen Freier-Software-Projekte gerade in lokalen kleineren Strukturen deutlich erkennbar. Der freie Zugang zu softwaretechnischem Wissen ermöglicht den Aufbau lokaler Kompetenzstrukturen und den Einbezug kleinerer Softwareanbieter in die Anpassung solcher Software an lokale Gegebenheiten. Der barrierefreie Zugang zu dem Know-How verhindert global wie lokal daher die Einhegung von Wissen und eine digitale Spaltung. Daher kann ein technologischer Wissenstransfer hervorgehoben werden, welcher durch Freie Software u.a. für das Nord-Süd-Gefälle ermöglicht wird (vgl. Nachhaltigkeitsentwicklungsziel 12 „Verantwortungsvoller Konsum / technological capacity“ und Nachhaltigkeitsentwicklungsziel 17 „Partnerschaften, um die Ziele zu erreichen / Technology“ & „Systematic issues“ der Agenda 2030). Darüberhinausgehend schafft Freie Software durch die Nachvollziehbarkeit ihrer Funktionalität (überprüfbar durch unabhängige Sachverständige) wichtiges Vertrauen, um die Digitalisierung des Lebensraumes bei uns vor Ort – wie z.B. durch das Projekt Smart City Dortmund angestrebt wird – zu ermöglichen.

Freie Software und Nachhaltigkeit

Freie Software hat eine umfassende Nachhaltigkeitsdimension. In der Publikation des Umweltbundesamtes mit dem Titel Nachhaltige Software werden u.a. Zusammenhänge mit dem Energieverbrauch von Software (Green Software Engineering), den Hardwareanforderungen, der Wiederverwendbarkeit von Software (und damit der Einsparung von Entwicklungsressourcen), dem gesellschaftlich zugänglichem Wissen (in Form von Gemeingütern), Modularität (und der damit verbundenen Anpassbarkeit von Softwarelösungen), sowie zahlreiche weitere positive Auswirkungen auf soziale und wirtschaftliche Organisationsformen beschrieben. In der Publikation wird deutlich, dass eine Grundvoraussetzung für die Nachhaltigkeit von Software ist, dass sie unter einer Freien Lizenz veröffentlicht wird. Freie Software kann daher auch als Beitrag zu den derzeitigen Green-IT-Bestrebungen der Stadt Dortmund verstanden werden.

Do-FOSS möchte für die Nachhaltigkeit Freier Software sensibilisieren und einen Überblick über den Diskussionsstand von Dortmund als einer möglichen Freien-Software-Kommune geben, sowie gemeinsam weitere Strategieüberlegungen anstellen.

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Monday, 05 November 2018

Kooperationen um Offene Kommunen.NRW Institut erweitert

  • Do-FOSS
  • 18:32, Monday, 05 November 2018

Do-FOSS bettet sich weiter in bestehende gesellschaftliche Strukturen ein. Nachdem bereits die Free Software Foundation Europe, die FOSS-AG, der ver.di Bezirk Westfalen, die Document Foundation, digitalcourage, die Open Source Business Alliance und Pauluskirche und Kultur als Kooperationen aufgeführt sind, erweitern wir unser Wissens- und Handlungsnetzwerk um das Offene Kommunen.NRW Institut (OK.NRW).

Das Offene Kommunen.NRW Institut, kurz OK.NRW Institut, setzt sich dafür ein, den Prozess der Offenheit, Zusammenarbeit und Transparenz auf landespolitischer und kommunaler Ebene in NRW voranzubringen und zu gestalten. Das OK.NRW Institut setzt sich für eine zukunftsfähige Gesellschaft ein, die ihre Kraft und Innovationsfähigkeit aus einem Geist der Offenheit und Selbstverantwortung schöpft. Diese Gesellschaft lädt zum Mitmachen ein; sie setzt auf Kooperation und gesellschaftlichen Ausgleich. Der Verein ist eine zivilgesellschaftliche Initiative, die zeigt, dass durch Offenheit positive Veränderung möglich ist. U.a. das Open Government Manifest NRW ist ein wichtiger Beitrag des OK.NRW Instituts, um die Digitalisierung in NRW für Bürgerinnen und Bürger mitbestimmbar zu gestalten. In diesem Sinne organisiert das OK.NRW Institut diverse Veranstaltungen wie die jährlichen Barcamps, ein Konferenzformat, welches zum Abbau von institutionalisierten Wissenshierarchien beiträgt.

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Wednesday, 17 October 2018

Eine Einführung in Freie Software

In diesem Wintersemester organisiert die Hochschulgruppe “Freie Software und Freies Wissen Dresden” die Ringvorlesung “Freie Software und Freies Wissen als Beruf” an der HTW Dresden. Im Rahmen dieser Vorlesung wurde ich eingeladen eine Einführung in die Geschichte und Philosophie der Freien Software zu halten. Obwohl die Vorlesung zu später Stunde von 17:00 bis 18:30 stattfand war der Hörsaal gut gefüllt. Schon während des Vortrags wurden viele interessierte Fragen gestellt, welche im Anschluss noch zu weiteren anregenden Diskussionen geführt haben.

Wednesday, 10 October 2018

Veranstaltungshinweis: Digitale Emanzipation – Open Source als Keimzelle der Mündigkeit?

