Free Software, Free Society!
Blogs der FSFE-Community

Saturday, 09 February 2019

Ausgeschaut: BBS The Documentary

Kürzlich überkam mich der Impuls, der 90er-Jahre-Mailbox-Szene nachzuspüren. Ich war erstaunt, wie viele aktive Mailboxen es noch gibt, auch wenn die Einwahl per MODEM oft den Protokollen telnet und neuer ssh gewichen ist oder diese zumindest ergänzt.

Während meiner Recherchen bin ich dann über die Filmreihe BBS The Documentary von Jason Scott aus dem Jahr 2002 gestolpert. Die DVDs sind seit mehreren Jahren ausverkauft, aber jemand war so freundlich, das Werk auf Youtube hochzuladen. Von dort fand es auch schon seinen Weg nach Archive.org.

Ich habe nun mehre Abende in intensiven Erinnerungen an meine eigenen Teenager-Zeit, die durchaus von der Mailbox-Szene (so hiess die BBS-Szene in irgendwie bei uns) geprägt war, geschwelgt und halte meine Gedanken dazu hier fest.

Das fast fünfstündige Werk betrachtet die Bulletin Board System-Szene der zwischen ca. 1980 und 2000 aus verschiedenen Blickpunkten.

  • README: Eine kurze Einführung zu BBSs
  • BAUD: Wie es mit BBS losging
  • SYSOPS AND USERS: Vor allem Interviews mit Sysops (den System Operators) und deren BBS-Users
  • MAKE IT PAY: Kommerzielle BBS, quasi existent ab dem Anfang und daher parallel zu den vorhigen Kapiteln
  • FIDONET: Eine grandiose Übersicht über das Fidonet als quasi das weltweite Nicht-Internet-Netz
  • ARTSZENE: Die ANSI-Kunst-Szene, die es quasi auch immer gab
  • HPAC: Hacking, Phreaking, Anarchy, Cracking
  • NO CARRIER: Das Ende der BBS
  • COMPRESSION: Die ARC-ZIP-Schlacht

Die Protagonisten und BBSs stammen fast ausschließlich aus Nordamerika. Trotzdem kann ich mich mit vielen der geäußerten Gedanken absolut identifizieren.

Ich würde sagen, dass ich einen guten Überblick über die deutsche Mailbox-Szene in den Jahren 1997-1999 habe. Überhaupt war ich geschockt, als ich merkte, dass die vermeintlich endlose Lebensphase nur ca. 2-3 Jahre umfasst hat, geprägt hat sie mich für die nächsten zwanzig. :-)

In dieser Zeit wurde ich vom User in einer Mailbox zu einem User vieler Boxen zu vielen Usern vieler Boxen. Letzteres war nötig, damit ich mehr als die vorgegebene Zeit pro Tag online sein konnte. ;-)

Am Ende meiner “Karriere” durfte ich als CoSysOp der NCC Leuna das Zepter schwingen. Und da fällt mir ein, dass ich sogar mal eine Mailbox-Liste von NCBMail Systemen geführt habe.

Natürlich stelle ich mir die Frage, ob das Konzept BBS in die heute Zeit übertragbar wäre. Ich meine nicht unbedingt MODEMs oder ANSI, wobei das schon seinen Charme hat. Was aber aus meiner Sicht der zentrale Unterschied zum heutigen (mobilen) Internet ist, war die Wertschätzung der Onlinezeit.

Damit meine ich weniger die Telefonkosten, sicher der spürbarste Aspekt dieser Zeit. Aber die Mailboxen hatten in der Regel nur eine sehr begrenze Anzahl von Einwahl-Lines, was sie zu einer begehrten Ressource machten. Daher war es üblich, dass man sich nur eine begrenzte Zeit pro Tag oder Woche in einer Mailbox aufhalten konnte. Diese Zeit konnnte teilweise mit Geld oder einem Stufensystem verlängert werden. Aber die beste Möglichkeit, unbegrenzte Online-Zeit zu bekommen war, sich selbst eine Mailbox zuzulegen. Wenn man dann noch Leute fand (oder Leute die Mailbox), ging der Spaß richtig los.

Ein weiterer wichtiger Punkt war der lokale Bezug. Obwohl man über die (inter)nationalen Nachrichtennetze wie Z-Netz oder FidoNet durchaus internationale Kontakte pflegen konnte, waren die meisten User aus dem direkten regionalen Umfeld, so dass regelmäßige User-Treffen eine wunderbare Möglichkeit waren, Menschen mit einem kompatiblen Mindset zu finden.

Diese beiden Eigenschaften fehlen mir in der heutigen Online-Welt schon etwas, aber vielleicht kann man da was erfinden.

OT: Während ich diesen Post schrieb, lief das hier duch meinen Newsfeed. Es wird.

Tuesday, 05 February 2019

Fifty Shades of Hack Back

Regelmäßig flattert mir Die Zeitschrift für Informationssicherheit <KES> in den beruflichen Briefkasten und erfreut mich mit mehr oder weniger spannenden Artikeln zu Informationssicherheit und Datenschutz. Obwohl mir die netzpolitische Tragweite manchmal zu kurz kommt und der ein oder andere Artikel einen leichten Beigeschmack hat, stellt die Lektüre für mich einen allgemeinen Mehrwert dar.

Im aktuellen Heft 62018 mahnt nun Sven Herpig von der Stiftung Neue Verantwortung unter dem Titel “Schwachstellen für Deutschland” an, dass es einen rechtlich verankerten Prozess braucht, nach dem Deutschland zum Ausbau seines Cyber-Offensiv-Potentiales Zero-Days-Schwachstellen horten muss.

Er stellt fest, dass Deutschland “…neben dem Dreiklang aus Prävention, Detektion und Reaktion […] zunehmend auch auf Repression als zusätzliches Element seiner Cyber-Sicherheitsstrategie …” setzt.

Das ist zunächst keine große Überraschung, hat sich doch die Bundesrepublik dafür gerade erst mit Zitis ein Startup zur Unterstützung seiner Sicherheitsbehörden gelaunched.

Im nächsten Satz stellt er ferner fest, dass aufgrund des staatlichen Wunsches nach “aktiver Cyberabwehr”, auch “Hack Back” genannt, wieder einmal Diskussionen aufkommen. Aus seiner Sicht seien viele Fragen noch ungeklärt, und nicht selten bewege sich der Diskurs nur zwischen Schwarz und Weiß, ohne zwischen verschiedenen Eskalationsstufen zu unterscheiden.

Mit diesen Graustufen beschäftigt er sich dann im Laufe des weiteren Artikels und skizziert, wie der Staat “verantwortungsvoll” über die Zurückhaltung von Lücken entscheiden könnte, wie dieser Besitz geschützt werden müsste, welche Kontrollinstrumente es geben sollte und wann die Lücken dann schließlich an die Öffentlichkeit gebracht werden sollten.

Dabei lässt er unter anderem die Frage aussen vor, ob es für den Staat legitim sein sollte, Schwachstellen käuflich zu erwerben, auf “legalen” oder “illegalen” Marktplätzen sei jetzt mal dahingestellt, oder ob Lücken nur durch eigenes Hacking in Kenntnis gebracht werden dürfen. Beim Schutz dieser Informationen mahnt er große Sorgfalt an und führt sogar als Negativbeispiel an, dass selbst “mächtige Geheimdienste wie die NSA” mal Sicherheitslücken haben, wodurch sie Sicherheitslücken verlieren. Das diese dann in Schadsoftware wie Petya/NotPetya oder WannaCry verwendung fanden, findet er richtigerweise katastrophal.

In seiner Vorstellung entscheidet ein Gremium, bestehend aus “Bundeswehr und Sicherheitsbehörden sowie BSI, Bundeswirtschaftsministerium und Auswärtigem Amt” darüber, ob eine Lücke zurückzuhalten sei oder nicht. Bei Bedarf sollen auch weitere Ämter wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte oder (externe) Experten einbezogen werden. Die bekämen aber kein Stimmrecht.

Anhand von neun Indikatoren solle bewertet werden, ob eine Lücke zur Zurückhaltung taugt. Neben Fragen zur Attraktivität (u.a. Verbreitung, Patch-Status, Mitigationsmaßnahmen, Operativer Nutzen), kommen u.a. auch die Fragen nach der Schwere und Kollissionsrate (also wie sicher fühlt man sich, dass man allein diese Lücke kennt) vor. Auf dieser Basis soll demokratisch darüber abgestimmt werden, was mit der Lücke zu geschehen hat, wobei bereits bei einer Ablehnung durch 15% der Teilnehmer eine Lücke sofort zu veröffentlicht sei. Eine qualitative Bewertung soll also nicht stattfinden, jede Behörde entscheidet völltig unabhängig.

Was das bei einem Gremium bestehend aus “Bundeswehr, MAD, BND, VS, Bundespolizei, Zoll, Bundesgrenzschutz, BSI, BMWi, AA” dann z.B. für die Relevanz eines BSI, der auch den “Verbraucherschutz im Internet” verantwortet, bedeutet, lasse ich als kleine Rechenaufgabe stehen. Auch die bundeseigenen Datenschützenden oder die Bundesnetzagentur werden wohl nicht als entscheidungsrelevant angesehen. Aber natürlich gäbe es auch noch parlamentarische Kontrolle, einen Transparenzbericht und das ganze Pipapo. Dann kann sich die Bevölkerung im Nachgang ganz in Ruhe am nächsten Safer-Internet-Day damit befassen, warum schon sie schon wieder ihr Passwort ändern soll.

Wie man merkt, kann ich dem Vorschlag nichts abgewinnen. Aber eigentlich ist das aus meiner Sicht nicht das große Problem an dem Artikel.

Vielmehr finde ich skandalös, dass hier durch eine staatsnahe Fachpublikation Framing vom Feinsten betrieben wird. Anstatt die Notwendigkeit, Sicherheitslücken für Offensivzwecke zu horten, zu hinterfragen, wird es so dermaßen als faktische Notwendigkeit dargestellt, dass man gewillt ist, das beschriebene Konzept als eine Verbesserung wahrzunehmen.

Aber Sicherheitslücken gehören sofort und ohne Umschweife verantwortlich dort gewmeldet, wo eine Behebung erfolgen kann. Alles andere zieht unsere Sicherheit in in Mitleidenschaft und gehört verboten!

Sunday, 03 February 2019

Endlich wieder FOSDEM

Als ich 2014 von meiner ersten FOSDEM wieder nach Hause fuhr, nahm ich mir vor, diesen jährlichen Termin fest im Kalender zu vermerken. Das hatte auch bis 2016 geklappt, leider war ich dann zweimal in Folge nicht in der Lage an der FOSDEM teilzunehmen. Umso mehr hat mich gefreut, dass ich doch noch kurzfristig und trotz vieler anderer Verpflichtungen dieses Jahr wieder in die belgische Hauptstadt fahren konnte.

Los ging es am Freitag vormittag mit dem Zug. Beruflich fliege ich aktuell sehr viel, so dass es mir aus verschiedenen Gründen (Klima, Kosten, Bahncard) ein Anliegen war, die Strecke von Strande nach Brüssel im Zug zurückzulegen, was sich als komplizierter als gedacht erwiesen hat.

Ich hatte bereits die ganze Woche über versucht, mir ein Ticket für die Bahn zu kaufen. Erwartungsvoll wählte ich einen Zug (ICE Kiel-Basel, ICE Frankfurt/Main Brüssel) für den ich aber im ersten Schritt keinen Preis bekam. Soweit kannte ich das, also ließ ich mich zur Bahnseite für internationale Buchungen weiterleiten, gab mein Geburtsdatum (sic!, in Zeiten der DSGVO sollte das Alter eigentlich reichen) an und klickte hoffnungsvoll auf Weiter. Was danach geschah, konnte man nur als Systemfehler deuten, inkl. dem Hinweis man möge doch eine Mail schreiben oder eine Nummer (60ct pro Anruf) anrufen. Also tat ich, wie mir geheissen und schrieb eine Mail, die bis heute unbeantwortet ist. Auch in der Warteschleife der Hotline verbrachte ich einen Teil meines Lebens, helfen konnte man mir dann am Ende nicht. Ich will jetzt kein plattes Bahn-Bashing betreiben, aber es gibt da durchaus Verbesserungsbedarf. Am Ende bin ich dann am Freitag zum Reisezentrum in Kiel gefahren, persönlicher Kontakt ist einfach durch nichts zu ersetzen. Im ersten Moment konnte mein Gegenüber ebenfalls meine gewählte Reiseroute nicht mit einem Preis versehen. Doch die Herausforderung wurde angenommen, letztendlich bestand der Trick darin, den Zug bis zur Grenze und dann von der Grenze nach Brüssel einzeln zu buchen. Der Nachteil, wenn man das selbst zuhause macht ist, dass man für die Platzreservierungen zweimal zahlen müsste. Im Reisezentrum wurde dieser Umstand direkt adressiert und mir der zu Hohe betrag “gutgeschrieben”.

Mit vielen Blättern Papier und einem 10 EUR Gutschein verließ ich dann gutgelaunt das Reisezentrum Richtung Zug. Die weitere Fahrt verlief so dermaßen ereignislos, dass ich sie hier gar nicht weiter ausführen möchte. Meine historisch weitestgehend guten Erfahrungen mit der Deutschen Bahn wurden abermals bestätigt, Shit happens aber ich kam auf die Minute in Brüssel Midi an.

Der öffentliche Nahverkehr in Brüssel ist ziemlich modern, was übersetzt soviel bedeutet, dass es wahnsinnig kompliziert ist, wenn man sich das erste mal damit beschäftigt und man bei egal welchem Kauf immer das Gefühl hat, die falsche Option gewählt zu haben. Ich habe beim letzten Mal den Tipp mitgenommen, dass man sich (anonyme) RFID-Karten kaufen kann, die man immer wieder auflädt. Das macht dann für 10 Fahrten 5 EUR für die Karte und 14 EUR für die Fahrten. Statt den üblichen 2,10 EUR pro Fahrt zahlt man also 1,40, die 5 EUR verteilen sich über die kommenden Jahre, mit dem ersten Kauf spart man bereits 2 EUR. Beim nächsten mal sind das dann 7 EUR und das sind schon fast 2 Bier. :-)

Weiterhin sei noch der Hinweis angebracht, dass man beim Wechsel des Verkehrsmittels die Karte immer scannen muss, das kostet nichts extra, aber wenn man es nicht macht und kontrolliert wird, dann kostet es ordentlich extra.

Ausgestattet mit meinem neuen Finanzoptimierungskonzept fuhr ich zum Check-in ins Hotel (MotelOne), machte mich frisch und fuhr dann zum ersten FSFE-Get-Together ins Goupil le Fol, einer verwinkelten Kneipe, wo wir einen kleinen Raum hatten.

Während sich in den letzen Jahren meine Online-Identität nicht verändert hat, haben die mir gar nicht so bewussten Veränderungen in meinem Gesicht für diverse Wiedererkennungsprobleme gesorgt, aber nachdem das geklärt war, war es ein schönes Wiedersehen und Kennenlernen.

Später bin ich dann noch weitergezogen, hier verliert sich meine Spur in der Nacht…

Der Samstag begann dann mit leichten Anlaufschwierigkeiten, aber nach einem feinen Frühstück in einer nahegelegenen Bäckerei brach ich dann zur ULB auf. Als ich ankam, lief bereits die Keynote von Bradley Kuhn und Karen Sanders, die sich mit der Frage beschäftigte, ob man in seinem Leben komplett auf Freie Software setzen kann. Ich bin dann aber nicht ganz bis zum Ende geblieben, weil ich im vollbesetzten Auditorium nur einen Platz auf einer Kante fand, was mir dann doch zu unbequem wurde. Aber heise.de hat den Vortrag gut zusammengefasst.

Die FOSDEM ist nicht nur das Klassentreffen der FSFE sondern auch der größte FSFE-Merchandising-Verkauf. Also führte mich mein nächster Weg direkt dorthin und das hochmotivierte Stand-Team strahlte meine verbliebene Müdigkeit weg. Nun wollte ich eigentlich Vorträge besuchen gehen, allerdings liefen mir ständig alte Gesichter über den Weg, und mal im Ernst, die Vorträge kann man hinterher auch noch schauen, bei der FOSDEM geht es um die Menschen. Also führte ich viele schöne Gespräche mit alten und neuen Bekannten und verbrachte so die erste Tageshälfte.

Nichtsdestotrotz fand ich noch meinen Weg zu einigen Vorträgen wie über die Nutzung der AGPL oder einem Panel zu Activity Pub. Die AGPL bekam zuletzt durch den Entschluss von MongoDB, eine eigene “Non-Cloud”-Lizenz, die naturgemäß nicht frei im Sinne der FSFE und OSI ist, etwas mehr Aufmerksamkeit. John Sullivan besprach wo die AGPL hilft, und auch wo sie nicht hilft. Insgesamt wird uns das Thema SaaSS (Server as a Software Substitute) wohl noch viel mehr beschäftigen müssen. In der Free Software-Community gibt es starke Bestrebungen, dass Thema Privacy stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Aber das kann eine Lizenz in der Form nicht leisten, ohne unfrei zu werden, doch man merkt deutlich den ethischen Anspruch bei den Freie-Software-Aktiven.

Auf Activity Pub war ich durch den Microblogging-Dienst Mastodon aufmerksam geworden. Es ist eine kleine aber feine Spezifikation für Web-basierte soziale Netzwerke, die föderieren sollen. Auch wenn sie noch Lücken hat, ist es aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und ich hoffe darauf, dass das Fediverse die kritische Masse erreicht, die es verdient.

Am Abend bin ich dann mit einigen Freunden losgezogen, das FSFE-Treffen hatte ich aber ausgelassen. Das Highlight war sicher die Portion Muscheln mit Pommes. Muss ich nicht jeden Tag haben, aber war ziemlich lecker. :)

Der Morgen begann etwas schwungvoller als am Vortag, obwohl die Nacht sogar etwas kürzer war. Das heisst wohl, dass ich mich nun im vollen FOSDEM-Modus befand, ein schönes Gefühl.

Nach einer morgendlichen Begrüßungsrunde nahm ich mir die Zeit, die verschiedenen Projektstände abzuklappern. Natürlich ging es vor allem um Sticker, aber ich habe auch zwei Projekte gefunden, die ich nicht kannte und die für mich sehr relevant sind.

SystemTestPortal ist eine Test-Management-Plattform, die zum Beispiel beim Linage-Projekt zum Einsatz kommt. Im Grunde werden die verschiedenen Testszenarien zu einem Produkt angelegt. Nach einer Änderung wird dann eine neue Version angelegt, zu der sämtliche Szenarien durchgetestet werden sollen. Natürlich ist Testautomatisierung besser, aber erfahrungsgemäß wird es immer einen Platz für manuelle Tests geben und für diese Fälle ist dieses Tool.

Das andere große Ding waren die TechKids aus Bonn. Dieser Verein bringt Kinder und Freie Software zueinander, was insbesondere durch den Einsatz von Skolelinux passiert. Das Skolelinux-Projekt wird für Deutschland ebenfalls aus dem Umfeld des Vereins vorangetrieben. Beim netten Plausch erfuhr ich nebenbei, dass es in Schleswig-Holstein bereits 10 Schulen mit Skolelinux gibt und mir wurde ein Kontakt zur Person dahinter vermittelt.

Den Rest des Vormittags verbrachte ich mit Kaffee und einem leckeren veganen Sandwich (eigentlich wollte ich Käse, aber irgendwie bekomme ich immer gegrilltes Gemüse) und dem schreiben dieses Blogs. Anschließend ging ich zu einer Verabredung in ein gemütliches Bio-Bistro. Von dort kehrte ich gestärkt aber einigermaßen müde zur sich langsam in Auflösung befindlichen FOSDEM zurück.

Der Versuch, noch einen Vortrag zu besuchen, scheiterte an der Platzsituation und so blieb es bei netten Unterhaltungen, z.B. über Privacy IDEA.

Meine FOSDEM endete mit dem Abbau des FSFE-Stands inkl. Abstransport.

Anschließend gingen wir gemeinsam Pommes essen und verbrachten noch einige gemütliche Stunden. Den Abschluss machte ein längerer Spaziergang durch Brüssel und ein Absacker an der Hotelbar.

Nach dem obligatorischen Kauf von Mitbringeln sitze ich nun im Zug nach Hause schreibe die letzten Zeilen hier und schwelge in Erinnerungen an die FOSDEM und der Vorfreude darüber, bald wieder Zuhause zu sein.

Friday, 01 February 2019

Exkurs: Open-Source-Saatgut für die Klimafolgenanpassung – Umweltamt verteilt Tomatensamen

  • Do-FOSS
  • 22:30, Friday, 01 February 2019

Die Open-Source-Tomate

Bild: Die Open-Source-Tomate

Einladung zum Vortrag

In den Blogbeiträgen Exkurs: Saatgut wie Software – eine Frage der Lizenz und Exkurs: Stadt Dortmund erntet Open-Source-Saatgut, hat Do-FOSS sich mit rechtlichen Parallelen von Freier Software und Freiem Saatgut befasst. Nun führt das Umweltamt der Stadt Dortmund sein Engagement für Open-Source-Saatgut fort. Ab nächster Woche wird von der Klimaschutzstelle des Umweltamtes das geerntete Open-Source-Saatgut kostenfrei, an alle Interessierten ausgegeben. Die Ausgabe erfolgt dabei nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Zum Auftakt der Saatgutausgabe wird es einen Abendvortrag geben, der die Hintergründe des städtischen Engagements für Freies Saatgut erläutert. Die Einladung zum Vortrag gibt Do-FOSS gerne hier wieder.

Einladung zum Saatgutvortrag im Wortlaut

Open-Source-Saatgut für die Klimafolgenanpassung: Umweltamt verteilt Tomatensamen

Was haben leuchtend-gelbe Cocktail-Tomaten mit dem Klimawandel zu tun? Und wieso ist Open-Source-Saatgut gut für die Klimafolgenanpassung? Antworten darauf gibt das Umweltamt am Donnerstag, 7. Februar, 18 Uhr im Dienstleistungszentrum Energieeffizienz und Klimaschutz (dlze) in der Berswordt-Halle, Kleppingstraße 37. Erstmalig nach der Info-Veranstaltung und in den kommenden Wochen kann man Open-Source-Saatgut der samenfesten Freilandtomate Sunviva mit nach Hause nehmen – solange der Vorrat reicht. Für Schulklassen o.ä. sind auch größere Mengen möglich.

Das Team der Koordinierungsstelle für Klimaschutz und Klimaanpassung im Umweltamt hat im vergangenen Herbst Tomatensaatgut geerntet, das an Klimaveränderungen angepasst werden kann. Es handelt sich dabei um sogenanntes Open-Source-Saatgut. Das bedeutet, dass das Saatgut frei nutzbar ist, also keinen privatrechtlichen Schutzrechten unterliegt.

Mehr zum Thema erfährt man beim 45-minütigen Vortrag am Donnerstag.

Anmeldungen erwünscht (aber keine Voraussetzung) bei Christian Nähle, Tel. (0231) 50–2 87 74 oder per Mail: cnaehle@stadtdo.de.

Die Öffnungszeiten des dlze zur Abholung des Open-Source-Saatguts:
Dienstag: 09:00 Uhr – 12:00 Uhr und 14:00 Uhr – 16:00 Uhr
Mittwoch: 09:00 Uhr – 12:00 Uhr und 14:00 Uhr – 16:00 Uhr
Donnerstag: 14:00 Uhr – 18:00 Uhr
und nach Vereinbarung

Redaktionshinweis: Angehängt ist das Saatgutprospekt mit Informationen zur „Open-Source-Tomate Sunviva“.

(Hervorhebungen und Verlinkungen durch den Verf.)

Auszug aus dem Saatgutprospekt des Umweltamtes zur Open-Source-Tomate Sunviva

Die Ausgabe des Open-Source-Saatguts erfolgt mit einem kleinen Begleitprospekt, welches Do-FOSS im Folgendem in einem Auszug wiedergibt.

Open-Source-Lizenz

Saatgut ist die Grundlage für unsere Lebensmittel. Diese Sunviva-Tomate ist durch eine Open-Source-Lizenz vor Patentierung geschützt. Nachbau aus den Samen ist frei. Neue Sorten, die aus ihr gezüchtet werden, müssen auch unter die Open-Source-Lizenz gestellt werden.
Das heißt:

  • Jeder Mensch darf das Saatgut nutzen.
  • Niemand darf es privatisieren.
  • Besitzende des Saatguts übertragen diese Rechte und Pflichten auch an zukünftige Nutzende.

Saatgut mit gleichen
Rechten und Pflichten für alle

Mit Erwerb des Saatguts oder bei Öffnung der Verpackung dieses Saatguts akzeptieren Sie im Wege eines Vertrages die Regelungen eines kostenfreien Lizenzvertrages. Sie verpflichten sich vor allem, die Nutzung dieses Saatgutes und seiner Weiterentwicklungen nicht z.B. durch Beanspruchung von Sortenschutzrechten oder Patentrechten an Saatgutkomponenten zu beschränken. Zugleich dürfen Sie das Saatgut und daraus gewonnene Vermehrungen nur unter den Bedingungen dieser Lizenz an Dritte weitergeben. Die genauen Lizenzbestimmungen finden Sie unter www.opensourceseeds.org/lizenz.

Wenn Sie diese Bestimmungen nicht akzeptieren wollen, müssen Sie von Erwerb und Nutzung dieses Saatguts Abstand nehmen.

hr Ansprechpartner im Umweltamt bei der Koordinierungsstelle für Klimaschutz und Klimaanpassung:

Herr Christian Nähle
(0231) 50-2 87 74
cnaehle@stadtdo.de
www.umweltamt.dortmund.de

Landwirtschaft braucht Pflanzenvielfalt – zur Motivation von OpenSourceSeeds

Die vom Umweltamt genutzte Lizenz, um das Saatgut als Gemeingut zu schützen, stammt von OpenSourceSeeds. Im Flyer Landwirtschaft braucht Pflanzenvielfalt von OpenSourceSeeds wird die Motivation für eine Freie-Saatgut-Lizenz zusammengefasst. Hierfür lässt Do-FOSS die Initiative selbst zu Wort kommen.

Logo: OpenSourceSeeds

Logo: OpenSourceSeeds (© OpenSourceSeeds – AGRECOL)

Gegen Privatisierung und Monopolisierung

Bis ins 20. Jahrhundert war Saatgut Gemeingut und gehörte allen. Überall auf der Welt schufen Bauern und Bäuerinnen gemeinsam unsere Kulturpflanzen, erhielten sie und züchteten sie weiter. Heute wird Saatgut zunehmend privatisiert, indem Sortenschutz oder Patente geltend gemacht werden. Drei große Chemiekonzerne bestimmen weltweit fast 60 % des kommerziellen Marktes für Saatgut. Damit entscheiden sie auch, was bei uns auf den Teller kommt. Eine zukunftsfähige Landwirtschaft muss diese Einseitigkeiten und Abhängigkeiten überwinden. Dafür braucht es freien Zugang zu Saatgut und Sorten als Zuchtmaterial für viele unabhängige, ökologische Pflanzenzüchter.

Vielfalt ist notwendig

Jeder Acker ist anders. Reiche Ernte gibt es nur, wenn die Pflanze zu Boden und Klima passt. Dafür reicht es nicht, nur wenige Kulturpflanzen zu züchten und wenige Sorten großflächig zu verbreiten. Für die verschiedensten Standortbedingungen brauchen wir ein reiches Angebot an Kulturpflanzen mit vielen verschiedenen Sorten. Nur so wird es gelingen, die Landwirtschaft an den Klimawandel anzupassen, auf den hohen Einsatz von Chemie zu verzichten und letztlich Ernährungssicherheit für erwartete 11 Milliarden Menschen zu erreichen.

Dafür braucht es freie Pflanzenzüchter

Nur wenn Saatgut frei ist von Patenten und Sortenschutz können viele unabhängige Züchter tätig werden und die dringend notwendige Vielfalt von Kulturpflanzen mit ökologisch angepassten und leistungsfähigen Sorten erzeugen. Hier kommt die Open-Source Saatgut-Lizenz ins Spiel. Sie ermöglicht, Saatgut und seine Weiterentwicklungen vor Privatisierung zu schützen und als Gemeingut rechtlich abzusichern. Dadurch kann die gemeinnützige Pflanzenzüchtung gestärkt und als eine zweite Säule neben der privaten Saatgutbewirtschaftung etabliert werden.

Was Open-Source mit Saatgut zu tun hat

Das Open-Source Prinzip kennen wir aus dem Software-Bereich: Open-Source-Software darf jeder kostenlos nutzen, weitergeben und verändern und Creative-Commons Lizenzen, die wir auch von Wikipedia kennen, sorgen dafür, dass das so bleibt [Dies gilt im Allg. nur für Open-Source-Lizenzen / Creative-Commons-Lizenz-Varianten, welche die Copyleft-Eigenschaft haben. – Anm. d. Verf.]. Auch Pflanzen bergen in ihren Genen eine Vielzahl von Informationen zu ihren Eigenschaften wie Aussehen, Wachstum und Ertrag. Pflanzenzüchtung bedeutet, mit diesen Informationen zu arbeiten und Sorten zu entwickeln, die guten Ertrag bringen und schmackhaft sind. Dies darf nicht einigen wenigen Unternehmen überlassen werden. Je mehr Menschen bei der Pflanzenzüchtung mitmachen, desto vielfältiger kann unsere Landwirtschaft werden. Nur freies Saatgut ermöglicht ihre Teilhabe.

Zukunftsstiftung Landwirtschaft

Neben OpenSourceSeeds ist aus Sicht von Do-FOSS für die Zukunft einer Freien Landwirtschaft die Zukunftsstiftung Landwirtschaft ein weiterer wichtiger Akteur. Diese schreibt über sich selbst:

„Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft fördert Initiativen, die sich für die Stärkung und Weiterentwicklung der ökologischen Landwirtschaft einsetzen. Wir verfügen nur über ein geringes Stiftungsvermögen. Unser Engagement wird von zahlreichen Menschen, Unternehmen und Institutionen ermöglicht, die uns mit ihren großen und kleinen Spenden unterstützen.“

Aus den Reihen von Do-FOSS werden deshalb mit diesem Blogbeitrag 250,- € je an OpenSource Seeds und an die Zukunftsstiftung Landwirtschaft gespendet – wer wie Do-FOSS auch etwas für eine Freie Landwirtschaft spenden möchte, findet hier die Kontodaten von OpenSourceSeeds und hier die Kontodaten der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. Mit dieser Aktion schließt Do-FOSS die Exkurse zum Saatgut-Software-Vergleich ab und freut sich, dass sich die Stadt Dortmund um Freien Zugang und Verfügungsrechte als Gemeingut nicht nur im Softwarebereich bemüht.

Dokumente zum Herunterladen

Die Pressemitteilung der Stadt Dortmund „Open-Source-Saatgut für die Klimafolgenanpassung: Umweltamt verteilt Tomatensamen“ vom 31.01.2019 kann hier und das Saatgutprospekt „Open-Source-Tomate Sunviva“ kann hier heruntergeladen werden. Weitere Informationen zum Thema „Open-Source-Saatware“ wurden von Do-FOSS hier zusammengestellt.

CC0
Soweit im gesetzlichen Rahmen möglich verzichtet der Autor auf alle Urheber- und damit verwandten Rechte an diesem Werk.
Es kann beliebig genutzt, kopiert, verändert und veröffentlicht werden.
Für weitere Informationen zur Lizenz, siehe hier.

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Monday, 24 December 2018

Interview zu F-Droid mit ZDF Heute

Der Onlineauftritt von ZDF heute hat zwei Artikel zu F-Droid veröffentlicht. Im Vorfeld gab es dazu ein Interview mit mir. Da es nicht das ganze Interview in die Artikel geschafft hat, veröffentliche ich es hier der Vollständigkeit und Transparenz halber.

 

Was unterscheidet F-Droid vom Play-Store?

F-Droid ist wie der Play-Store ein Ort, um neue Apps zu bekommen. Allerdings sind bei F-Droid ausnahmslos alle Apps sogenannte Freie Software. Das bedeutet kurz gesagt, dass man sie frei verwenden, verstehen, verbessern und verbreiten darf. So ist für jede Version jeder App auch der Quelltext offen verfügbar (Open Source).

Was ist der Vorteil von F-Droid-Apps aus Nutzersicht?

Die Verfügbarkeit des Quelltextes jeder App verhindert es, dass sich Spionagefunktionen in der App verbergen. Sollten solche bereits im Quelltext des Entwicklers vorhanden sein, dann werden sie von F-Droid entfernt. Im Play Store hat der überwiegende Teil aller Apps meist sogar mehrere Spionagefunktionen mit denen das Verhalten der Nutzer überwacht und ausgewertet wird.

Darüber hinaus finden sich bei F-Droid auch einige kostenlose Apps, die bei Google Play Geld kosten würden.

Wieviel Apps gibt es zur Zeit auf F-Droid?

Aktuell (Dezember 2018) werden 1707 verschiedene Apps von F-Droid aktiv verteilt. Im Archiv finden sich noch mehr, diese Apps sind aber meist veraltet und nicht zur Installation empfohlen.

Wie sieht der Überprüfungsprozess einer App aus? Wenn die App Werbung, proprietäre Elemente oder Tracking enthält, verweist F-Droid in der Profilseite der App auf F-Droid extra darauf?

Eine neue App wird mit einem sogenannten Pull Request hinzugefügt. Dieser wird dann von einer oder mehreren Personen gesichtet und die App einer groben Prüfung unterzogen. Da es sich hierbei um Ehrenamtliche handelt, kann der Code der Apps dabei nicht vollständig auditiert werden. Es gibt allerdings automatische Tools die Tracker und Schadsoftware im Quelltext entdecken können und bei der Prüfung unterstützen. Bisher gab es keinen Fall von Schadsoftware in F-Droid.

Proprietäre, also unfreie Bestandteile der App sind grundsätzlich nicht erlaubt. Werbung ist nicht verboten, wird aber meist mit unfreier Software umgesetzt und ließe sich sowieso leicht entfernen. Deswegen gibt es bei F-Droid’s Apps keine Werbung.

Sollte eine App unerwünschtes Verhalten aufweisen oder unfreie Netzwerkdienste wie z.B. Twitter benötigen, dann weist F-Droid darauf hin.

Warum ist die „normale“ Firefox-Android-App nicht auf F-Droid, sondern nur Firefox Klar? Und wieso zwar Telegram und Kontalk auf F-Droid sind, aber nicht Signal?

Es gab mit Firefox in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit den Markenrechten, deswegen haben viele freie Projekte es unter anderem Namen verbreitet. Hintergrund: https://lwn.net/Articles/676799/

Firefox ist daher aktuell unter dem Codenamen Fennec zu finden.

Mit den Entwicklern von Signal gab es schon vor vielen Jahren Streit um die Aufnahme von Signal in F-Droid. Die Entwickler wollen nicht in F-Droid sein und die Verbreitung der App komplett selbst kontrollieren. Außerdem ist Signal aktuell keine Freie Software, weil es eine Komponente von Google enthält, die unfrei ist.

Wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es Apps, deren F-Droid-Version im Vergleich mit der Play-Store-Version datenschutzfreundlicher sind, weil die App-Betreiber sie für F-Droid „bereinigt“ haben, oder? Kannst du ein Beispiel einer App nennen, bei der es so ist?

Apps in F-Droid die normalerweise Google Analytics verwenden, um das Nutzerverhalten auszuwerten, finden sich hier.

Das ist z.B. die Ubuntu One Files app.

Eine andere Tracking library ist Admob (jetzt ebenfalls von Google). Die
apps dazu sind hier.

Kannst du sagen, wieviele Leute zur Zeit im Kern-Team von F-Droid sind und wieviel in der aktiven Community?

Das lässt sich schwer sagen, aber folgende Zahlen erlauben eine Annäherung:

Auf Gitlab sind 28 Entwickler*innen in der F-Droid Gruppe.

Im Community-Forum sind aktuell 2314 Benutzer registriert.

Thursday, 13 December 2018

Gemeingütertag: Anerkennung und breiter Kontext für Freie Software

  • Do-FOSS
  • 22:03, Thursday, 13 December 2018

Agenda-Siegel 2018 der Stadt Dortmund an die GEMEINGÜTER-Initiative verliehen

Logo Gemeingütertag der GEMEINGÜTER-Initiative von Pauluskirche und Kultur

Bild: Gemeingütertag der GEMEINGÜTER-Initiative von Pauluskirche und Kultur

Für die Organisation des Gemeingütertages – Commons, Nachhaltigkeit und Klima hat die GEMEINGÜTER-Initiative unseres Kooperationspartners Pauluskirche und Kultur das Agenda-Siegel 2018 erhalten. Zu dem Gemeingütertag hat Do-FOSS gemeinsam mit dem Kooperationspartner der FOSS-AG und dem Open-Office-Veranstalter Reiner Bock einen Beitrag geleistet.

Der Gemeingütertag bot einen breiten Kontext in dem u.a. Freie Software als Commons diskutiert wurde.

Commons sind Ressourcen (Code, Wissen, Nahrung, Energiequellen, Wasser, Land, Zeit u.a.), die aus selbstorganisierten Prozessen des gemeinsamen bedürfnisorientierten Produzierens, Verwaltens, Pflegens und/oder Nutzens (Commoning) hervorgehen.[1]

Wer mehr zum Kerngedanken des Themas Commons erfahren möchte, sei auf den Einführungsvortrag des Gemeingütertags vom Commons-Institut hingewiesen. Ergänzend hierzu stellt Do-FOSS gesammelte Unterlagen zum Thema Commons zur Verfügung.

Do-FOSS gratuliert der GEMEINGÜTER-Initiative für den Erhalt des Agenda-Siegels 2018. Den Commons-Aspekt von Freier Software sieht Do-FOSS dabei als sehr gute Ergänzung zu der eigenen Auszeichnung mit dem Agenda-Siegel 2016, welche sich auf Nachhaltigkeitsaspekte von Freier Software bezog.

Im Folgenden soll die Bewerbung der GEMEINGÜTER-Initiative für sich selbst sprechen.

Bewerbung der GEMEINGÜTER-Initiative um das Agenda-Siegel 2018 im Wortlaut


Preisverleihung Sierau
Preisverleihung durch Oberbürgermeister Ullrich Sierau an die GEMEINGÜTER-Initiative (vertreten durch Pfarrer Friedrich Laker) (Foto: Büro für internationale Beziehungen und nachhaltige Entwicklung / © Stadt Dortmund)


Gruppenfoto: Agenda-Siegel-Preisträger
Agenda-Siegel-Preisträger (Foto: Peter Otworowski: terre des hommes-Team Dortmund / Lizenz: unbekannt)

Bewerbungsbogen

Die Stadt Dortmund verleiht das Agenda-Siegel als Auszeichnung für bürgerschaftliche Projekte und Ideen im Bereich nachhaltiger Entwicklung, die im Sinne der Agenda 21 ökologische, ökonomische und soziale Dimensionen verbinden. Auch Projekte unter dem Motto „Global denken, lokal handeln“ sind gefragt. Damit soll Engagement aus der Mitte der Gesellschaft ausgezeichnet und der Begriff „Nachhaltigkeit“ vor Ort mit Leben erfüllt werden.

Einsendeschluss: 31. Oktober 2018

Angaben zum Projekt:
1. Bezeichnung/Name des Projekts:

Gemeingütertag – Commons, Nachhaltigkeit und Klima
Leben ist für Alle!

(s. 02. Anlage – Gemeingütertag (Logo) und Pressefoto 03. Anlage – Pressefoto Gemeingütertag (Foto))

Der Gemeingütertag – eine Veranstaltung der GEMEINGÜTER-Initiative von Pauluskirche und Kultur – fand ganztägig am Samstag, den 7. Juli 2018 statt und bestand aus einem facettenreichen Programm mit vielen Organisationen und Initiativen – diese boten: Informationsstände rund um die Kirche, Mitmachaktionen, Vorträge, Themenforen, Gesprächskreise, Workshops, Kultur, sowie Essen und Trinken, Shops und vieles mehr. Der Eintritt war FREI! Alle waren willkommen!

Bereits am Freitag, den 6. Juli 2018 gab es ein Auftaktkonzert zum Gemeingütertag. Es war ein Konzert ohne Eintrittsgeld. Alle konnten entscheiden was sie geben möchten und den entsprechenden Betrag in einen Hut legen. Kultur ist für Alle!

Dem Gemeingütertag lagen folgende Überlegungen zu Grunde:

Luthers Gnadenlehre
Martin Luthers Gnadenlehre sagt: der Glaube ist ein Geschenk. Da gibt es nichts, was du dafür leisten musst. Du bist ein geliebtes Kind Gottes. Von Anbeginn an.

>>Gottes Güter umsonst
Dass die Menschen an allen Gütern der Gemeinschaft teilhaben können unabhängig von ihrer Leistung, das wäre – so der Reformationshistoriker Berndt Hamm – die Überführung der Gnadenlehre Luthers in eine Gesellschaftstheorie. Commons, Gemeingüter als Konsequenz aus Luthers Gnadenlehre: Weil wir Menschen sind, nimmt uns Gott an. Weil wir Menschen sind, steht uns zu, was wir zum Leben brauchen – nicht aufgrund irgendeiner Leistung.<< (Christoph
Fleischmann; Podcast und Manuskript: https://tinyurl.com/Gottes-Gueter-umsonst)

Wer verfügt über unsere Lebensgüter?
Wir haben im Reformationsjahr (2016-2017) viel darüber gesprochen, wer über unsere Lebensgüter verfügt (vgl. https://tinyurl.com/Wvd-Flyer, s. a. Videozusammenfassung der Veranstaltungsreihe „Wer verfügt darüber?“ vom 13.06.2017 [https://tinyurl.com/WvD-Video, Länge: 15:51 Min.]). Sollten nicht alle lebenswichtigen Güter wie Wasser, Saatgut, Medikamente, Energie und heutzutage auch Digitales Frei für alle verfügbar sein? So wie die Bibel, die jeder lesen und verstehen können sollte, so wie der Glaube, den nicht allein die Kirchen bestimmen sollten. Bisher bestimmen aber Privatinteressen, z.B. große Konzerne, über unser aller Lebensgüter und betrachten diese als ihr Eigentum.

Was steht mir als Mensch zu, weil ich Mensch bin?
>>Wenn wir uns zu dieser Haltung durchringen können: Dass Menschsein an sich bedeutet, dass wir teilhaben an den Ressourcen dieser Erde, die uns geschenkt worden sind. Und dann versuchen wir diese Ressourcen dieser Erde so gemeinschaftlich zu verwalten, dass wir es nicht abhängig machen von der Leistung des Einzelnen und dem Geldeinkommen des Einzelnen. Das ist tatsächlich ein Paradigmenwechsel, denn da geht es um die Frage, wie verhalten wir uns zu dem Anderen und wie können wir dafür sorgen, dass alle mitkommen und niemand ausgeschlossen wird. […] Weil wir Mensch sind, steht uns [Frei] zu, was wir zum Leben brauchen. Und nicht: Nur wer arbeitet, darf auch essen.<< (Silke Helfrich; https://commons.blog)

Wie können Frei verfügbare Ressourcen beschrieben werden?
„Eine Ressource ist Frei, wenn
(1) man sie ohne Erlaubnis nutzen kann; oder
(2) die Erlaubnis, sie zu nutzen, neutral vergeben
wird.“ (Lawrence Lessig)

Eine Welt – für Alle
In der GEMEINGÜTER-Initiative werden wir weiter über die Verfügungsrechte unserer Lebensgüter diskutieren und für Veränderungen in der Wahrnehmung unserer Menschenrechte eintreten. Hierzu war der ‚Gemeingütertag – Commons, Nachhaltigkeit und Klima‘ ein Beitrag von uns für Eine Welt für Alle.

Den Aktiven des Gemeingütertages war gemeinsam, dass sie sich in eines der Unterthemen des Gemeingütertages – nämlich Commons, Nachhaltigkeit und Klima – einordnen konnten (vgl. 04. Anlage – Gemeingütertag – Programm).

2. Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Projekt?

Der Gemeingütertag verfolgte im Wesentlichen zwei Ziele:

  • Zum einen sollte ein Ort der Begegnung im Lichte sozialer und ökologischer Überlegungen geschaffen werden. Dies ist mit dem Gemeingütertag gelungen.
  • Zum anderen sollten sich soziale und ökologische Fragen sichtbar miteinander verbinden. Denn in der Beantwortung unserer ökologischen Fragen durch soziale Perspektiven, werden Möglichkeiten für ein zukunftsfähiges Zusammenleben gesehen.

Die planetaren Grenzen werden mit unserer jetzigen Lebensweise überschritten. Daher bedürfen wir einer sozialökologischen Transformation. Diese transformative Notwendigkeit haben wir am Gemeingütertag weiter befördert und verfolgen sie in der GEMEINGÜTER-Initiative täglich weiter.

3. Bitte geben Sie möglichst vollständig an, welche Aspekte nachhaltiger Entwicklung berührt sind.

☑ Ökonomie
☑ Ökologie
☑ Soziales
☑ Globales/Internationales

4. Bitte beschreiben Sie möglichst umfassend, welchen Beitrag das Projekt zu den acht Kriterien
des Agenda-Siegels leistet.

4.1 Themenübergreifender Ansatz
(z. B. gleichwertige Berücksichtigung sozialer, ökonomischer und ökologischer Kriterien, interdisziplinärer
und ressort-übergreifender Ansatz)

Der Gemeingütertag bot die folgenden Themen (alphabetisch):

  • Armutsverwaltung in Dortmund
  • Bedingungsloses Existenzrecht – Bedingungsloses Grundeinkommen
  • Bildung
  • Commons
  • Eine Welt
  • Energie
  • Ernährung
  • Fair Trade
  • Faircomomy
  • Fahrrad fahren in Dortmund
  • Flucht
  • FreiFunk
  • Freie Software
  • Frieden
  • Geld/Finanzen
  • Gemeinwohlökonomie
  • Genossenschaftsgedanken
  • Gesundheit
  • Gewaltfreie Kommunikation
  • Gewerkschaft
  • Kirchentag 2019 in Dortmund
  • Klimaschutz und Klimaanpassung in Dortmund
  • Kultur
  • Landraub/Migration
  • Menschenrechte
  • Minimalismus
  • Müll
  • Nachhaltigkeit
  • Reichtum
  • Reparierbarkeit
  • Theologie des Lebens
  • Veganismus
  • Wasser

4.2 Kommunikation und Beteiligung
(z. B. besondere Form oder Intensität der Beteiligung und Mitwirkung von Bürgerinnen und Bürgern)

Es waren alle Menschen offen zum Besuch des Gemeingütertages, zum Mitdiskutieren und auch zur späteren Mitarbeit in der GEMEINGÜTER-Initiative eingeladen.

Die Ergebnisse unseres gemeinsamen Tages arbeiten wir in der GEMEINGÜTER-Initiative derzeit auf und werden diese in den Kirchentag 2019 einbringen, der vom 19.-23. Juni 2019 in Dortmund stattfinden wird. Alle Beteiligten Organisationen sind in diesen Prozess eingebunden.

4.3 Impulse und Innovationsanstöße
(z. B. experimenteller Charakter, ungewöhnlicher Lösungsansatz)

„Die Logik des Kapitalismus heißt teilen. Nur teilen darin nicht die Menschen, sondern sie werden geteilt.“ (Quelle: 05. Anlage – Heinrich Böll Stiftung – Die Welt der Commons – Muster gemeinsamen Handelns (2015)). Entsprechend war eine Überlegung, die zum Gemeingütertag geführt hat diese: Wie können Lern- und Emanzipationsprozesse so gestaltet werden, dass Menschen aus Markt- und Konsumlogik befreit werden, die entfremdet und vereinzelt? Um diese Frage zu beantworten wurden Commons beim Gemeingütertag als beziehungstragendes Sozialgefüge erprobt. Es ging darum durcheinander wie aneinander zu sein und zu werden. Entsprechend war der Gemeingütertag dem kreativen Imperativ der Commons verpflichtet: >>Gestaltung für Menschen und Leben. Nicht für Profit.<< Die Konzepte hierfür wurden von den Aktiven des Gemeingütertages mitgebracht (vgl. 04. Anlage – Gemeingütertag – Programm).

4.4 Langfristigkeit und Handlungsorientierung
(z. B. Veränderbarkeit und Anpassungsfähigkeit an künftige Entwicklungen, messbare Erfolge)

Das Rahmenwerk des Programms war modular aufgebaut. Insofern könnte der Gemeingütertag in seinen Grundüberlegungen (in beliebiger Zusammensetzung) wiederholt werden (vgl. 4.6 Übertragbarkeit und Multiplikationsfähigkeit).

Eine Grundüberlegung des Gemeingütertages war es einen Ort der Begegnung zu schaffen. Dies hat in vielen Teilnehmenden eine Resonanz erzeugt. Messbar ist diese Kulturarbeit jedoch (zunächst) nicht. In vielen Gesprächen, die nach dem Gemeingütertag stattgefunden haben, war diese Resonanz aber erfahrbar (vgl. 4.8 Kontinuität).

4.5 Ressourcenschonung
(z. B. Umweltverträglichkeit, Ressourceneffizienz, Vermeidung künftiger Altlasten, Flächenrecycling
und Wiederverwertbarkeit)

Abgesehen von den zahlreichen Aktiven des Gemeingütertages, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen, war die Veranstaltungsdurchführung möglichst ressourcenschonend ausgelegt. Seitens der Pauluskirche wurden die Materialien mit Lastenrädern transportiert und der Essensstand der beiden Veranstaltungstage „miteinander vegan“ (https://www.miteinander.world) hat ausschließlich kompostierbares Geschirr ausgegeben. Darüber hinaus ist die vegane Lebensweise deutlichst umweltverträglicher als eine Lebensweise mit Tierprodukten (vgl. 06.1 Anlage – Treibhauseffekt verschiedener Ernährungsweisen pro Kopf und Jahr dargestellt in Autokilometern (08.2008) und 06.2 Anlage – Treibhauseffekt der Herstellung von Nahrungsmitteln dargestellt in Autokilometern (08.2008)).

4.6 Übertragbarkeit und Multiplikationsfähigkeit
(z. B. Projekte müssen von anderen Akteuren nachempfunden werden können)

Das Konzept und die Grafiken des Gemeingütertages sind unter der Creative Commons‘ CC0 (http://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de) verfügbar. Das heißt, dass das Konzept und die Grafiken (http://www.pauluskircheundkultur.net/94.html) des Gemeingütertages ohne Bedingungen beliebig genutzt, kopiert, verändert und veröffentlicht werden können.