  • Do-FOSS
  • 20:08, Wednesday, 10 October 2018

Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen

Logo: Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen (© Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen)

Freie Software Thema beim Feierabendtalk bei der Heinrich Böll Stiftung NRW

Am Freitag, den 19. Oktober 2018, ist Do-FOSS von 17:30 Uhr bis 19:30 Uhr bei der Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen für einen Vortrags- und Diskussionsabend zu Gast. Der Einladungstext findet sich im Folgenden. Der Abend wird der Frage nachgehen, warum das Verständnis von Freier Software für die Digitalisierung wesentlich ist. Einen Vorgeschmack auf den Abend gibt ein kurzes Interview mit Christian Nähle von Do-FOSS. Zur Teilnahme an dem Veranstaltungsabend wird um Anmeldung gebeten. Do-FOSS freut sich auf den gemeinsamen Abend bei der Heinrich Böll Stiftung NRW!

Digitale Emanzipation – Feierabendtalk mit Christian Nähle

Open Source als Keimzelle der Mündigkeit

Digitale Keimlinge

Digitale Keimlinge

Microsoft, Apple, Google & Co.: Immer stärker ist unser Nutzer*innenverhalten geprägt durch digitale Dienste. Die voranschreitende Digitalisierung unseres Alltags wirft viele Fragen auf. Folgt ein schrittweiser Verlust der eigenen Mündigkeit und Autonomie? Software gilt für einen Großteil der Bevölkerung als „Black Box“, deren Quellcode nicht einsehbar ist. Dies bietet potenziell Spielraum für negative Folgen im Nutzer*innenverhalten, Missbrauch von Daten und der Privatsphäre.

Bedenklich ist dabei auch, dass ein Großteil der digitalen Infrastruktur eng mit den USA verbunden ist. Welche Leitplanken sollte es geben, damit eine demokratische Gesellschaft auch im digitalen Bereich Mitbestimmungsrechte ausüben kann? Open Source ist ein Ansatz dafür, allen gemeinschaftliche Verfügungsrechte über die gemeinsame Mitwelt zu ermöglichen. Ein freier Zugang zu Informationen schafft mündige Individuen sowie die nötige Transparenz.

FEIERABENDTALK
In unseren Feierabendtalks schaffen wir einen gemütlichen Raum für interessante Gespräche zum Ausklang des Tages. Bei Getränken und in kleiner Runde nähern wir uns spannenden Themen auf Augenhöhe mit eingeladenen Referent*innen und unseren Teilnehmer*innen.

REFERENT
Christian Nähle ist Verwaltungsfachwirt und engagiert sich in der Dortmunder Bürgerinitiative Do-FOSS für den Einsatz freier Software in öffentlicher Verwaltung.

Böll befragt … Christian Nähle

Interview Christian Nähle ist Verwaltungsfachwirt und engagiert sich in der Dortmunder Bürgerinitiative Do-FOSS für den Einsatz freier Software in öffentlicher Verwaltung.

2. Oktober 2018
von Jurij Kas

Warum ist Open Source ein Grünes Thema?

Open Source, also die Quelloffenheit von Informationen, ermöglicht Menschen sich eine Meinung zu bilden. Mündigkeit ist ein Kernbegriff für uns GRÜNE für unsere Vorstellung einer selbstbestimmten Gesellschaft für Alle. Dazu gehört, dass wir verwenden, verstehen, verbreiten und verbessern dürfen, was wir in unserer Mitwelt vorfinden. Politisch gilt es daher allen Menschen gemeinschaftliche Verfügungsrechte über unsere gemeinsame Mitwelt zu ermöglichen. Open Source ist ein Ansatz hierfür. Im Analogen, wie im Digitalen.

Was hat eine voranschreitende Digitalisierung meiner Umwelt für mich zur Folge?

Eine Digitalisierung meiner Umwelt bedeutet zunächst für mich, dass mein Lebensraum mittels digitaler Technik gestaltet und verwaltet wird. Fraglich ist, wie dies abläuft. Wird Technikeinsatz als dienendes Instrument oder als autoritär-administrierende Fernsteuerung konzipiert? Welche Leitplanken sollte es geben damit eine demokratische Gesellschaft auch im Digitalen Mitbestimmungsrechte und Koalitionsfreiheit ausüben kann? Fragen wie diese sind allem Umsetzungseifer voranzustellen.

Worin besteht eine Gemeinsamkeit von Open-Source-Software und Open-Source-Saatgut?

Beide werden als Gemeingut bereitgestellt und genutzt statt als Privateigentum. Die Eigentumsregelung drückt sich durch die jeweilige Lizenz aus mit der Saatgut bzw. Software belegt sind. Open-Source-Saatgut und Open-Source-Software sind tatsächlich frei, d.h. das genetische Erbgut einer Pflanze bzw. der Quelltext einer Software sind eigentumsrechtlich auf niemanden eingeschränkt, womit sie Gemeingut sind und uns allen gehören. Diese Verfügungsrechte sind ein Schlüsselelement für ein selbstbestimmtes Leben.

Tipp: Christian Nähle ist zu Gast bei unserem Feierabend-Talk am 19. Oktober zum Thema „Digitale Emanzipation“ – hier anmelden und mit ihm diskutieren!

Dokument zum Herunterladen

Der Veranstaltungsflyer des Feierabendtalks kann hier heruntergeladen werden.

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Tuesday, 25 September 2018

Exkurs: Stadt Dortmund erntet Open-Source-Saatgut

  • Do-FOSS
  • 20:19, Tuesday, 25 September 2018

Die Open-Source-Tomate

Bild: Die Open-Source-Tomate

Das Prinzip Open Source verbreitert sich bei der Stadt Dortmund

Im Blogbeitrag Exkurs: Saatgut wie Software – eine Frage der Lizenz beleuchtete Do-FOSS die Lizenierungsfrage „Frei oder unfrei?“ anhand eines Vergleichs zwischen Saatgut und Software. Um das Open-Source-Prinzip für Saatgut praktisch anzugehen, hatte sich die Solidarische Landwirtschaft Dortmund (SoLaWi) (weitere Erläuterung s.u.) zum Partner des Open-Source-Prinzips erklärt. Herr Jörg Lüling, Mitglied des Vereinsvorstandes der Dortmunder SoLaWi, hat die Open-Source-Tomaten auf einem Stück Land der SoLaWi gepflanzt, gepflegt und groß gezogen. Nun wurden die Open-Source-Tomaten kürzlich vom Dortmunder Umweltamt geerntet. Auch hierbei hat die SoLaWi maßgeblich unterstützt. Nach der Trocknung des Saatguts wird es demnächst an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger als Gemeingut verteilt.

Im Folgenden findet sich die Pressemitteilung der Stadt Dortmund zur Ernte des Open-Source-Saatguts, zu den Hintergründen und zur Weiterreichung des Saatguts an die Bürgerinnen und Bürger. Do-FOSS freut sich, dass sich die Wahrnehmung für das Prinzip von Open Source bei der Stadt Dortmund verbreitert und praktisch umgesetzt wird.

Pressemitteilung der Stadt Dortmund: Umweltamt erntet und verteilt samenfestes frei nutzbares Saatgut für die Klimafolgenanpassung

Das Team der Koordinierungsstelle für Klimaschutz und Klimaanpassung des Umweltamtes erntet auf dem Acker der Solidarischen Landwirtschaft Kümper Heide Tomatensaatgut, das an Klimaveränderungen angepasst werden kann. Das geerntete Saatgut der samenfesten Tomatensorte „Sunviva“ können Dortmunder nach der Trocknung beim Umweltamt kostenfrei abholen. Es handelt sich dabei um so genanntes „Open-Source“-Saatgut. Das bedeutet, dass das Saatgut frei von privatrechtlichen Schutzrechten ist und frei nutzbar ist.

Start der Verteilung wird noch bekannt gegeben und erfolgt, solange der Vorrat reicht. Mit dieser Aktion unterstützt das Umweltamt Open-Source-Saatgut zum Erhalt der ökologischen Vielfalt und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Klimafolgenanpassung.

Klimawandel fordert Vielfalt im Saatgut

Der internationale Saatgutmarkt wird von immer weniger Unternehmen bestimmt. Da die Saatgutfirmen ihre Züchtungen immer stärker vereinheitlichen, geht die Pflanzenvielfalt stetig zurück. Diese Entwicklung verringert die Fähigkeit der Landwirtschaft, sich an regionale Unterschiede und den Klimawandel anzupassen und macht sie damit auch anfälliger für Umwelteinflüsse. Ökologische Vielfalt ist eine zentrale Grundlage dafür, dass sich Landwirtschaft an den Klimawandel anpassen kann. Dafür leistet das samenfeste Open-Source-Saatgut einen entscheidenden Beitrag zur Klimafolgenanpassung. Durch die aktuelle Entwicklung auf dem Saatgutmarkt ist nicht nur die ökologische Vielfalt, sondern auch unsere Ernährung gefährdet.

Steriles Hybridsaatgut und seine Folgen für Landwirte

Gemüse keimt heutzutage in der Regel von sogenanntem Hybridsaatgut. Für Hybridzüchtungen werden bestimmte Eigenschaften einer Pflanze wie Pflanzengröße, Form und Farbe der Früchte durch Kreuzung von Inzuchtlinien verstärkt. Ein gewünschter Effekt ist, dass die erste Generation überdurchschnittlich gute Ertragsergebnisse liefert. Die Kehrseite ist jedoch, dass die Landwirte das Saatgut aus eigener Ernte nicht verwenden können. Es verliert seine Einheitlichkeit. Manche Pflanzen würden z.B. sehr groß, andere sehr klein. Das bringt enorme Schwierigkeiten für die Weiterverarbeitung und den Verkauf der Ernte mit sich. Zum Teil sind Hybride sogar steril, so dass sie sich gar nicht fortpflanzen können. Zudem dürfen Landwirte das selbst geerntete Saatgut mitunter aufgrund von Lizenzbestimmungen nicht verwenden. Auf diese Weise entsteht neben der ökologischen Verringerung auch eine Abhängigkeit der Landwirte von Saatgutproduzenten, denn das Saatgut muss jedes Jahr neu gekauft werden. Dies trifft sowohl die heimische Landwirtschaft als auch Landwirte in Entwicklungsländern. Die Alternative zu Hybridsaatgut ist samenfestes Saatgut, das nachbaufähig, also fruchtbar ist und in den nächsten Generationen Pflanzen mit den
gleichen Eigenschaften hervorbringt.