4.7 Örtliche Relevanz und globale Perspektive
(z. B. Maßnahme in einem kommunalen, regionalen und globalen Gesamtkonzept)

Die Unterthemen des Gemeingütertages – nämlich Commons, Nachhaltigkeit und Klima – geben Hinweise auf die örtliche Relevanz und die globale Perspektive, die mit der GEMEINGÜTER-Initiaitve verfolgt werden. Im Einzelnen sind dies:

  • Commons:
    Die Commons stellen gem. der Ubuntu-Philosophie fest: „Ich bin, weil wir sind.“ D.h. wir gehen aus Beziehungen hervor. Beziehungen kommen zwar vor allem örtlich zum tragen, sind aber die Basis menschlichen Zusammenlebens und können in ihrer Verflechtung in einer globalisierten Welt sogar um die Erde herum reichen (vgl. z.B. Gründe für fairen Handel, …). Wir wollen dafür sorgen, dass alle mitkommen und niemand ausgeschlossen wird.
  • Nachhaltigkeit:
    Die Nachhaltigkeit fragt nach der Dauer der Beziehungen. Können Sie möglichst langfristig tragfähig sein? Ökologische Nachhaltigkeit wird in diesem Sinne auch als Verlängerung der Menschenrechte verstanden.
  • Klima:
    Das Klima spricht die Dauerhaftigkeit von sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit im Kontext einer der beiden speziesrelevanten Meschheitsfragen an: Der Klimazusammenbruch als Herausforderung der Menschenheit für einen zukunftsfähigen (zivilisatorisch bewohnbaren) Planeten.
    (Die andere speziesrelevante Menschheitsfrage sind Atomwaffen und Kernenergie.)

Bei der Betrachtung von Commons, Nachhaltigkeit und Klima wurden in der Gesamtschau der Aktiven des Gemeingütertages u.a. beinahe alle Globalen Nachhaltigkeitsziele berührt (vgl. 07. Anlage – Die SDGs im Überblick).

Die Erkenntnisse des Gemeingütertages sollen sich über die Zeit zu Konzepten für eine sozialökologische Stadtteilarbeit entwickelt werden. In diesem Zusammenhang lautet eine Frage: Wie können wir lokal so leben, dass es global verträglich ist?

4.8 Kontinuität
(z. B. verantwortliche Akteure arbeiten längerfristig an dem Projekt und stehen als Ansprechpartner zur
Verfügung, verlässliche Projekt- und Zeitplanung)

Der Gemeingütertag war eine Veranstaltung der GEMEINGÜTER-Initiative (https://tinyurl.com/GEMEINGUETER-Initiative) von Pauluskirche und Kultur. Mit Freude kann gesagt werden, dass die Pauluskirche – die Kulturkirche mit besonderem Gesicht – in Dortmund und der Region eine Institution ist. Die Pauluskirche stellt sich und ihre Arbeit seit 2002 hier näher dar: http://www.pauluskircheundkultur.net/kulturkirche.html

Seit dem Gemeingütertag hat die GEMEINGÜTER-Initiative folgende weitere Veranstaltungen durchgeführt und wird auch danach nicht müde die sozialökologischen Transformationen voranzubringen:

  • 7. Juli: Mitgliedschaft der Ev. Lydia-Gemeinde bei der Genossenschaft BioBoden eG erworben; https://bioboden.de (s. 08. Anlage – Mitgliedschaft bei BioBoden eG am 07.07.2018 erworben (Foto))
    Mit diesem Schritt unterstützt die Gemeinde in einer Form solidarischer Ökonomie, dass Land aus der Logik als Ware für eine ökologische Landwirtschaft befreit wird.
  • GEMEINGÜTER-Café: ein Wegpunkt der „Wege zur Nachhaltigkeit“ des Instituts für Kirche und Gesellschaft (befindet sich bis zum Kirchentag 2019 im Aufbau)
  • 6.-9. September: Teilnahme an der Messe FAIR FRIENDS mit einem Gemeinschaftsstand ‚Gemeingütertag‘, an dem täglich wechselnde Organisationen teilgenommen haben (vgl. 09.1 Anlage – Messe FAIR FRIENDS 2018 – Gemeinschaftsstand Gemeingütertag – Standplan, s. 09.2 Anlage – Messe FAIR FRIENDS – Gemeinschaftsstand Gemeingütertag (Foto) und 09.3 Anlage – Messe FAIR FRIENDS – Gemeinschaftsstand Gemeingütertag (Foto))
  • 9. September: Talk to heaven-Gottesdienst: „Ehrfurcht vor dem Leben – Albert Schweitzers Aufruf in einer bedrohten Welt“
  • 11. September: Ein Königreich am Abgrund – Straßentheater beleuchtet Klimawandel: dramatische Folgen für die Gesundheit (in Zusammenarbeit mit der BUKO Pharma-Kampagne und der FH Dortmund)
  • 14. September: Vortrag von Gerhard Breidenstein: „Spiritualität und nachhaltiger Lebensstil“
  • ab 17. September: Teilnahme am Urban-Gardening-Netzwerk des Quartiersmanagements der Nordstadt
  • 19. September: Unterstützung des Themenabends von RESQSHIP e.V. „Flüchtlinge retten – Ein Schiff fürs Mittelmeer“
  • 20. September: Filmabend mit anschl. Diskussion „Das Schönauer Gefühl“ – Elektrizitätswerke Schönau – eine Stunde Spannung: Die mitreißende Geschichte der Stromrebellen aus dem Schwarzwald als Dokumentarfilm
  • ab 1. Oktober: Beteiligung an „Nordstadt naturnah“ des Quartiersmanagements der Nordstadt
  • 6. Oktober: Aufruf zur Demo Hambacher Wald – „Wald retten – Kohle stoppen“
  • 11. Oktober: Vortrag von Eugen Drewermann: „Von Krieg zu Frieden“
  • 26. November: Das Presbyterium der Ev. Lydia-Gemeinde Dortmund hat am 04.10.2018 einen Antrag zum Wechsel des Stromanbieters des Kirchenkreises von der Aktiengesellschaft Lichtblick SE zu den genossenschaftlichen Elektrizitätswerken Schönau (EWS) eG beschlossen. Dieser Antrag steht nun bei der Kreissynode des Ev. Kirchenkreises für Dortmund, Lünen und Selm am 26. November zur Abstimmung. (s. 10. Anlage – Antrag – Wechsel des Stromanbieters des Kirchenkreises von Lichtblick SE zu den Elektrizitätswerken Schönau (EWS) eG)
  • 29. November: Vortrag von Marcel Hunecke: „Psychologie der Nachhaltigkeit“; die Veranstaltung beginnt mit einem Impuls von urgewald: „Schmutzige Geschäfte oder Faire Geldanlagen?“
  • Derzeit läuft die Programmplanung für 2019.

Dokumente zum Herunterladen

Alle Dokumente rund um die Bewerbung und Verleihung des Agenda-Siegels 2018 an die GEMEINGÜTER-Initiative können hier heruntergeladen werden. Die Pressemitteilung der Stadt Dortmund vom 10.12.2018 gibt es direkt hier.

[1] Quelle: Workshop des Bildungswerks Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung – Commoning: Wie offene Werkstätten gesellschaftliche Utopie erlebbar machen

CC0
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Thursday, 06 December 2018

Dortmund und Digitalisierung: Ja, aber nur gemeinwohlorientiert

  • Do-FOSS
  • 13:10, Thursday, 06 December 2018

Aktuelle Inside ver.di zum Thema Digitalisierung erschienen

Anlässlich der heutigen Personalversammlung der Stadt Dortmund hat der ver.di Bezirk Westfalen eine Ausgabe der Inside (Dezember 2018), der ver.di-Zeitung für Beschäftigte der Stadtverwaltung Dortmund, veröffentlicht. Damit hat ver.di sich in der städtischen Digitalisierungsdebatte auf der Vollversammlung des städtischen Personals klar positioniert: Dortmund und Digitalisierung: Ja, aber nur gemeinwohlorientiert – Gegen IT-Lobbyismus in Smart City. Der Artikel beschränkt sich dabei allerdings nicht ausschließlich auf Überlegungen zur Smart City, sondern bezieht sich darüber hinaus auf den Masterplan „Digitale Stadtverwaltung“.

Do-FOSS schätzt besonders die folgende Aussage aus der Inside:

Vertrauensleute und Personalrat fordern […] selbstbestimmte und unabhängige Software sowie offene Format-Standards für die Stadt Dortmund, da ein zu starker Einfluss von IT- und Softwarekonzernen eine gesellschaftliche und demokratiegefährdende Fehlentwicklung fördert.

Der ver.di-Artikel gibt aber zu bedenken:

Unklar ist, ob die Stadtverwaltung die notwendigen Ressourcen – Finanzmittel und Personal – für den digitalen Masterplan und dessen Projekte zur Verfügung stellt.

Auf der einen Seite erkennen Politik, Verwaltung und Beschäftigte den öffentlichen Gestaltungsanspruch für die Digitalisierung an. Auf der anderen Seite müsste die Organisationsstruktur der Verwaltung noch ausgefüllt werden, um die digitale Gestaltung auch tatsächlich wahrzunehmen. Hier liegt eine Asymmetrie vor, die es auszugleichen gilt. Bereits in der Vergangenheit hat ver.di in Dortmund kritisch nachgehakt, wenn es um die Hoheit über die digitale Infrastruktur der Stadt ging. Nun gilt es, die Ansätze einer Offenen Digitalisierung durch entsprechende Finanzmittel und Personal umzusetzen. Ohne das finanzielle Budget und den politischen Willen bleiben die Bestrebungen der Stadt Dortmund für eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung folgenlos. Die Lokalpolitik ist durch die Gewerkschaft aufgerufen, sich für eine digital selbstbestimmte Behörde zu engagieren. In diesem Zusammenhang war Do-FOSS zuletzt als World-Café-Impulsgeber im Grünen Salon Paderborn. Bei dieser Veranstaltung hat Do-FOSS ebenfalls auf die anstehenden weichenstellenden Entscheidungen im Dortmunder Smart-City-Prozess hingewiesen. Diese Entscheidungen werden akut, denn es gilt die stadtweiten IT-Bedingungen selbstbestimmt zu gestalten, bevor die Smart City Dortmund durch einen Herstellereinschluss dauerhaft fremdbestimmt wird. Den Titelbeitrag der Inside gibt Do-FOSS in diesem Sinne gerne hier wieder (Verlinkungen durch Verfasser).

Beitrag in der Inside ver.di

Dortmund und Digitalisierung: Ja, aber nur gemeinwohlorientiert
Gegen IT-Lobbyismus in Smart City

Die Digitalisierung ist in vollem Gange. Auch bei der Stadt Dortmund. Die Prozesse gilt es nun mitzugestalten. Doch was braucht es, um die neuen Technologien für das Gemeinwohl, für alle Menschen einzusetzen und nicht für spezielle Wirtschaftsinteressen, für Interessen Einzelner? Und: Wo bleibt der Mensch in der smarten Stadt?

Zu viele Fragen, zu viele Unsicherheiten und Ängste beim Thema Arbeit und Leben 4.0. Daher trafen sich im August dieses Jahres die ver.di-Vertrauensleute und der Personalrat der Stadtverwaltung Dortmund mit Expert*innen zur Fachtagung ver.di Westfalen & Digitalisierung und diskutierten die aktuelle Situation mit Annette Mühlberg, Leiterin der ver.di-Bundesprojektgruppe Digitalisierung, Leon Kaiser von netzpoltik.org und eigenen Fachleuten aus der Verwaltung.

Die Digitalisierung wird gravierende Folgen für den Arbeitsmarkt haben und auch den Öffentlichen Dienst verändern. Der Prozess beschäftigt die Stadtverwaltung Dortmund bereits seit einigen Jahren und führte zur Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030, die vom Personalrat verfasst und gemeinsam mit dem Oberbürgermeister auf der Personalversammlung 2017 unterzeichnet wurde. Diese Charta versteht sich als Leitlinie auf gemeinsame Ziele und Gestaltungsgrundsätze: für nachhaltiges, gemeinsames Vorgehen im Transformationsprozess sowie als Motivationsschub und Schutz vor Fehlentwicklungen für die Belegschaft und die Stadtgesellschaft. Die Charta versetzt alle Kolleg*innen in die Lage, die Veränderungsprozesse abgesicherter und damit konstruktiv mitzugestalten. Dies, so Horst Kortwittenborg, Sprecher der ver.di-Vertrauensleute bei der Stadtverwaltung Dortmund, ist aber nur ein erster Schritt in die richtige Richtung: „Wir müssen noch zu weit verbindlicheren Abschlüssen auch auf tariflicher wie auf gesetzlicher Ebene kommen“. Ferner ist eine grundlegend neue Lebens- und Arbeitszeitdiskussion für die und mit den Beschäftigten erforderlich.
Große Sorge bereitet die Beobachtung, dass immer mehr private Anbieter in die öffentliche Daseinsversorgung eindringen und anstelle der öffentlichen Hand die Voraussetzungen für Serviceleistungen bereitstellen wollen. Nur, so die Befürchtung, werde sich deren Service an den Bürgerinnen und Bürgern allein an privatwirtschaftlicher Verwertungslogik, nämlich an Gewinnmaximierung orientieren – inklusive zukünftiger Preisanstiege. Das, was sich privatwirtschaftlich nicht lohnt, verbleibe dann in der öffentlichen Hand.

Vertrauensleute und Personalrat fordern daher selbstbestimmte und unabhängige Software sowie offene Format-Standards für die Stadt Dortmund, da ein zu starker Einfluss von IT- un Softwarekonzernen eine gesellschaftliche und demokratiegefährdende Fehlentwicklung fördert. Auf der Fachtagung beschrieben die beiden Technologiebeauftragten des Personalrates, Ralf Voelzkow und Daniel Chadt, aktuelle städtische Aktivitäten und neu geschaffene Verwaltungseinheiten, darunter ein Chief Innovation/ Information Office. Aus dem „Masterplan Digitale Verwaltung“ entstanden die Projekte „Open Government“ und „Potentialanalyse Freie Software“. Durch personelle Vakanzen bzw. Personalveränderungen kam es erst zu Verzögerungen, dann, im Jahr 2018, zu einer Neuausrichtung des Masterplans Verwaltung in Richtung „Masterplan Arbeit 4.0.“ In diesem Zusammenhang wird oft das 2017 vom Bundesarbeitsministerium erstellte „Weißbuch 4.0“ erwähnt, das problematische Prognosen zur Zukunft des Öffentlichen Dienstes enthält: Demzufolge soll sich der Personalbedarf bis 2030 um die Hälfte reduzieren …

Unklar ist, ob die Stadtverwaltung die notwendigen Ressourcen – Finanzmittel und Personal – für den digitalen Masterplan und dessen Projekte zur Verfügung stellt. Bislang herrscht daran, wie immer, Mangel – was erklärt, warum Projekte und Maßnahmen nicht so gut (an-)laufen, wie sie sollten. Anhand des „smarten“ Dortmunder Pilot-Projekts „Handyparken“ beschrieb Christian Nähle, ver.di-Vertrauensmann und städtischer Vertreter in einem Smart City-Expertenteam, die Auswirkungen auf Parkplatzsuchende und städtische Beschäftigte (u.a. bei der Verkehrsüberwachung, beim Tiefbauamt und Rechtsamt sowie in den IT-Abteilungen). Seine Beschreibung mündete in einer Technologiefolgenabschätzung, die mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit über kurz oder lang Realität werden könnte: Städtische Parkautomaten und somit städtisches Personal werden komplett eingespart, das öffentliche Parkraummanagement wird von privaten Betreibern im Auftrag der Stadt erledigt, Parkplatzsuchende sind gezwungen, per „Park-App“ Parkplätze zu buchen. Die technische Infrastruktur ermöglicht eine variable Parkplatzpreisgestaltung mit Gewinnmaximierung, vergleichbar den Tank stellen. Die „smarte“ Privatstadt profitiert von Mehreinnahmen auf Kosten des Gemeinwohls. Damit das so nicht passiert, fordert die ver.di-Bundesprojektgruppenleiterin Digitalisierung, Annette Mühlberg, für eine gemeinwohlorientierte Version von Smart City klare Kriterien. Diese müssen eine demokratische IT-Infrastruktur möglich machen. Das Berliner Manifest benennt entsprechende Grundfeste:

  1. Grundversorgung und offener Zugang!
  2. Wissen teilen, Wissen mehren!
  3. Keine Privatisierung öffentlicher Güter im virtuellen Raum!
  4. Selbstverwaltung und öffentliche Steuerungsfähigkeit stärken!
  5. Verlässliche demokratische Verfahren und Standards!
  6. eGovernment mit offenen Standards!
  7. Kritische Infrastrukturen sichern!
  8. Daten- und Persönlichkeitsschutz verwirklichen!
  9. eDemokratie für ArbeitnehmerInnen, Mitbestimmung stärken!
  10. Öffentliche Daseinsvorsorge nicht IT-Lobbyisten überlassen!

Dass diese Kriterien als Standard verbindlich für alle digitalen Veränderungen zur verpflichtenden Voraussetzung gemacht werden, wird unsere Aufgabe im öffentlichen Dienst sein. Nach dieser Maßgabe werden wir alle Digitalisierungsprozesse reflektiert begleiten. Und wir werden dazu weitere solcher Treffen veranstalten, auch in größerer Form. Im Frühjahr werden wir eine Extraausgabe der Inside zum Thema herausgeben und Euch, liebe Kolleg*innen, werden wir Angebote der Unterstützung und Mitarbeit machen. Denn wir brauchen jede Unterstützung, damit wir eine digitale Zukunft für uns Menschen bauen, die gemeinwohlorientiert ist und sich nicht an den Interessen der Privatwirtschaft ausrichtet. „Es ist notwendig, sich viel intensiver als bisher mit diesem Thema zu befassen“, betont Horst Kortwittenborg, damit Daseinsvorsorge und „gute Arbeit“ auch in Zukunft noch Bestand haben.

Dokumente zum Herunterladen

Die Inside ver.di kann hier heruntergeladen werden. Von Do-FOSS gesammelte Unterlagen zu „Smart City Dortmund“ können hier eingesehen werden.

CC0
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Friday, 30 November 2018

Veranstaltungshinweis: SMARTE GRÜNE WELT? – Klima und Nachhaltigkeit in Zeiten der Digitalisierung

  • Do-FOSS
  • 15:40, Friday, 30 November 2018

Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen

Logo: Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen (© Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen)

Freie Software Thema beim Grünen Salon Paderborn der Heinrich Böll Stiftung NRW

Kommenden Sonntag, den 2. Dezember 2018, findet ab 11:30 Uhr im Rahmen des Grünen Salons Paderborn der Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen eine Vortragsveranstaltung mit anschließendem World Café statt. Do-FOSS ist Impulsgeber am Thementisch Smart City und wurde u.a. für die bisherige Arbeit zu diesem Thema eingeladen. Der Einladungstext der Veranstaltung ist hier und der Flyer ist hier zu finden. In diesem Kontext möchte Do-FOSS die folgenden Blogbeiträge besonders hervorheben:

Die smarte Welt ökologisch zu gestalten, ist für Do-FOSS ein essentielles Anliegen. In diesem Zusammenhang nahm Do-FOSS zuletzt am Samstag und Sonntag, den 17. und 18. November 2018, an der Bits und Bäume, der Konferenz für Digitalisierung und Nachhaltigkeit, teil. Hier brachte Do-FOSS eigene erste Ansätze zu Nachhaltigkeitsaspekten des Softwareeinsatzes ein. Diese finden sich u.a. in den Überlegungen Freie Software: global denken, lokal handeln und Freie Software und Nachhaltigkeit wieder. Do-FOSS beabsichtigt diese Betrachtungen auch in die Potentialanaylse einer Freien-Software-Strategie der Stadt Dortmund eingehen zu lassen.

Zwischen der Bits & Bäume Konferenz und dem Grünen Salon Paderborn gibt es noch weitere Überschneidungen. Der Hautreferent des Grünen Salongs Paderborn, Dr. Steffen Lange, war mit dem Vortrag Digitale Suffizienz: wie kann die smarte Welt auch grün werden? ebenfalls auf der Bits und Bäume vertreten. In diesem Vortrag wurden digitale Möglichkeiten aber auch ökologische Grenzen einer smarten Welt gezeichnet. Herr Dr. Lange ist Co-Autor des Buchs Smarte grüne Welt? Digitalisierung zwischen Überwachung, Konsum und Nachhaltigkeit.



Link zum Video
Vortrag von Dr. Steffen Lange: Digitale Suffizienz – Wie kann die smarte Welt auch grün werden?

Wer sich für die Diskussion beim Grünen Salon Paderborn vorab ein Bild vom Anwendungsangebot der Smart City Paderborn machen möchte, kann dies auf der Webseite der Stadt Paderborn tun.

Do-FOSS freut sich auf den gemeinsamen Tag mit der Heinrich Böll Stiftung NRW und weist im Folgenden gerne im Wortlaut auf die Veranstaltung hin.

Heinrich Böll Stiftung NRW – Grüner Salon Paderborn

SMARTE GRÜNE WELT? – Klima und Nachhaltigkeit in Zeiten der Digitalisierung

Drei sogenannte Megatrends bestimmen Wirtschaft, Staat und Gesellschaft: der Klimawandel, die Digitalisierung und die wachsende Ungleichheit – national sowie international. Für viele ist die Digitalisierung eine der zentralen Antworten auf die Zukunftsfragen der Menschheit, der Schlüssel zum guten Leben für alle.

Ist das wirklich so? Wie sieht die Praxis aus – Energie und Ressourcenverbrauch, Arbeitsplätze, Verteilung der Einkommen? Wie wirkt sich die immer vernetztere und schnellere Kommunikation von Menschen, Dingen und Maschinen auf unser Zusammenleben aus?

Wo liegen die Chancen, wo liegen die Risiken der zunehmenden Digitalisierung vieler unserer Lebens- und Wirtschaftsbereiche für eine soziale und ökologische Transformation der Gesellschaft?

Wir stehen am Beginn einer großen Umwälzung. Durch die Konferenz wollen wir Digitalisierung mitbestimmen und mitgestalten. Konkret in Pader­born, beim Projekt „Digitale Stadt“ und in globalen Zusammenhängen.

SMARTE GRÜNE WELT? – Klima und Nachhaltigkeit in Zeiten der Digitalisierung

Der Grüne Salon Paderborn lädt ein zur Digitalisierungskonferenz:
Sonntag, 2.12.2018, ab 11:30 Uhr
Gasthaus Haxterpark, Haxterhöhe 2

Referent:
Dr. Steffen Lange
Co-Autor „Smarte grüne Welt“

Leitung:
Gudrun Oevel, Klaus Schüssler

Eintritt frei

Ablauf:
11:30 – 13:30 Uhr: Vortrag und Diskussion

Dr. Steffen Lange: „Smarte grüne Welt? – Digitalisierung zwischen Überwachung, Konsum und Nachhaltigkeit“

Mittagsimbiss

Ab 14:15 Uhr World Café – zwei Runden an den Themen­tischen:

Energie + Industrie 4.0 + Konsum und Handel + Verkehr + Digitale Stadt + Teilhabe und Gestaltung

16:15 – 17:00 Uhr: Zusammenführung

Die Stiftung über den Salon und sich selbst

Die Heinrich Böll Stiftung NRW beschreibt sich selbst und den Grünen Salon Paderborn wie folgt:

In Zeiten medialer Überflutung und der stärker werdenden Orientierung an schlagzeilenträchtiger Rhetorik, gerät ein Wesensmerkmal der Demokratie zunehmen in den Hintergrund: Die freie Meinungs- und Willensbildung, die auf dem Austausch unterschiedlicher Argumente beruht.

Der Grüne Salon Paderborn will als Ort der politischen Debatte und Reflexion entgegenwirken, der den Austausch der Meinungen fördert und sachliche Kontroversen zulässt, jedoch ohne reflexhafte Zuspitzung und Verkürzung.

Der Grüne Salon ist ein Debattenformat der Heinrich Böll Stiftung NRW. Gemäß deren Statuten versteht sich auch der Grüne Salon Paderborn als unabhängig, jedoch grün-nah. Mehr über das Selbstverständnis …

Alle Debatten des Grünen Salons Paderborn enden nach zwei Stunden. Die Themen und Orte wechseln. Der Eintritt ist frei.

Format des Grünen Paderborner Salons: Lean World Café

Die Handreichung zur Vorbereitung des Grünen Salons Paderborn beschreibt den Ablauf des World Cafés wie folgt:

1. Grundlegende Idee
An 6 Tischen werden in zwei Runden à 45 Minuten Anwendungsfelder der Digitalisierung in Hinblick auf Nachhaltigkeit diskutiert. Je zwei Impulsgeber*innen an den Tischen geben Impulse aus ihrem Feld und stehen für Rückfragen zur Verfügung. Zielsetzung ist es in den Austausch zu kommen und zu sehen, wo gibt es im Publikum viele Fragen, welche Themen sind besonders interessant und wo müsste evtl. eine Nachfolgeveranstaltung konzipiert werden. An manchen Tischen sind 2 Impulsgeber*innen mit unterschiedlichen Kompetenzen vorhanden. Hier bietet es sich an, dass in jeder Runde nur eine Person einen kurzen Impuls macht und die andere Person sich jeweils nur vorstellt. Die Tische und ihre Impulsgeber*innen werden vor der Mittagspause direkt nach dem Vortrag von den Moderatoren*innen im Plenum vorgestellt.

2. Rolle und Aufgaben der Impulsgeber*innen
Die Impulsgeber*innen stellen sich an den Tischen mit einem Impuls von etwa 5 Minuten selbst vor. Sie erläutern wie sie aus ihrem beruflichen/persönlichen Kontext mit dem Thema (Digitalisierung und Nachhaltigkeit in dem Anwendungsfeld) in Berührung stehen und wo sie persönlich Chancen und Risiken bzgl. Nachhaltigkeit sehen. Anschließend sollen die Besucher*innen an den Tischen Fragen stellen, die die Impulsgeber*innen beantworten oder kommentieren oder als Herausforderung sammeln (lassen).

3. Methode zur Diskussion
Das Orga-Team schlägt vor die Diskussion und Fragen in der Form des Lean World Café zu organisieren. Nach dem Impuls werden die Tischbesucher*innen gebeten ihre Fragen auf ausliegenden Themenkarten aufzuschreiben (ca 5 Minuten). Diese werden gesammelt, sortiert und priorisiert (Impulsgeber*innen und Begleiter*innen). Es wird anschließend immer ein Themenblock diskutiert, um eine Hin-und-Her-Springen zu vermeiden. Diskutierte Themen werden am Ende der Veranstaltung durch die Begleiter*innen kurz präsentiert. Schon diskutierte Themen im ersten Block können in den zweiten Block übernommen werden, wenn das sinnvoll erscheint.

Dokument zum Herunterladen

Der Veranstaltungsflyer des Grünen Salons Paderborn kann hier heruntergeladen werden.

CC0
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Thursday, 15 November 2018

Freie Software bei der Stadt Dortmund – ein Tor zur Kommunalebene in NRW

  • Do-FOSS
  • 20:25, Thursday, 15 November 2018

Gastbeitrag für das Offene Kommune.NRW Institut

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Logo: Offene Kommunen.NRW Institut (© Offene Kommunen.NRW Institut)

Kürzlich durfte Do-FOSS einen Gastbeitrag für das Offene Kommunen.NRW Institutunserem jüngsten Kooperationspartner – verfassen. Da dieser einen zusammenfassenden Einblick in die Arbeit von Do-FOSS bietet, wird dieser nun auch hier veröffentlicht. Besonders hingewiesen sei auf das Barcamp nach dem Vorbild von OK.NRW in Dortmund 2019.

Gastbeitrag im Wortlaut

Seit kurzem setzt sich das Offene Kommunen.NRW Institut gemeinsam mit Do-FOSS innerhalb einer Kooperationspartnerschaft dafür ein, den Prozess der Offenheit, Zusammenarbeit und Transparenz auf landespolitischer und kommunaler Ebene in NRW voranzubringen und zu gestalten.

Do-FOSS ist die Bürgerinitiative für den Einsatz Freier und Quelloffener Software (Freie und Open Source Software, kurz FOSS) bei der Stadt Dortmund. Um den Einsatz von Freier Software in der öffentlichen Verwaltung zu fördern, setzt Do-FOSS auf eine Vielzahl unterschiedlicher Wege zur Thematisierung und Umsetzung von Freier Software. Unter anderem arbeitet Do-FOSS zusammen mit der Stadt Dortmund an einer Potenzialanalyse eines systematischen Freien-Software-Einsatzes. Im Sinne der interkommunalen Vernetzung zum Thema Freie Software in öffentlichen Verwaltungen ist Do-FOSS auch über die Domain FOSS.NRW erreichbar.

Do-FOSS freut sich darüber die eigene Arbeit in einem Gastbeitrag im Blog von OK.NRW vorstellen zu dürfen und erworbenes Wissen zu den Vorteilen von Freier Software im öffentlichen Dienst in OK.NRW einbringen zu können.

Themen dieses Gastbeitrags:

Kooperationspartner von Do-FOSS

Neben OK.NRW sind weitere Kooperationspartner Teil des Wissens- und Handlungsnetzwerk von Do-FOSS. Dies sind die Free Software Foundation Europe, die FOSS-AG der TU Dortmund, der ver.di Bezirk Westfalen, die Document Foundation, digitalcourage, die Open Source Business Alliance und Pauluskirche und Kultur. Kurzbeschreibungen der Kooperationspartner finden sich hier.

Potenzialanalyse der Stadt Dortmund zu Freier Software

Der Verwaltungsvorstand der Stadt Dortmund hat in seiner Sitzung vom 10.04.2018 beschlossen, die Potenziale von Freier Software und Offenen Standards im Bereich der städtischen Informations- und Telekommunikationstechnik zu untersuchen. Die Verwaltung wird den politischen Gremien Anfang 2020 einen Ergebnisbericht zum Einsatzpotenzial von Freier Software und Offenen Standards vorlegen. Die Definitionen Freier Software und Offener Standards kommen von der Free Software Foundation Europe – dies sichert die zivilgesellschaftliche Verwurzelung der Freien-Software-Diskussion innerhalb der Institution Stadt. Die Verwendung von Offenen Standards wurde zudem in der Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030 vereinbart. Für Do-FOSS markieren diese Entwicklungen Meilensteine, welche die Grundlage für eine systematische Potenzialbetrachtung von Freier Software und Offenen Standards für die Stadt Dortmund darstellen.

In Kombination mit dem seit August 2018 freigeschaltetem Open-Data-Portal, besteht derzeit die Möglichkeit, einen ganzheitlichen Ansatz für eine Freie und Offene IT-Landschaft in der Dortmunder Verwaltung zu entwickeln, welcher dem Gemeinwohl und damit allen Bürgerinnen und Bürgern vorteilhaft verpflichtet ist.

Ziele von Do-FOSS

Derzeit wird die Potenzialanalyse zu Freier Software von Do-FOSS in der Arbeitsgruppe Freie Software gemeinsam mit dem Dortmunder Systemhaus (dosys.) und dem Personalrat der Stadt Dortmund erarbeitet. Do-FOSS wird die Vorteile Freier Software sowie Offener Standards in diesem Prozess benennen und Vorschläge entwickeln, wie diese in die Verwaltungsstrukturen zu integrieren wären. Das Ziel von Do-FOSS ist es fortan Konzepte zu entwickeln, wie die Stadt Dortmund mit Hilfe von Freier Software bzw. Offener Standards die digitale Anschlussfähigkeit ihrer Bürgerinnen und Bürger fördern kann. Do-FOSS engagiert sich dafür, die Voraussetzungen für einen selbstbestimmten und transparenten Umgang mit digitaler Technik im Masterplan Digitale Stadtverwaltung zu verankern. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Erhalt der kommunalen Selbstverwaltungshoheit, die durch Freie Software gestützt wird. Hierzu hat Do-FOSS eine ausführliche Betrachtung im Blogbeitrag Warum Freie Software und Offene Standards für die Stadt Dortmund? vorgenommen. Weitergehende Zielvorstellungen von Do-FOSS finden sich hier.

Ziele der Stadt Dortmund

Zu den in der Potenzialanalyse festgeschriebenen Zielvorstellungen für einen möglichen Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in der Stadt Dortmund gehören für die Arbeitsgruppe Freie Software die folgenden Aspekte:

  • Reduzierung der Herstellerabhängigkeit
  • Umsetzung des E-Government-Gesetzes NRW im Rahmen von offenen und standardisierten Dateiformaten
  • Erhöhung der Flexibilität und Steuerungsfähigkeit beim Softwareeinsatz
  • Erhöhung der Interoperabilität (z.B. durch den Einsatz von Offenen Standards für eine herstellerübergreifende Anwendungskopplung) [Erhöhung der digitalen Anschlussfähigkeit – Anm. d. Verf.]
  • Sicherstellung des Datenschutzes [s. auch Transparente Software – eine Voraussetzung für datenschutzfreundliche Technologien vom 26.09.2000 des Arbeitskreises Technische und organisatorische Datenschutzfragen der Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder – Anm. d. Verf.]
  • Gewährleistung der IT-Sicherheit
  • steuerbare Kostenstrukturen durch erhöhte Flexibilität bei der Anbieterwahl, Stärkung der Verhandlungsposition gegenüber Anbietern proprietärer Software und Wegfall von Skalierungskosten durch Lizenzgebühren
  • Erhöhung der Archivierbarkeit digitaler Dokumente durch Offene Standards
  • Ermöglichung neuer Synergien und Abbau von lizenzrechtlichen Hemmnissen in der interkommunalen Zusammenarbeit
  • eine erhöhte Technikneutralität
  • eine Erhöhung der funktionalen Transparenz

Barcamp nach dem Vorbild von OK.NRW in Dortmund 2019

Um die Ergebnisse der Potenzialanalyse zu Freier Software vor einer Festschreibung durch den Rat der Stadt Dortmund zu reflektieren und in einen Diskurs mit der Zivilgesellschaft zu bringen, soll es Ende 2019 ein Barcamp in Dortmund nach dem Vorbild von OK.NRW geben. Für Unterstützung bei der Organisation dieser Aufgabe wäre Do-FOSS dankbar. Wer Interesse an einer Mitwirkung hat oder sich gerne näher informieren möchte, kann sich gerne melden kontakt@do-foss.de. Eine Frage, die Do-FOSS in das Barcamp hineintragen möchte, ist folgende: Wie können die Ergebnisse der Dortmunder Potenzialanalyse zu Freier Software auf andere Städte übertragen werden, so dass Synergien Freier Software interkommunal genutzt werden können?

Infos zum Dortmunder Freien-Software-Prozess stets aktuell auf Do-FOSS

Alle Entwicklungen rund um Freie Software der Stadt Dortmund und in wesentlichen Aspekten von NRW, sind stets aktuell im Blog von Do-FOSS nachzulesen.

Für Rückfragen zur Arbeit von Do-FOSS steht Christian Nähle, von der Geschäftsführung, gerne zur Verfügung.

CC0
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Wednesday, 07 November 2018

Veranstaltungshinweis: Bits & Bäume – Die Konferenz für Digitalisierung und Nachhaltigkeit

  • Do-FOSS
  • 18:54, Wednesday, 07 November 2018

Logo: Bits & Bäume - Die Konferenz für Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Logo: Bits & Bäume (© Bits & Bäume)

Vortrag von Do-FOSS – Freie Software in Kommunen: Vom Sollen zum Wollen

Global denken, lokal handeln für nachhaltige Software

Am Samstag und Sonntag, den 17. und 18. November 2018 nimmt Do-FOSS an der Bits und Bäume, der Konferenz für Digitalisierung und Nachhaltigkeit teil. Christian Nähle wird für Do-FOSS einen Vortrag zur Konferenz am Samstag um 15:00 Uhr auf Bühne 4 beitragen. Der Vortrag wird der Frage nachgehen, wie die Vorteile von Freie Software im praktischen Verwaltungshandeln Fuß fassen können. Wie sich Freie Software in Verwaltungsstrukturen implementieren lässt, wird am Beispiel der Stadt Dortmund vorgetragen. Außerdem wird es einen Ausblick auf die angestrebte Verknüpfung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Dortmunder-Freien-Software-Prozess geben – zwei Schlüsselthemen unserer Zeit. Do-FOSS freut sich auf die Konferenz Bits und Bäume und ist den Organisatorinnen und Organisatoren dankbar, dass sie die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammen denken und damit einen hochrelevanten Schmelztiegel für viele engagierte Menschen bieten.

Programmankündigung von Do-FOSS auf der Bits & Bäume

Im Folgenden findet sich der Ankündigungstext des Vortrags, wie er im Programm steht.

Freie Software in Kommunen: Vom Sollen zum Wollen

Um den Einsatz von Freier Software in der öffentlichen Verwaltung zu fördern, setzt Do-FOSS auf eine Vielzahl unterschiedlicher Wege zur Thematisierung und Umsetzung von Freier Software. Unter anderem arbeitet Do-FOSS zusammen mit der Stadt Dortmund an einer Potenzialanalyse eines systematischen Freien-Software-Einsatzes.

Welchen Weg hat Do-FOSS genommen? Wie können die Erfahrungen und Ergebnisse für andere Kommunen genutzt werden? Wie kommen wir beim kommunalem Freien-Software-Einsatz vom Sollen zum Wollen?

Dortmunder Zielvorstellungen zu Freier Software

Das Lizenzierungsmodell von Freier Software gewährt gegenüber proprietärer Software weitergehende Handlungsspielräume. Deshalb hat sich die Stadt Dortmund aufgemacht, um das Potenzial von Freier Software in Bezug auf die IT der Stadtverwaltung systematisch erfassen. Zum Potenzial von Freier Software gehört eine Reihe weiterer technischer und nicht-technischer Aspekte. Die Stadt Dortmund verknüpft mit der Untersuchung der Potenziale einer Freien-Software-Strategie folgende Überlegungen:

  • Reduzierung der Herstellerabhängigkeit
  • Umsetzung des E-Government-Gesetzes NRW im Rahmen von offenen und standardisierten Dateiformaten
  • Erhöhung der Flexibilität und Steuerungsfähigkeit beim Softwareeinsatz
  • Erhöhung der Interoperabilität (z.B. durch den Einsatz von Offenen Standards für eine herstellerübergreifende Anwendungskopplung) [Erhöhung der digitalen Anschlussfähigkeit – Anm. d. Verf.]
  • Sicherstellung des Datenschutzes [s. auch Trans­parente Software – eine Voraus­setzung für daten­schutzfreundliche Technolo­gien vom 26.09.2000 des Arbeitskreises Technische und orga­nisatorische Datenschutzfragen der Konfe­renz der Daten­schutzbeauftragten des Bundes und der Länder – Anm. d. Verf.]
  • Gewährleistung der IT-Sicherheit
  • steuerbare Kostenstrukturen durch erhöhte Flexibilität bei der Anbieterwahl, Stärkung der Verhandlungsposition gegenüber Anbietern proprietärer Software und Wegfall von Skalierungskosten durch Lizenzgebühren
  • Erhöhung der Archivierbarkeit digitaler Dokumente durch Offene Standards
  • Ermöglichung neuer Synergien und Abbau von lizenzrechtlichen Hemmnissen in der interkommunalen Zusammenarbeit
  • eine erhöhte Technikneutralität
  • eine Erhöhung der funktionalen Transparenz

Freie Software: global denken, lokal handeln

Do-FOSS hat sich bislang vor allem intensiv in lokale Fragen von Softwareeinsatz eingebracht. Jedoch ist eine lokale Softwarestrategie nicht von einer globalen Entwicklung zu trennen. Freie Software entfaltet ihre Wirksamkeit durch die Möglichkeit globales Know-How mit örtlicher Kompetenz zu verbinden. Während Freie-Software-Projekte zum wesentlichen Teil international verfügbar sind und häufig auf internationalen Kooperationsstrukturen basieren, ist der Nutzen Freier-Software-Projekte gerade in lokalen kleineren Strukturen deutlich erkennbar. Der freie Zugang zu softwaretechnischem Wissen ermöglicht den Aufbau lokaler Kompetenzstrukturen und den Einbezug kleinerer Softwareanbieter in die Anpassung solcher Software an lokale Gegebenheiten. Der barrierefreie Zugang zu dem Know-How verhindert global wie lokal daher die Einhegung von Wissen und eine digitale Spaltung. Daher kann ein technologischer Wissenstransfer hervorgehoben werden, welcher durch Freie Software u.a. für das Nord-Süd-Gefälle ermöglicht wird (vgl. Nachhaltigkeitsentwicklungsziel 12 „Verantwortungsvoller Konsum / technological capacity“ und Nachhaltigkeitsentwicklungsziel 17 „Partnerschaften, um die Ziele zu erreichen / Technology“ & „Systematic issues“ der Agenda 2030). Darüberhinausgehend schafft Freie Software durch die Nachvollziehbarkeit ihrer Funktionalität (überprüfbar durch unabhängige Sachverständige) wichtiges Vertrauen, um die Digitalisierung des Lebensraumes bei uns vor Ort – wie z.B. durch das Projekt Smart City Dortmund angestrebt wird – zu ermöglichen.

Freie Software und Nachhaltigkeit

Freie Software hat eine umfassende Nachhaltigkeitsdimension. In der Publikation des Umweltbundesamtes mit dem Titel Nachhaltige Software werden u.a. Zusammenhänge mit dem Energieverbrauch von Software (Green Software Engineering), den Hardwareanforderungen, der Wiederverwendbarkeit von Software (und damit der Einsparung von Entwicklungsressourcen), dem gesellschaftlich zugänglichem Wissen (in Form von Gemeingütern), Modularität (und der damit verbundenen Anpassbarkeit von Softwarelösungen), sowie zahlreiche weitere positive Auswirkungen auf soziale und wirtschaftliche Organisationsformen beschrieben. In der Publikation wird deutlich, dass eine Grundvoraussetzung für die Nachhaltigkeit von Software ist, dass sie unter einer Freien Lizenz veröffentlicht wird. Freie Software kann daher auch als Beitrag zu den derzeitigen Green-IT-Bestrebungen der Stadt Dortmund verstanden werden.

Do-FOSS möchte für die Nachhaltigkeit Freier Software sensibilisieren und einen Überblick über den Diskussionsstand von Dortmund als einer möglichen Freien-Software-Kommune geben, sowie gemeinsam weitere Strategieüberlegungen anstellen.

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Monday, 05 November 2018

Kooperationen um Offene Kommunen.NRW Institut erweitert

  • Do-FOSS
  • 18:32, Monday, 05 November 2018

Do-FOSS bettet sich weiter in bestehende gesellschaftliche Strukturen ein. Nachdem bereits die Free Software Foundation Europe, die FOSS-AG, der ver.di Bezirk Westfalen, die Document Foundation, digitalcourage, die Open Source Business Alliance und Pauluskirche und Kultur als Kooperationen aufgeführt sind, erweitern wir unser Wissens- und Handlungsnetzwerk um das Offene Kommunen.NRW Institut (OK.NRW).

Das Offene Kommunen.NRW Institut, kurz OK.NRW Institut, setzt sich dafür ein, den Prozess der Offenheit, Zusammenarbeit und Transparenz auf landespolitischer und kommunaler Ebene in NRW voranzubringen und zu gestalten. Das OK.NRW Institut setzt sich für eine zukunftsfähige Gesellschaft ein, die ihre Kraft und Innovationsfähigkeit aus einem Geist der Offenheit und Selbstverantwortung schöpft. Diese Gesellschaft lädt zum Mitmachen ein; sie setzt auf Kooperation und gesellschaftlichen Ausgleich. Der Verein ist eine zivilgesellschaftliche Initiative, die zeigt, dass durch Offenheit positive Veränderung möglich ist. U.a. das Open Government Manifest NRW ist ein wichtiger Beitrag des OK.NRW Instituts, um die Digitalisierung in NRW für Bürgerinnen und Bürger mitbestimmbar zu gestalten. In diesem Sinne organisiert das OK.NRW Institut diverse Veranstaltungen wie die jährlichen Barcamps, ein Konferenzformat, welches zum Abbau von institutionalisierten Wissenshierarchien beiträgt.

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Wednesday, 17 October 2018

Eine Einführung in Freie Software

HTW Dresden

In diesem Wintersemester organisiert die Hochschulgruppe “Freie Software und Freies Wissen Dresden” die Ringvorlesung “Freie Software und Freies Wissen als Beruf” an der HTW Dresden. Im Rahmen dieser Vorlesung wurde ich eingeladen eine Einführung in die Geschichte und Philosophie der Freien Software zu halten. Obwohl die Vorlesung zu später Stunde von 17:00 bis 18:30 stattfand war der Hörsaal gut gefüllt. Schon während des Vortrags wurden viele interessierte Fragen gestellt, welche im Anschluss noch zu weiteren anregenden Diskussionen geführt haben.

Freie Software und Freies Wissen spielen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft eine immer zentralere Rolle. Daher würde ich mir wünschen, dass es solche Vortragsreihen regelmäßig an allen Hochschulen gibt.

Wie man an der Themenliste sieht, gibt es noch viele weitere spannende Vorträge von bekannten Vertretern aus der Freie Software und Freie Wissen Community welche man auf keinen Fall verpassen sollte.


(Dieser Artikel enthält eine Präsentation, hier zu sehen.)

Wednesday, 10 October 2018

Veranstaltungshinweis: Digitale Emanzipation – Open Source als Keimzelle der Mündigkeit?

  • Do-FOSS
  • 20:08, Wednesday, 10 October 2018

Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen

Logo: Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen (© Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen)

Freie Software Thema beim Feierabendtalk bei der Heinrich Böll Stiftung NRW

Am Freitag, den 19. Oktober 2018, ist Do-FOSS von 17:30 Uhr bis 19:30 Uhr bei der Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen für einen Vortrags- und Diskussionsabend zu Gast. Der Einladungstext findet sich im Folgenden. Der Abend wird der Frage nachgehen, warum das Verständnis von Freier Software für die Digitalisierung wesentlich ist. Einen Vorgeschmack auf den Abend gibt ein kurzes Interview mit Christian Nähle von Do-FOSS. Zur Teilnahme an dem Veranstaltungsabend wird um Anmeldung gebeten. Do-FOSS freut sich auf den gemeinsamen Abend bei der Heinrich Böll Stiftung NRW!

Digitale Emanzipation – Feierabendtalk mit Christian Nähle

Open Source als Keimzelle der Mündigkeit

Digitale Keimlinge

Digitale Keimlinge

Microsoft, Apple, Google & Co.: Immer stärker ist unser Nutzer*innenverhalten geprägt durch digitale Dienste. Die voranschreitende Digitalisierung unseres Alltags wirft viele Fragen auf. Folgt ein schrittweiser Verlust der eigenen Mündigkeit und Autonomie? Software gilt für einen Großteil der Bevölkerung als „Black Box“, deren Quellcode nicht einsehbar ist. Dies bietet potenziell Spielraum für negative Folgen im Nutzer*innenverhalten, Missbrauch von Daten und der Privatsphäre.

Bedenklich ist dabei auch, dass ein Großteil der digitalen Infrastruktur eng mit den USA verbunden ist. Welche Leitplanken sollte es geben, damit eine demokratische Gesellschaft auch im digitalen Bereich Mitbestimmungsrechte ausüben kann? Open Source ist ein Ansatz dafür, allen gemeinschaftliche Verfügungsrechte über die gemeinsame Mitwelt zu ermöglichen. Ein freier Zugang zu Informationen schafft mündige Individuen sowie die nötige Transparenz.

FEIERABENDTALK
In unseren Feierabendtalks schaffen wir einen gemütlichen Raum für interessante Gespräche zum Ausklang des Tages. Bei Getränken und in kleiner Runde nähern wir uns spannenden Themen auf Augenhöhe mit eingeladenen Referent*innen und unseren Teilnehmer*innen.

REFERENT
Christian Nähle ist Verwaltungsfachwirt und engagiert sich in der Dortmunder Bürgerinitiative Do-FOSS für den Einsatz freier Software in öffentlicher Verwaltung.

Böll befragt … Christian Nähle

Interview Christian Nähle ist Verwaltungsfachwirt und engagiert sich in der Dortmunder Bürgerinitiative Do-FOSS für den Einsatz freier Software in öffentlicher Verwaltung.

2. Oktober 2018
von Jurij Kas

Warum ist Open Source ein Grünes Thema?

Open Source, also die Quelloffenheit von Informationen, ermöglicht Menschen sich eine Meinung zu bilden. Mündigkeit ist ein Kernbegriff für uns GRÜNE für unsere Vorstellung einer selbstbestimmten Gesellschaft für Alle. Dazu gehört, dass wir verwenden, verstehen, verbreiten und verbessern dürfen, was wir in unserer Mitwelt vorfinden. Politisch gilt es daher allen Menschen gemeinschaftliche Verfügungsrechte über unsere gemeinsame Mitwelt zu ermöglichen. Open Source ist ein Ansatz hierfür. Im Analogen, wie im Digitalen.

Was hat eine voranschreitende Digitalisierung meiner Umwelt für mich zur Folge?

Eine Digitalisierung meiner Umwelt bedeutet zunächst für mich, dass mein Lebensraum mittels digitaler Technik gestaltet und verwaltet wird. Fraglich ist, wie dies abläuft. Wird Technikeinsatz als dienendes Instrument oder als autoritär-administrierende Fernsteuerung konzipiert? Welche Leitplanken sollte es geben damit eine demokratische Gesellschaft auch im Digitalen Mitbestimmungsrechte und Koalitionsfreiheit ausüben kann? Fragen wie diese sind allem Umsetzungseifer voranzustellen.

Worin besteht eine Gemeinsamkeit von Open-Source-Software und Open-Source-Saatgut?

Beide werden als Gemeingut bereitgestellt und genutzt statt als Privateigentum. Die Eigentumsregelung drückt sich durch die jeweilige Lizenz aus mit der Saatgut bzw. Software belegt sind. Open-Source-Saatgut und Open-Source-Software sind tatsächlich frei, d.h. das genetische Erbgut einer Pflanze bzw. der Quelltext einer Software sind eigentumsrechtlich auf niemanden eingeschränkt, womit sie Gemeingut sind und uns allen gehören. Diese Verfügungsrechte sind ein Schlüsselelement für ein selbstbestimmtes Leben.

Tipp: Christian Nähle ist zu Gast bei unserem Feierabend-Talk am 19. Oktober zum Thema „Digitale Emanzipation“ – hier anmelden und mit ihm diskutieren!

Dokument zum Herunterladen

Der Veranstaltungsflyer des Feierabendtalks kann hier heruntergeladen werden.

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Tuesday, 25 September 2018

Exkurs: Stadt Dortmund erntet Open-Source-Saatgut

  • Do-FOSS
  • 20:19, Tuesday, 25 September 2018

Die Open-Source-Tomate

Bild: Die Open-Source-Tomate

Das Prinzip Open Source verbreitert sich bei der Stadt Dortmund

Im Blogbeitrag Exkurs: Saatgut wie Software – eine Frage der Lizenz beleuchtete Do-FOSS die Lizenierungsfrage „Frei oder unfrei?“ anhand eines Vergleichs zwischen Saatgut und Software. Um das Open-Source-Prinzip für Saatgut praktisch anzugehen, hatte sich die Solidarische Landwirtschaft Dortmund (SoLaWi) (weitere Erläuterung s.u.) zum Partner des Open-Source-Prinzips erklärt. Herr Jörg Lüling, Mitglied des Vereinsvorstandes der Dortmunder SoLaWi, hat die Open-Source-Tomaten auf einem Stück Land der SoLaWi gepflanzt, gepflegt und groß gezogen. Nun wurden die Open-Source-Tomaten kürzlich vom Dortmunder Umweltamt geerntet. Auch hierbei hat die SoLaWi maßgeblich unterstützt. Nach der Trocknung des Saatguts wird es demnächst an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger als Gemeingut verteilt.