Berücksichtigung regionaler und klimatischer Unterschiede

Die in Dortmund auf dem Acker der Solidarischen Landwirtschaft Kümper Heide gesäte Tomatenpflanze „Sunviva“ ist samenfest. Sie ist aber nicht nur aufgrund ihrer Samenfestigkeit, sondern auch wegen ihrer rechtlichen Eigenschaften ein wesentlicher Baustein für die Klimafolgenanpassung. Denn nach ihrer Züchtung wurde die Tomatensorte unter eine Open-Source-Saatgutlizenz gestellt. Anders als bei herkömmlichen Rechten an Saatgut erlaubt diese Art der Lizenz, die Samen frei und kostenlos zu verwenden. Auf diese Weise wird die Verwendung des Saatguts für die Allgemeinheit gesichert. Die Besonderheit ist, dass Landwirte das Saatgut vermehren und für regionale Bedürfnisse weiterentwickeln dürfen. Dabei bleibt es auch in Zukunft frei von Lizenzkosten. Anders als bei globalem Einheitssaatgut großer Konzerne können daher bei Open-Source-Saatgut regionale Unterschiede und klimatische Veränderungen bei der Züchtung und beim Anbau dauerhaft berücksichtigt werden.

Solidarische Landwirtschaft in Dortmund

Als Partner für den Anbau der Open-Source-Tomate „Sunviva“ hat sich die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) Kümper Heide in Dortmund angeboten. Die Grundidee jeder SoLaWi ist, dass sich Landwirte mit Verbrauchern von Anfang an in einer Gemeinschaft zusammentun. So verpflichten die Mitglieder sich im Vorfeld zur Abnahme des Gemüses und finanzieren alles, was für den Anbau notwendig ist, vor. Die Ernte steht allen gleichermaßen zur Verfügung. Somit werden Risiko und Ernte geteilt. Außerdem können alle Mitglieder der Gemeinschaft auf dem Acker mitarbeiten, sich in Arbeitsgruppen und demokratisch in ein Plenum einbringen. Ernährung wird als gemeinschaftliche Aufgabe wahrgenommen.

Saatgut im Umweltamt

Saatgut der Open-Source-Tomate „Sunviva“ und weitere Informationen gibt es bei der Koordinierungsstelle für Klimaschutz und Klimaanpassung des Umweltamtes: Ansprechpartner ist Christian Nähle, Telefon 0231/50–2 87 74, cnaehle@stadtdo.de, www.umweltamt.dortmund.de

Redaktionshinweis:

Dieser Medieninformation hängt eine Pflanzanleitung an: Tomaten selbst zu ziehen ist gar nicht schwer
Kontakt: Heike Thelen

Fotostrecke des Saatgutanbaus

Do-FOSS hat einige Fotos über die SoLaWi erhalten, welche den Saatgutanbau ausschnittsweise dokumentieren.

Fazit

So ähnlich wie Saatgut aus den verschiedensten Zusammenhängen als Gemeingut wahrgenommen werden sollte, ist dies auch bei Software einzuordnen. Software sollte ebenfalls als Gemeingut behandelt werden. Andernfalls werden Menschen Software nicht nach ihren Bedürfnissen verwenden, verstehen, verbreiten oder verbessern können.

Dokumente zum Herunterladen

Die Pressemitteilung der Stadt Dortmund zur Ernte des Open-Source-Saatguts vom 21.09.2018 kann hier und die Pflanzanleitung „Tomaten selbst zu ziehen ist gar nicht schwer“ kann hier heruntergeladen werden.

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Tuesday, 21 August 2018

Wie unterstützt die Landesre­gierung von Nordrhein-Westfalen Freie Software?

  • Do-FOSS
  • 19:16, Tuesday, 21 August 2018

NRW-Zeichen

Bild: Land NRW

Auskunft der Landesregierung

Die Diskussion um eine Freie-Software-Strategie in der Stadt Dortmund verursachte nicht nur eine breite Medienresonanz, sondern wurde auch im Landtag von Nordrhein-Westfalen wahrgenommen. Aus der Landtagsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN wurde eine entsprechende Kleine Anfrage gestellt, um eine Auskunft der Landesregierung zu Freier Software und Offenen Standards zu erhalten. Do-FOSS freut sich darüber, dass Dortmund als positives Beispiel für eine Diskussion im Landtag dient.

Die Antwort der Landesregierung ist erst einmal aufschlussreich, um eine grobe Vorstellung der Sichtweise der Landesregierung auf Freie Software zu erhalten. Außerdem gibt die Antwort einen Kurzüberblick über die praktische Erfahrung der Landesregierung mit Freier Software. Aus Sicht von Do-FOSS ist besonders hervorzuheben, dass die ministerienübergreifende Antwort vom „Innen- und Digitalisierungsminsterium“ Herstellerunabhängigkeit[1] als positiv einordnet. Ferner werden Offene Standards als unterstützenswert anerkannt.

Anfrage an die Landesregierung im Wortlaut

Kleine Anfrage 1035
des Abgeordneten Matthi Bolte-Richter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wie unterstützt die Landesregierung Freie Software?