Im Folgenden findet sich die Pressemitteilung der Stadt Dortmund zur Ernte des Open-Source-Saatguts, zu den Hintergründen und zur Weiterreichung des Saatguts an die Bürgerinnen und Bürger. Do-FOSS freut sich, dass sich die Wahrnehmung für das Prinzip von Open Source bei der Stadt Dortmund verbreitert und praktisch umgesetzt wird.

Pressemitteilung der Stadt Dortmund: Umweltamt erntet und verteilt samenfestes frei nutzbares Saatgut für die Klimafolgenanpassung

Das Team der Koordinierungsstelle für Klimaschutz und Klimaanpassung des Umweltamtes erntet auf dem Acker der Solidarischen Landwirtschaft Kümper Heide Tomatensaatgut, das an Klimaveränderungen angepasst werden kann. Das geerntete Saatgut der samenfesten Tomatensorte „Sunviva“ können Dortmunder nach der Trocknung beim Umweltamt kostenfrei abholen. Es handelt sich dabei um so genanntes „Open-Source“-Saatgut. Das bedeutet, dass das Saatgut frei von privatrechtlichen Schutzrechten ist und frei nutzbar ist.

Start der Verteilung wird noch bekannt gegeben und erfolgt, solange der Vorrat reicht. Mit dieser Aktion unterstützt das Umweltamt Open-Source-Saatgut zum Erhalt der ökologischen Vielfalt und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Klimafolgenanpassung.

Klimawandel fordert Vielfalt im Saatgut

Der internationale Saatgutmarkt wird von immer weniger Unternehmen bestimmt. Da die Saatgutfirmen ihre Züchtungen immer stärker vereinheitlichen, geht die Pflanzenvielfalt stetig zurück. Diese Entwicklung verringert die Fähigkeit der Landwirtschaft, sich an regionale Unterschiede und den Klimawandel anzupassen und macht sie damit auch anfälliger für Umwelteinflüsse. Ökologische Vielfalt ist eine zentrale Grundlage dafür, dass sich Landwirtschaft an den Klimawandel anpassen kann. Dafür leistet das samenfeste Open-Source-Saatgut einen entscheidenden Beitrag zur Klimafolgenanpassung. Durch die aktuelle Entwicklung auf dem Saatgutmarkt ist nicht nur die ökologische Vielfalt, sondern auch unsere Ernährung gefährdet.

Steriles Hybridsaatgut und seine Folgen für Landwirte

Gemüse keimt heutzutage in der Regel von sogenanntem Hybridsaatgut. Für Hybridzüchtungen werden bestimmte Eigenschaften einer Pflanze wie Pflanzengröße, Form und Farbe der Früchte durch Kreuzung von Inzuchtlinien verstärkt. Ein gewünschter Effekt ist, dass die erste Generation überdurchschnittlich gute Ertragsergebnisse liefert. Die Kehrseite ist jedoch, dass die Landwirte das Saatgut aus eigener Ernte nicht verwenden können. Es verliert seine Einheitlichkeit. Manche Pflanzen würden z.B. sehr groß, andere sehr klein. Das bringt enorme Schwierigkeiten für die Weiterverarbeitung und den Verkauf der Ernte mit sich. Zum Teil sind Hybride sogar steril, so dass sie sich gar nicht fortpflanzen können. Zudem dürfen Landwirte das selbst geerntete Saatgut mitunter aufgrund von Lizenzbestimmungen nicht verwenden. Auf diese Weise entsteht neben der ökologischen Verringerung auch eine Abhängigkeit der Landwirte von Saatgutproduzenten, denn das Saatgut muss jedes Jahr neu gekauft werden. Dies trifft sowohl die heimische Landwirtschaft als auch Landwirte in Entwicklungsländern. Die Alternative zu Hybridsaatgut ist samenfestes Saatgut, das nachbaufähig, also fruchtbar ist und in den nächsten Generationen Pflanzen mit den
gleichen Eigenschaften hervorbringt.

Berücksichtigung regionaler und klimatischer Unterschiede

Die in Dortmund auf dem Acker der Solidarischen Landwirtschaft Kümper Heide gesäte Tomatenpflanze „Sunviva“ ist samenfest. Sie ist aber nicht nur aufgrund ihrer Samenfestigkeit, sondern auch wegen ihrer rechtlichen Eigenschaften ein wesentlicher Baustein für die Klimafolgenanpassung. Denn nach ihrer Züchtung wurde die Tomatensorte unter eine Open-Source-Saatgutlizenz gestellt. Anders als bei herkömmlichen Rechten an Saatgut erlaubt diese Art der Lizenz, die Samen frei und kostenlos zu verwenden. Auf diese Weise wird die Verwendung des Saatguts für die Allgemeinheit gesichert. Die Besonderheit ist, dass Landwirte das Saatgut vermehren und für regionale Bedürfnisse weiterentwickeln dürfen. Dabei bleibt es auch in Zukunft frei von Lizenzkosten. Anders als bei globalem Einheitssaatgut großer Konzerne können daher bei Open-Source-Saatgut regionale Unterschiede und klimatische Veränderungen bei der Züchtung und beim Anbau dauerhaft berücksichtigt werden.

Solidarische Landwirtschaft in Dortmund

Als Partner für den Anbau der Open-Source-Tomate „Sunviva“ hat sich die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) Kümper Heide in Dortmund angeboten. Die Grundidee jeder SoLaWi ist, dass sich Landwirte mit Verbrauchern von Anfang an in einer Gemeinschaft zusammentun. So verpflichten die Mitglieder sich im Vorfeld zur Abnahme des Gemüses und finanzieren alles, was für den Anbau notwendig ist, vor. Die Ernte steht allen gleichermaßen zur Verfügung. Somit werden Risiko und Ernte geteilt. Außerdem können alle Mitglieder der Gemeinschaft auf dem Acker mitarbeiten, sich in Arbeitsgruppen und demokratisch in ein Plenum einbringen. Ernährung wird als gemeinschaftliche Aufgabe wahrgenommen.

Saatgut im Umweltamt

Saatgut der Open-Source-Tomate „Sunviva“ und weitere Informationen gibt es bei der Koordinierungsstelle für Klimaschutz und Klimaanpassung des Umweltamtes: Ansprechpartner ist Christian Nähle, Telefon 0231/50–2 87 74, cnaehle@stadtdo.de, www.umweltamt.dortmund.de

Redaktionshinweis:

Dieser Medieninformation hängt eine Pflanzanleitung an: Tomaten selbst zu ziehen ist gar nicht schwer
Kontakt: Heike Thelen

Fotostrecke des Saatgutanbaus

Do-FOSS hat einige Fotos über die SoLaWi erhalten, welche den Saatgutanbau ausschnittsweise dokumentieren.

Fazit

So ähnlich wie Saatgut aus den verschiedensten Zusammenhängen als Gemeingut wahrgenommen werden sollte, ist dies auch bei Software einzuordnen. Software sollte ebenfalls als Gemeingut behandelt werden. Andernfalls werden Menschen Software nicht nach ihren Bedürfnissen verwenden, verstehen, verbreiten oder verbessern können.

Dokumente zum Herunterladen

Die Pressemitteilung der Stadt Dortmund zur Ernte des Open-Source-Saatguts vom 21.09.2018 kann hier und die Pflanzanleitung „Tomaten selbst zu ziehen ist gar nicht schwer“ kann hier heruntergeladen werden.

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Es kann beliebig genutzt, kopiert, verändert und veröffentlicht werden.
Für weitere Informationen zur Lizenz, siehe hier.

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Tuesday, 21 August 2018

Wie unterstützt die Landesre­gierung von Nordrhein-Westfalen Freie Software?

  • Do-FOSS
  • 19:16, Tuesday, 21 August 2018

NRW-Zeichen

Bild: Land NRW

Auskunft der Landesregierung

Die Diskussion um eine Freie-Software-Strategie in der Stadt Dortmund verursachte nicht nur eine breite Medienresonanz, sondern wurde auch im Landtag von Nordrhein-Westfalen wahrgenommen. Aus der Landtagsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN wurde eine entsprechende Kleine Anfrage gestellt, um eine Auskunft der Landesregierung zu Freier Software und Offenen Standards zu erhalten. Do-FOSS freut sich darüber, dass Dortmund als positives Beispiel für eine Diskussion im Landtag dient.

Die Antwort der Landesregierung ist erst einmal aufschlussreich, um eine grobe Vorstellung der Sichtweise der Landesregierung auf Freie Software zu erhalten. Außerdem gibt die Antwort einen Kurzüberblick über die praktische Erfahrung der Landesregierung mit Freier Software. Aus Sicht von Do-FOSS ist besonders hervorzuheben, dass die ministerienübergreifende Antwort vom „Innen- und Digitalisierungsminsterium“ Herstellerunabhängigkeit[1] als positiv einordnet. Ferner werden Offene Standards als unterstützenswert anerkannt.

Anfrage an die Landesregierung im Wortlaut

Kleine Anfrage 1035
des Abgeordneten Matthi Bolte-Richter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wie unterstützt die Landesregierung Freie Software?

Der Verwaltungsvorstand der Stadt Dortmund hat in seiner Sitzung vom 10.04.2018 beschlossen, die Potenziale von Freier Software und Offenen Standards im Bereich der städtischen Informations- und Telekommunikationstechnik zu untersuchen. Die Verwaltung wird den politischen Gremien Ende 2019 einen Ergebnisbericht zum Einsatzpotenzial von Freier Software und Offenen Standards vorlegen. Dortmund ist damit die erste Großstadt in Nordrhein-Westfalen, die die eine systematische Potenzialbetrachtung Freier Software für ihre Verwaltung entwickelt. Die Verwendung von Offenen Standards wurde bereits in der Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030 vereinbart.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

  1. Welche Programme und Konzepte sind der Landesregierung zur Einführung Freier Software auf kommunaler Ebene bekannt?
  2. Durch welche konkreten Maßnahmen unterstützt die Landesregierung die Erstellung von Programmen und Konzepten zur Einführung Freier Software auf kommunaler Ebene?
  3. Beabsichtigt die Landesregierung, den Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich in ähnlicher Weise zu untersuchen?
  4. Welche Potenziale, z.B. durch die Herstellerunabhängigkeit am Softwaremarkt, sieht die Landesregierung für den Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich?
  5. Inwiefern fördert die Landesregierung einen interkommunalen Datenaustausch, der auf Offenen Standards basiert, wie es das E-Government NRW vorsieht?

Matthi Bolte-Richter

Die Antwort der Landesregierung im Wortlaut

Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

Der Minister

12. Juni 2018

Aktenzeichen 2018/03878 (bei Antwort bitte angeben)

Präsidenten des Landtags
Nordrhein-Westfalen
Herrn Andre Kuper MdL
Platz des Landtags 1
40221 Düsseldorf

Kleine Anfrage 1035 des Abgeordneten Matthi Bolte-Richter der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Wie unterstützt die Landesre­gierung Freie Software?“ LT-Drs. 17/2587

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident,

namens der Landesregierung beantworte ich die Kleine Anfrage 1035 im Einvernehmen mit der Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen wie folgt:

  1. Welche Programme und Konzepte sind der Landesregierung zur Einführung Freier Software auf kommunaler Ebene bekannt?
  2. Durch welche konkreten Maßnahmen unterstützt die Landesre­gierung die Erstellung von Programmen und Konzepten zur Ein­führung Freier Software auf kommunaler Ebene?

Die Fragen 1 und 2 werden zusammen beantwortet.

Über den Einsatz von Produkten der Informations- und Telekommunika­tionstechnik einschließlich bestimmter Softwareprodukte entscheiden die Kommunen im Rahmen der ihnen verfassungsrechtlich garantierten kommunalen Selbstverwaltung eigenständig. Der Landesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.

  1. Beabsichtigt die Landesregierung, den Einsatz von Freier Soft­ware und Offenen Standards in ihrem eigenen Zuständigkeitsbe­reich in ähnlicher Weise zu untersuchen?

Es ist aktuell nicht geplant, eine zum Vorhaben der Stadt Dortmund ver­gleichbare Erhebung durchzuführen.
In der überwiegenden Zahl der Behörden und Einrichtungen des Landes wird sowohl freie Software als auch proprietäre Software eingesetzt. Der Schwerpunkt des Einsatzes freier Software liegt dabei im Serverbereich (Betriebssysteme, Webserver für Intranet/Internet, Proxies, DNS-Server, Applikationsserver, Softwareentwicklungsumgebungen, Datenbanken).
Das Land Nordrhein-Westfalen benutzt und entwickelt als Redaktionssys­tem für Internetangebote das Content Management System nrwGOV, eine Distribution der freien Software DRUPAL 8, das wiederum als freie Software veröffentlicht werden soll.

  1. Welche Potenziale, z.B. durch die Herstellerunabhängigkeit am Softwaremarkt, sieht die Landesregierung für den Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in ihrem eigenen Zustän­digkeitsbereich?

Die Landesregierung bewertet den Aspekt der Herstellerunabhängigkeit, der sich durch den Einsatz Freier Software und insbesondere durch die Nutzung offener Standards ergeben kann, positiv. Grundsätzlich erfolgt die Entscheidung für die Auswahl von Softwareprodukten auf der Grund­lage fachlicher Anforderungen – zu denen auch die Unterstützung rele­vanter offener Standards gehört – und unter Berücksichtigung vergaberechtlicher Rahmenbedingungen. Dabei sind bei der Beurteilung der Wirt­schaftlichkeit neben den Lizenzkosten auch die Kosten für die Schulung, die Einführung und die Pflege einer Software zu berücksichtigen.

  1. Inwiefern fördert die Landesregierung einen interkommunalen Datenaustausch, der auf Offenen Standards basiert, wie es das E-Government NRW vorsieht?

Die Landesregierung unterstützt grundsätzlich die Nutzung offener Stan­dards und speziell die Nutzung der XÖV-Standards des IT-Planungsrats für den elektronischen Datenaustausch der öffentlichen Verwaltung. Hierzu beteiligt sich das Land Nordrhein-Westfalen aktiv an der Entwick­lung verschiedener XÖV-Standards. Die XÖV Standards schaffen eine stabile Basis auch für den interkommunalen Datenaustausch.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Andreas Pinkwart

Einschätzung zur Antwort der Landesregierung

Die befürwortende Einschätzung der Landesregierung in Bezug auf Freie Software und Offene Standards ist erfreulich. Ein gezielterer Einsatz von Freier Software und eine Zusammenarbeit mit den Kommunen bieten jedoch weitere Vorteile.

Softwareeinsatz

In Bezug auf den Softwareeinsatz ist hervorzuheben, dass die Landesregierung den Zusammenhang zwischen Herstellerunabhängigkeit und Freier Software sieht und diese Eigenschaft von Freier Software positiv bewertet. Darüber hinaus wird Freie Software von IT.NRW bereits in geschäftskritischen Bereichen eingesetzt (Schwerpunkt im Serverbereich). Jedoch scheint der bisherige Einsatz Freier Software keiner grundlegenden Abwägung zum Softwareeinsatz zu folgen. Do-FOSS sieht neben den in der von der Landesregierung gegebenen Antwort erwähnten Kostenaspekten und vergaberechtlichen Rahmenbedingungen noch weitere qualitative Vorteile durch den Einsatz von Freier Software, welche sich nicht monetär darstellen lassen. Ein Beispiel hierfür sind Aspekte der funktionalen Transparenz und der damit verbundenen IT-Sicherheit. Darüber hinaus kann eine systematische Betrachtung des IT-Einsatzes die langfristige Steuerungsfähigkeit der Kostenstrukturen verbessern. Diese Erkenntnis wird von der Stadt Dortmund mit der Potenzialanalyse zum Einsatz von Freier Software umgesetzt. Eine solche Betrachtung wäre auch auf Landesebene wünschenswert, um zu einer differenzierten Diskussion zu gelangen.

Offene Standards

In Bezug auf Offene Standards liest sich die Antwort der Landesregierung eindeutiger. So werden Offene Standards grundsätzlich unterstützt und als stabile Basis für den interkommunalen Datenaustausch gesehen.

Unterstützung des Landes für Kommunen

Nicht zuletzt macht die Antwort der momentanen Landesregierung deutlich, dass sie kommunale Vernetzung und Wissenstransfer über Einsatzkonzepte Freier Software in der Verantwortung der Kommunen sieht. Die Stadt Dortmund leistet mit der Arbeitsgruppe Freie Software hier entsprechende Vorarbeit.

Weiterhin zeigt die Antwort der Landesregierung, dass es durchaus Synergiepotenziale zwischen Land und Kommunen gibt. Die d-NRW, eine Anstalt des öffentlichen Rechts unter Aufsicht des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, hält zu nrwGOV, dem neuen Content-Management-System des Landes, u.a. fest, dass es als Open-Source-Software den Kommunen in NRW zur Verfügung gestellt werden soll:

Ein Ziel des E-Government-Gesetzes NRW ist die Bereitstellung von Informationen und elektronischer Verfahren, welche zukünftig effizient auf Basis einheitlicher Internetauftritte ermöglicht wird.

Vor diesem Hintergrund stellt der CIO des Landes NRW mit nrwGOV ein gemeinsames Landes-Design und ein einheitliches Landes-CMS (Content Management System) für die Internetauftritte und Portale aller Landesbehörden und Einrichtungen in NRW bereit, über welche der Wiedererkennungswert der einzelnen Internetauftritte erhöht und ein einheitlicher Auftritt aller Landesbehörden im Internet geschaffen wird. Das Landes-CMS soll zudem als Open Source Software allen Kommunen in NRW zur Verfügung gestellt werden. [Hervorh. d. Verf.]

Fazit

Die Antwort der Landesregierung in Bezug auf nrwGOV zeigt: Freie Software ermöglicht Zusammenarbeit sowohl interkommunal als auch zwischen Land und Kommunen. An dieser Stelle lohnt es sich über über neue Kooperationsmöglichkeiten nachzudenken, um die Synergieeffekte durch Freie Software voll ausschöpfen zu können. Insgesamt zeigt sich, dass die Themen Freie Software und Offene Standards von der Landesregierung positiv bewertet werden. Dies sind gute Voraussetzungen dafür, dass eine weitergehende Diskussion zum Thema auf fruchtbaren Boden fällt.

Do-FOSS wird sich weiter dafür einsetzen, dass Freie Software in NRW gefördert wird. Hierfür ist Do-FOSS seit neuestem auch unter FOSS.NRW zu erreichen.

Dokumente zum Herunterladen

Die Kleine Anfrage des Abgeordneten Matthi Bolte-Richter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN kann hier heruntergeladen werden. Die Antwort von Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart kann hier heruntergeladen werden.

[1] Was Herstellerabhängigkeit im Kontext von staatlichen IT-Strukturen bedeutet, wurde auch von der ARD mit dem Beitrag Das Microsoft-Dilemma vom 19.02.2018 gezeigt (vgl. z.B. auch Der Staat in Microsofts Hand, erschienen in Süddeutsche Zeitung, 19.02.2018).

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Saturday, 11 August 2018

FOSS.NRW

  • Do-FOSS
  • 09:34, Saturday, 11 August 2018

NRW-Zeichen

Bild: Land NRW

Do-FOSS mit zusätzlicher Domain

Do-FOSS hat in der Vergangenheit für Freie Software bereits einige Male von der kommunalen auf die Landesebene geschaut z.B. mit den Beiträgen FOSS – Voraussetzung für demokratiekonforme Open-Government-Lösungen? und Freie Software im Koalitionsvertrag von Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus gibt es Vorteile von Freier Software, welche erst durch interkommunale Kooperationen voll ausgeschöpft werden können und manche interkommunale Zusammenarbeit wird durch Freie Software erst umsetzbar.

Do-FOSS hat erkannt, dass es in NRW einen Bedarf der interkommunalen Vernetzung gibt, um lokale Softwareprojekte umsetzen zu können. Daher ist Do-FOSS ab sofort auch unter der Domain FOSS.NRW erreichbar.

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Sunday, 05 August 2018

Toot, toot - softmetz ist jetzt auch bei Mastodon

Join the Federation - Mastodon awaits

Das dezentrale Soziale Netzwerk Mastodon geistert bereits seit einiger Zeit in meinen Kanälen herum. Nun habe ich mich aufgerafft, den neuen heissen Scheiss auszuprobieren. Und ich muss sagen, dass ich begeistert bin.

Die Initiative wurde von Eugen Rochko 2016 gestartet, von da ist es wirklich weit gekommen. Mastodon hat IMHO das Zeug, eine echte Twitter-Alternative zu werden, zumindest abseits von Presse-Bots und Politikern. :-)

Die Benutzeroberfläche ist sehr aufgeräumt, könnte allerdings etwas mehr responsive sein. So verwende ich meinen Browser im Allgemeinen auf einem Bildschirm im Portrait-Modus, was aber dazu führt, dass ich häufig horizontal scrollen muss. Aber das ist schon Jammern auf sehr, sehr hohem Niveau. Es gibt wirklich brauchbare Mobile Clients wie Tusky für Android, der auch im F-Droid-Store angeboten wird.

Aus Sicherheitsaspekten ist die 2-Faktor-Authentifizierung durch die Integration von OTP-Tokens hervorzuheben. Auch sind die Voreinstellungen sehr restriktiv gehalten. Ein DSGVO-Musterwesen, dieses Mastodon.

Twitter habe ich über den Integrationsdienst moa bidirektional angebunden. Das funktioniert richtig gut, wenn auch mit einer kurzen Verzögerung. Leider habe ich für Diaspora, wo ich ja auch noch unterwegs bin, keine fertige Integration gefunden, aber vielleicht ist das ja ein kleines Go-Projekt wert? ;)

Das System basiert auf dem dem ActivityPub-Protokoll sowie dem etwas älterenen OStatus-Protokoll zur Interaktion mit anderen alternativen Diensten wie friendica, die gemeinhin das Fediverse bilden.

Genauso wie Mastodon kann man moa auch selbst hosten, was ich bisher aber nicht tue. Alternativ kann man für Mastodon auch Hosting ab 5€/Monat einkaufen.

Entwickelt wird das Backend mit Ruby-on-Rails und das Frontend mit React.js. Zumindest das Backend lässt sich daher nicht auf jedem beliebigen Shared Hoster betreiben. Mein Hoster uberspace bietet aber auch Rails-Support, vielleicht widme ich dem Thema später nochmal mehr Zeit.

Aktuell bin ich drauf und dran, Mastodon zu meinem primären Social Network zu machen. Es fehlen noch ein paar Leute, die sich nun gern anmelden dürfen.

Wednesday, 01 August 2018

Mein erstes Go-Programm

Ich habe die letzten Tage genutzt mich in die Programmiersprache Go einzuarbeiten.

Nachdem ich vor allem Beispiele abgetippt und mir Fremdcode angeschaut habe, schrieb ich heute mein erstes eigenes Programm. Wenig innovativ handelt es sich um eine Variante von Hello World, wobei ich versucht habe, einige erweiterte Techniken anzuwenden.

Das Programm ist in der Lage abhängig vom Vorhandensein von Kommandozeilenparametern eine von zwei Greeter-Implementierungen zu wählen, die jeweils einen String zurückgeben. Dieser wird dann gefolgt von einem Zeilenumbruch ausgegeben.

Installation von Go

Ich habe zuerst Go 1.10 aus den Paket-Repositories von Archlinux installiert und in der Datei $HOME/.bashrc die Variable $GOPATH auf die Wurzel meiner Go-Repositories gesetzt.

Das erste Programm

Dann habe ich in diesem Verzeichnis die Struktur für mein Programm angelegt:

mkdir -p softmetz.de/hello/greeter

Das Hauptprogramm

In softmetz.de/hello wurde die Datei main.go angelegt:

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package main

import (
        "softmetz.de/hello/greeter"
        "fmt"
)

func main() {

        g := greeter.NewGreeter()
        greeting := g.Greeting()

        fmt.Println(greeting)

}

Das ist die Einstiegsdatei für das Go-Programm. In Go ist es Pflicht, dass diese Dateien im Package main sind.

Der import-Block enthält zwei Einträge. Während fmt aus der Standardbibliothek Funktionen zur Formatierung und Ausgabe von Text bereitstellen, ist softmetz.de/hello/greeter eine Bibliothek, die zum Programm gehört.

Die Funktion main ist dann relativ übersichtlich. Zuerst wird eine Instanz vom Interface Greeter erzeugt. greeter ist dabei das Package der Bibliothek und NewGreeter ist ein Funktion, die die Rolle einer Factory innehält.

Im nächsten Schritt wird die Methode Greeting aufgerufen, welche die Begrüßung als String zurückliefert.

Zuletzt wird die Begrüßung gefolgt vom Umbruch auf der Standardausgabe gedruckt.

Die Bibliothek greeter

Die Bibliothek besteht aus zwei Dateien. Einmal der eigentlichen Implementierung und dann noch einem Test.

Zuerst die Datei greeter.go:

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package greeter

import (
        "log"
        "os"
        "strings"
)

type Greeter interface {
        Greeting() string
}

type DefaultGreeter struct{}

func (g *DefaultGreeter) Greeting() string {
        return "Hello World!"
}

type OsArgsGreeter struct{}

func (g *OsArgsGreeter) Greeting() string {
        params := strings.Join(os.Args[1:], " ")
        return "Hello " + params + "!"
}

func NewGreeter() Greeter {

        switch {
        case len(os.Args) > 1:
                log.Printf("Creating OsArgsGreeter")
                return &OsArgsGreeter{}
        default:
                log.Printf("Creating DefaultGreeter")
                return &DefaultGreeter{}
        }

}

Diesmal entspricht der Package-Name greeter dem Namen der Bibliothek. Es werden die Bibliotheken log, os und strings aus der Standard-Bibliothek von Go importiert.

In Zeile 9 wird das Interface Greeter erstellt. Dieses hat eine Methode Greeting, welche einen String liefert. Go spricht selbst davon, dass es gleichzeitig eine objektorientierte Programmiersprache ist und auch wieder nicht. Das wird unter anderem daran deutlich, dass es möglich ist, mit Interface Polymorphismus zu realisieren, aber das Konzept von Klassen und Vererbung in Go nicht existiert. Stattdessen wird auf Aggregation und Komposition gesetzt.

In den Zeilen 13 bis 17 wird DefaultGreeter implementiert. Auffällig ist, dass nirgends auf Greeter verwiesen wird. In Go wird ein Interface von allen Typen implementiert, die dem Interface entsprechen, also dessen Funktionen mit den gleichen Parametern und Return-Werten enthält. Damit ist der DefaultGreeter geeignet, die Rolle eines Greeter zu vertreten. In diesem Zusammenhang ist noch wichtig, dass Methoden zu Typen nicht innerhalb der geschweiften Klammern der Typ-Defintion implementiert werden, sondern ausserhalb. Das ist so ähnlich wie in C++, wo die Klasse im Header definiert wird und die Methoden dann in der C++-Datei implementiert werden. Das Konzept von this sowie die Verknüpfung zur klasse wird über die erste Klammer in Zeile 15 gesteuert. In diesem Fall ist der DefaultGreeter als g in der Methode erreichbar.

Die zweite Implementierung von Greeter ist OsArgsGreeter. Diese hängt an ein freundliches “Hello” alle Parameter gefolgt von einem Ausrufzeichen an. Die Kommandozeilenparameter bekommt man in Go über das Array/Slice os.Args. Hier ist zu beachten, dass der erste Parameter der Name des Programms ist, also in Etwa wie bei Bash, wo ja $0 auch der Name des Skripts ist und der erste Parameter $1.

Ab Zeile 26 kommt dann die Factory-Methode, die auch in main.go schon bemüht wurde. Darin steckt ein Switch-Konstrukt, welches die Bedingungen in case-Blöcken prüft. Trifft keine Bedingung zu, wird der default-Block ausgeführt. Bei Go muss man keine break-Anweisungen verwenden, das Konzept des “Durchfallens” existiert nicht.

Testen muss sein

Last but not least braucht ein komplexes Programm natürlich auch Testfälle. Go bringt mit go test und der testing-Bibliothek ein eigenes Testframework mit.

Der Code liegt in einer Datei, die *_test.go heisst, in diesem Fall greeter_test.go:

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package greeter_test

import (
        "os"
        "softmetz.de/hello/greeter"
        "testing"
)

func TestDefaultGreeter(t *testing.T) {

        expected := "Hello World!"
        os.Args = []string{}

        g := greeter.NewGreeter()
        actual := g.Greeting()

        if actual != expected {
                t.Errorf("Test failed, expected: %s, got: %s", expected, actual)
        }

}

func TestOsArgsGreeter(t *testing.T) {

        expected := "Hello foo bar!"
        os.Args = []string{"", "foo", "bar"}

        g := greeter.NewGreeter()
        actual := g.Greeting()

        if actual != expected {
                t.Errorf("Test failed, expected: %s, got: %s", expected, actual)
        }

}

Das Package lautet diesmal greeter_test. Das ist keine Regel, aber ich habe es so aus den Testfällen der Go-Standardbibiliothek übernommen.

Der Import-Block ab Zeile 3 importiert wieder os und die greeter-Bibliothken. Außerdem wird das Test-Framework testing eingebunden.

Testfälle liegen in Methoden, die Test...(t *testing.T) heissen. Ganz wichtig ist, dass in diesem Framework nur Fehlersituationen betrachtet werden, es gibt keinAssert` oder ähnliche Konzepte.

Die Tests sollten relativ selbsterklärend sein. Hervorzuheben sind lediglich die Zeilen 12 und 26 verdienen Erklärung. Wie oben schon beschrieben, schreibt Go in das Array os.Args alle Kommandozeienparameter. Da es sich um ein normales Array handelt und nicht etwa um eine Methode, kann es von überall überschrieben werden. Für den Test ist es super, aber ich stelle mir gerade vor was passiert, wenn eine Bibliothek die Parameter modifiziert und damit z.B. Sicherheitsfeatures abschaltet.

Fazit

Go ist eine sehr interessante Sprache und ich plane damit noch mehr zu machen als dieses kleine Programm. Insbesondere interessiert es mich, inwieweit sich Go für Webanwendungen eignet, die sich einfach selbst hosten lassen um damit zu helfen, Silos aufzubrechen.

Das Testframework ist auf den ersten Blick etwas rudimentär, z.B. finde ich t.Errorf("Test failed, expected: %s, got: %s", expected, actual) sehr redundant, bei JUnit gibt es da mehr out of the box. Es gibt wohl auch schon erste Aufsätze auf das Basis-Testing. Mal schauen.

Ansonsten lese ich gerade noch Go at Google: Language Design in the Service of Software Engineering worin die Designentscheidungen dargelegt werden.

Tuesday, 31 July 2018

Mehr Dortmunder Engagement für Freie Software: Die FOSS-AG stellt sich vor

  • Do-FOSS
  • 15:28, Tuesday, 31 July 2018

Gastbeitrag der FOSS-AG

Die FOSS-AG Dortmund ist eine offene, studentische Arbeitsgemeinschaft der Fachschaft Informatik der TU Dortmund. Wir verschreiben uns der Verbreitung von Wissen über Freie und Quelloffene Software und deren Nutzung. FOSS steht für Free and Open Source Software und ist deswegen auch Teil unseres Namens. Die FOSS-AG wurde im Sommer 2016 gegründet und besteht mittlerweile aus diversen festen Mitgliedern. Die wöchentlichen Treffen sind offen und wir freuen uns über tatkräftigen Zuwachs.

Ein Großteil der Arbeit der AG besteht aus Vorträgen und Workshops, welche von aktiven Mitgliedern und Gästen organisiert und gehalten werden. Auch die Orientierungsphasen für die neuen Erstsemester der Fachschaft werden von der FOSS-AG durch Linux-Workshops unterstützt. Wir unterstützen die Verbreitung und Nutzung Freier Software nicht nur an der Universität, sondern organisieren auch Hackathons oder Programmierkurse für Kinder an Schulen. Aus diesen Initiativen entstand mit freundlicher Unterstützung des PING e.V. in Dortmund-Eichlinghofen der Hack’n’Snack. Beim Hack’n’Snack werden monatlich technische Vorträge und Workshops gehalten, um diese einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Unsere Motivation und das Ziel unseres Engagements ist nicht auf Fortbildung beschränkt, sondern wir werden durch die politische Grundüberzeugung getragen, dass Wissen frei verfügbar sein sollte. Deshalb unterstützen wir als FOSS-AG offene Softwarekonzepte. Wir glauben fest daran, dass der Zugang zu Freiem Wissen, die Unabhängigkeit von Softwaremonopolen und die Etablierung offener Standards wichtige Grundpfeiler einer gleichberechtigten digitalen Gesellschaft sind.

Wir freuen uns gemeinsam mit Do-FOSS Freie Software in Dortmund voranzubringen! Als weiteren Beitrag hierzu, überlegen wir als FOSS-AG einen Freien-Software-Uni-Stickähnlich dem Konzept der Initiative FSFW Dresden — für unsere Kommilitoninnen und Kommilitonen zu erstellen, um den Kontakt zu Freier Software im universitären Umfeld frühzeitig zu fördern.

Wer sich einen weiteren Eindruck von der FOSS-AG verschaffen möchte, kann sich ein ca. 23-minütiges Interview mit Mitgliedern der FOSS-AG bei eldoradio, dem Campusradio für Dortmund anhören. Weiterhin können Interessierte uns kontaktieren und unsere Arbeit stets aktuell über unseren Twitteraccount sowie auf diversen weiteren Kanälen verfolgen.

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Sunday, 22 July 2018

Kooperationen um die FOSS-AG erweitert

  • Do-FOSS
  • 15:09, Sunday, 22 July 2018

Do-FOSS bettet sich weiter in bestehende gesellschaftliche Strukturen ein. Nachdem bereits die Free Software Foundation Europe, der ver.di Bezirk Westfalen, die Document Foundation, digitalcourage, die Open Source Business Alliance und die Pauluskirche und Kultur als Kooperationen aufgeführt sind, erweitern wir unser Wissens- und Handlungsnetzwerk um die FOSS-AG – Free & Open Source Software AG. Den Leserinnen und Lesern dieses Blogs ist die FOSS-AG bereits durch ihre Unterstützung des Gemeingütertages in der Pauluskirche bekannt.

Die FOSS-AG ist eine studentische AG der Fachschaft Informatik der Technischen Universität Dortmund. Seit 2016 setzt sie sich für die Aufklärung über und Verbreitung von freier Software ein. Dies geschieht im Rahmen von Workshops, Diskussionsrunden und Themenabenden. Durch die Wahl verschiedenster Veranstaltungsorte und ein stets kostenfreies Angebot wird versucht ein möglichst breites Spektrum der Gesellschaft anzusprechen. Neben den zahlreichen Projekten bietet sie zudem das Hack’n’Snack an – ein monatliches Format, dass sich an jedem Termin einem speziellem Thema widmet.

CC0
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Thursday, 05 July 2018

Hugo Site mit Gitlab deployen

Wie ich in einem Blog schrieb, wird diese Seite nun mit dem statischen Site-Generierer Hugo erstellt.

Das Schreiben geht leicht von der Hand, aber vor der Veröffentlichung sind noch einige Schritte nötig. Diese habe ich nun mit gitlab-ci auf gitlab.com automatisiert. Jeder Push ins Repository baut die Seite neu und überträgt die Änderungen auf meinen Webspace bei uberspace.

Die Vorlage für meine Umsetzung fand ich in diesem Blog der aber schon ein bisschen älter ist, so dass ich einige Anpassungen vornehmen musste. Genug Vorgeplänkel. Los geht’s.

Gitlab.com ist das Clound-Angebot der gleichnamigen Firma. Dort kann sich jede® einen Account anlegen. Im Gegensatz zu ähnlichen Anbietern wie Microsoft Github, kann man auch im freien Paket private Repositories anlegen. Außerdem ist Gitab Community-Edition Freie Software. Alle diese Schritte lassen sich also auch dort nachvollziehen.

Gitlab-ci ist ein Build-Runner, der Jobs ausführt, die jeweils in einem Docker-Container isoliert ausgeführt werden. Die Jobs werden von einer Pipeline koordiniert, die durch einen Push ausgelöst wird.

Die Hugo-Site wird in ein neues Repository eingecheckt. Das Theme sollte als git-Modul eingebunden werden.

.gitlab-ci.yml

Zusätzlich wird die Datei .gitlab-ci.yml auf der obersten Ebene des Repositories benötigt:

stages:
  - build
  - deploy
build:
  stage: build
  image: registry.gitlab.com/softmetz/softmetz.de-ci-build-hugo
  script:
  - git submodule update --init --recursive
  - hugo -b "${BLOG_URL}"
  artifacts:
    paths:
    - public
  expire_in: 1 hour
  only:
  - master
deploy:
  stage: deploy
  image: registry.gitlab.com/softmetz/softmetz.de-ci-deploy-rsync-ssh
  script:
  - echo "${SSH_PRIVATE_KEY}" > id_rsa
  - chmod 700 id_rsa
  - mkdir "${HOME}/.ssh"
  - echo "${SSH_HOST_KEY}" > "${HOME}/.ssh/known_hosts"
  - rsync -at --quiet --delete --delete-delay --delay-updates --exclude=_ --include=.well-known -e 'ssh -i id_rsa' public/ "${SSH_USER_HOST_LOCATION}"
  variables:
    GIT_STRATEGY: none
  only:
  - master

Der Abschnitt

stages:
  - build
  - deploy

bestimmt, dass die Pipeline aus zwei Stages besteht, build und deploy. Den Stages können dann Jobs zugeordnet werden, die stage-weise nacheinander, aber in der Stage parallel laufen. In diesem Fall gibt es zwei Stages und zwei Jobs, je stage einer.

Der Job build

Das Bauen der Hugo-Site übernimmt der Job namens “build”:

build:
  stage: build
  image: registry.gitlab.com/softmetz/softmetz.de-ci-build-hugo
  script:
  - git submodule update --init --recursive
  - hugo -b "${BLOG_URL}"
  artifacts:
    paths:
    - public
    expire_in: 1 hour
  only:
  - master

Die beschriebenen Schritte werden in einem Docker-Container namens registry.gitlab.com/softmetz/softmetz.de-ci-build-hugo ausgeführt.

Gitlab-ci checkt im Standard das Repository an einem festen Pfad aus und wechselt dann in diesem Verzeichnis. Im ersten Schritt werden dann die git-Submodule aktualisiert. Dadurch wird das Theme initial geklont oder aktualisiert.

Der zweite Schritt ist dann der eigentliche Hugo-Lauf. In diesem Fall wird mit -b ein Base-URL für die Seiten angegeben. Das Ergebnis wird in das Verzeichnis public geschrieben.

Der Abschnitt

  artifacts:
    paths:
    - public
    expire_in: 1 hour

sorgt nun für den Austausch der Daten zwischen den beiden Jobs build und deploy. Dabei muss bedacht werden, dass die Jobs wirklich von zwei verschiedenen Docker-Instanzen ausgeführt werden, die im Normalfall auch auf verschiedenen Host-Systemen laufen. Die Brücke stellt ein Artifact-Server dar, der die Daten entgegen nimmt.

Abschließend sagt

  only:
  - master

noch, dass der Job nur für den Branch master ausgeführt wird. Andere Tags oder Branches werden ignoriert.

Der Job deploy

Nach dem Ende des Jobs Build liegt die generierte Seite im Cache. Im nächsten Schritt muss sie auf den Webspace gebracht werden. Wieder der Code im Überblick:

deploy:
  stage: deploy
  image: registry.gitlab.com/softmetz/softmetz.de-ci-deploy-rsync-ssh
  script:
  - echo "${SSH_PRIVATE_KEY}" > id_rsa
  - chmod 700 id_rsa
  - mkdir "${HOME}/.ssh"
  - echo "${SSH_HOST_KEY}" > "${HOME}/.ssh/known_hosts"
  - rsync -at --quiet --delete --delete-delay --delay-updates --exclude=_ --include=.well-known -e 'ssh -i id_rsa' public/ "${SSH_USER_HOST_LOCATION}" 
  variables:
    GIT_STRATEGY: none
  only:
  - master

Wieder wird ein Docker-Image referenziert, diesmal registry.gitlab.com/softmetz/softmetz.de-ci-deploy-rsync-ssh. Dieses stellt das Programm rsync und ssh zur Verfügung.

Da der Container immer wieder neu erstellt wird, müssen einige Vorarbeiten gemacht werden.

Der Abschnitt

  - echo "${SSH_PRIVATE_KEY}" > id_rsa
  - chmod 700 id_rsa
  - mkdir "${HOME}/.ssh"
  - echo "${SSH_HOST_KEY}" > "${HOME}/.ssh/known_hosts"

kopiert einen SSH-Private-Key (auf keinen Fall einen dedizierten nehmen, nicht den eigenen der noch außerhalb des Webspace verwendet wird) in die Datei id_rsa und passt die Berechtigungen an. Dann wird noch der Host-Key des Webspace-Servers in die Datei `${HOME}/.ssh/known_hosts eingefügt. Dies ist nötig, damit ssh nicht mit der Meldung abbricht, dass der Benutzer den Host-Key bestätigen muss.

Die eigentliche Arbeit passiert dann in

  - rsync -at --quiet --delete --delete-delay --delay-updates --exclude=_ --include=.well-known -e 'ssh -i id_rsa' public/ "${SSH_USER_HOST_LOCATION}"

-atz verarbeitet den Dateibaum rekursiv im Archiv-Modus. --delete löscht auf der Gegenseite Dateien, die an der Quelle existieren. --delete-delay und --delay-updates optimieren die Reihenfolge der Operationen und beschleunigen so den Transfer. -e 'ssh -i id_rsa' legt fest, dass der SSH-Private-Key von eben verwendet wird. Im Kern wird dann das Verzeichnis public/ nach ${SSH_USER_HOST_LOCATION} übertragen.

Da der Source-Code nicht mehr benötigt wird, sparen wir uns mit dem folgenden Ausdruck den Checkout:

  variables:
    GIT_STRATEGY: none

Die Repository-Konfiguration

Gerade im zweiten Job wird viel mit Variablen gemacht. Wo kommen diese Variablen her? Sie werden im Gitlab-Frontend hinterlegt.

Wenn man sich auf der Hauptseite des Projekts befindet, wechselt man in Settings und dann nach CI/CD.

In der Sektion Variables können schließlich die Variablen hinterlegt werden:

Gitlab Variablen

  • BLOG_URL: Die URL, unter der die Seite läuft. Bei mir https://softmetz.de
  • SSH_HOST_KEY: Der Host-Key vom Webspace
  • SSH_PRIVATE_KEY: Der SSH-Private-Key (Nimm einen eigenen für den Job, nicht den üblichen)
  • SSH_USER_HOST_LOCATION: Der Komplette Zielpfad, inkl. User, Host und Verzeichnis, also user@example.com:/path/to/docroot

Wenn die Variablen gespeichert wurden und ein Push ins Repo gemacht wird, sollte jetzt eigentlich alles funktionieren. Das liegt daran, dass ich die Docker-Images bereits gebaut habe. Aber natürlich kann man sich die selbst erstellen, Sicherheit, Vertrauen und so.

Das Hugo-Docker-Image

Das Docker-Image für Hugo wird mit folgendem Dockerfile erstellt:

FROM alpine:3.7

RUN apk add --update \
      git && \
    rm -rf /var/cache/apk/*

ENV HUGO_VERSION 0.42.2
ENV HUGO_RESOURCE hugo_${HUGO_VERSION}_Linux-64bit

ADD https://github.com/gohugoio/hugo/releases/download/v${HUGO_VERSION}/${HUGO_RESOURCE}.tar.gz /tmp/

RUN mkdir /tmp/hugo && \
    tar -xvzf /tmp/${HUGO_RESOURCE}.tar.gz -C /tmp/hugo/ && \
    mv /tmp/hugo/hugo /usr/bin/hugo && \ 
    rm -rf /tmp/hugo*

Das ganze basiert auf alpine-Linux, einer sehr kleinen Linux-Distribution.

RUN apk add --update \
      git && \
    rm -rf /var/cache/apk/*

installiert git aus den Paketquelle von alpine.

ENV HUGO_VERSION 0.54.0
ENV HUGO_RESOURCE hugo_${HUGO_VERSION}_Linux-64bit

ADD https://github.com/gohugoio/hugo/releases/download/v${HUGO_VERSION}/${HUGO_RESOURCE}.tar.gz /tmp/

Legt fest, welche Version von Hugo verwendet werden soll und lädt die von Microsoft Github herunter. Das Archiv landet in /tmp.

RUN mkdir /tmp/hugo && \
    tar -xvzf /tmp/${HUGO_RESOURCE}.tar.gz -C /tmp/hugo/ && \
    mv /tmp/hugo/hugo /usr/bin/hugo && \ 
    rm -rf /tmp/hugo*

schließlich kopiert hugo an die richtige Stelle und löscht Altlasten.

Das Image wird mit

docker build -t repository/image:latest 

gebaut und mit

docker push repository/image:latest

veröffentlich.

Wie ich inzwischen herausgefunden habe, kann man auf Gitlab.com sogar Docker-in-Docker verwenden, um Docker-Images zu bauen. Dafür verwende ich folgendes .gitlab-ci.yml:

image: docker:latest

services:
  - docker:dind

stages:
- build

variables:
  DOCKER_IMAGE_TAG: registry.gitlab.com/softmetz/softmetz.de-ci-build-hugo

before_script:
  - echo $CI_BUILD_TOKEN | docker login --username gitlab-ci-token --password-stdin registry.gitlab.com

build:
  stage: build
  script:
    - docker build --pull -t $DOCKER_IMAGE_TAG .
    - docker push $DOCKER_IMAGE_TAG

Das rsync-Docker-Image

Analog wird mit dem zweiten Images verfahren. Hier das Dockerfile:

FROM alpine:3.7

RUN apk add --update \
      openssh \
      rsync && \
    rm -rf /var/cache/apk/*

Analog gibt es nun folgendes .gitlab-ci.yml:

image: docker:latest

services:
  - docker:dind

stages:
- build

variables:
  DOCKER_IMAGE_TAG: registry.gitlab.com/softmetz/softmetz.de-ci-deploy-rsync-ssh

before_script:
  - echo $CI_BUILD_TOKEN | docker login --username gitlab-ci-token --password-stdin registry.gitlab.com

build:
  stage: build
  script:
    - docker build --pull -t $DOCKER_IMAGE_TAG .
    - docker push $DOCKER_IMAGE_TAG

Das ganze sollte nach dem vorherigen Abschnitt selbsterklärend sein.

Fazit

Gitlab und Gitlab-ci sind richtig cool und nach etwas Lernen geht die Benutzung ganz einfach von der Hand. Die Automatisierung spart pro Änderung an der Seite 5 bis 10 Minuten manuelle Arbeit, Zeit die mir zum Schreiben von solchen schönen Anleitungen bleibt. :-)

Updates:

2019-02-01

  • Microsoft Github bietet inzwischen auch kostenlose private Repositories, frei ist es aber immer noch nicht.
  • Bei rsync wurde –delete-delay und –delay-updates eingefügt.
  • Der Cache in .gitlab-ci.yml wurde durch Artefakte ersetzt.
  • Hugo Version auf 0.54.0 geändert.
  • gitlab-ci.yml-Dateien für die Docker-Images hinzugefügt.

Sunday, 10 June 2018

Veranstaltungserinnerung: Gemeingütertag in Dortmund am 6. und 7. Juli 2018

  • Do-FOSS
  • 13:54, Sunday, 10 June 2018

Programmpunkte zu Freier Software konkretisiert

Logo Gemeingütertag Pauluskirche und Kultur

Bild: Gemeingütertag Pauluskirche und Kultur

Wie im vorstehenden Blogbeitrag angekündigt, wird Freie Software beim Dortmunder Gemeingütertag – Commons, Nachhaltigkeit und Klima am 6. und 7. Juli 2018 Teil des Gesamtprogramms sein. Nun wurden die Programmpunkte des Freien-Software-Workshops vom Veranstalter konkretisiert. Do-FOSS freut sich, dass Freie Software sehr breit am Gemeingütertag aufgestellt sein wird. Hierfür gilt der FOSS-AG – Free & Open Source Software AG der Fachschaft Informatik der TU Dortmund und Reiner Bock besonderer Dank, denn sie engagieren sich in origineller Weise intensiv für die Mitorganisation des Gemeingütertages!

Das umfangreiche Programm des Gemeingütertages findet sich hier.