Der Verwaltungsvorstand der Stadt Dortmund hat in seiner Sitzung vom 10.04.2018 beschlossen, die Potenziale von Freier Software und Offenen Standards im Bereich der städtischen Informations- und Telekommunikationstechnik zu untersuchen. Die Verwaltung wird den politischen Gremien Ende 2019 einen Ergebnisbericht zum Einsatzpotenzial von Freier Software und Offenen Standards vorlegen. Dortmund ist damit die erste Großstadt in Nordrhein-Westfalen, die die eine systematische Potenzialbetrachtung Freier Software für ihre Verwaltung entwickelt. Die Verwendung von Offenen Standards wurde bereits in der Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030 vereinbart.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

  1. Welche Programme und Konzepte sind der Landesregierung zur Einführung Freier Software auf kommunaler Ebene bekannt?
  2. Durch welche konkreten Maßnahmen unterstützt die Landesregierung die Erstellung von Programmen und Konzepten zur Einführung Freier Software auf kommunaler Ebene?
  3. Beabsichtigt die Landesregierung, den Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich in ähnlicher Weise zu untersuchen?
  4. Welche Potenziale, z.B. durch die Herstellerunabhängigkeit am Softwaremarkt, sieht die Landesregierung für den Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich?
  5. Inwiefern fördert die Landesregierung einen interkommunalen Datenaustausch, der auf Offenen Standards basiert, wie es das E-Government NRW vorsieht?

Matthi Bolte-Richter

Die Antwort der Landesregierung im Wortlaut

Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

Der Minister

12. Juni 2018

Aktenzeichen 2018/03878 (bei Antwort bitte angeben)

Präsidenten des Landtags
Nordrhein-Westfalen
Herrn Andre Kuper MdL
Platz des Landtags 1
40221 Düsseldorf

Kleine Anfrage 1035 des Abgeordneten Matthi Bolte-Richter der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Wie unterstützt die Landesre­gierung Freie Software?“ LT-Drs. 17/2587

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident,

namens der Landesregierung beantworte ich die Kleine Anfrage 1035 im Einvernehmen mit der Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen wie folgt:

  1. Welche Programme und Konzepte sind der Landesregierung zur Einführung Freier Software auf kommunaler Ebene bekannt?
  2. Durch welche konkreten Maßnahmen unterstützt die Landesre­gierung die Erstellung von Programmen und Konzepten zur Ein­führung Freier Software auf kommunaler Ebene?

Die Fragen 1 und 2 werden zusammen beantwortet.

Über den Einsatz von Produkten der Informations- und Telekommunika­tionstechnik einschließlich bestimmter Softwareprodukte entscheiden die Kommunen im Rahmen der ihnen verfassungsrechtlich garantierten kommunalen Selbstverwaltung eigenständig. Der Landesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.

  1. Beabsichtigt die Landesregierung, den Einsatz von Freier Soft­ware und Offenen Standards in ihrem eigenen Zuständigkeitsbe­reich in ähnlicher Weise zu untersuchen?

Es ist aktuell nicht geplant, eine zum Vorhaben der Stadt Dortmund ver­gleichbare Erhebung durchzuführen.
In der überwiegenden Zahl der Behörden und Einrichtungen des Landes wird sowohl freie Software als auch proprietäre Software eingesetzt. Der Schwerpunkt des Einsatzes freier Software liegt dabei im Serverbereich (Betriebssysteme, Webserver für Intranet/Internet, Proxies, DNS-Server, Applikationsserver, Softwareentwicklungsumgebungen, Datenbanken).
Das Land Nordrhein-Westfalen benutzt und entwickelt als Redaktionssys­tem für Internetangebote das Content Management System nrwGOV, eine Distribution der freien Software DRUPAL 8, das wiederum als freie Software veröffentlicht werden soll.

  1. Welche Potenziale, z.B. durch die Herstellerunabhängigkeit am Softwaremarkt, sieht die Landesregierung für den Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in ihrem eigenen Zustän­digkeitsbereich?

Die Landesregierung bewertet den Aspekt der Herstellerunabhängigkeit, der sich durch den Einsatz Freier Software und insbesondere durch die Nutzung offener Standards ergeben kann, positiv. Grundsätzlich erfolgt die Entscheidung für die Auswahl von Softwareprodukten auf der Grund­lage fachlicher Anforderungen – zu denen auch die Unterstützung rele­vanter offener Standards gehört – und unter Berücksichtigung vergaberechtlicher Rahmenbedingungen. Dabei sind bei der Beurteilung der Wirt­schaftlichkeit neben den Lizenzkosten auch die Kosten für die Schulung, die Einführung und die Pflege einer Software zu berücksichtigen.

  1. Inwiefern fördert die Landesregierung einen interkommunalen Datenaustausch, der auf Offenen Standards basiert, wie es das E-Government NRW vorsieht?

Die Landesregierung unterstützt grundsätzlich die Nutzung offener Stan­dards und speziell die Nutzung der XÖV-Standards des IT-Planungsrats für den elektronischen Datenaustausch der öffentlichen Verwaltung. Hierzu beteiligt sich das Land Nordrhein-Westfalen aktiv an der Entwick­lung verschiedener XÖV-Standards. Die XÖV Standards schaffen eine stabile Basis auch für den interkommunalen Datenaustausch.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Andreas Pinkwart

Einschätzung zur Antwort der Landesregierung

Die befürwortende Einschätzung der Landesregierung in Bezug auf Freie Software und Offene Standards ist erfreulich. Ein gezielterer Einsatz von Freier Software und eine Zusammenarbeit mit den Kommunen bieten jedoch weitere Vorteile.