Freie Software beim Gemeingütertag – Programmauszug

Freie-Software-Workshop
13:00 Uhr – 17:00 Uhr, Kirchenvorraum, Kirchenschiff und Eingangsraum Südwest
(Zugänge durch den Kirchgarten)

  • Do-FOSS, die Bürgerinitiative für den Einsatz Freier und Quelloffener Software (Free and Open Source Software, kurz FOSS) bei der Stadt Dortmund (Do-FOSS, Denis Kurz)
  • Einführung in die Nutzung Freier Software: Reiner Bock
    • Hier erhalten (neue) Anwenderinnen und Anwender Freier Software eine Einführung in den Alltagsgebrauch ihres (befreiten) Computers. Dabei liegt der Fokus auf der GNU/Linux Distribution (L)Ubuntu, die sehr leicht zu installieren und zu warten ist und auch Computerlaien den Genuss einer Vielzahl Freier und Quelloffener Anwendungsprogramme ermöglicht, die (fast) keine Wünsche offenlassen.
      • besonderes Thema im Eingangsraum Südwest:
        • 14:00 – 16:00 Uhr Gimp Workshop für 6 – 8 Personen
  • FOSS-AG – Free & Open Source Software AG der Fachschaft Informatik der TU Dortmund (FOSS-AG)
    • Kirchenschiff:
      • 13:00 – 17:00 Uhr Informationsstand zur FOSS-AG
      • 13:00 – 17:00 Uhr Informationsstand zu Open Knowledge („Freies Wissen“)
    • Eingangsraum Südwest:
      • 13:00 – 14:00 Uhr offene Linux Demo Station: verschiedene Distributionen stehen zum Probieren bereit, ausgestattet mit OS Software
      • 16:00 – 17:00 Uhr offene Linux Demo Station: verschiedene Distributionen stehen zum Probieren bereit, ausgestattet mit OS Software
    • Kirchenvorraum:
      • 13:00 – 17:00 Uhr Informationsstand PING e.V.
      • 13:00 – 17:00 Uhr OpenStreetMap Demo Station
      • 13:00 – 14:00 Uhr Raspberry Pi Demo Station mit Python, Minecraft und Scratch
      • 14:00 – 17:00 Uhr Raspberry Pi Workshop für Kinder (maximal 3 Kinder), alternativ Raspberry Pi Demo Station, je nach Nachfrage
    • über die FOSS-AG:
      • Vor ca. 2 Jahren gründete sich die FOSS-AG (Free and Open Source Software-AG) in den Räumlichkeiten der Informatik Fachschaft an der TU Dortmund.
        Ein Großteil der Arbeit der AG besteht aus Vorträgen und Workshops, welche von aktiven Mitgliedern und Gästen organisiert und gehalten werden. Auch die Orientierungsphasen für die neuen Erstsemesterinnen und -erstsemester der Fachschaft werden von der FOSS-AG unterstützt.
        Die Motivation und das Ziel des Engagements der FOSS-AG ist nicht nur die Fortbildung der eigenen Mitglieder, sondern auch die freie Verfügbarkeit von Wissen und die Unterstützung offener Softwarekonzepte. Die Mitglieder der FOSS-AG glauben fest daran, dass der Zugang zu freiem Wissen, die Etablierung offener und freier Standards und die Unabhängigkeit von Softwaremonopolen wichtige Grundpfeiler einer modernen, zukunftsgerichteten Gesellschaft sind.
  • PING e.V. – Verein zur Förderung der privaten Internet Nutzung (PING e.V.)
    • Der PING e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der 1994 in Dortmund gegründet wurde, um Privatpersonen das Internet und damit verbundenen Technologien zu vermitteln und zur Verfügung zu stellen. PING bietet aktuell praktische Workshops zum Umgang mit freier Software und Hardware für Kinder und Jugendliche an. Im Mittelpunkt stehen verschiedene Lötworkschops, RaspberryPI-Projekte, Linux, Calliope, Pythonprogrammierung, Minecraft und vieles mehr.
  • besondere Hinweise:
    • Digitale Nachhaltigkeit (Digitale Nachhaltigkeit (Initiative), Digitale Nachhaltigkeit (Wikipedia))
      • „Denn jede Sache, die durch Weitergabe an andere nicht weniger wird, besitzt man nicht so wie man soll, solange sie nur besessen und nicht weitergegeben wird.“ (Augustinus von Hippo, De doctrina Christiana, I, 1 (397 n. Chr.))
      • „Uneigennützig lernte ich, und neidlos gebe ich weiter; den Reichtum der Weisheit behalte ich nicht für mich. Ein unerschöpflicher Schatz ist sie für die Menschen; alle, die ihn erwerben, erlangen die Freundschaft Gottes.“ (Weisheit 7,13-14)
    • Linux User im Bereich der Kirchen e.V. (LUKI e.V.)
      • Jesus würde Linux nutzen!
        Wir sind eine Initiative von kirchlich (hauptberuflich/ehrenamtlich) engagierten Linuxern aus dem deutschen Sprachraum, die Linux und Freie Software auch in der IT-Landschaft der Kirchen etablieren möchten.

Weitere Informationen zum Gemeingütertag

Hier gibt es den Flyer zum Gemeingütertag (mit Hintergrunderläuterungen), das Programm des Gemeingütertages am 6. und 7. Juli (mit vielen Details), sowie den gesonderten Hinweis auf das Gemeingütertages-Konzert am 6. Juli. Der Gemeingütertag ist eine Veranstaltung der GEMEINGÜTER-Initiative von Pauluskirche und Kultur.

Der Gemeingütertag findet in und um die Pauluskirche (Schützenstr. 35, 44147 Dortmund) statt:

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Soweit im gesetzlichen Rahmen möglich verzichtet der Autor auf alle Urheber- und damit verwandten Rechte an diesem Werk.
Es kann beliebig genutzt, kopiert, verändert und veröffentlicht werden.
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Thursday, 31 May 2018

'Wie Nextcloud Merkel vor Trump beschützt' - Oder wie eine freie, selbst gehostete Cloud deine Daten schützt

Auf der diesjährigen No-Spy Konferenz werde ich einen Vortrag mit dem etwas provokanten Titel: “‘Wie Nextcloud Merkel vor Trump beschützt’ - Oder wie eine freie, selbst gehostete Cloud deine Daten schützt” halten. Worum soll es dabei genau gehen?

Spätestens seit Snowden wissen wir das Geheimdienste auf der ganzen Welt unsere Daten sammeln und analysieren. Seit dem Facebook-Cambridge-Analytica-Skandal wissen wir auch das Unternehmen unsere privatesten Daten schamlos sammeln, auswerten und sowohl für kommerzielle als auch für politische Zwecke verwenden. Während man das alles vor ein paar Jahren noch als wilde Verschwörungstheorie abtun hätte können, kann heute niemand mehr ernsthaft behaupten nicht zu wissen was mit unseren Daten bei Facebook, Google, Microsoft und anderen passiert. Wie können wir uns dagegen schützen? Vor dieser Frage stehen nicht nur Privatpersonen sondern auch viele Unternehmen und Organisationen. Eine sinnvolle Maßnahme besteht darin, nicht länger alle Daten in wenigen großen Datensilos aufzubewahren sondern auf dezentrale, selbst gehostete Lösungen zu setzen. Sind diese dann auch noch Freie Software und basieren auf Offene Standards, hat man alle was man braucht um eine sichere und nachhaltige Cloud Plattform aufzubauen. Von der Bundesregierung, über Universitäten und internationale Unternehmen bis hin zu zahlreiche Privatpersonen, ergreifen immer mehr genau diese Möglichkeit mit Nextcloud. Was bringt Nextcloud alles mit um unsere Daten nachhaltig zu schützen, dieser Frage wollen wir nachgehen.

Das sind die Folien dazu:


(Dieser Artikel enthält eine Präsentation, hier zu sehen.)

Thursday, 10 May 2018

Gemeingütertag in Dortmund am 6. und 7. Juli 2018

  • Do-FOSS
  • 20:37, Thursday, 10 May 2018

Freie Software mit verschiedenen Programmpunkten dabei

Logo Gemeingütertag Pauluskirche und Kultur

Bild: Gemeingütertag Pauluskirche und Kultur

Do-FOSS war bei unserem Kooperationspartner der Dortmunder Pauluskirche Impulsgeber der Veranstaltungsreihe Wer verfügt darüber? im Rahmen des Reformationsjubiläums 2017. Die Themenabende in der Pauluskirche behandelten den Zugang und die Verfügungsrechte zu lebensnotwendigen Grundgütern. Do-FOSS selbst hat mit dem Vortrag Der digitale Lebensraum – Wer bestimmt? einen Abend zu Freie Software gestaltet.

Aus der Veranstaltungsreihe hat sich der nun der Gemeingütertag – Commons, Nachhaltigkeit und Klima entwickelt. Hierzu mehr aus der Programmankündigung:

Der Gemeingütertag besteht aus einem facettenreichen Programm mit vielen Organisationen und Initiativen – diese bieten: Informationsstände rund um die Kirche, Mitmachaktionen, Vorträge, Themenforen, Gesprächskreise, Workshops, Kultur, sowie Essen und Trinken, Shops und vieles mehr.

Bereits am Freitag [Abend — Anm. d. Verf.], den 6. Juli 2018 gibt es ein Auftaktkonzert zum Gemeingütertag. Es wird ein Konzert ohne Eintrittsgeld. Alle können entscheiden was sie geben möchten und den entsprechenden Betrag in einen Hut legen. Kultur ist für Alle!

Das Programm des Gemingütertags deckt also ein vielfältiges Spektrum an Themen ab. Auch das Thema Freie Software wird mit mehreren Programmpunkten vertreten sein:

Freie-Software-Workshop
13:00 Uhr – 17:00 Uhr, im Eingangsraum Südwest

  • Do-FOSS, die Bürgerinitiative für den Einsatz Freier und Quelloffener Software (Free and Open Source Software, kurz FOSS) bei der Stadt Dortmund (Do-FOSS, Denis Kurz; http://do-foss.de)
  • Einführung in die Nutzung Freier Software: Reiner Bock
    • Hier erhalten (neue) Anwenderinnen und Anwender Freier Software eine Einführung in den Alltagsgebrauch ihres (befreiten) Computers. Dabei liegt der Fokus auf der GNU/Linux Distribution (L)Ubuntu, die sehr leicht zu installieren und zu warten ist und auch Computerlaien den Genuss einer Vielzahl Freier und Quelloffener Anwendungsprogramme ermöglicht, die (fast) keine Wünsche offenlassen.
  • FOSS-AG – Free & Open Source Software AG der Fachschaft Informatik der TU Dortmund (FOSS-AG)
    • Freie Software – praktische Tipps, Anwendungsvorstellungen, Workshops und viele Gesprächsmöglichkeiten
  • besonderer Hinweis:

Do-FOSS freut sich auf den Gemeingütertag und den breiten gesellschaftĺichen Kontext von Zugang und Verfügungsrechten! Hier gibt es den Flyer zum Gemeingütertag (mit Hintergrunderläuterungen), das Programm des Gemeingütertages am 6. und 7. Juli (mit vielen Details), sowie den gesonderten Hinweis auf das Konzert am 6. Juli.

Der Gemeingütertag findet in und um die Pauluskirche (Schützenstr. 35, 44147 Dortmund) statt:

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Saturday, 21 April 2018

Neue Herstellerabhängigkeiten im Rahmen der Smart City Dortmund?

  • Do-FOSS
  • 17:14, Saturday, 21 April 2018

Fehlende Rahmenbedingungen in der Smart-City-Ausgestaltung

Logo Allianz Smart City Dortmund

Bild: Allianz Smart City Dortmund (© Stadt Dortmund)

Das Themenfeld Smart City ist nun schon einige Male Thema in diesem Blog gewesen. Nach den ersten Berührungspunkten mit dem Smart-City-Projekt der Stadt Dortmund möchte Do-FOSS mit diesem Beitrag einen Einblick in die aktuelle Entwicklung der bisher aufgeworfenen Fragen geben.

In dem Blogbeitrag Smart City Dortmund stellte Do-FOSS bereits die Frage, Wie eine Smart City so gestaltet werden kann, dass der öffentliche Raum, auch digital öffentlich bleibt. Do-FOSS muss jedoch mit Bedauern feststellen, dass im Smart-City-Vorhaben der Stadt Dortmund bislang kein Aushandlungsprozess zwischen öffentlichen, gesellschaftlichen und privaten Interessen erkennbar ist, welcher diese Frage aufgreift.

Während die Dortmunder Stadtverwaltung aktuell mit der Arbeitsgruppe Freie Software im Rahmen des Masterplans Digitale Stadtverwaltung einen starken Willen erkennen lässt sich aus Herstellerabhängigkeiten zu befreien, scheint das Smart-City-Projekt parallel dazu die Grundlage für neue Abhängigkeiten zu schaffen. Hierbei betreffen die Abhängigkeiten jedoch nicht nur die Verwaltung selbst, sondern unmittelbar den öffentlichen Raum.

Zentrale Aufgabe des Smart-City-Planungsbüros müsste es nach Auffassung von Do-FOSS sein, Leitlinien zu erstellen, welche

  • einen Ausgleich zwischen öffentlichen und unternehmerischen Interessen schaffen,
  • die Datenschutzimplikationen einer weitreichenden Datenerfassung im öffentlichen Raum beachten,
  • die Interoperabilität der Smart City gewährleisten,
  • eine nachhaltige wirtschaftliche Perspektive ermöglichen und
  • Open Data in Dortmund mit Offenen Plattformen umsetzten und keine privaten Datensilos mit öffentlichen Daten aufbauen.

Zum Erreichen dieser Ziele sind nach Auffassung von Do-FOSS Rahmenbedingungen auf unterschiedlichen Ebenen notwendig. Insbesondere sieht es Do-FOSS als essentiell an, dass Freie Software und Offene Standards die Grundbausteine für eine Smart City sind. Denn: unfreie bzw. proprietäre Software geht i.d.R. mit Geschäftsmodellen einher, die

  • herstellerabhängig machen,
  • keinen öffentlichen Einfluss auf die Software erlauben und
  • keine technisch nachvollziehbare Kontrolle über die Funktionsweise der Software und die von der Software verarbeiteten Daten bieten.

D.h. bei Software mit unfreien Lizenzen, bzw. bei proprietärer Software, sind Funktionen und zugrundeliegende Algorithmen in der Regel alles andere als rechenschaftsfähig. Das Gegenmodell dazu ist Freie Software.

Was Herstellerabhängigkeit im Kontext von staatlichen IT-Strukturen bedeutet, wurde auch von der ARD mit dem Beitrag Das Microsoft-Dilemma vom 19.02.2018 gezeigt (vgl. z.B. auch Der Staat in Microsofts Hand, erschienen in Süddeutsche Zeitung, 19.02.2018). Die Erkenntnisse dieser Recherche sind auch für Smart-City-Entwicklungen relevant, wenn es darum geht neue IT-Strukturen aufzubauen.

In dem Expertengremium IT-Platformen und Bürgerservices wurde die Problematik der Interoperabilität bereits mehrfach und von unterschiedlichen Seiten thematisert. In diesem Kontext wurde von mehreren Seiten gefordert sich mit dem Thema der Interoperabilität der Smart City Dortmund näher auseinanderzusetzen. Dennoch schafft es eine systematische Betrachtung von Offenen Standards zur Sicherstellung von Interoperabilität nicht auf die öffentliche Smart-City-Agenda. Dies geschieht entgegen der Festschreibung von Offenen Standards durch die Stadt Dortmund in der Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030. Auch die Lizenzierung der Daten und der Software, also auch Open Data und Freie Software werden von Seiten des Smart-City-Büros nicht thematisiert.

So scheint es, als ob sich das Selbstverständnis des Projekts Smart City Dortmund lediglich in Form einer Vernetzungsplattform und Projektbörse für Unternehmen und Wissenschaft versteht. Das Projekt möchte Gelegenheit bieten, gemeinsame Geschäftsfelder zu definieren sowie neue Technologien und Netzwerke zu erschließen. Zu den Fragen der gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen entwickeln die Verhandlungspartnerin der Stadt Dortmund Frau Michaela Bonan und der Verhandlungspartner Herr Dr. Fritz Rettberg vom Kompetenzzentrum Elektromobilität, Infrastruktur & Netze der TU Dortmund aus Sicht von Do-FOSS jedoch keine Antworten. Wie es unter der aktuellen Organisationsform zu einem breit angelegten Ausgleich der speziellen öffentlichen und privaten Interessen kommen soll, ist unklar.

Für die Entwicklung von Rahmenbedingungen könnte die Stadt Ulm als Vorbild dienen, welche einen bürgerzentrierten Ansatz für die Digitalisierung gewählt hat. Auch die Stadt Barcelona geht diesen Weg, nachdem sie schlechte Erfahrungen mit einem unternehmensorientieren Smart-City-Ansatz gemacht hat. Im Interview mit der Wochenzeitung der Freitag sagt Francesca Bria, Chief Technology and Digital Innovation Officer im Büro der Bürgermeisterin von Barcelona (siehe Netzpolitik.org):

Die Regierung davor […] hatte einen Smart-City-Plan forciert und dazu Verträge mit den üblichen Technologie-Unternehmen wie Cisco, IBM und Microsoft abgeschlossen. Sie behauptete, dass durch diese Unternehmen Geld und Fortschritt nach Barcelona kämen, dass die Abläufe in der Stadt optimiert werden könnten. Die Wirklichkeit sah aber komplett anders aus: Es wurden etliche Sensoren verbaut, alle von unterschiedlichen Anbietern, die nicht mal untereinander verbunden waren. Die Stadt hatte keine Kontrolle über die Daten, keine Kontrolle über die Sensoren, aber eine Menge technologischer Probleme. Am Ende hat sie sich mehr darum gekümmert als um die Probleme der Menschen. […] Unsere Smart City ist nicht technologiegetrieben. Wir fragen: Wie sieht eine lebenswerte Stadt aus? Und: Wie können die Menschen selbst darüber bestimmen, wie sie leben wollen? Technologie ist nur dazu da, das zu unterstützen.

Fazit

Wie kann eine Smart City so gestaltet werden kann, dass der öffentliche Raum, auch digital öffentlich bleibt? Mit dieser Frage steht die Stadt Dortmund an einem prägenden Punkt ihrer Digitalisierungsgeschichte. Wie im Analogen muss die Stadt auch im Digitalen Garant für die Rechte ihrer Bürgerinnen und Bürger sein. Do-FOSS sieht es daher weiterhin als essentiell an, dass Freie Software und Offene Standards die Grundbausteine für eine Smart City sind.

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Friday, 20 April 2018

Stadt Dortmund konkretisiert Potenzialanalyse einer Freien-Software-Strategie

  • Do-FOSS
  • 08:09, Friday, 20 April 2018

Ergänzende Informationen zum Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards vom 10.04.2018

AG Freie Software

Bild: AG Freie Software

Die Stadt Dortmund konkretisiert den Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards vom 10.04.2018 und ergänzt ihre Pressemitteilung durch einen Anhang mit Hintergrundinformationen.

In dem Anhang befindet sich unter anderem eine Konkretisierung der Zielvorstellungen der Stadt Dortmund für den Einsatz von Freier Software und Offener Standards. Zudem werden diese in einen gesellschaftlichen Kontext eingebettet. Darüber hinaus werden Definitionen für die Begriffe der Freien Software und Offener Standards gem. der Free Software Foundation Europe (FSFE) angeführt.

Für Do-FOSS ist es wichtig, dass in der Arbeitsgruppe Freie Software einheitliche Zielvorstellungen sowie ein gemeinsames grundlegendes Begriffsverständnis für Freie Software und Offene Standards entwickelt wurden. Gleichzeitig freut es Do-FOSS, dass sich die Stadt Dortmund der FSFE als zentralem Akteur der Freien-Software-Community an dieser Stelle annähert und dies auch nach außen kommuniziert.

Die FSFE hatte sich bereits im Mai 2016 mit einer Anfrage zur Definition von Freier Software an Herrn Oberbürgermeister Ullrich Sierau gewandt. Do-FOSS dankt der FSFE an dieser Stelle noch einmal für ihr langfristiges Engagement und die intensive, vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Anhang des Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards im Wortlaut

Anhang zur Pressemitteilung: Hintergrundinformationen

Allgemein ist ein vielfältiger Trend zu digitaler Vernetzung zwischen Menschen, Dingen und Arbeitsprozessen zu erkennen. Die wachsende Bandbreite an digital erschlossenen
Anwendungsfeldern wird dabei von einer stetig wachsenden Anzahl von Softwareprodukten und Geräteklassen bewältigt. Die Stadtverwaltung ist von dieser komplex-dynamischen Entwicklung ebenfalls berührt. So stehen die Leistungen der Verwaltung zunehmend digital zur Verfügung; verwaltungsinterne Prozesse werden digital unterstützt oder automatisiert. Aus Verwaltungssicht stellt sich die IT-Landschaft als Umfeld mit unterschiedlichen Akteuren, wie Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und Behörden, dar. Die technischen Anforderungen, welche sich daraus ergeben, erfordern ein hohes Maß an IT-Flexibilität.

Zu den Zielvorstellungen bei einem möglichen Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in der Stadtverwaltung Dortmund gehören die folgenden Aspekte:

  • Reduzierung der Herstellerabhängigkeit
  • Umsetzung des E-Government-Gesetzes NRW im Rahmen von offenen und standardisierten Dateiformaten
  • Erhöhung der Flexibilität und Steuerungsfähigkeit beim Softwareeinsatz
  • Erhöhung der Interoperabilität (z.B. durch den Einsatz von Offenen Standards für eine herstellerübergreifende Anwendungskopplung) [Erhöhung der digitalen Anschlussfähigkeit – Anm. d. Verf.]
  • Sicherstellung des Datenschutzes [s. auch Trans­parente Software – eine Voraus­setzung für daten­schutzfreundliche Technolo­gien vom 26.09.2000 des Arbeitskreises Technische und orga­nisatorische Datenschutzfragen der Konfe­renz der Daten­schutzbeauftragten des Bundes und der Länder – Anm. d. Verf.]
  • Gewährleistung der IT-Sicherheit
  • steuerbare Kostenstrukturen durch erhöhte Flexibilität bei der Anbieterwahl, Stärkung der Verhandlungsposition gegenüber Anbietern proprietärer Software und Wegfall von Skalierungskosten durch Lizenzgebühren
  • Erhöhung der Archivierbarkeit digitaler Dokumente durch Offene Standards
  • Ermöglichung neuer Synergien und Abbau von lizenzrechtlichen Hemmnissen in der interkommunalen Zusammenarbeit
  • eine erhöhte Technikneutralität
  • eine Erhöhung der funktionalen Transparenz

Zudem hat das Umweltbundesamt festgestellt, dass Freie Software bzgl. Energieeffizienz, Hardwareschonung (geringere Hardwareanforderungen und längere Lebenszyklen) und digitaler Nachhaltigkeit einen entscheidenden Beitrag im Bereich der Ressourcenschonung leisten kann. (vgl. Dokumentation des Fachgesprächs „Nachhaltige Software“ am 28.11.2014, http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/nachhaltige-software)

Definition gem. Free Software Foundation Europe: Freie Software

Freie Software ist Software, die die folgenden vier Freiheiten einräumt:

  • Die Freiheit, das Programm für jeden Zweck auszuführen.
  • Die Freiheit, die Funktionsweise eines Programms zu untersuchen, und es an seine Bedürfnisse anzupassen
  • Die Freiheit, Kopien weiterzugeben und damit seinen Mitmenschen zu helfen
  • Die Freiheit, ein Programm zu verbessern, und die Verbesserungen an die Öffentlichkeit weiterzugeben, sodass die gesamte Gesellschaft profitiert

Definition gem. Free Software Foundation Europe: Offener Standard

Ein Offener Standard bezieht sich auf ein Format oder Protokoll, das:

  • öffentlich zugänglich ist, zur öffentlichen Bewertung und Verwendung, ohne Einschränkungen und für alle beteiligten Teilnehmer gleichwertig,
  • ohne Bestandteile oder Erweiterungen ist, deren Abhängigkeiten wiederum selbst nicht der Definition eines Offenen Standards entsprechen,
  • frei von rechtlichen oder technischen Bestimmungen ist, die die Verwendung von irgendeinem Beteiligten oder Geschäftsmodell einschränken,
  • unabhängig von einem einzigen Anbieter in einem Prozess weiterentwickelt wird, der offen für eine gleichberechtigte Beteiligung von Wettbewerbern und Drittanbietern ist,
  • verfügbar in mehreren vollständigen Implementierungen ist, entweder von konkurrierenden Anbietern, oder als eine vollständige Implementierung, die gleichberechtigt verfügbar für alle Beteiligten ist.

Dokument zum Herunterladen

Der Anhang zum Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards vom 10.04.2018 kann hier heruntergeladen werden.

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Thursday, 19 April 2018

Interview und Medienresonanz zur Potenzialanalyse einer Freien-Software-Strategie

  • Do-FOSS
  • 20:26, Thursday, 19 April 2018

Do-FOSS-Sendet

Do-FOSS sendet

Dortmunder Arbeitsgruppe Freie Software bekommt Rückenwind

Das Creative Commons Web-Radio TheRadio.cc hat Do-FOSS zum Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards vom 10.04.2018 der Stadt Dortmund interviewt. In diesem wurde die aktuelle Situation in Dortmund genauer beleuchtet und der Weg dorthin resümiert. Darüber hinaus findet sich in diesem Blogbeitrag eine Zusammenstellung zur Medienresonanz des Beschlusses. Do-FOSS dankt der positiven Resonanz sowie dem bestärkendem Feedback, welches aus den Communities gegeben wurde!

TheRadio.cc Interview mit Do-FOSS

Stadt Dortmund

Presseartikel (alphabetisch sortiert)

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Tuesday, 10 April 2018

Stadt Dortmund untersucht Potenziale einer Freien-Software-Strategie

  • Do-FOSS
  • 11:21, Tuesday, 10 April 2018

Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards

AG Freie Software

Bild: AG Freie Software

Der Verwaltungsvorstand der Stadt Dortmund hat in seiner Sitzung vom 10.04.2018 beschlossen, die Potenziale von Freier Software und Offenen Standards im Bereich der städtischen Informations- und Telekommunikationstechnik zu untersuchen. Die Verwaltung wird den politischen Gremien Ende 2019 einen Ergebnisbericht zum Einsatzpotenzial von Freier Software und Offenen Standards vorlegen.

Für Do-FOSS markiert dieser Beschluss einen Meilenstein, der die Grundlage für eine systematische Potenzialbetrachtung Freier Software für die Stadt Dortmund darstellt. Die Verwendung von Offenen Standards wurde bereits in der Charta Digitales Dortmund 2018 – 2030 vereinbart.

In Kombination mit dem Beschluss des Verwaltungsvorstands, ein Konzept für Open Data Dortmund zu erarbeiten, besteht nun die Möglichkeit, einen ganzheitlichen Ansatz für eine Freie und Offene IT-Landschaft in der Dortmunder Verwaltung zu entwickeln, welcher dem Gemeinwohl und damit allen Bürgerinnen und Bürgern vorteilhaft verpflichtet ist.