Softwareeinsatz

In Bezug auf den Softwareeinsatz ist hervorzuheben, dass die Landesregierung den Zusammenhang zwischen Herstellerunabhängigkeit und Freier Software sieht und diese Eigenschaft von Freier Software positiv bewertet. Darüber hinaus wird Freie Software von IT.NRW bereits in geschäftskritischen Bereichen eingesetzt (Schwerpunkt im Serverbereich). Jedoch scheint der bisherige Einsatz Freier Software keiner grundlegenden Abwägung zum Softwareeinsatz zu folgen. Do-FOSS sieht neben den in der von der Landesregierung gegebenen Antwort erwähnten Kostenaspekten und vergaberechtlichen Rahmenbedingungen noch weitere qualitative Vorteile durch den Einsatz von Freier Software, welche sich nicht monetär darstellen lassen. Ein Beispiel hierfür sind Aspekte der funktionalen Transparenz und der damit verbundenen IT-Sicherheit. Darüber hinaus kann eine systematische Betrachtung des IT-Einsatzes die langfristige Steuerungsfähigkeit der Kostenstrukturen verbessern. Diese Erkenntnis wird von der Stadt Dortmund mit der Potenzialanalyse zum Einsatz von Freier Software umgesetzt. Eine solche Betrachtung wäre auch auf Landesebene wünschenswert, um zu einer differenzierten Diskussion zu gelangen.

Offene Standards

In Bezug auf Offene Standards liest sich die Antwort der Landesregierung eindeutiger. So werden Offene Standards grundsätzlich unterstützt und als stabile Basis für den interkommunalen Datenaustausch gesehen.

Unterstützung des Landes für Kommunen

Nicht zuletzt macht die Antwort der momentanen Landesregierung deutlich, dass sie kommunale Vernetzung und Wissenstransfer über Einsatzkonzepte Freier Software in der Verantwortung der Kommunen sieht. Die Stadt Dortmund leistet mit der Arbeitsgruppe Freie Software hier entsprechende Vorarbeit.

Weiterhin zeigt die Antwort der Landesregierung, dass es durchaus Synergiepotenziale zwischen Land und Kommunen gibt. Die d-NRW, eine Anstalt des öffentlichen Rechts unter Aufsicht des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, hält zu nrwGOV, dem neuen Content-Management-System des Landes, u.a. fest, dass es als Open-Source-Software den Kommunen in NRW zur Verfügung gestellt werden soll:

Ein Ziel des E-Government-Gesetzes NRW ist die Bereitstellung von Informationen und elektronischer Verfahren, welche zukünftig effizient auf Basis einheitlicher Internetauftritte ermöglicht wird.

Vor diesem Hintergrund stellt der CIO des Landes NRW mit nrwGOV ein gemeinsames Landes-Design und ein einheitliches Landes-CMS (Content Management System) für die Internetauftritte und Portale aller Landesbehörden und Einrichtungen in NRW bereit, über welche der Wiedererkennungswert der einzelnen Internetauftritte erhöht und ein einheitlicher Auftritt aller Landesbehörden im Internet geschaffen wird. Das Landes-CMS soll zudem als Open Source Software allen Kommunen in NRW zur Verfügung gestellt werden. [Hervorh. d. Verf.]

Fazit

Die Antwort der Landesregierung in Bezug auf nrwGOV zeigt: Freie Software ermöglicht Zusammenarbeit sowohl interkommunal als auch zwischen Land und Kommunen. An dieser Stelle lohnt es sich über über neue Kooperationsmöglichkeiten nachzudenken, um die Synergieeffekte durch Freie Software voll ausschöpfen zu können. Insgesamt zeigt sich, dass die Themen Freie Software und Offene Standards von der Landesregierung positiv bewertet werden. Dies sind gute Voraussetzungen dafür, dass eine weitergehende Diskussion zum Thema auf fruchtbaren Boden fällt.

Do-FOSS wird sich weiter dafür einsetzen, dass Freie Software in NRW gefördert wird. Hierfür ist Do-FOSS seit neuestem auch unter FOSS.NRW zu erreichen.

Dokumente zum Herunterladen

Die Kleine Anfrage des Abgeordneten Matthi Bolte-Richter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN kann hier heruntergeladen werden. Die Antwort von Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart kann hier heruntergeladen werden.

[1] Was Herstellerabhängigkeit im Kontext von staatlichen IT-Strukturen bedeutet, wurde auch von der ARD mit dem Beitrag Das Microsoft-Dilemma vom 19.02.2018 gezeigt (vgl. z.B. auch Der Staat in Microsofts Hand, erschienen in Süddeutsche Zeitung, 19.02.2018).

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Saturday, 11 August 2018

FOSS.NRW

  • Do-FOSS
  • 09:34, Saturday, 11 August 2018

NRW-Zeichen

Bild: Land NRW

Do-FOSS mit zusätzlicher Domain

Do-FOSS hat in der Vergangenheit für Freie Software bereits einige Male von der kommunalen auf die Landesebene geschaut z.B. mit den Beiträgen FOSS – Voraussetzung für demokratiekonforme Open-Government-Lösungen? und Freie Software im Koalitionsvertrag von Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus gibt es Vorteile von Freier Software, welche erst durch interkommunale Kooperationen voll ausgeschöpft werden können und manche interkommunale Zusammenarbeit wird durch Freie Software erst umsetzbar.

Do-FOSS hat erkannt, dass es in NRW einen Bedarf der interkommunalen Vernetzung gibt, um lokale Softwareprojekte umsetzen zu können. Daher ist Do-FOSS ab sofort auch unter der Domain FOSS.NRW erreichbar.

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Sunday, 05 August 2018

Toot, toot - softmetz ist jetzt auch bei Mastodon

Join the Federation - Mastodon awaits

Das dezentrale Soziale Netzwerk Mastodon geistert bereits seit einiger Zeit in meinen Kanälen herum. Nun habe ich mich aufgerafft, den neuen heissen Scheiss auszuprobieren. Und ich muss sagen, dass ich begeistert bin.

Die Initiative wurde von Eugen Rochko 2016 gestartet, von da ist es wirklich weit gekommen. Mastodon hat IMHO das Zeug, eine echte Twitter-Alternative zu werden, zumindest abseits von Presse-Bots und Politikern. :-)

Die Benutzeroberfläche ist sehr aufgeräumt, könnte allerdings etwas mehr responsive sein. So verwende ich meinen Browser im Allgemeinen auf einem Bildschirm im Portrait-Modus, was aber dazu führt, dass ich häufig horizontal scrollen muss. Aber das ist schon Jammern auf sehr, sehr hohem Niveau. Es gibt wirklich brauchbare Mobile Clients wie Tusky für Android, der auch im F-Droid-Store angeboten wird.

Aus Sicherheitsaspekten ist die 2-Faktor-Authentifizierung durch die Integration von OTP-Tokens hervorzuheben. Auch sind die Voreinstellungen sehr restriktiv gehalten. Ein DSGVO-Musterwesen, dieses Mastodon.

Twitter habe ich über den Integrationsdienst moa bidirektional angebunden. Das funktioniert richtig gut, wenn auch mit einer kurzen Verzögerung. Leider habe ich für Diaspora, wo ich ja auch noch unterwegs bin, keine fertige Integration gefunden, aber vielleicht ist das ja ein kleines Go-Projekt wert? ;)

Das System basiert auf dem dem ActivityPub-Protokoll sowie dem etwas älterenen OStatus-Protokoll zur Interaktion mit anderen alternativen Diensten wie friendica, die gemeinhin das Fediverse bilden.

Genauso wie Mastodon kann man moa auch selbst hosten, was ich bisher aber nicht tue. Alternativ kann man für Mastodon auch Hosting ab 5€/Monat einkaufen.

Entwickelt wird das Backend mit Ruby-on-Rails und das Frontend mit React.js. Zumindest das Backend lässt sich daher nicht auf jedem beliebigen Shared Hoster betreiben. Mein Hoster uberspace bietet aber auch Rails-Support, vielleicht widme ich dem Thema später nochmal mehr Zeit.

Aktuell bin ich drauf und dran, Mastodon zu meinem primären Social Network zu machen. Es fehlen noch ein paar Leute, die sich nun gern anmelden dürfen.

Wednesday, 01 August 2018

Mein erstes Go-Programm

Ich habe die letzten Tage genutzt mich in die Programmiersprache Go einzuarbeiten.

Nachdem ich vor allem Beispiele abgetippt und mir Fremdcode angeschaut habe, schrieb ich heute mein erstes eigenes Programm. Wenig innovativ handelt es sich um eine Variante von Hello World, wobei ich versucht habe, einige erweiterte Techniken anzuwenden.

Das Programm ist in der Lage abhängig vom Vorhandensein von Kommandozeilenparametern eine von zwei Greeter-Implementierungen zu wählen, die jeweils einen String zurückgeben. Dieser wird dann gefolgt von einem Zeilenumbruch ausgegeben.

Installation von Go

Ich habe zuerst Go 1.10 aus den Paket-Repositories von Archlinux installiert und in der Datei $HOME/.bashrc die Variable $GOPATH auf die Wurzel meiner Go-Repositories gesetzt.

Das erste Programm

Dann habe ich in diesem Verzeichnis die Struktur für mein Programm angelegt:

mkdir -p softmetz.de/hello/greeter

Das Hauptprogramm

In softmetz.de/hello wurde die Datei main.go angelegt:

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package main

import (
        "softmetz.de/hello/greeter"
        "fmt"
)

func main() {

        g := greeter.NewGreeter()
        greeting := g.Greeting()

        fmt.Println(greeting)

}

Das ist die Einstiegsdatei für das Go-Programm. In Go ist es Pflicht, dass diese Dateien im Package main sind.

Der import-Block enthält zwei Einträge. Während fmt aus der Standardbibliothek Funktionen zur Formatierung und Ausgabe von Text bereitstellen, ist softmetz.de/hello/greeter eine Bibliothek, die zum Programm gehört.

Die Funktion main ist dann relativ übersichtlich. Zuerst wird eine Instanz vom Interface Greeter erzeugt. greeter ist dabei das Package der Bibliothek und NewGreeter ist ein Funktion, die die Rolle einer Factory innehält.

Im nächsten Schritt wird die Methode Greeting aufgerufen, welche die Begrüßung als String zurückliefert.

Zuletzt wird die Begrüßung gefolgt vom Umbruch auf der Standardausgabe gedruckt.

Die Bibliothek greeter

Die Bibliothek besteht aus zwei Dateien. Einmal der eigentlichen Implementierung und dann noch einem Test.

Zuerst die Datei greeter.go:

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package greeter

import (
        "log"
        "os"
        "strings"
)

type Greeter interface {
        Greeting() string
}

type DefaultGreeter struct{}

func (g *DefaultGreeter) Greeting() string {
        return "Hello World!"
}

type OsArgsGreeter struct{}

func (g *OsArgsGreeter) Greeting() string {
        params := strings.Join(os.Args[1:], " ")
        return "Hello " + params + "!"
}

func NewGreeter() Greeter {

        switch {
        case len(os.Args) > 1:
                log.Printf("Creating OsArgsGreeter")
                return &OsArgsGreeter{}
        default:
                log.Printf("Creating DefaultGreeter")
                return &DefaultGreeter{}
        }

}

Diesmal entspricht der Package-Name greeter dem Namen der Bibliothek. Es werden die Bibliotheken log, os und strings aus der Standard-Bibliothek von Go importiert.