Handlungsanlass zum Beschluss des Verwaltungsvorstands

Mit den Beschlüssen vom 07.07.2016 und 01.06.2017 hat der Rat der Stadt Dortmund die Verwaltung mit der Erstellung des Masterplans Digitales Dortmund bzw. Digitale Stadtverwaltung beauftragt, um die weiterführende Digitalisierung von Stadt und Verwaltung zu gestalten. Allgemein ist ein vielfältiger Trend zu digitaler Vernetzung zwischen Menschen, Dingen und Arbeitsprozessen zu erkennen. Die wachsende Bandbreite an digital erschlossenen Anwendungsfeldern wird dabei von einer stetig wachsenden Anzahl von Softwareprodukten und Geräteklassen bewältigt. Als zentrale gesellschaftliche Institution ist die Stadtverwaltung von dieser komplex-dynamischen Entwicklung ebenfalls berührt. Die Verwaltung setzt in ihren pflichtigen und freiwilligen Handlungsfeldern eine Vielzahl von Softwareprodukten ein, die unterschiedlichen gesetzlichen oder technischen Rahmenbedingungen unterliegen. So stehen die Leistungen der Verwaltung zunehmend digital zur Verfügung; verwaltungsinterne Prozesse werden digital unterstützt oder automatisiert. Aus Verwaltungssicht stellt sich die städtische IT-Landschaft als heterogenes Umfeld mit unterschiedlichen Akteuren dar (Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Behörden). Die sich daraus ergebenden technischen Anforderungen an die Verwaltung erfordern ein hohes Maß an IT-Flexibilität. Es stellt sich die Frage, mit welchen Konzepten diese Flexibilität bei gleichzeitig hoher Steuerungsfähigkeit realisiert werden kann.

Da das Lizenzierungsmodell von Freier Software gegenüber proprietärer Software weitergehende Handlungsspielräume gewährt, wird die Stadt Dortmund das Potenzial von Freier Software in Bezug auf die IT der Stadtverwaltung systematisch erfassen. Zum Potenzial von Freier Software gehört eine Reihe weiterer technischer und nicht-technischer Aspekte. Die Stadt Dortmund verknüpft mit der Untersuchung der Potenziale einer Freien-Software-Strategie folgende Überlegungen:

Zu den Zielvorstellungen bei einem möglichen Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in der Stadtverwaltung Dortmund gehören die folgenden Aspekte:

  • Reduzierung der Herstellerabhängigkeit
  • Umsetzung des E-Government-Gesetzes NRW im Rahmen von offenen und standardisierten Dateiformaten
  • Erhöhung der Flexibilität und Steuerungsfähigkeit beim Softwareeinsatz
  • Erhöhung der Interoperabilität (z.B. durch den Einsatz von Offenen Standards für eine herstellerübergreifende Anwendungskopplung) [Erhöhung der digitalen Anschlussfähigkeit – Anm. d. Verf.]
  • Sicherstellung des Datenschutzes [s. auch Trans­parente Software – eine Voraus­setzung für daten­schutzfreundliche Technolo­gien vom 26.09.2000 des Arbeitskreises Technische und orga­nisatorische Datenschutzfragen der Konfe­renz der Daten­schutzbeauftragten des Bundes und der Länder – Anm. d. Verf.]
  • Gewährleistung der IT-Sicherheit
  • steuerbare Kostenstrukturen durch erhöhte Flexibilität bei der Anbieterwahl, Stärkung der Verhandlungsposition gegenüber Anbietern proprietärer Software und Wegfall von Skalierungskosten durch Lizenzgebühren
  • Erhöhung der Archivierbarkeit digitaler Dokumente durch Offene Standards
  • Ermöglichung neuer Synergien und Abbau von lizenzrechtlichen Hemmnissen in der interkommunalen Zusammenarbeit
  • eine erhöhte Technikneutralität
  • eine Erhöhung der funktionalen Transparenz
Zudem hat das Umweltbundesamt festgestellt, dass Freie Software bzgl. Energieeffizienz, Hardwareschonung (geringere Hardwareanforderungen und längere Lebenszyklen) und digitaler Nachhaltigkeit einen entscheidenden Beitrag im Bereich der Ressourcenschonung leisten kann. (vgl. Dokumentation des Fachgesprächs „Nachhaltige Software“ am 28.11.2014)

Freie Software kann daher auch als Beitrag zu den derzeitigen Green-IT-Bestrebungen der Stadt Dortmund verstanden werden.

Um die Potentiale Freier Software zu untersuchen, hat die Stadt Dortmund die Arbeitsgruppe Freie Software im Rahmen des Masterplans Digitale Stadtverwaltung eingerichtet. In dieser Arbeitsgruppe arbeitet Do-FOSS gemeinsam mit verschiedenen Organisationseinheiten des Dortmunder Systemhauses (dosys.) und dem Personalrat der Stadt Dortmund an der Entwicklung einer Freien-Software-Strategie.


Organigramm - AG Freie Software
Organigramm – AG Freie Software

Die Arbeitsgruppe organisiert sich dafür in drei aufeinanderfolgenden Phasen. In der ersten Phase wird es darum gehen, Begriffe zu formalisieren und Anforderungen festzulegen. Zudem wird in dieser Phase eine Bestandsaufnahme der bestehenden IT-Infrastruktur vorgenommen. In der zweiten Phase wird es anschließend darum gehen, die Potenziale von Freier Software genauer zu analysieren. Hierzu sollen u.a. Erfahrungen anderer Behörden mit dem Thema genauer untersucht und kritische Erfolgsfaktoren für den Freien-Software-Einsatz identifiziert werden. In der dritten Phase wird es schließlich darum gehen, eine weitere Vorgehensweise für die Stadt Dortmund zu entwickeln. Es stellt sich in dieser Phase vor allem die Frage, welche konkreten Schritte eingeleitet werden müssen, damit die Stadt Dortmund die Rückschlüsse aus der zweiten Phase umsetzen kann.

Was bezweckt Do-FOSS mit der Teilnahme an der Arbeitsgruppe?

Nach einem bereits länger bestehenden Engagement von Do-FOSS für Freie Software wurde das Vorhaben von Do-FOSS mit dem Masterplan Digitale Stadtverwaltung konkret. Do-FOSS sieht in dem Masterplan die Möglichkeit, Freie Software und Offene Standards durch eine systematische Betrachtung ihrer Vorteile dauerhaft in der Stadtverwaltung zu verankern. Das Ziel von Do-FOSS ist es Konzepte zu entwickeln, wie die Stadt Dortmund mit Hilfe von Freier und Quelloffener Software bzw. Offener Standards die digitale Anschlussfähigkeit ihrer Bürgerinnen und Bürger fördern kann. Dafür zeigt Do-FOSS Wege für einen selbstbestimmten und transparenten Umgang mit digitaler Technik auf und engagiert sich dafür, die notwendigen Voraussetzungen in die Diskussion des Masterplans einzubringen. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Erhalt der kommunalen Selbstverwaltungshoheit, die durch Freie Software gestützt wird. Hierzu hat Do-FOSS eine ausführliche Betrachtung im Blogbeitrag Warum Freie Software und Offene Standards für die Stadt Dortmund? vorgenommen. Weitergehende Zielvorstellungen von Do-FOSS finden sich hier.

Zur weiteren Meinungsbildung sei auf das Video zum Vortrag Der digitale Lebensraum – Wer bestimmt? verwiesen. Zudem sei auf eine von Do-FOSS zusammengestellte Sammlung mit Referenzen zu Geschehnissen und Meinungen rund um das Thema Freie Software mit Fokus auf öffentliche Verwaltung verwiesen.

Pressemitteilung der Stadt Dortmund vom 10.04.2018 im Wortlaut

Erweiterung des Masterplans Digitale Stadtverwaltung

Der Masterplan Digitale Stadtverwaltung wird um das Projekt „Freie Software und Offene Standards“ erweitert. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird die Stadt Dortmund die Potenziale von „Freier Software und Offenen Standards“ für die Verwaltung untersuchen.

Durch die gesellschaftliche Entwicklung hin zur Digitalisierung ergeben sich veränderte Anforderungen an die Informationstechnologie (IT) der Stadtverwaltung. Im Masterplan Digitale Stadtverwaltung werden derzeit diese Anforderungen beschrieben und Handlungsmöglichkeiten erarbeitet, um die Entwicklung der Digitalisierung für die Stadt Dortmund zu gestalten. Die digitale Entwicklung wird stark durch die dafür eingesetzte Software geprägt. Es ist abzusehen, dass für die Digitalisierung, insbesondere in Bezug auf den Softwareeinsatz, ein hohes Maß an organisatorischer und technischer Flexibilität erforderlich sein wird.

Freie Software ermöglicht mehr Handlungsspielräume

Das Lizenzmodell der Freien Software räumt allgemein das Recht ein, Software für jeden Zweck zu verwenden, deren Funktionsweise zu verstehen, sie zu verbreiten und zu verbessern. Diese weitgehenden Rechte an einer Software können die zunehmende Digitalisierung in der Stadtverwaltung in organisatorischen wie gesellschaftlichen Aspekten unterstützen und weitreichende Handlungsspielräume gewähren. Daher werden die Potenziale von Freier Software in der IT der Stadtverwaltung in Bezug auf die vielseitigen Anforderungen durch die Digitalisierung systematisch untersucht.

Offene Standards sollen die Kommunikation erleichtern

Ferner wird in dieser Untersuchung berücksichtigt, dass im Rahmen der Digitalisierung Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Behörden verstärkt digitalen Kontakt zur Stadtverwaltung suchen. Daher beschäftigt sich das Projekt neben der Betrachtung der Potenziale von Freier Software mit der Frage, wie die digitale Kommunikation mit der Stadt für alle Akteure zugänglich gestaltet werden kann. Dazu gibt das E-Government-Gesetz NRW für die Übermittlung von Dateien an Bürgerinnen und Bürger oder Unternehmen vor, dass offene und standardisierte Dateiformate genutzt werden sollen. Durch den Einsatz solcher Offenen Standards soll gewährleistet werden, dass Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Behörden technikneutral mit der Verwaltung kommunizieren können, also z.B. über mobile Geräte oder Heimcomputer beliebiger Hersteller und unabhängig von der eingesetzten Software.

Das Projekt „Freie Software und Offene Standards“ wird in einem Beteiligungsverfahren mit den Bürgerinnen und Bürgern durchgeführt. Die Einsatzpotenziale von „Freier Software und Offenen Standards“ werden von der Stadtverwaltung gemeinsam mit der Bürgerinitiative Do-FOSS (Dortmund-FOSS: englisch für Free and Open Source Software, http://do-foss.de) untersucht. Die Bürgerinitiative engagiert sich bereits seit mehreren Jahren in einem öffentlich geführten Dialog dafür, die Vorteile von Freier Software und Offenen Standards für die Stadt Dortmund zu nutzen.

Danksagungen von Do-FOSS

Mit dem Beschluss des Verwaltungsvorstands hat Freie Software eine ernstzunehmende Perspektive in Dortmund. Bis zu dem Beschluss war es bereits ein längerer Weg, den Do-FOSS nicht alleine gegangen ist. Do-FOSS dankt allen, die diesen Weg bis hierhin begleitet haben, insbesondere den Kooperationspartnern , deren Engagement zum Wissenstransfer für die Stadt Dortmund aus Sicht von Do-FOSS unschätzbar ist: Free Software Foundation Europe, ver.di Bezirk Westfalen, The Document Foundation, digitalcourage, Open Source Business Alliance und Pauluskirche und Kultur.

Herrn Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Frau Stadträtin Diane Jägers, die die Stadt Dortmund zum Jahreswechsel verließ, dankt Do-FOSS besonders für Ihr Engagement, da sie einen Dialog auf Augenhöhe mit der Verwaltung ermöglicht haben. Den Kollegen aus der Arbeitsgruppe Freie Software dankt Do-FOSS dafür, mit dieser Kooperation engagiert neue Wege zu beschreiten.

Nicht zuletzt dankt Do-FOSS all den Menschen im Hintergrund, die Do-FOSS jahrelang unterstützt haben! Ohne euch wäre alles nichts.

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Die Pressemitteilung vom 10.04.2018 kann hier heruntergeladen werden.

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Monday, 26 March 2018

Veranstaltungsrückblick: Der digitale Lebensraum – Wer bestimmt?

  • Do-FOSS
  • 23:44, Monday, 26 March 2018

Der digitale Lebensraum

Bild: Der digitale Lebensraum

Wer verfügt darüber? – Pauluskirche & Kultur 2016-2017

Do-FOSS war am 13. Juni 2017 mit dem Vortrag Der digitale Lebensraum – Wer bestimmt? zu Gast bei der Veranstaltungsreihe Wer verfügt darüber? in der Dortmunder Pauluskirche, welche im Anschluss auch Kooperationspartner von Do-FOSS geworden ist. In diesem Vortrag hat Do-FOSS die gesellschaftlichen Implikationen von Freier Software auf unsere digitale Selbstbestimmung thematisiert und zu einer anschließenden Diskussion geladen.

Die Veranstaltungsreihe selbst ging über Freie Software hinaus und befasste sich mit weiteren Themenfeldern, in denen Nutzungsrechte einen Einfluss auf die Selbstbestimmtheit und Mündigkeit haben. Do-FOSS war Impulsgeber der Veranstaltungsreihe in der Pauluskirche und freut sich über die spannenden Themenabende bezüglich Zugang und Verfügungsrechten zu lebensnotwendigen Grundgütern. Bei den einzelnen Veranstaltungen wurde gefragt, welches Verständnis wir heute von Mündigkeit haben, wenn es um Zugang und Verfügungsrechte von basalen Lebensgütern wie Wasser, Saatgut, Medikamenten, Energie und Software geht. In der Kürze zusammengefasst, sind die Leitfragen aus den bisherigen Vorträgen:

  • Was ist Gemeingut?
  • Mit welchen technischen oder rechtlichen Abhängigkeiten werden basale Lebensgüter in Märkten belegt?
  • Wie hängen Finanzierungsmodelle mit dem Zugang zu basalen Lebensgütern zusammen?
  • Inwiefern wird Wissen über den Umgang mit basalen Lebensgütern eingehegt? Ist Wissen rückholbar in die Gesellschaft?
  • Wie können wir uns organisatorisch gemeinsam und gemeinschaftlich eines Gemeinguts annehmen?
  • Wann sind basale Lebensgüter frei?

Die Veranstaltungen waren alle in sich bereichernd und Do-FOSS möchte sich noch einmal bei allen Vortragenden und Mitwirkenden herzlichst bedanken. Bei dem Thema Saatgut wurde die lizenzrechtliche Parallele zur Kernproblematik, die Do-FOSS auch in Bezug auf Software wahrnimmt, besonders deutlich. Hierzu hat Do-FOSS einen Saatgut-Software-Vergleich vorgenommen. In beiden Märkten gibt es eine gezielte Herbeiführung von Herstellerabhängigkeit durch das Verbot der Weitergabe und Weiterentwicklung. Die Auswirkungen dieser Abhängigkeitsstruktur auf unsere digitale Selbstbestimmung sind ebenso vielschichtig wie die Auswirkungen von Hybridsaatgut auf unsere Ernährungssouveränität.

Vortrag: Selbstbestimmung im digitalen Lebensraum?



Link zum Video
Der Vortrag wurde von RegenbogenTV mitgeschnitten. Link zu YouTube!

Um uns im digitalen Lebensraum zu bewegen, benötigen wir Software. Sie begleitet uns durch unseren Tag und ermöglicht uns, unsere Vorstellungen umzusetzen. Wir beziehen Informationen durch sie, bewegen uns mit ihr in Netzen und kommunizieren mit ihrer Hilfe. Software ermöglicht uns also Dinge zu tun, definiert jedoch auch die Grenzen unseres digitalen Handelns. Doch wer definiert diese Möglichkeiten und Grenzen? In der digitalen Welt führt diese Frage zu dem Begriff des geistigen Eigentums. Der Eigentümer einer Software definiert, wer diese benutzen darf und auf welche Art die Software benutzt werden darf.

Was jedoch eher unbekannt ist: Häufig wird Software nicht gekauft, sondern es wird lediglich eine begrenzte Nutzungserlaubnis erworben. Damit gehört die Software weiterhin dem Hersteller und nicht dem Anwender. Diese Art von Software wird als proprietär bezeichnet.


Schema zum proprietären Modell
Das proprietäre Modell

Der Gegenentwurf dazu ist Freie Software. In ihrem Kern unterscheiden sich proprietäre und Freie Software also in der Regelung des Eigentums. Freie Software ist in dem Sinne frei, dass ihr Eigentum auf niemanden eingeschränkt ist, womit sie Gemeingut ist und allen gehört. Dies sichert uns ein erforderliches Maß an digitaler Selbstbestimmung.


Schema zu Freier Software
Das Freie-Software-Modell

Warum könnte uns digitale Selbstbestimmung wichtig sein? Oder im Kontext des Titels der Veranstaltungsreihe: Wer verfügt über unsere Möglichkeit digital selbst zu bestimmen?

Mit der fortschreitenden Digitalisierung öffnen sich diese Fragestellungen der digitalen Selbstbestimmung einem immer weiteren Themenfeld. Von gesellschaftlichen Akteuren wird derzeit unter dem Begriff Smart City diskutiert, wie eine weitreichende Digitalisierung des öffentlichen Raums gestaltet sein könnte. Weniger offen wird dabei die Frage diskutiert, wer die Kontrolle über die Smart-City-Software und die von ihr generierten Daten haben wird. Wenn wir unser Lebensumfeld im Sinne einer Smart City mit Sensoren und Überwachungstechnik zur Datenerzeugung ausrüsten, stellt sich aber nicht nur die Frage nach Verfügungsrechten. Es stellen sich zugespitzt auch Fragen wie: Wie verändern sich unsere privaten und beruflichen Motive im Bewusstsein eines umfassenden Überwachungspotenzials?

Die Stadt Dortmund arbeitet derzeit an ihrer Position als Pilotprojektstadt Smart City und möchte in Europa eine Vorreiterrolle besetzen. Der „Dortmunder Weg“ könnte damit prägend für Europa sein. Entsprechend groß ist ein multinationales Unternehmens- und Konzerninteresse an der Dortmunder Verwaltung geworden.

Über grundlegende Zusammenhänge, die vom einzelnen Anwender zu Hause am Computer bis hin zu stadtgestalterischen Fragen reichen, hat Do-FOSS in der Pauluskirche informiert und möchte darüber zu einer gesellschaftlichen Debatte beitragen.

Dokumente zum Herunterladen

Die Vortragsfolien Do-FOSS können hier und die Videoaufzeichnung kann hier heruntergeladen werden. Gesammelte Informationen zur Smart City Dortmund können hier heruntergeladen werden.

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Exkurs: Saatgut wie Software – eine Frage der Lizenz

  • Do-FOSS
  • 23:42, Monday, 26 March 2018

Die Open-Source-Tomate

Bild: Die Open-Source-Tomate

Frei oder unfrei?

Saatgut und Software könnten kaum verschiedener sein. Saatgut ist analog, Software ist digital. Saatgut begleitet die Menschheitsgeschichte bereits sehr lange, Software ist geschichtlich noch jung. Saatgut kommt aus der Natur, Software entstammt der menschlichen Kultur. Was also haben z.B. Tomaten und Software gemeinsam?

Beide können Frei oder unfrei sein. Sie können entweder als Privateigentum oder Gemeingut bereitgestellt und genutzt werden. Damit unterscheiden sich unfreies Saatgut und proprietäre / unfreie Software von Freiem Saatgut und Freier Software in ihrem Kern in der Regelung des Eigentums. Diese Eigentumsregelung drückt sich stark durch die jeweilige Lizenz aus mit der das Saatgut bzw. die Software belegt sind.

Unfreies Saatgut und unfreie Software verbleiben im Eigentum der Softwarehersteller respektive der Züchter und werden den Nutzerinnen und Nutzern mit sehr eingeschränkten Rechten zur Verfügung gestellt. Dies betrifft beispielsweise die Aussaat von selbst geerntetem Saatgut oder eine Anpassung von gekaufter Software an die eigenen Bedürfnisse. Zudem wird unfreies Saatgut biologisch und unfreie Software technisch i.d.R. auf eine Weise am Markt bereitgestellt, die eine Nachzüchtung von Saatgut oder eine Weiterentwicklung von Software unterbindet.

Hingegen sind Freies Saatgut und Freie Software tatsächlich frei, d.h. das genetische Erbgut einer Pflanze bzw. der Quelltext einer Software sind eigentumsrechtlich auf niemanden eingeschränkt, womit sie Gemeingut sind und allen gehören.

Unfreies Saatgut – eine kurze Einführung

Unser Gemüse keimt heutzutage in der Regel von sog. Hybridsaatgut. Was ist Hybrid? Für Hybridzüchtungen werden bestimmte Merkmale einer Pflanze durch Kreuzung von Inzuchtlinien verstärkt. Ein gewünschter Effekt ist, dass die erste Generation überdurchschnittlich gute Ertragsergebnisse liefert. Die Kehrseite ist, dass das aus der Ernte gewonnene Saatgut von den Landwirten nicht verwendet werden kann (und teilweise aufgrund von eigentumsrechtlichen Lizenzbestimmungen auch nicht darf), weil es seine Homogenität verliert. Das bedeutet, dass Sorteneigenschaften wie Pflanzengröße, Form und Farbe der Früchte uneinheitlich ausgebildet werden. Manche Pflanzen würden z.B. sehr groß, andere sehr klein. Zum Teil sind Hybride auch steril, was bedeutet, dass sie sich nicht fortpflanzen können. In der Folge muss Saatgut erneut vom Saatgutproduzenten erworben werden, um zur nächsten Ernte gesunde, einheitliche Früchte zu bekommen. Auf diese Weise entsteht eine Abhängigkeit von Landwirten zu den Saatgutproduzenten. Die Alternative zu Hybridsaatgut ist samenfestes Saatgut (weitere Infos zur Unterscheidung von Hybrid- und samenfestem Saatgut wurden von Do-FOSS hier zusammengestellt). Darüber hinaus können die eigentumsrechtlichen Lizenzbestimmungen für den Umgang mit Saatgut freiheitsgewährend oder freiheitsbeschränkend sein.

Eine Freie Tomate – dank Open-Source-Lizenz

Zum Beispiel die Tomatensorte Sunviva ist eine klare Absage an Hybridsaatgut. Sie ist aber nicht nur aufgrund ihrer Samenfestigkeit, sondern in besonderer Weise auch wegen ihrer rechtlichen Eigenschaften ein wesentlicher Baustein für eine selbstbestimmte Landwirtschaft. Denn nach ihrer Züchtung wurde die Tomatensorte unter eine Open-Source-Saatgutlizenz gestellt. Es gibt drei einfache Regeln für die Open-Source-Pflanze, welche die Landwirtschaft frei von rechtlichen Abhängigkeiten halten, insbesondere frei von der Abhängigkeit zu Saatgutproduzenten:

Logo: OpenSourceSeeds

Logo: OpenSourceSeeds (© OpenSourceSeeds – AGRECOL)

  • Regel 1: Jeder darf das Saatgut frei nutzen, es vermehren, weiterentwickeln, züchterisch bearbeiten und es im Rahmen bestehender Gesetze weitergeben.
  • Regel 2: Niemand darf das Saatgut und seine Weiterentwicklungen mit geistigen Eigentumsrechten wie Patenten belegen.
  • Regel 3: Jeder Empfänger überträgt zukünftigen Nutzern des Saatguts und seinen Weiterentwicklungen die gleichen Rechte und Pflichten.

Diese Rechte und Pflichten werden im Weiteren durch die Open-Source-Saatgut-Lizenz geregelt, welche von OpenSourceSeeds erstellt wurde. (vgl. die vier Freiheiten Freier Software gem. der Free Software Foundation Europe).

Dr. Johannes Kotschi von AGRECOL hat die europäische Initiative OpenSourceSeeds gemeinsam mit anderen ins Leben gerufen. Do-FOSS freut sich, dass er bereits im November 2016 mit seinem Vortrag Teile das Brot – teile das Saatgut in der Pauluskirche zu Gast war, um die Notwendigkeit und die Möglichkeiten von Saatgut als Gemeingut vorzustellen. Der Vortrag stellte heraus wie Nutzungsregeln gestaltet werden können, um ein Gut als Gemeingut zu erhalten. Open-Source zum Schutz gemeinnütziger Pflanzenzüchtung! Im Frühjahr 2017 wurde die damals neu gezüchtete Tomate Sunviva dann als Open-Source lizenzierte Pflanze der Öffentlichkeit vorgestellt. Dank der Open-Source-Lizenz ist und bleibt die Tomatensorte Sunviva Gemeingut. Denn nicht nur das Saatgut selbst, sondern alle seine Vermehrungen und Weiterentwicklungen fallen unter die Lizenz. Auf diese Weise ergibt sich eine Kette von Verträgen, die vielfach verästelt sein kann. Lizenznehmer werden zu Lizenzgebern. Die Lizenz schafft eine Alternative zum privaten Saatgutsektor. (vgl. Kotschi)

Mehr zu Open-Source-Saatgut gibt es aktuell auf der Aktionsseite der Heinrich Böll Stiftung Vielfalt statt Macht – Saatgut ist Gemeingut. Do-FOSS hat es sich nicht nehmen lassen auch an der Aktion teilzunehmen und hat Open-Source-Tomatensaatgut bestellt, welches in den nächsten Tagen von der Solidarischen Landwirtschaft Dortmund gepflanzt werden wird. Do-FOSS freut sich bereits auf die ersten Open-Source-Tomaten.

Fazit

Was lässt sich von diesen Beobachtugen am Saatgutmarkt für den Softwaremarkt übertragen?

Ein ähnlicher Effekt wie im Hybridsaatgutmarkt lässt sich im proprietären (herstellerspezifischen) Softwaremarkt beobachten. Auch hier gibt es eine gezielte Herbeiführung von Herstellerabhängigkeit durch das Verbot der Weitergabe und Weiterentwicklung von Software. Die Auswirkungen dieser Abhängigkeitsstruktur auf unsere digitale Selbstbestimmung sind ebenso vielschichtig wie die Auswirkungen von Hybridsaatgut auf unsere Ernährungssouveränität. Mehr hierzu im Veranstaltungsrückblick: Der digitale Lebensraum – Wer bestimmt?.

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Für weitere Informationen zur Lizenz, siehe hier.

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