In Zeile 9 wird das Interface Greeter erstellt. Dieses hat eine Methode Greeting, welche einen String liefert. Go spricht selbst davon, dass es gleichzeitig eine objektorientierte Programmiersprache ist und auch wieder nicht. Das wird unter anderem daran deutlich, dass es möglich ist, mit Interface Polymorphismus zu realisieren, aber das Konzept von Klassen und Vererbung in Go nicht existiert. Stattdessen wird auf Aggregation und Komposition gesetzt.

In den Zeilen 13 bis 17 wird DefaultGreeter implementiert. Auffällig ist, dass nirgends auf Greeter verwiesen wird. In Go wird ein Interface von allen Typen implementiert, die dem Interface entsprechen, also dessen Funktionen mit den gleichen Parametern und Return-Werten enthält. Damit ist der DefaultGreeter geeignet, die Rolle eines Greeter zu vertreten. In diesem Zusammenhang ist noch wichtig, dass Methoden zu Typen nicht innerhalb der geschweiften Klammern der Typ-Defintion implementiert werden, sondern ausserhalb. Das ist so ähnlich wie in C++, wo die Klasse im Header definiert wird und die Methoden dann in der C++-Datei implementiert werden. Das Konzept von this sowie die Verknüpfung zur klasse wird über die erste Klammer in Zeile 15 gesteuert. In diesem Fall ist der DefaultGreeter als g in der Methode erreichbar.

Die zweite Implementierung von Greeter ist OsArgsGreeter. Diese hängt an ein freundliches “Hello” alle Parameter gefolgt von einem Ausrufzeichen an. Die Kommandozeilenparameter bekommt man in Go über das Array/Slice os.Args. Hier ist zu beachten, dass der erste Parameter der Name des Programms ist, also in Etwa wie bei Bash, wo ja $0 auch der Name des Skripts ist und der erste Parameter $1.

Ab Zeile 26 kommt dann die Factory-Methode, die auch in main.go schon bemüht wurde. Darin steckt ein Switch-Konstrukt, welches die Bedingungen in case-Blöcken prüft. Trifft keine Bedingung zu, wird der default-Block ausgeführt. Bei Go muss man keine break-Anweisungen verwenden, das Konzept des “Durchfallens” existiert nicht.

Testen muss sein

Last but not least braucht ein komplexes Programm natürlich auch Testfälle. Go bringt mit go test und der testing-Bibliothek ein eigenes Testframework mit.

Der Code liegt in einer Datei, die *_test.go heisst, in diesem Fall greeter_test.go:

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package greeter_test

import (
        "os"
        "softmetz.de/hello/greeter"
        "testing"
)

func TestDefaultGreeter(t *testing.T) {

        expected := "Hello World!"
        os.Args = []string{}

        g := greeter.NewGreeter()
        actual := g.Greeting()

        if actual != expected {
                t.Errorf("Test failed, expected: %s, got: %s", expected, actual)
        }

}

func TestOsArgsGreeter(t *testing.T) {

        expected := "Hello foo bar!"
        os.Args = []string{"", "foo", "bar"}

        g := greeter.NewGreeter()
        actual := g.Greeting()

        if actual != expected {
                t.Errorf("Test failed, expected: %s, got: %s", expected, actual)
        }

}

Das Package lautet diesmal greeter_test. Das ist keine Regel, aber ich habe es so aus den Testfällen der Go-Standardbibiliothek übernommen.

Der Import-Block ab Zeile 3 importiert wieder os und die greeter-Bibliothken. Außerdem wird das Test-Framework testing eingebunden.

Testfälle liegen in Methoden, die Test...(t *testing.T) heissen. Ganz wichtig ist, dass in diesem Framework nur Fehlersituationen betrachtet werden, es gibt keinAssert` oder ähnliche Konzepte.

Die Tests sollten relativ selbsterklärend sein. Hervorzuheben sind lediglich die Zeilen 12 und 26 verdienen Erklärung. Wie oben schon beschrieben, schreibt Go in das Array os.Args alle Kommandozeienparameter. Da es sich um ein normales Array handelt und nicht etwa um eine Methode, kann es von überall überschrieben werden. Für den Test ist es super, aber ich stelle mir gerade vor was passiert, wenn eine Bibliothek die Parameter modifiziert und damit z.B. Sicherheitsfeatures abschaltet.

Fazit

Go ist eine sehr interessante Sprache und ich plane damit noch mehr zu machen als dieses kleine Programm. Insbesondere interessiert es mich, inwieweit sich Go für Webanwendungen eignet, die sich einfach selbst hosten lassen um damit zu helfen, Silos aufzubrechen.

Das Testframework ist auf den ersten Blick etwas rudimentär, z.B. finde ich t.Errorf("Test failed, expected: %s, got: %s", expected, actual) sehr redundant, bei JUnit gibt es da mehr out of the box. Es gibt wohl auch schon erste Aufsätze auf das Basis-Testing. Mal schauen.

Ansonsten lese ich gerade noch Go at Google: Language Design in the Service of Software Engineering worin die Designentscheidungen dargelegt werden.